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Macht Macht dumm? PDF Drucken E-Mail
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Geschrieben von Jürgen Scheffler   
Montag, 25. Juni 2007

Astronomen prophezeien: uns steht demnächst eine Supernova bevor. Der "nur" 7.500 Lichtjahre entfernte Nachbarstern "Eta Carinae" wird demnächst unter Ablieferung eines mit bloßem Auge sichtbaren Himmelsspektakels implodieren. Nicht viel anders ist die derzeitige Lage in der deutschen Politik. Hier sind es gleich zwei "Sterne", die zur Disposition stehen: erstens die große Koalition im Bund und zweitens die gute alte Tante SPD. Während die gekauften Medien eine Wurtschelei der Kanzlerin nach der anderen als epochale Erfolge feiern, fallen sie über die SPD her wie ein Geschwader Aasgeier. Ja - an der SPD und ihrem derzeitigen Zustand lässt sich in der Tat jenes scharfe Wortmesser wetzen, das sich in Punkto Zustand von Land und Gesellschaft sonst niemand auch nur anzufassen getraut. Mit aller Macht will man glauben und glauben machen, alles war gut und alles wird gut - Deutschlands Eliten scheinen um keinen Preis der Welt bereit, vom Nina-Ruge-Tripp abzurücken. Klar ist aber indes: ohne Erkenntnis der Realität natürlich auch kein halbwegs taugliches politisches Konzept und somit auch kein Weg in eine bessere Zukunft.

Kübelweise wird die Jauche derzeit über der SPD entleert "...denn sie habe ja kein politisches Konzept..." lästern inbesondere jamaikanisch beschwippste Journalisten allzu gern. Was ihnen vor lauter Merkel-Fieber völlig unterschneidet: auch die Union hat kein solches Konzept. Selbst ihre heimlichen Steuermänner, also die Herren Hundt, Thumann & Co. KG, haben nur ein höchst simples im Angebot: weitere Gewinnmaximierung ohne Rücksicht auf Verluste jeglicher Art. In Ermangelnung von Alternativen wurde dies sozusagen zum wahren Unionsprogramm - was heuchlerisch hinter überkommener Spießer-Denke verborgen wird.

Hatte ihr Ziehvater das "Aussitzen" zur Strategie geadelt, ist Merkel dabei, die Wurschtelei zum Paramount politischen Handels zu krönen. In Bund wie EU nicht anders als bei den G8. Kompromisse um der Kompromisse willen sind weder ein guter Ratgeber noch vermögen sie Orientierung zu vermitteln - Konzepte ersetzen können sie keinesfalls. Die Folge - Chaos. Dies herrscht derzeit auch im Bund. Die FDP sowieso ist die Anti-Konzept-Partei schlechthin und den Grünen kann man so ziemlich Alles zutrauen - das Problem mit ihnen ist nur, über ein bisschen Multi-Kulti hinaus reichende Sozialkompetenz war bei ihnen seit jeher "outgesourct".

Dass die derzeitige Regierung (also beide Partner) mit diesem Zustand bewusst oder unbewusst vor allem dem Neoliberalismus zuarbeitet, wird klar, wenn man sich ansieht, was Neoliberalismus eigentlich ist. Er ist eben NICHT das, was mit der neoliberalen Kampfparole von "Chancengerechtigkeit" so gern suggeriert wird. Wenn Reiche ihren Reichtum "frei" zu dessen Mehrung, wenn Mächtige ihre Macht "frei" zu deren Ausbau einsetzen können, bedeutet dies eben das genaue Gegenteil - nicht einmal die Chancen sind mehr gerecht verteilt - von richtiger Gerechtigkeit ganz zu schweigen. Selbst echte Chancengerechtigkeit wäre ein höchst zweifelhafter Ersatz für Gerechtigkeit - und selbst diesen kümmerlichen Ersatz verwandelt der Neoliberalismus noch in sein Gegenteil.

Ein Gegengewicht kann sich überhaupt nur politisch konstituieren - und da schaut es ohne Konzepte finster aus. Eine intelligente Auseinandersetzung mit der Gesellschaft und ihren wichtigsten aktuellen Problemen und kommenden Herausforderungen ist unvermeidlich zur Konzeptfindung. Dies scheitert in unserem heutigen Absurdistan bereits daran, dass sich selbst in der trivialen Frage der aktuellen gesellschaftlichen Zustandbeschreibung kaum noch Übereinstimmung erzielen lässt. Längst kleistert Hardcore-Propaganda wie "Florida-Rolf", "Wir-sind-Papst", "WM- und Merkelfieber", "Aufschwung-Folkore" u.v.m. die Hirne der Menschen zu. Es scheint - wahr ist allein noch, was irgendwelchen Drahtziehern nutzt - sprich: sich für sie binnen kürzester Zeit in Berge von Euros verwandelt.

Schwer für die Menschen und diejenige gesellschaftliche Kraft, die beim Bankett der Mächtigen und Reichen, wenn überhaupt, allenfalls am Katzentisch Platz nehmen darf. So geht es im Moment der SPD und ihrem Vorsitzenden Beck - während eine neoliberal unterwanderte Presse Kurt Beck flugs "Verscharpingt" schwingt sich die Union in Berlin zum Alleinherrscher auf. Zyniker mögen da bereits grübeln, zu welchem Private Equity Fond Beck dann bald stoßen wird... Eigentlich aber mehr als genug Anlass für die SPD, sich auf ihrem Zukunftskonvent mal schonungslos die Karten zu legen. Die sich verfestigende Linkspartei indes dürfte bei weitem nicht das größte Problem der SPD derzeit sein, sondern nur eines von bedenklich Vielen. So manchem SPD'ler dürfte es so langsam dämmern - wie epochal jene Entgleisung in Wahrheit ist, in die Schröder die älteste Partei Deutschland einst führte.

Mit dem Rechtsruck anlässlich der Schröderisierung in der SPD hatte der Neoliberalismus endlich freie Bahn im reichen Deutschland - es gab schlicht KEINE gesellschaftlich orientierte Gegenkraft mehr. Im Zeitraffer-Tempo erodierte eines der eindrucksvollsten Modelle einer modernen Gesellschaft in Europa zur von Unvernunft, Illegitimität und Korruption durchzogenen Bananenrepublik Absurdistan.

Hieran tragen die SPD bis heute und Grüne bis 2005 gewiss nicht wenig Schuld - genau so klar aber muss auch sein: unter Schwarz-Gelb wäre alles noch weit schlimmer gekommen. Dieser "Restnutzen" der SPD in der großen Koalition nun scheint sich vollends aufzulösen - gemessen an Art, Form und Ausmaß der Berichterstattung hat man den Eindruck, die Union regiere hierzulande allein mit satter Zweitdrittel-Mehrheit.

Da nutzt es dann wenig bis gar nichts, wenn sich Parteichef Beck auf dem "Zukunftskonvent" in Hannover wort- und gestenreich an der Union abarbeitet. Schon vergessen Kurt? Welche Partei war das doch gleich, die da in Berlin zusammen mit einer gerade mal gleichstarken Union das Regierungslager teilt? Glaubt Beck denn wirklich, die SPD sei 2005 von Menschen gewählt worden, die CDU-Politik wollen? Offenbar aber scheint der Friede im koalitionsehelichen Schlafzimmer die Gedankengänge von SPD-Politikern derart zu dominieren, dass es ihnen schlicht peinlich ist, dies nach außen einzugestehen.

Verräterischer als die SPD derzeit kann man den Spagat zwischen Wahlkampffolklore und tatsächlicher Politik nicht mehr zu Schau stallen. Ach - der Herr Beck findet Mindestlöhne wichtig? Na bitte - wenn die Union solche partout nicht will, warum nicht einfach Ausschau nach einer anderen Mehrheit halten? Praktischerweise wäre derzeit sogar eine im Angebot - die sogar gewählte beachtliche Mehrheit von Rot-Rot-Grün im Bundestag zum Beispiel. So könnte sich eine erste Brandmauer gegen den durchs Land wabernden Neoliberalismus schon mal hoch ziehen lassen. Glaubt die SPD wirklich, sie könne jetzt noch 2 Jahre weiter merkelartig vor sich hinwurschteln und dann bei diesem Thema im Wahlkampf noch punkten?

Die Argumente der Union gegen den Mindestlohn sind ohnehin haltlos und bar jeder Vernunft - sie sind nichts weiter als höchst dürftig kaschierte Interessenpolitik im Sinne der Reichen und Mega-Reichen im Lande. Die Menschen in Deutschland brauchen und wollen keine Hungerlöhne - keiner - niemand - außer jenen, die sich eine goldene Nase daran verdienen. Und richtige Arbeitsplätze kostet der Mindestlohn auch nicht, wie überall sonst in Europa längst nachgewiesen ist.

Hier aber scheint die SPD von Denkblockaden geplagt - fast könnte man eine Teilamputation an den Hirnen der SPD-Führung diagnostizieren. Was ist denn schon dabei, wenn man im Dienste des eigenen vorgeblichen Herzensanliegens seine Mehrheit - wenn es dann schon eine Alternative gibt - eben auch mal woanders sucht? Wieso geht Derartiges im Berliner Senat - ein paar Straßen weiter im Bund aber nicht? Selbst jamaikanisch angehauchte Grüne gehen ja noch unverkrampfter mit der neuen Partei um. Die Linke ist da - und keiner kriegt sie mehr weg - basta! (...vielleicht versteht man diese Formulierung in der SPD besser)

Und so ist und bleibt es eines der paradoxesten Absurditäten im Deutschland 2007, dass die SPD noch immer am Schröder-Trauma leidet und sich wider alle Vernunft derart scharf von der Linken abgrenzt. Man muss sich das mal genau vorstellen: das EINZIGE Druckmittel auf die Union und die hinter ihr versammelten Mächtigen des Landes, welches die derzeit schwächelnde SPD hat, schmeißt sie einfach so weg. Was bitte glauben die Genossen denn wohl, hätten sie noch zu verlieren - außer vielleicht einem aktuell noch reichlich vorhandenen Bestand an einkömmlichen Posten und Pöstchen? Hier ist nur eines sicher: Die sind demnächst genau so weg, wenn die SPD so weiter macht, wie bisher...

Das Erlöschen des eigenen Profils in der Koaltion nimmt man in der SPD anscheinend unbekümmert zur Kenntnis. Ist man in der SPD etwa zufrieden, wenn Kanzlerin und Unionschefin Merkel wegen Belanglosigkeiten WM-mäßig in den Himmel gejauchzt wird, während die Journalie selbst schon in den täglichen Abendnachrichten die SPD immer weiter demontiert? Seit Ende 2006 hat die SPD kaum noch ein einziges brauchbares Stückchen Politik mehr in der Koalition durchsetzen können.

Wie oft denn noch will die SPD am System "Merkel" scheitern - und das unter schallendem Gelächter der Neoliberalen in ganz Europa? Jenes merkwürdige Salami-Taktik-System, das nahezu jede politische Zuckung der Bundesregierung solange "nachverhandelt", bis sämtliche Züge statt auf den Spuren des Koaltionsvertrages auf jenen der CDU und ihrer vielstimmigen Ministerpräsidentenriege rollen. Längst wäre da ein "Bis hier - und nicht weiter..." fällig - und zwar an genau dem Ort, wo dies auch hingehört - statt in den Rubriken der ohnehin feindlich gesonnenen und agierenden Medien. Folklore-Veranstaltungen wie der Zukunftskonvent und sonstiges Geschwafel zählen da in den Augen der Wähler nichts - und dies zu Recht.

Will die SPD das auf sie zurollende Desaster aufhalten, muss sie sich als Erstes eine gehörige Portion Erkenntnis verordnen: in punkto Neoliberale Politik wird sie mit Union/FDP nie konkurrieren können. Folglich wird die SPD nicht - wie Kanzlerin Merkel - mit der dankbaren Schützenhilfe der Medien rechnen können. Schonung vom Koalitionspartner im Interesse eines "höheren" Ganzen ist angesichts des aufziehenden Wahlmarathons auch nicht zu erwarten. Aufgestachelt von fragwürdigen Meinungsumfragen hat die CDU hier den Schalter längst auf "Konfront" umgelegt - gleich welche Worthülsen ihre Granden zur Verschleierung dieses Umstandes bemühen. Hiermit findet sich die SPD in der ausgesprochen misslichen Lage wieder, als einzige der großen Parteien in Absurdistan wieder richtig "Politik machen zu müssen". Und dies ist es diesmal, zu dem es für die SPD keine wirkliche Alternative gibt.

Die Lachtablette letzter Woche schlechthin ist in diesem Zusammenhang der Kommentar des CDU-Generals Ronald Pofalla zum Thema "Kampf gegen die Linke" - den muss man sich auf der Zunge zergehen lassen: "Die SPD hätte die Auseinandersetzung früher und schärfer suchen müssen, sagte CDU-Generalsekretär Ronald Pofalla der "Wirtschaftswoche". Pofalla erklärte, die SPD habe bisher eine Auseinandersetzung versäumt und somit zugelassen, dass sich die Linkspartei gründen konnte". Das ist fast so, als würde Hubertus Heil dazu aufrufen, die CDU dürfe nicht damit nachlassen, die CSU zu bekämpfen.

Pofalla spricht hier von der neuen Linken, als handele es sich um eine Art "Alien-Invasion", die irgendwie über uns herein gebrochen ist. Dass das Entstehen und Verfestigen dieser Partei indes vor allem das Ergebnis grob vernunft- und sittenwidriger Politik ist, blendet Pofalla wohlweißlich aus... Denn die Union möchte genau diese Politik ja gerne fortsetzen. Eine solche Politik verträgt aber keine Konzepte - daran würde sie fortwährend anecken. Und so scheut die Union in der großen Koalition selbst nicht vor jenen Kardinalsfehlern zurück, die nun die SPD unter verschärften Handlungsdruck setzen. Und dann feiert mancher in der Union noch den von Wähler-Flüsterern konstatierten Niedergang der SPD - anstatt sich mal zu fragen, was enttäuschte Ex-SPD-Wähler wohl als nächstes wählen werden...

Zudem stellt sich eine nicht ganz unwesentliche Frage am Rande - was gibt es da eigentlich zu "bekämpfen", wenn immer mehr Menschen die sich für sie fortwährend nichts als verschlechternden Verhältnisse im Land satt haben und ihre Stimmzettel demnächst an anderer Stelle bemalen? Kämpfen hieße hier - und das ist in einer Demokratie schon Alles, was den Mächtigen hier an "Kampf" überhaupt zusteht - eine vielleicht mal wieder vernünftige Politik zu fabrizieren. Zu der allerdings ist die Union derzeit NOCH WENIGER imstande als die SPD.

Oder - ist es etwa die Demokratie, die Pofalla da etwa insgeheim "bekämpfen" will? - Dann allerdings sollte sich der Verfassungsschutz mal von der Partei "Die Linke" ab- und der CDU zuwenden. Denn weil diese sowohl im Bund wie in den Ländern regiert, ist hier direkt Gefahr im Verzuge gegeben. Dass Regenten bisweilen ein Problem mit ihrem Volk haben, ist so neu nicht... daher wurde ja die Demokratie erfunden, um ein für allemal zu klären, wer hier das sagen hat. Jedem deutschen Politiker, dem dies nicht passt, steht es frei, sich ein neues Volk zu suchen... 

Nicht wenig spricht dafür, dass Land und Volk nach dem Durchschreiten kohl-pech-raben-schwarzer absurdistanischer Täler so langsam den Blick auf etwas lichtere Höhen richten. Dies ist nichts Schlimmes - kein Weltuntergang oder sonst etwas in dieser Art - sondern das Natürlichste der Welt in einer Demokratie, wenn sie sich nicht nur so nennen, sondern auch eine sein will. Die Angst so manches Pöstchenjägers vor diesem Prozess ist verständlich - völlig inakzeptabel hingegen ist der besonders in diesen Kreisen so beliebte Versuch, ihre narzistischen Ängste anderen Menschen in spätmittelalterlicher Folklore aufschwatzen zu wollen. In Wahrheit aber wächst die Zahl jener Menschen, die nichts mehr zu verlieren haben, von Tag zu Tag im gegenwärtigen Absurdistan.

Und aus dieser Logik wird die Union sich - gleich wieviel Medien-Fürsten und Finanz-Zare ihr noch zur Seite springen - nicht mehr befreien können. Wer für eine Politik eintritt, die einfachen Menschen trotz Vollzeitarbeit nicht einmal mehr lebenssichernde Löhne beschert - und das zu einer Zeit wo vollkommen leistungslose Einkommen Reicher jede vorstellbare Grenze sprengen - der hat von der übergroßen Mehrheit nicht auch nur eine Wählerstimme mehr verdient. Solch sittenwidrige und durch den Blutsauger Zeitarbeit sich noch weiter verschärfende Missstände setzen dann auch der sonst bewährten Tarifautonomie ein Ende - der Eingriff via roher Staatsgewalt ist hier längstens überfällig.

Das Schreckgespenst eines durch linke Politik verursachten Welt- oder zumindest Wirtschaftsuntergangs schwebt ebenso lange über dem Gewäsch der Mächtigen und Reichen, wie es einen solchen in Wahrheit noch nie gegeben hat. Woran linke Projekte stets scheiterten, waren fehlstrukturierte Machtverteilung und Günstlingswirtschaft - dass diese Merkmale in der Lage sind, auch eine soziale Marktwirtschaft zu demontieren, erleben wir gerade. Hier dürfte vielen Menschen der Vertrauensbruch der politischen Kaste an der sie nährenden Volkshand noch frisch im Gedächtnis sein, zumal er - wie nahezu alltäglich zu besichtigen - unvermindert fortgesetzt wird.

Und spätestens da ist dann auch die SPD weit weniger aus dem Schneider, als sie sich selbst einredet - Gazprom-Schröder, Zeitarbeits-Clement und viele viele andere winken hier nicht anders als in den anderen Parteien mit dem genommenen Hut: "Uns geht es gut...". Überreichlich entleeren Konzerne, Verbände, Stiftungen und Hedgefonds aller Art ihre Füllhörner über jeden, der auch nur entfernt im Verdacht eines irgendwie gearteten politischen Einflusses gerät - sogar Schlaftablette Scharping beispielsweise darf nebst einem Rudel anderer abgehalfterter Politiker die Heuschrecke Cerberus "beraten" - und das ganz sicher nicht für 5 Euro die Stunde.

Es liegt auf der Hand, dass eine alte große Volkspartei - an allen Ecken und Kanten durchfilzt von solchem Interessenklüngel - sich überaus schwer tut mit der post-schröderischen Identitätsfindung. Doch es hilft nichts - weiter so ist für die SPD nicht mehr im Angebot. Nicht die Linke, sondern ihre eigene Funktionärskaste bringt die SPD immer tiefer in die Bredouille. Natürlich verzichtet niemand gern auf all die netten Segnungen politischer Promi-Pfründe - und auch Verhandlungen mit dem Kollegen von der anderen Partei werden doch erheblich unkomplizierter, wenn man sich auf der Lohnliste desselben Sponsors weiß. Was hier allein der Freiheit des Kungelns noch im Wege steht, sind politische Konzepte und Programme.

Das Dumme ist nur - ohne politische Konzepte gewählt zu werden ist seit jeher das Vorrecht der Konservativen und Liberalen. Die einen sagen es sei gut, irgendwelche uralten Konzepte anzuwenden - schließlich hätten die vor 150 Jahren auch schon mal ganz toll funktioniert (was meist gelogen ist...) Die anderen meinen, man werde der politischen Verantwortung am besten gerecht, wenn man das Anwenden von Konzepten gleich ganz den wirklich Mächtigen überlasse - so kann man selbst wenigstens keine Fehler machen. Die Grünen indes haben es sich in ihrer Öko-Ecke gemütlich gemacht - und schielen für die Rückkehr an die Fleischtöpfe der Nation unentschlossen hin und her zwischen der alten Bekannten und dem Jamaika-Ticket.

Die SPD ist nun in der misslichen Lage, auf keinen dieser Wege mehr setzen zu können. Schröder hat das Vertrauen der Stammwähler tief erschüttert und die Parteibasis ausgezehrt. Dank der neuen Links-Konkurrenz scheiden nunmehr auch Scheinmanöver und Folklore gleich welcher Form als "Lösung" aus - und die Lage wird ernst. Denn ohne Abkehr vom Schröderismus wird diese Schwindsucht wohl nicht aufzuhalten sein. Doch wer sich von etwas abwendet, was er gestern noch als richtig verkaufte muss dies erklären - und das fällt ohne überzeugende Konzepte und Visionen nun mal schwer.

Die neue Botschaft für die SPD lautet: Macht um der Macht willen wird der Wähler Euch nicht mehr durchgehen lassen. Er will gute - und wirklich gute - Gründe dafür haben, über die Schröder-Ära hinweg zu sehen und der Partei ihre neuerliche Hinwendung zum Einsatz für den kleinen Mann wieder "abzukaufen". Mit solchen Identifikationen "spielt" man nicht - denn für die SPD stellen sie jenes Tafelsilber dar, dessen Verhökern keine Kommunikationsstrategie der Welt als Akt politischer Stärke verkaufen können wird. Da ist es dann ausgesprochen lästig, als gleichstarker Regierungspartner täglich die eigene Glaubwürdigkeit unter Beweis stellen zu müssen - in dieser Hinsicht jederzeit messbar zu sein. Niemand selbst in der SPD wird behaupten wollen, dass sie dabei bislang mit besonderer Fortune vorgegangen wäre.

Die SPD wird einsehen müssen - wenn sie weiter gegen den Neoliberalismus UND gegen die Linke kämpft, gibt es für sie nicht das Allergeringste mehr zu gewinnen. Die Wahl in Bremen hat hier unmissverständlich klar gestellt - Ohne Trendwende im politischen Konzept keine Trendwende in den Wahlergebnissen. Doch in der schwierigen Lage der SPD liegt auch ein Chance - die Chance der entschlossenen Innovation nämlich.

Sollte der SPD die Erneuerung gelingen und sie ein neues überzeugendes politisches Konzept hervor bringen, würde sie allen anderen Parteien inkl. der Linken davon eilen. Dies ist zwar nicht der einfachste Weg - aber dafür einer der ganz wenigen, der überhaupt noch lohnen könnte. Segolene Royale hat es in Frankreich vorgemacht - sie unterlag zwar letztlich - dies allerdings deutlich knapper als erwartet worden war.

Royale musste sich ihr Programm im Schweinsgalopp zusammen flicken - und ihre Partei war nicht an der Regierung, wo sie unter Beweis stellen hätte können, dass es ihr auch ernst ist mit ihrer Erneuerung. Diese einmalige Chance aber hat hierzulande exklusiv die SPD im Hier und Jetzt - noch gut zwei Jahre sind es bis zur nächsten Bundestagswahl - und die SPD sollte sich sehr gut überlegen, ob sie diese Chance nutzen oder ob sie lieber den erneuten Beweis dafür antreten will, dass Macht dumm macht... 

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