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Werkzeug Zeitarbeit PDF Drucken E-Mail
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Geschrieben von Jürgen Scheffler   
Sonntag, 6. Mai 2007

Wieder einmal fand sich eine Lobeshyme auf den angeblichen Job-Motor Nummer 1 - Zeitarbeit! In diesem Artikel auf Zeit-Online stößt man u.a. auch auf die Aussage: "...Zwischen 1994 und 2004 hat sich die Zahl der Leiharbeiter in Deutschland fast verdreifacht...", sowie eine weitere Menge von Zitaten aus dem dem neoliberalen Lager, die diesen Niedergang der Vernunft auf dem Arbeitsmarkt auch noch feiern. Wieso es da in Wahrheit auch nicht das Allergeringste zu feiern gibt, wollen wir im folgenden Beitrag näher heraus arbeiten. Vorab sei angemerkt, dass Zeitarbeit nicht unbedingt pauschal zu verteufeln ist. In einigen besonderen Konstellationen zwischen Markt und Unternehmen mag sie durchaus Sinn machen - nur selbst dann eben keineswegs so, wie sie sich im hiesigen Absurdistan mehr und mehr breit macht - oder genauer: breit gemacht wird. Dieses Manöver erfolgt erkennbar natürlich nicht im Sinne der Arbeitnehmer - denn Arbeitnehmer selbst können schon von der Logik kaum tiefergehendes Interesse an Zeitarbeit haben und daran zu profitieren gibt es für sie schon gar nichts. Mit anderen Worten - neben HartzIV und der generellen Aufweichung der Arbeitsgesetze legte bereits die Regierung des dicken Kanzlers mit der Legalisierung von Zeitarbeit leichtfertig ein überaus mächtiges Gestaltungsinstrument für den Arbeitsmarkt in die Hände der Reichen und Mächtigen dieser Gesellschaft.

Doch zunächst: Was ist Zeitarbeit prinzipiell? Bei dieser Arbeitsform "kaufen" Unternehmen Mitarbeiter von einem Vermittlungsunternehmen - knallhart befristet zu bestimmten Konditionen - um (angeblich zumindest..) Arbeitsspitzen und Personalengpässe abzufangen. Bereits hier deutet sich an, welche Bedrohung Zeitarbeit für einen halbwegs geordneten Arbeitsmarkt darstellt. Denn gäbe es sie nicht, müssten Unternehmen zum Abfangen von Spitzenlasten mehr Personal vorhalten. Es tritt auch ein zweiter Effekt ein - der unwiderlegbar kurz nach Legalisierung der Zeitarbeit sofort eintrat: Die Unternehmen müssen weniger ausbilden - da sie hoffen können, im Bedarfsfall aus dem Pool einer Zeitarbeitsfirma bedient zu werden. In der Summe senkt dies die Personalkosten direkt sowie indirekt über die mögliche Reduzierung des Aufwands für die eigene Personalarbeit - für Großunternehmen eine tolle Lösung.

Doch auch innerbetrieblich hat Zeitarbeit Folgen für das Kräfteverhältnis zwischen Arbeitnehmer und Arbeitgeber. Auch unter Idealbedingungen bleibt der entsandte Zeitarbeiter Arbeitnehmer zweiter Klasse. Er ist nicht integriert in die sozialen Strukturen am Arbeitsplatz. Nach dem uralten Lehrsatz "Teile und Herrsche" für das Management ein idealer Ansatzpunkt, die eine Klasse, die "festen" Mitarbeiter gegen die andere, die "Zeitarbeit" auszuspielen. Spuren die festen nicht, kann man ihnen mit der Ausweitung der Zeitarbeit drohen - und Zeitarbeiter selbst haben sowieso nichts zu melden. Hier genügt ein Anruf beim entsendenden Zeitarbeitsunternehmen und morgen kommt ein anderer. Wie glatt diese Rechnung aufgeht, beweist das vielerort gespannte Verhältnis zwischen Stamm- und Bedarfbelegschaft in den Unternehmen.

Ein weiterer Effekt der Zeitarbeit ist, dass sie vorhandene Qualifikationen bei Arbeitnehmern tendenziell vernichtet. Kaum eines dieser Unternehmen ist in der Lage, seinen Mitarbeiterpool kontinuierlich in berufsgerechte Beschäftigung zu vermitteln - mit hochspezialisierten Kräften kann diese Arbeitsform ohnehin wenig anfangen. Daher erstreckt sich Zeitarbeit generell auch mehr auf die einfacheren Tätigkeiten wie ungelernte Helfer- und Anlerntätigkeiten. Dort landen dann auch qualifizierte Facharbeiter oder gar Akademiker, wenn für sie grad keine anderen Kundenstellen verfügbar sind. Da es eine große Zahl von Mini-Zeitarbeitsarbeitklitschen gibt, die einsehbar relativ geringe Bestände an Jobs und Mitarbeiterpool verwalten, tritt dieser Fall nicht unbedingt selten ein.

All die vorgenannten Punkte gelten bereits, wenn Zeitarbeit ansonsten ideal organisiert würde. Wird sie aber nicht - im Gegenteil: dort findet sich ohne Ausnahme alles, was das Ausbeuterherz eines Kapitalritters je begehren könnte. In der Regel zahlen zwar die Kunden der Zeitarbeitsklitschen zumindest einen der Stammbelegschaft vergleichbaren Lohn an diese - nur erhält Zeitarbeiter in vielen Fällen nicht einmal die Hälfte dessen. Den Rest stecken sich die nicht selten windigen Zeitarbeits-Unternehmen ein. Diesen Umstand, der das wichtigste und unwiderlegbare Argument gegen Zeitarbeit ist, muss man sich nun genau gegenwärtigen:

Es entsteht die absurde Situation, dass in einem Unternehmen zwei Menschen exakt die gleiche Arbeit verrichten, aber ihr damit erwirtschaftetes Einkommen unterscheidet sich bis zum Faktor 2 oder gar mehr! Das hat nichts mit Gerechtigkeit, sondern mit dem Gegenteil davon und Ausbeutung nach Wegelagerermanier zu tun. Damit nicht genug - der Stammbelegschaftsangehörige darf sich über die gängige soziale Absicherung freuen - der Leiharbeiter ist weitgehend recht- und perspektivlos. Von sozaler Absicherung keine Spur - oft kann er von seinem kargen Verdienst schon nur mit Mühe leben, die entsprechend geringen Einzahlungen in unsere für diese Beschäftigungform überhaupt nicht geeigneten Sozialkassen (woran seit Jahrzehnten diesbezüglich nicht das Geringste geändert wurde...) indes haben für den Fall von Krankheit oder Arbeitslosigkeit nicht selten den sofortigen Absturz in die Bedürftigkeit zur Folge. Dass der Zeitarbeiter nebenbei noch wegen seines insgesamt prekären Status auch noch nicht selten das unterste Glied in der Hack- und Pickordnung am Arbeitsplatz ist, stellt sozusagen eine kostenlose Dreingabe dieser so hochgelobten Arbeitsform für ihn dar.

Das ganze Ausmaß dieser inakzeptablen Verwerfungen spiegelt keine Tatsache so gut wieder, wie diese: Jeder achte Vollzeit-Leiharbeiter braucht Unterstützung durch Hartz IV – ein Anteil, so hoch wie in keiner anderen Branche. Schlagender kann ein Gegenbeweis zur neoliberalen Lieblingsthese: "Wenn es in der sozialen Hängematte zu bequem wird, will niemand mehr arbeiten..." nicht mehr ausfallen. Hier rackern sich Menschen mit Einkünften auf HartzIV-Niveau ab, und das ausschließlich nur, um andere reich zu machen. - als erstes das Unternehmen bei dem sie arbeiten und dann auch noch die Zeitarbeitsfirma. Ihnen selbst verbleibt kaum mehr als das Allernötigste zum Leben. Das ist keine Arbeit - eher trägt dies Züge der Sklaverei - was dann auch in besserem Einklang mit ihrer Rechtlosigkeit, ihren Zukunftsperspektiven und sozialem Status steht.

Neulich jammerten die absurdistanischen Medien lauthals darüber, dass Deutschland in der Verbreitung von Zeitarbeit weit hinterher hinke - wir können dazu nur sagen: Gut so! Hoffentlich fallen wir noch weiter zurück! Menschen, die schon Hartz IV sind, können diesem Wahnsinn ohnehin kaum noch etwas abgewinnen - und das zu Recht! Arbeit mit Lohn auf oder gar unter HartzIV-Niveau ist keine Arbeit und gehört eigentlich generell verboten, wie es in unseren Nachbarländern auf die die jammernden Wirtschaftsverbände sich so gerne beziehen, längst der Fall ist.

So arbeiten heute vor allem folgende Menschen - Geringqualifizierte, unerfahrene Berufsanfänger sowie Menschen, die sich in ihrem früheren Arbeitsleben etwas Geld beiseite legen konnten oder anderweitig zu geringen Vermögen kamen - welches sie, wenn sie nicht arbeiten, nach und nach aufbrauchen müssten, bevor sie mit staatlicher Stütze rechnen können.

Einem weit verbreiteten Märchen ist indes auch noch entgegen zu treten: Jenem nämlich, dass Zeitarbeit einen möglichen Weg in die Stammbelegschaft eines Unternehmens darstelle. Dies wird immer wieder gerne behauptet, doch wir dies nur für einen geringen Teil dieser Menschen Realität - wobei wir das angebliche "Viertel", bei dem es so sein soll, massiv bezweifeln. Sicher - wenn ein meist kleinerer Arbeitgeber mal auf einen besonders guten Zeitarbeiter aufmerksam wird, ist es logisch, dass er diesen gerne übernimmt. Genauso logisch ist aber auch, dass dies alles andere als im Interesse der Zeitarbeitsfirma ist, die sich an dem ganzen Spiel wunderbar und weitgehend leistungslos dumm und dämlich verdient. Hinzu kommen die oben erwähnten sozialen Mechanismen zwischen Stamm- und Bedarfsbelegschaft, womit dieser - vielleicht einzig mögliche - Vorteil der Zeitarbeit zumeist aushebelt ist. Unter dem Strich hier nur eine Wahrheit übrig - wer den Sprung von der Zeitarbeit zur Stammbelegschaft in einem Unternehmens schafft, dem wäre dies mit hoher Wahrscheinlichkeit auch ohne Zeitarbeit gelungen.

Leicht erkennbar eine Lüge indes ist der immer wieder zu lesende Blödsinn, Zeitarbeitsfirmen würden "Arbeitsplätze schaffen" - in Wahrheit machen sie genau das Gegenteil: sie vernichten ordentliche Arbeitsplätze, indem sie solche durch prekäre ersetzen. Abgesehen von dem bischen Verwaltung bei den Zeitarbeitsfirmen selbst - der sich auch als outgesourcte Personalarbeit von Unternehmen auffassen lässt - entsteht durch Zeitarbeit nicht auch nur ein Arbeitsplatz. Auf den Umfang des Arbeitsbedarfs nämlich besitzt die Zeitarbeit nämlich prinzipiell keinen Einfluss - anderes als z.B. ein Werbeunternehmen, welches über die potentielle Steigerung des Absatzes eine Option für mehr Arbeit eröffnet. Zeitarbeitsfirmen leisten in diesem Zusammenhang wie sonst auch nichts... und auch der oft zitierte "Kostenvorteil" dürfte vor allem ideologischer Natur sein - dem zudem auch einige massive Nachteile hinsichtlich Qualifikation und Motivation der Zeitarbeiter gegenüber stehen.

Hier drängt sich doch massiv die Frage auf - wieso boomt dann die Zeitarbeit so? Wieso zahlen Unternehmen den Zeitarbeitsklitschen nicht selten sogar mehr als sie für eigene Arbeitnehmer aufwenden müssen? Nun - die Antwort ist ebenso klar wie erschreckend: Zeitarbeit ist für die Unternehmerseite ein Kampfmittel der Arbeitsmarkt-Politik. Sämtliche Gegenkräfte wie Arbeitsschutzgesetze und Gewerkschaften werden durch dieses feine Mittel unterlaufen. Nebenbei entsteht ein Personalpool, der "es auch für die Hälfte tut" - und praktisch gar keine Ansprüche mehr an die Unternehmenskultur im Umgang mit ihren Mitarbeitern stellt. Billiger als über Zeitarbeit kann man all diese urkapitalischtischen Ziele nun wahrlich nicht durchsetzen - und so ist da selbst ein bisschen Mehrpreis noch locker sein Geld wert.

Jetzt verstehen Sie, verehrte Leser und Leserinnen hoffentlich, wieso es in Augen vieler Scharlatarne so arg traurig ist, dass Deutschland in der Verbreitung von Zeitarbeit noch hinterher hinkt. Demnächst wird diese Beschäftigungsform zwar die Millionengrenze oder ca. 3% durchbrechen. Auch wenn es vielleicht noch nicht reicht, dass dieses Arbeitgeber-Kampfmittel seine volle Wirkung entfalten kann - die Arbeitnehmer jedenfalls stehen von vornherein als Verlierer eines weiteren Anwachsens fest.

Sollte dieser Fall eintreten - was den Arbeitnehmern hierzulande ganz sicher alles andere als zu wünschen ist - dann mag auch der Spuk mit den hohen leistungslosen Einnahmen bei den Zeitarbeitsfirmen schlagartig vorbei sein. Die haben dann ihre Schuldigkeit getan und werden gehen können, während die Belegschaften dann generell "für die Hälfte" arbeiten werden. Ohne die völlige Aufweichung oder besser noch die Abschaffung von Arbeitsrecht und die Marginalisierung von Gewerkschaften ist dieser Prozess natürlich schwierig - daher finden wir die entsprechenden Forderungen - wie nicht anders zu erwarten - bei welchen Parteien? Richtig: CDU/CSU, FDP und Teile der Grünen.

Heute jedenfalls sehen die hierzulande durch die Legalisierung der Zeitarbeit geschaffenen Fakten völlig anders aus, als in der ebenso gängigen wie absurden Lobhudelei auf diese halbseidene Branche. Zeitarbeit schafft nicht neue Arbeitsplätze, sondern behindert das Entstehen neuer ordentlicher Arbeitsplätze eher. Zeitarbeitsfirmen schieben sich als eine Art Anbieter-Kartell zwischen Arbeitnehmer und Arbeitgeber und tun vor allem eines: Abkassieren - Abkassieren ohne angemessene Gegenleistung. Widersinnigerweise sind es gerade die eher gering verdienenen Arbeitnehmer, die hier letztlich die Zeche zahlen - und die dann auch noch von der generellen Schwächung ihrer Position im Arbeitsmarkt zusätzlich betroffen sind. Irgendein darüber hinausgehender signifikanter volkswirtschaftlicher Nutzen dieser Branche ist jedenfalls nicht zu entdecken.

Sicher wird mancher nun sagen - das kann alles so nicht stimmen. Es gibt doch auch ordentliche Zeitarbeitsunternehmen und es gibt auch Menschen, die über diesen Weg wirklich wieder an einen ordentlichen Arbeitsplatz gelangten. Dem ist nicht zu widersprechen - solche Einzelfälle gibt es ebenso wie es auch einen sachlich motivierten Bedarf an dieser Arbeitsform in Unternehmen gibt. Nur stellen solche inzwischen eher die Ausnahmen in dem längst wuchernden Wildwuchs aus allen möglichen Ausbeutungsformen sowie des politischen Kampfes mit unzulässigen Mitteln dar.

Allein schon die Einführung eines ordentlichen Mindestlohns - also min. 7,50€ die Stunde würde dieser gefährlichen Entwicklung im unterern Lohnsegment schon mal eine Spitze wegbrechen - und wieder: Wer sträubt sich mit Händen und Füssen gegen Mindestlöhne? CDU und FDP... zur Not wäre das auch über einen nur branchenspezifisches Gesetz für die Zeitarbeitsbranche zu erreichen. Denn vor allem für Menschen, die aus welchen Gründen auch immer ohnehin nur gering bezahlte Arbeit erreichen können, ist Zeitarbeit heute schon ein Blutsauger - und eine der widerlichsten Ausbeutungstrukturen, die der Kapitalismus in den vergangenen 50 Jahren hervorgebracht hat.

Darüber hinaus könnte der Gesetzgeber dem ganzen Phänomen sehr entschieden dadurch entgegen treten, indem er gesetzlich festlegt, dass es für Arbeitnehmer zwischen Stammbelegschaft und Bedarfsbelegschaft keine Unterschiede geben darf. Dies wäre eine vernünftige Regelung, die nirgendwo erkennbar dem freien Markt widerspricht und würde die Nachteile, die Arbeitnehmer durch die gegenwärtig hier gebräuchliche Form der Zeitarbeit haben, aufheben. Zeitarbeit ist ja auch kein Kind der freien Marktwirtschaft, sondern der unfreien (weil deformiert von der Macht der Reichen und Mächtigen).

Unter solchen Umständen würde sich die Zeitarbeit schnell wieder auf das reduzieren, was in Unternehmen an sachlichem Bedarf an dieser Arbeitsform tatsächlich gegeben ist. Eleganter liessen sich so die finsteren Neben-Ziele der Unternehmer-Verbände bei diesem trojanischen Pferd "Zeitarbeit" gleich mit durchkreuzen, die ja allesamt nicht - wie immer wieder wahrheitswidrig behauptet - mit mehr Freiheit sondern mit weniger Freiheit auf dem Arbeitsmarkt zu tun haben. Der Arbeitnehmer wird durch Zeitarbeit nicht freier, sondern im Gegenteil wird sein Status bedenklich in Richtung Leibeigenschaft und Sklaverei verschoben. Wie schon das in die gleiche Richtung - moderner Feudalismus - optimierte HartzIV wirkt sich Zeitarbeit hiermit nicht nur auf die noch relativ wenigen Menschen aus, die dort zu arbeiten gezwungen sind - die durch Zeitarbeit in Bewegung gesetzte Entwicklung bedroht in letzter Konsequenz alle Arbeitnehmer.

Wenn unserer Wirtschaft dieses Mehr an Dynamik auf dem heutigen Arbeitsmarkt wirklich von so überragender Wichtigkeit ist - wie können ihre Verbandsfürsten dann zugleich jeden Ansatz zu vernünftigen armutsfesten Sozialsystemen derart brachial bekämpfen, wie sie es hierzulande tun? Genau solche wären eigentlich die logische Voraussetzung für all die vielen Unternehmer-Forderungen bis hin zu weiterer Lockerung des Kündigungsschutzes. Nur - solche Systeme kosten eben auch Geld, Geld was natürlich von jenen aufzubringen wäre, denen das Ganze am Ende auch nutzen soll. Betrachtet man die Haltung der Unternehmerverbände zu ordentlichen Sozialsystemen, kann der wahre Nutzen der angeblich so wichtigen Dynamik so irre hoch nicht sein - und so gibt es keinen Grund Forderungen entgegen zu kommen, die offenbar keinen Nutzen bieten.

Jedenfalls könnte die chronisch unterbeschäftigte Monster-Behörde Bundesagentur für Arbeit das bischen was an Zeitarbeit wirklich benötigt wird, locker mithändeln - und das zum Nulltarif! Dem mit diesem und o.a. Eingriffen vorhersehbaren Niedergang der Zeitarbeitsbranche brauchte kein Arbeitnehmer auch nur eine Träne nach zu weinen: Arbeitnehmer sollten eigentlich bestens darauf verzichten können, den von ihnen selbst erarbeiteten Lohn mit irgendwelchen leistungslosen und zweckfreien Strukturen zu teilen. Dass viele es heute dennoch zähnknirschend tun, ist indes nicht Nachweis irgendeines Sinns oder Zwecks dieser Arbeitsform - sondern nichts anderes als die Auswirkung der längst schon vorhandenen Machtdeformation auf dem Arbeitsmarkt: Zeitarbeit ist nichts weiter als eine Brechstange für den Abriss sozialer Schutzmauern im Wirtschaftssystem.


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