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Satiraden

Oettinger stürzen... Satire. "Oettinger stürzen" wird unter Langzeitarbeitslosen als "Running Gag" immer beliebter. Wie diese Meldung einmal mehr zeigt...  weiter...


Gegendarstellung (Real-Satire) Diesem Stern-Beitrag des Monats Januar lag ein bedauerlicher Irrtum zugrunde und er wurde daher kürzlich vom Stern gegen dargestellt.  weiter...


WIESO Tipp (Real-Satire) Die Mühlen der deutschen Justiz mahlen langsam aber gründlich - sagt man ihnen nach. Wie man am Ausgang des Skandal-Prozesses um die Berliner Landesbank (der Spiegel berichtete hier) erkennen kann, wurde am Ende aber doch alles gut...  weiter...


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Wieder und wieder... (Real-Satire) Weitgehend unbemerkt von der Öffentlichkeit gelang der FTD gestern am 20.03.2007 der erste Feldtest eines völllig neuen Prototyps für den politischen Beitrag der Zukunft.  weiter...


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Marktversagen PDF Drucken E-Mail
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Geschrieben von Jürgen Scheffler   
Montag, 6. August 2007
Beitragsinhalt
Marktversagen
2: Verdienen an Arbeitslosen
3: BA-Überschüsse
4: Gerechter Arbeitsmarkt?
5: Der deformierte Arbeitsmarkt
6: Ursachen und Zusammenhänge
7: Die Kunst des Propagandisten

Gerechter Arbeitsmarkt?

Selbst ein streng gehandhabtes (wovon keine Rede sein kann) Anti-Diskrimnierungsgesetz bleibt nichts als Augenwischerei, denn es trifft immer nur die - die blöde genug sind, Diskriminierung beweisbar zu formulieren. Wenn ich als Arbeitgeber aber behaupte - die Qualifikation eines Bewerbers sei nicht ausreichend - bin stets fein raus. Dass ich aber realiter eine 100%-Quote an Disqualifizierten unter allen Gruppen habe, die mir persönlich irgendwie nicht genehm (z.B. Bartträger, Schwaben, Ältere, Große, Kleine oder was auch immer...) sind, ist praktisch nicht nachweisbar. Dieses von der EU gepuschte Gesetz ist so denn auch mehr ein "Alibi-Gesetz" denn eines, dessen Umsetzung je beabsichtigt gewesen wäre.

Die weltbeste Anti-Diskriminierungsmaßnahme im Arbeitsmarkt ist schlicht ein ordentlicher Umgang mit Arbeitslosen - Wenn diese nämlich frei entscheiden können, wo sie welchen Job annehmen, können Arbeitgeber so viel diskriminieren wie sie wollen - zumindest schaden sie keinem Menschen damit. Wenn man dann noch die Mehrkosten dieser Maßnahme vollständig auf die Arbeitgeber abwälzt, wäre man einen guten Schritt in Richtung eines freien Arbeitsmarktes vorangekommen - dann erst kostete es Arbeitgeber nämlich richtig Geld, all das zu veranstalten, was derzeit allgegenwärtig geschieht: Job-Aufteilung auf Minijobs, Arbeitsverlängerung, etc. In Absurdistan aber ist eben alles irgendwie "anders" - jeder Arbeitsgeber-Schlag ins Gesicht von Gesellschaft und Sozialsystemen zahlt sich hier sofort in barer Münze aus. Nicht wirklich ein Wunder, dass wir derzeit eine solche Ansammlung von lauter "illegalen Einzelfällen" beobachten dürfen...

Durch das Weise-Statement jedenfalls erhält das angebliche "Stellenangebot" von 1,4 Mio angeblichen (N-fach Nennungen nicht herausgerechnet) Jobangeboten eine besondere Qualität - man könnte es eigentlich zum größten Teil vernachlässigen - denn diese Stellenangebote suchen Leute, die rar geworden sind. Jene 25-jährigen mit zwei Einser-Abschlüssen, die über 15 Jahre Berufs- und Auslandserfahrung in der Branche verfügen und ganz begierig darauf sind, 3 Jahre Praktikum zum Nulltarif zu machen. Okay - das war etwas übertrieben, aber die gegenwärtige Lage hat durchaus Einiges davon... Heutige Stellenangebote erwecken oftmals den Eindruck, hier könnte das eine oder andere Unternehmen in Wahrheit dabei sein, etwas "Verbandspolitk" zu machen. Zudem: Wer zuvor nicht bereit ist, hochqualifizierte und spezialisierte Mitarbeiter heranzubilden, der kann solche doch später nicht wirklich vom "Arbeitsmarkt" fordern - oder? Ist der Inder oder Ukrainer wirklich soviel "billiger", dass es sich nicht mehr lohnt, einen hiesigen Arbeitslosen in vielleicht ein paar Wochen auf Stand zu bringen? Worauf wir hier stoßen, sind Strukturen im Arbeitsmarkt, die sich verselbstständigt haben - und hier schließt sich dann auch der Kreis zu unserem Aufmacher für diesen Artikel.

Hinsichtlich sämtlicher Statistik gelten zwei Grundsätze - ohne eine drakonische Überwachung des statistischen Basis werden wir noch in 100 Jahren über die Anzahl der wirklich offenen Stellen Absurdistans diskutieren. Hier kann heute jeder nach Gutdünken erzählen und manipulieren wie es ihm grad in den Kram passt. Völlig wurscht, welche internationalen Bestimmungen dieses oder jenes vorgeben - Arbeitslose sind staatlich, und das korrekt und ohne jegliche "Kosmetik" zu erfassen und der Blödsinn mit n+1 Arbeitsmärkten hat ebenfalls schleunigst beendet zu werden. All dieser zu nichts Anderem als zur Verschleierung der Realität bestehende Kram ist längst selbst zu einem milliardenschweren Bürokratiemonster gewuchert.

Wie eigentlich kann man Stellenangebote mit Langzeitarbeitslosen "verrechnen", wenn diese von vornherein KEINE CHANCE auf Einstellung haben, wie Millionen von ihnen anlässlich unzähliger Bewerbungen tagtäglich immer wieder aufs Neue erfahren? Die gängige Schutzbehauptung der unheiligen Allianz, die für das ganze Desaster verantwortlich ist, lautet: Die seien eben nicht ausreichend qualifiziert. In dieser Allgemeingültigkeit ist das eine glatte Lüge - es mag vielleicht einen kleineren Teil geben, für den dies zutrifft - die Behauptung indes, jemand, der länger als 12 Monate arbeitslos ist, könne plötzlich nicht mehr richtig arbeiten, ist klar erkennbarer Zynismus übelster Sorte, der an Menschenverachtung kaum noch zu überbieten ist.

Einstweilen ist es vor allem die formelle Lapalie "Dauer von Arbeitslosigkeit", die einen bis dahin vergleichsweise gehätschelten "Leistungsträger" zu einem - aus Clement-Perspektive gesehen - nichtnutzigen Sozialschmarotzer stempeln kann. Das hier mitschwingende "Eigenverantwortungsprinzip" - gemeint ist: diese Menschen selbst seien Schuld, ist heute nicht weniger blödsinnig als es schon zu den Anfangszeiten der "Sonderwirtschaftszone" im Osten war. Was bitte hat der Aufkauf des langjährigen Arbeitgebers durch eine Heuschrecke mit der persönlichen Leistung von dann üblicherweise gefeuerten Mitarbeitern zu tun?

Und so trifft es besonders Ältere im Turbokapitalismus schnell - sie werden "langzeitarbeitslos". Im spießigen Absurdistan (angemerkt: und nur dort...) eine Sackgasse, aus der es für sie derzeit kaum noch ein Entrinnen gibt. Diesen Menschen gibt man so eben das, was sie zum Leben brauchen und schikaniert sie noch dazu bis aufs Blut. Hier werden Selbstwert, Selbstvertrauen und oft ganze Existenzen systematisch zerstört - und all dies legal per Gesetz.

Und dann weisen diese - nicht anders als widerlich zu nennenden - Strukturen unserer Gesellschaft den ohnehin geplagten Menschen auch noch die Schuld für ihr Schicksal zu. In diesem Zusammenhang kann man an CDU-General Pofalla nicht vorbei - dieser wurde kürzlich befragt, was er denn von einer Aufstockung des ALG2 halte, angesichts der auf breiter Front einsetzenden Preissteigerungsorgie bei Lebensmitteln. Seine Antwort: "Daran ist nicht zu denken, es ist doch absurd, ALG2 zu erhöhen, nur weil vereinzelt Lebensmittel ein wenig teurer geworden sind..." Was bitte - glaubt Pofalla wohl - kaufen sich Menschen von ihrem ALG2? Hedgefond-Papiere etwa? Wer hier absurd argumentiert, sollte klar sein...

Pofalla spricht wieder einmal - wie eigentlich ständig - die Unwahrheit. Seit der Einführung von Hartz IV haben sich Strom, viele Gebühren sowie nicht wenige Billigprodukte bereits auf breiter Front verteuert. (Wir berichteten hierzu schon 2006...). Solche Art der Teuerung muss sich nicht notwendigerweise in der auf Basis repräsentativer Warenkörbe ermittelten "allgemeinen" Preissteigerung auswirken, die zudem viele Markenartikeln enthalten (die Arme sich nicht kaufen können...). Nicht wenige von genau diesen Markenartikeln aber wurden in letzter Zeit billiger - was man als Folge der Schrumpfung von Markenimage - oder eben auch anders erklären kann. Unterm Strich bliebe so ein gemischter Warenkorb durchaus konstant - auch wenn Billigprodukte im Preis deutlich zulegten.

Angesichts der realen Situation jedenfalls sind die 2 Euro Erhöhung dieses Jahr angesichts dessen nichts als eine Unverfrorenheit. Wohlgemerkt - das IST bereits länger schon so. Nach kürzlichen Meldungen werden sich nunmehr Lebensmittel auf breiter Front nochmals spürbar verteuern - durchweg sind Zahlen um 20% und bisweilen noch deutlich mehr im Gespräch. Wir lernen: auch auf diese Weise kann man Hartz und Kleinrenten kräftig absenken - und das ohne dass ein Aufschrei durch die Öffentlichkeit geht. Wer gute Nerven hat, mag sich hierzu bei Focus gern die Kommentare der leider nicht aussterbenden Spezies tumberer Zeitgenossen hierzu antun.

Die Preislawine jedenfalls rollt - Besonders für Arbeitslose und Kleinrentner wird es hiermit eng - sehr eng, denn das Geld langte schon vor der Lawine mal gerade noch so zum Leben auf ALDI-Niveau. Was Pofalla angeht: Wer Menschen mit derart verschobener Wahrnehmung ins Parlament wählt, der ist selber schuld - bleibt die zynische Wertung dieses nur noch schwer erträglichen Politikers. Wer als halbwegs intelligenter Mensch derart mit der Dummheit kleinbürgerlichen Spießertums kokettiert, sollte nicht wirklich eine derart exponierte Position in der Politik bekleiden.



 


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