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Geschrieben von Jürgen Scheffler   
Mittwoch, 4. April 2007

Die Aufregung bei CDU, Spiegel und vermutlich auch anderswo ist groß - da will ein veritabler Parteivorsitzender mit den Taliban reden? - Seit wann reden denn Menschen miteinander? Auch wenn sich Spiegelautor Henryk M. Broder (sein Netzwerk: "Die Achse des Guten") sich noch eben erst hier lustig über Beck's vermeintliche Naivität machte - in diversen Stellungnahmen diverser Unionspolitiker schimmert zwischen den Zeilen bereits Panik durch - denn Beck gelang mit seinem Vorschlag ein beachtlicher Coup gegen das Trugbild angeblich harmlosen Militär- und Kriegswahns und gerechter Kriege, wie es große Teile der CDU samt der sie unterstützenden Meinungsmacher hier wahrheitswidrig aufzubauen versuchen.

Die Argumente der Unionspolitiker wie Söder und von Klaeden indes schwächeln. Becks Vorschlag sprengt der CDU-Politik sozusagen die Verkleidung weg; jede Kriegsbeweihräucherung muss heutzutage zwangsläufig wahrheits- und vernunftwidrig sein - denn es gibt keine "guten" Kriege. Dies allein schon deswegen nicht, weil sie - erst recht so wie sie heute geführt werden - ihre Opfer vor allem unter der Zivilbevölkerung und dort zumeist deren ärmeren Teil fordern. Krieg war immer schon eine Veranstaltung der Mächtigen und Reichen - und für nichts ist zu allen Zeiten mit Lügen und Dummheit so viel gehetzt worden, wie für Kriege. Doch kein einziger Krieg der letzten 50 Jahre hat irgendwo auch nur ein Problem nachhaltig zu lösen vermocht.

So gesehen spricht also durchaus eine Menge dafür, nach anderen Wegen zu suchen. Mit faustdicken Lügen begründete Angriffskriege wie der gegen den Irak sind jedenfalls gewiss nicht der Weg in eine zivilisierte Zukunft, sondern eher der in die finsterste Vergangenheit und stellen eindeutig Verbrechen gegen die Menschlichkeit dar. Jeder Tag im heutigen Irak beweist eindeutig das Verbrecherische, was der Bush'schen Strategie des Präventivkriegs generell innewohnt. Henryk M. Broder gehört seinerzeit übrigens mit zu glühensten Verfechtern dieses Schwachsinns - soviel zur angeblichen "Achse des Guten".

Keinem Volk der Welt wird man mit Gleit- und Splitterbomben, Cruise Missiles und noch so viel sonstiger haushoch überlegener Waffentechnik die angeblichen "Werte" der westlichen Welt vermitteln können - sondern allenfalls abgrundtiefen Haß auf diese in Augen der Leidtragenden "kranke" Kultur. An dieser einfachen Wahrheit führt nun mal kein Weg vorbei. Wenn die USA sich heute über die Herkunft des Fanatismus im Iran Gedanken machen, brauchen sie doch nur ihre eigenen Geheimarchive zu durchforsten - und werden sehr schnell auf jene beachtlichen Beiträge stoßen, die ihre eigene Politik seit Jahrzehnten dazu lieferte.

Doch selbst nicht die ISAF - und erst recht nicht die Operation Enduring Freedom - hatten es vermocht, den in der afghanistanischen Bevölkerung durchaus vorhandenen Unmut mit der mittelalterlichen Brachialherrschaft der Taliban in Schwung für einen Entwicklungsschritt in eine vernünftige Richtung um zu setzen. Dies manifestiert sich schon darin, dass den Taliban seit jüngerer Zeit wieder mehr Zulauf zuteil wird. Härteres Zuschlagen wird diesen Prozess nur verstärken - man kann eben ein ingesamt rückständiges Land nicht einfach in die Zukunft "bomben".

Nachdem in den USA schon lange und hier seit Neuerem auch irreführende Parolen der Mächtigen und Reichen quasi wie von Geisterhand "öffentliche" Meinung werden, erfordert der Vorschlag von Kurt Beck durchaus Mut - und aus eben jenem Grund ist die Verstörung im Kartellverband von CDU und anderen Meinungsprägern auch so groß. Die Aussichten, auf diesem Weg wenigstens etwas zu erreichen, sind jedenfalls deutlicher von Null verschieden als bei bloßem weiterem Umpflügen des riesigen und seit Jahrzehnten geschundenen Landes. Spektakuläre Erfolge natürlich sind auch dort kurzfristig nicht zu erwarten - und die Anzahl der Fallgruben bleibt beachtlich. Dennoch: Gewonnene Zeit schafft neue Chancen.

Menschen in solchen Regionen rechnen in anderen Zeiträumen als der schnellebige Westen - dessen Truppenabzug wird noch auf längere Sicht eine grandiose Stärkung der Taliban zur Folge haben - die dann behaupten können, sie hätten nicht nur die Weltmacht Sowjetunion in die Knie gezwungen, sondern auch den versammelten Westen. Hierauf können die Taliban locker mal ein paar Jahre Jahre warten und hier kommt eben der wahre Fluch des asymmetrischen Krieges zum Ausdruck. Hut ab für Beck - der wohl auch angesichts seiner Eindrücke vor Ort das Risiko des Auscherens aus dem hiesigen Meinungskartell auf sich genommen hat.

Strategisch klug ausgerichtete Gespräche und angemessen agierende Truppen wären schon ein Mix, der es in sich haben könnte... vor allem wenn Wiederaufbauhilfe dann nicht bloss in den afghanischen Sand gesetzt wird, sondern sich ernsthaft der drängendsten Probleme des Landes annimmt, ohne ihm die "westliche" Kultur überzustülpen. Hiermit wird wird ein solcher Weg keinesfalls einfach. Alles in Schutt und Asche zu legen indes ist immer das Einfache - und das Denken dazu fast immer das Schlichte - in der heutigen Welt der hochgezüchteten modernen Militärmaschinen zumal.

Es darf davon ausgegangen werden, dass das Oberhaupt der islamischen Republik Afghanistan, Hamid Karzai, beim seinem kürzlichen Besuch in Deutschland bereits Andeutungen in diese Richtung gemacht haben dürfte - zumindest ließ er in seinen öffentlichen Statements keine besondere Wertschätzung für ein massiveres militärisches Engagement erkennen. Diesen Umstand haben maßgebliche Kreisen hierzulande geflissentlich ignoriert und hielten es stattdessen für besser, einen Tornado-Einsatz zu feiern, der an der prekären Gesamtlage in Afghanistan nicht das Geringste ändern wird.

Was eigentlich würde Herrn von Klaeden wohl über die Lippen kommen, wenn irgendein deutscher, niederländischer oder italienischer Soldat ihn fragte, was er in diesem Land überhaupt soll? Wo ist das Ziel, wo ist der Sinn dieses Einsatzes? Teilzeitkrieger der Taliban einfangen etwa - Leute, die äußerlich nicht von anderen Afghanern zu unterscheiden sind? Eingreifen in öffentliches Leben, dessen Sprache und Denke man nicht einmal ansatzweise versteht? In einem unwegsamen Land, das höchst spärlich besiedelt, gnadenlos rückständig und bettelarm ist? Will man jene 50 Jahre Entwicklung, die Afghanistan noch brauchen wird, auf immer so weiter machen?

Kein Weg führt daran vorbei, den von Präsident Bush entfachten widersinnigen "Krieg gegen den Terror" ingesamt als weltweit grandiosen Fehlschlag zu brandmarken. Unter Führung der USA beging der Westen höchst schwerwiegende Fehler und Verbrechen. Kurt Becks Vorstoß bleibt auch ein Signal dafür, dass eine Umkehr längst Not tut. Diese Umkehr allerdings muss auch hierzulande stattfinden - wo ein Bundes-Innenminister fortwährend nach einem geradezu Orwell'schen Überwachungsstaat ruft und auch dies mit der ach so großen Terrorismusgefahr rechtfertigt.

Wenn man es anders herum sieht, wird die wahre Dimension des Ganzen sichtbar - die Terroristen haben es fertig gebracht, die Demokratie in der Weltmacht Nr. 1 weitgehend außer Kraft zu setzen. Sie haben es fertig gebracht, dass westliche Truppen inzwischen weltweit in eine Vielzahl undurchsichtiger Kleinkriege verwickelt sind, die sie nur verlieren aber niemals gewinnen können. Sie habes es fertig gebracht, konservatives Denken und christlichen Fundamentalismus weltweit zu neuerlichem und unangemessenen Einfluss zu verhelfen - DAS kann man auch Erfolg nennen...

Dabei könnte die moderne Gesellschaft selbst ernannte Gotteskrieger mit Nichts härter treffen, als mit der stoischen Beibehaltung der eigenen Werte legitimierte Demokratie, Recht, Freiheit und Frieden sowie die Übertragung dieser Werte auf eine selbstlose und auf echte Weiterentwicklung gerichtete Politik. Dies ist nämlich der auf Dauer unüberwindbare Gegner für rückwärtsgewandtes Denken aller Art - auch solches bei den Taliban.

Ob an dem Vorschlag von Kurt Beck wirkliche Substanz ist, oder ob er eher der Wahlkampftaktik entsprang, wird die Zukunft zeigen müssen. Allein schon, mit seiner Person für diesen Vorschlag einzustehen ist für einen Spitzenpolitiker indes heute schon anerkennungswürdig. Und wenn hierzulande darüber eine Regierung "gespalten" wird (was ich nicht wirklich glaube...) so ist dies uneingeschränkt zu begrüßen - denn endlich wieder es ist mal ein Stück Vernunft, welches sich da von der bisherigen Unvernunft im hiesigen Absurdistan abspaltet. Da kann man nur sagen - es wurde auch allerhöchste Zeit...

Wir Deutschen müssen nicht unbedingt alle Probleme der Welt lösen - viel wäre schon erreicht, wenn wir unsere eigenen Erfahrungen und Lernprozesse als nicht kompromittierbaren Anspruch an unseren eigenen internationalen Auftritt hoch halten, bzw. wieder ernst nehmen. Hierzu haben wir das Recht und auch die historische Pflicht. All die vielen Schwätzer von einem "Krieg der Kulturen", der mit unbeugsamer Härte zu führen sei, verkennen in ihrer blinden Dummheit eine unabweisbare Tatsache: es nutzt absolut Nichts, Kriege zu gewinnen (was außer Frage steht), wenn man danach den Frieden verliert (was ebenso außer Frage steht, wenn westliche Gesellschaften ihre Fortschritte der letzten 150 Jahre in die Tonne hauen... ).

 


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