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Der Klima-Trick... PDF Drucken E-Mail
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Geschrieben von Jürgen Scheffler   
Donnerstag, 29. März 2007

Man reibt sich die Augen - wie beispielhaft in diesem Beitrag versuchen die Medien zur Zeit mal wieder krampfhaft, ein gutes Konsumklima förmlich "herbei zu faseln" und machen gar einen Boom im Konsumklima aus. Interviewt wird dort Prof. Erich H. Witte und man beruft sich auf Angaben des Marktforschungsunternehmens GfK, die ihre Konsumklimastudie für März 2007 veröffentlichte und anscheinend aus dem Feiern gar nicht mehr heraus kommt. Der Hintergrund für solche in den Medien regelmäßig zu findende "Jubelfeier"-Artikel sollte inzwischen jedem klar sein. Nachdem die Politik Zumutungen für die Masse der Bevölkerung in Großserie produziert, muss dringendst etwas gute Laune unters Volk gestreut werden. Dass selbst die Suggestion guter Laune inzwischen nicht mehr "umsonst" ist, erkennt man ohne Probleme an dem knackigen Anteil Wirtschaftspropaganda im obigen Interview.

Auch wenn Experte Witte viel von Psychologie und weniger von Fakten hält (was wir keineswegs bestreiten wollen), gilt besonders in Sachen Konsum - Für gute Laune allein können sich Menschen nichts kaufen. Kennzeichen eines guten Konsumklimas sollte mithin wohl doch sein, dass zumindest anständig konsumiert wird. Die Konsum--Feier-Orgien des letzten Herbstes (wir berichteten hier unter dem Stichwort "Weihnachtsmärchen") haben sich inzwischen als grobe "Fehleinschätzungen" erwiesen. An der seinerzeitigen Kampagne war ebenso wenig wahr wie vermutlich an der gegenwärtigen. Das Prinzip dabei ist von gradezu erschreckender Monotonie: Damit sich die Propagandisten und Medien nicht dem Vorwurf der Lüge aussetzen, operiert man bei solchen Propagandafeldzügen ausgesprochen gerne mit "Stimmungs- oder Klimaindizes" (wie es z.B. auch der sagenumwobene IFO-Index einer ist). Deren Vorteil: sie sind nicht angreifbar - denn Stimmung ist nun mal ein transzendentes Merkmal, über das man jahrhunderte ohne den allergeringsten Erkenntnisgewinn streiten kann.

Die Sache mit dem Kaufen - und was könnte Konsum anderes sein, als genau das - ist indes eine völlig andere. Zum Kaufen braucht es weniger Klima und Psychologie als zunächst einmal eine geeignete Menge verfügbaren Geldes. Fehlt dies, können Stimmungsindizes ein Allzeithoch nach dem anderen erreichen - der Kaufakt wird ausbleiben.

Und genau so lief das vor Weihnachten auch. Aus Fernsehen, Radio und Print schwallte uns ein wahrer "Konsumrausch" um die Ohren, der sich allerdings mit den vielerorts zu beobachtenden leeren Geschäften nicht so recht vertragen wollte. Erinnern Sie sich noch? Medienweit hieß es: "...seit Jahren zöge nun endlich das KonsumKLIMA spürbar an - die Kaufzurückhaltung werde endlich aufgegeben - besonders harte Propagandisten verstiegen sich gar zur Panikmache, dass erste Anbieter schon Warenknappheit befürchteten... ". Heute - wenige Monate später - steht fest: da muss wohl  eine Art (Konsum-)Klima-Katastrophe eingetreten sein...

Denn heute wissen wir - wir haben richtig beobachtet. Betrachten wir mal die nackten Zahlen von destatis. Demnach konsumierten die privaten Haushalte 2006 insgesamt für 1.283,4 Mrd € gegenüber 1.256,1 Mrd € im Jahre 2005. Wer nun denkt "...immerhin knapp 27,3 Mrd mehr Konsum...", der irrt - denn dort sind die Preissteigerungen ja auch noch enthalten - vor allem die bei Wohnung/Energie/Wasser, die bereits mit 10 Mrd mehr zu Buche schlugen - weitere 9,2 € Mrd mehr fielen für Verkehr und Nachrichtenübermittung an, sodass im gesamten 2006 trotz WM und trotz wegen MWSt-Erhöhung vorgezogener Anschaffungen der Konsum der privaten Haushalte um nur 8,1 Mrd oder knapp 0,65% anstieg. Preisbereinigt war das dann 2006 nicht ein Anstieg, sondern eher erneut ein Rückgang des privaten Konsumvolumens - wenn man Energie, Verkehr und Telekommunikation herausrechnet.

Wie die Indexstatistik im Vergleich zum Jahr 2003 für den Einzelhandel bei destatis (Link) zeigt, sehen die Werte auch für Januar 2007 nicht wirklich berauschend aus. Übrigens - wenn Sie schon mal da sind, werfen Sie auch gleich mal mit einen Blick auf den dort ebenfalls angeführten Beschäftigungsindex. Da sieht man, dass auch kein nennenswerter Beschäftigungsanstieg im Einzelhandelsbereich gegeben ist. Das Warum ist klar - mehr Arbeitsplätze entstehen nämlich erst bei spürbar anziehender Güter- und Dienstleistungsnachfrage. Geringfügige Umsatzanstiege indes gehen zunächst einmal eher auf Preisanstieg (aktuell immerhin 1,9%) zurück, was nicht auch nur einen einzigen zusätzlichen Arbeitsplatz bringt.

Was der Spiegel und andere Medien durch die Verbreitung solchen - mit Verlaub - Schwachsinns bezwecken wollen, müss sie selber wissen. Das einzige Reale, was hier zumeist transportiert wird, ist ihr eigener Image-Schaden. Denn solche Meldungen haben inzwischen nicht mehr Wahrheitsgehalt, als irgendein Klatsch-Blödsinn über Paris Hilton oder andere Star-Fuzzis. Eindruckvoll bleibt jedoch die Breite und die Wucht solcher Propaganda.

Voraussetzung für mehr Konsum ist letztlich immer noch, dass die Menschen auch das nötige Geld für mehr Konsum zur Verfügung haben. Und genau dies war auch 2006 nicht der Fall, zumal das geringe Lohnplus fast vollständig für sprunghaft gestiegene Versorgungspreise drauf ging. So viel Wahrheit sollte ein Medium wie das Nachrichtenmagazin Spiegel sich schon gönnen - sonst ist es nicht mehr wert als das bekannte Bildungsblatt mit den Riesen-Lettern.

Doch ganz offenichtlich wird Einfluss auf die Medien genommen. Eine Konsumflaute z.B. darf es allein deswegen schon nicht geben - weil unsere Kanzlerin und ihre Ministerpräsidenten ja so fürchterlich tolle Politik machen. Also wird den Menschen nicht nur erst ihre Teilhabe am Wachstum immer mehr entzogen, sondern sie müssen sich anschließend auch noch sagen lassen, wie sie das zu bewerten haben. In Wahrheit wird hier die Öffentlichkeit hinsichtlich der sich zwangsläufig einstellenden Folgen einer - vorsichtig formuliert - suboptimalen Politik schlicht "belogen".

Wer heute den heute angeblich vorhandenen Boom sucht, wird ihn weiterhin nicht dort finden, wo er von Politikern, INSM, Medienleuten und andere Propagandisten verortet wird - also nicht auf dem Markt, nicht bei den "richtigen" Arbeitsplätzen, nicht bei den unteren Einkommensschichten und auch sonst nicht bei irgendetwas Sinnvollem... Stattdessen finden wir ihn als bloße Hirnwäsche in Print- und Fernsehmedien. Windige "Klima-" und "Stimmungsindizes" bilden neben nicht minder windigen (Meinungs-)umfragen den Rohstoff für solche bewussten Täuschungen der Öffentlichkeit.


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