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Osterhasen... PDF Drucken E-Mail
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Geschrieben von Jürgen Scheffler   
Donnerstag, 29. März 2007

Nachdem unsere begnadeten Eliten uns zu Weihnachten mit einen Konsumrausch beschenkten, der keiner war, haben sie sich für das kommende Ostern etwas ganz besonderes Feines ausgedacht: Es gibt Erhöhungen! Ja, sie haben richtig gelesen - Erhöhungen!! Beispielsweise für die jahrelang geschundenen Rentner. Inzwischen werden die Drähte bei den Anlagenberaten förmlich glühen - denn die Rentner müssen sich nun ernsthaft Gedanken über die Anlage einer gigantischen Rentenerhöhungen von 0,54% machen. Doch die Rentner müssen beim Gewusel um die besten Berater aufpassen, nicht vom Andrang der ALG2-Empfängern beiseite geschoben zu werden - denn die .. ja die werden ab Jahresmitte satte 2 € (das sind immerhin 200 Cent... ) mehr Eingang auf ihrem Stütze-Konto verbuchen. Mensch Münte - da kommen einem ja fast die Tränen vor Rührung...

Natürlich sind das keine "echten" Erhöhungen (wär ja noch schöner...) - denn längst hat man bei den Beschenkten schon mal sozusagen "Vorkasse" gemacht. Die Beiträge der Rentner zu den Sozialkassen stiegen - und beide Gruppen stöhnen unter der Last epochal steigender Strompreise - denn: erinnern Sie sich? Private können ja alles besser und billiger als der Staat. Dennoch lohnt es sich, sich mit einem Aspekt dieses Osterei's für Rentner einmal besonders zu befassen.

Denn diesen geht es ja angeblich - trotz jahrelangen Melkmarathons - ausgesprochen gut. Fand zumindest die Frau fürs Grobe, Univ. Prof. Dr. Dr. h.c. Elisabeth Noelle (bekannt auch als Noelle-Neumann) heraus, wie man hier nachlesen kann. Die Expertin für konsequent interessengeleitete Fehlwahrnehmung hat da mal wieder ganze Arbeit geleistet - ihr Institut errechnete für Rentner durchschnittliche "Haushaltseinkommen" zwischen 1.580 und 2.200 € für solche von Beamten gar knapp 2.600 €.

Schon vor einigen Jahren verstieg man sich - gefüttert von solch bewusst irreführender Information - sogar zu der Behauptung, "den Rentnern" gehe es - im Vergleich zur Arbeitnehmerfamilien zu gut. Auch wenn das eigentlich ja nur beweist, dass da auf dem Arbeitsmarkt der vergangenen Jahre das eine oder andere irgendwie schief gelaufen sein muss - wurde dies unter Hinzufügung einer Demographielüge zur Rechtfertigung, um den größten legalen Raubzug aller Zeiten vorzubereiten: es setzte ein Kürzungsorgie bei den Renten ein - die inzwischen mit Rente 67 ihren vorläufigen - aber vermutlich noch keineswegs letzten Höhepunkt fand.

Hinzu gelernt haben Politik, Medien - aber auch die Gewerkschaften indes immer noch nichts. Denn - es gibt sie nicht - "Die Rentner". Es gibt Rentner, die bekommen viel und es gibt Rentner, die bekommen wenig. Dann gibt es welche, die leben alleine - und welche die leben mit ihrem Partner zusammen. Von letzteren gibt es wieder welche, wo beide eine dicke Rente (oder Pension - hier unterscheiden wir nicht weiter...) beziehen, z.B. das berühmte Lehrerehepaar mit weit über 4.000 € im Monat und natürlich auch solche, wo zwei alte Menschen von der kargen 900€ -Rente eines Arbeiters um die Runden kommen sollen, weil die Partnerin ihr Leben lang - brav christlich - zuhause blieb.

Inzwischen fallen wegen der wiederholten Umstellungen und Kürzungen am unteren Ende immer mehr Rentner in die Armut oder sind von ihr bedroht - ein Trend, der sich in ein paar Jahren noch dramatisch verschärfen dürfte. Guter Rat scheint teuer - denn die Politik hat es seit Jahrzehnten verpennt, die Altersversorgung in der Gesellschaft auf solidere Beine zu stellen. Den Geburtsfehler "Besitzstandswahrung" schleppt dieses System seit Jahr und Tag immer noch mit sich herum - und gefährdet damit inzwischen längst den gesellschaftlichen Konsens über eine staatliche Altersversorgung überhaupt.

Viele benutzen die aktuellen Verwerfungen in unserem von Anfang an deformierten (ist ja auch von der CDU geschaffen...) Rentensystem dagegen noch als Beweis-Argument gegen das eigentlich unschlagbar effektive Umlageverfahren zur Alterssicherung der Bevölkerun (Provisionen im privaten Rentenbereich sind auch überaus üppig...) Keine wie auch immer geartete Privatversorgung indes wird dem Umlageverfahren je das Wasser reichen können - wenn, ja wenn - man es nur vernunftorientiert betreiben würde.

Münte's 0,54% wiederholen indes erneut den immer wieder gleichen Fehler, den man zur ohnehin vorhandenen Deformation noch sozusagen "obendrauf" setzt. In Anbetracht der in unserer Gesellschaft auf breiter Front steigenden Armutsgefahr müssten prozentuale Steigerungen eigentlich längst der Vergangenheit angehören - bei Renten wie im Übrigen auch bei Löhnen. Prozentuale Steigerungen können maximal solange hinnehmbar sein, wie am untersten Ende eines Profils niemand in existenzielle Not gerät. Dies aber ist bereits seit Längerem regelmäßig der Fall - und dies nicht nur bei den Renten...

Prozentuale Steigerungen vergrößern nun mal die ohnehin vorhandenen Einkommensabstände - daran führt nun mal kein Weg vorbei. Hiermit müsste die Devise heute eigentlich längst lauten: Festbeträge, damit der verfügbare Verteilungsspielraum wenigstens bestmöglich armutsbekämpfend eingesetzt wird. Solche Vorschläge sichtet man praktisch kaum - nicht in der Politik, und auch nicht bei den Gewerkschaften.

Hiermit bleibt fraglich, was an den dicken Krokodikstränen wirklich dran ist, wenn sich unsere Politiker und Gewerkschafter nach eigenen Angaben allerorten Tag und Nacht das Hirn martern, was man denn bloß zur Bekämpfung der Armut allgemein unternehmen könnte.

Warum eigentlich werden selbst solche Almosen wie die 0,54% immer noch weiter stets so verteilt, dass jene, die ohnehin schon genug haben, immer noch deutlich mehr bekommen, als jene die bereits nicht mehr wissen, wie sie überhaupt noch um die Runden kommen sollen?

Idiotischerweise geht man bei Belastungen der gleichen Menschen oft genau den anderen Weg - 10€ Praxisgebühr - 8€ wurde als Sockel für Zusatzbeitrag festgelegt - angeblich weil sich darunter die "Verwaltung" nicht mehr lohne. Auch hier wieder - ein weiterer Schritt zur Verstärkung und NICHT zur Minderung der Deformation.

Wie eigentlich alles in unserer Gesellschaft, sind auch die Sozialsysteme nach dem Muster entworfen - nur, wer schon viel hat, bekommt noch mehr dazu. Das fiel solange nicht so krass auf, wie ein insgesamt einigermaßen ordentlicher Abstand zur Armut bestand. DAS aber ist inzwischen vorbei. Es muss doch heute schon jeden vernünftigen Menschen beschämen, der noch mit offenen Augen durch die Welt geht - In diesen Tagen sieht er, wie an jedem Monatsende, wieder auf alte Menschen im Geschäft, wie sie bei drei gekauften Teilen für 1,97€ ihre letzten Cents im Geldbeutel zusammenkratzen und nicht selten sogar noch eines davon zurücklegen müssen.

An Nichts wird die grassierende Debilität so deutlich sichtbar, wie an dem gegenwärtigen Gezänk um Mindestlöhne. Dass so viele Schwätzer - vor allem solche, die überhaupt null Dunst davon haben, was ein Leben auf Armutsniverau oder als Hartzling (das ist eh dasselbe) oder auch ein Leben mit echter Arbeit eigentlich wirklich bedeutet - jede Menge vernunftwidrigen Blödsinn zu diesem Schandfleck unserer Gesellschaft absondern, ist traurig genug - noch trauriger indes ist, dass viele der lautesten Schreihälse sich mit Parteien identifizieren, die mit einem "C" anfangen...

Deutschland ist mit Sicherheit reich genug, um seine Versprechen an die Menschen seiner Gesellschaft auch locker einzuhalten. Wenn wir das nicht schaffen - wer denn bitte dann auf der Welt? Dazu brauchte es kaum mehr als ein wenig mehr Solidarität unter den Bürgern sowie etwas guten Willen und Vernunft sowie Klugheit bei jenen, die politische Verantwortung tragen. Hier steht seit Jahren der Indikator auf: Null komma Null!!

Darüber kann auch das fortwährende Herbeireden irgendeines Blödsinns nicht mehr hinwegtäuschen... Der wahre gesellschaftliche Gegensatz lautet eben nicht Ost contra West, nicht Familien contra Singles, nicht Alte contra Junge, nicht Raucher contra Nichtraucher und auch sonst keine der üblichen Kopfgeburten der Think-Tanks - es gibt nur einen Gegensatz, und der lautet immer noch so, wie er zu allen Zeiten schon gelautet hat: Arm contra Reich.

Die Fixierung allein auf Durchschnittswerte ist neben der Fallgrube Prozent-Rechnung ein weites Einfallstor für Unvernunft in der Politik. Es nutzt armen Menschen absolut nichts, wenn der Durchschnitt da oder dort liegt - denn dies ändert an den für sie bestehenden Realitäten nicht das Allergeringste.

Es erhebt sich sowieso die Frage - ab welcher Grenze ein Mensch in den Augen der Sozialheuschrecke Prof. Sinn überhaupt je als arm gelten könnte - ihm wäre es vermutlich noch recht, Arbeiter würden Geld zur Arbeit mitbringen. Na - und wer sich dann da keinen Arbeitsplatz mehr leisten kann, wird dann womöglich auch in Augen des Prof. Sinn ...etwa arm sein?. Ernst nehmen kann diesen "Experten" jedenfalls niemand mehr, der noch alle Tassen im Schrank hat.

Und von solchen "Experten" haben wir eine beachtliche Menge - überall wimmelt es von ihnen und fortwährend tun sie sich mit Aussagen hervor, die jeder, der noch den Dreisatz beherrscht, zumeist sofort widerlegen kann. Kollateralschäden interessieren niemanden mehr - wenn eine Statistik mal bedenkliche Werte zeigt, wird sie halt gefälscht und gut ist. Und wenn das nicht hilft, muss Noelle-Neumann ran.

Die kriegt alles hin - wie ich hier an einem Beispiel aus Dez.2006 mal demonstrieren möchte - dort nämlich ging es um die Zufriedenheit der Bundesbürger mit ihrem politischen System. Sie erinnern sich vielleicht - zuvor hatte eine andere "Studie" erhebliche Kritik an der Realisierung der Demokratie in Deutschland offen gelegt. Und nun kommt unsere Expertin für interessengeleitete Fehlwahrnehmung zum Zuge. Gleich vorneweg ein Zitat aus der Ergebnisbewertung - also das, was Sie später in den Medien bis zum Erbrechen via sämtlicher Kanäle übergeholzt bekommen:

...Deshalb ist es ein gutes Zeichen, daß die Mehrheit der Bevölkerung im Blick auf das politische System der Bundesrepublik durchaus zufrieden ist. 69 Prozent sind zufrieden. 10 Prozent der Bundesbürger bekunden sogar, daß sie sehr zufrieden" sind. Jeder vierte betont allerdings, daß er "nicht zufrieden" ist. Zu denken gibt allerdings die unterschiedliche politische Systemzufriedenheit in Ost und West. Während die Bürger im Westen hochgradig, nämlich zu 74 Prozent zufrieden sind mit dem politischen System in Deutschland, ist die Zahl der Zufriedenen in den östlichen Bundesländern (45 Prozent) in etwa gleich groß wie die Zahl der Unzufriedenen (46 Prozent).

Toll - nicht wahr? Doch gemach - so nämlich sahen die zu dieser Umfrage gehörenden Fragen aus:

Politik-Zufriedenheit-1

 

und hier dann gleich auch noch die zweite Frage:

Politik-Zufriedenheit-2

 

Und was sehen Sie, verehrte Leserinnen und Leser, wenn Sie genau hinschauen? Aus "Einigermaßen zufrieden" und "Insgesamt zufrieden" wurde in der Zusammenfassung ratz fatz "Durchaus zufrieden" und "Hochgradig Zufrieden". Diese Nummer hätte der olle Magier Cagliostro vermutlich auch nicht besser hinbekommen.

Plausibilitätsmängel stören Umfragen dieser Art schon länger nicht mehr - angeblich ist nach dieser wahrhaft "profunden" Studie die Zustimmung von 2003 bis jetzt angeblich sogar gestiegen - rückläufige Wahlbeteiligungen (in Sachsen-Anhalt gingen 2006 nicht einmal die Hälfte der Wahlberechtigten überhaupt noch zu Wahl...) bilden wir uns alle natürlich nur ein - bzw. die Menschen gehen deswegen nicht zur Wahl, weil sie eben alle so fürchterlich zufrieden sind.

Doch nicht nur eine recht merkwürdige Fragestellung sowie einige vielleicht nicht ganz triviale "Umformulierungen" sind dem Endstatement in diesem Beispiel anzulasten. Nein - aus 1.051 Befragten über 16 (!!!!) Jahre wurde mal so eben enpassant - Mehrheit der Bevölkerung... und 10% aller Bundesbürger...

Also für meinen Geschmack ist der Spaß hier zu Ende - und die offene Propaganda hat begonnen. Wenn Ihr Kind in der Abschlussklasse seiner Schule eine solche Arbeit vorlegen würde - ihm wäre die glatte Fünf mit Auszeichnung sicher. Ähnlichkeiten zwischen Umfrage und Ergebnisdarstellung sind - sofern überhaupt noch vorhanden - wohl eher unbeabsichtigt oder rein zufälliger Natur. Ich denke - Sie stimmen mir zu: Diese Umfrage zählte gewiss zu jenen, die die Welt alleine deswegen schon nicht braucht, weil sie vor "Professionalität" nur so strotzte.

Sicher - nicht alle Umfragen werden nach solchem Mustern gestrickt, und viele Institute und Forscher mühen sich redlich, wirklich Erkenntnisse zutage zu fordern - doch es erhebt sich die Frage, ob und wieviel man von diesen in den Medien überhaupt noch zu lesen bekommt. Seien Sie also auf der Hut, wenn Osterhasen demnächst wieder versuchen, Ihnen faule Eier anzudrehen... Sie wissen ja, wovon die Ohren lang werden - oder?


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