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Marktversagen PDF Drucken E-Mail
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Geschrieben von Jürgen Scheffler   
Montag, 6. August 2007
Beitragsinhalt
Marktversagen
2: Verdienen an Arbeitslosen
3: BA-Überschüsse
4: Gerechter Arbeitsmarkt?
5: Der deformierte Arbeitsmarkt
6: Ursachen und Zusammenhänge
7: Die Kunst des Propagandisten

Ursachen und Zusammenhänge

Weil das in Absurdistan so wunderbar funktioniert - noch nie wurden die Reichen hierzulande so schnell um so viel reicher wie in den letzten Jahren - steht den Franzosen demnächst ein vergleichbares Experiment bevor. Schließlich sei Europa ja fit zu machen für Weltmarkt und Globalisierung. Wieder so eine grandiose These zur Täuschung über die wahren Verhältnisse - denn wo ist der Weltmarkt? Wenn Chinesen unsere Produkte nicht kaufen, weil sie zu teuer sind, dann werden die eben woanders gekauft oder aber - sie werden gar nicht erst produziert. Die Befürchtung, Chinesen könnten unseren Binnenmarkt "übernehmen" ist indes ungefähr so begründet, wie die These, dass Arbeitszeitverlängerung mehr Arbeitsplätze schaffe. Mit unserem Arbeitsmarkt hat dies in erster Näherung praktisch nichts zu tun - Wir haben hier unsere Gesellschaft, unseren Staat, unsere Wirtschaft und unser Geld. Zudem: Sind die Chinesen denn blöde - investieren sie etwa ihr knappes Kapital, um dann ihre oft nicht zeitgemäßen Produkte nach einer halben Weltreise auf unseren verwöhnten und gesättigten Märkten zu verramschen? Wo eigentlich genau in China oder Indien gibt es denn da so fürchterlich viel zu "verdienen"? Milliarden-Völker, die umgerechnet auf ihre Größe praktisch nichts haben, und die zudem in den kommenden Jahrzehnten vor nie gesehenen sozialen Herausforderungen stehen.

Verdient wird heute zunehmend an Einem: an der systematischen Zerstörung von Strukturen und gesellschaftlichen Fundamenten hierzulande - denn es sind die westlichen Industrienationen, wo der Großteil des Welt-Geldvermögens konzentriert ist. Und dieses wird aus den hiesigen Gesellschaften mit allen feinen und unfeinen Mitteln herausgequetscht, weil sich unter abwesenden Sozialstrukturen und Ausbeutungsverhältnissen in Indien und China damit wesentlich besser schnelle Geschäfte als hierzulande machen lassen. Wohlgemerkt - Hier geht es nicht etwa um den Aufbau in diesen Ländern - sondern allein nur noch um schnelle Geschäfte. Sollten sich dort einmal eine moderne Gesellschaft formieren - ist der Spuk ebenso schnell zu Ende wie er begann und die Kapitaltroika zieht weiter in das nächste "Schwellenland".

Wenn in China oder Indien die Wirtschaften derzeit wachsen, dann also nicht etwa primär für deren Binnenwirtschaft - sondern zunächst einmal dafür, hier sämtliche vernünftigen Sozial- und Marktstrukturen weiter zu zermürben und zu demontieren. Auf diese Form der Globalisierung könnte die Masse der Menschen hier wie dort eigentlich komplett und folgenlos verzichten. Wirtschaftlich gilt: die Wirtschaftssysteme aller Staaten der Welt leben im wesentlichen von ihren Binnenmärkten. Indien und China wären vermutlich auf Jahrzehnte hinaus damit beschäftigt, moderne Waren- und Gütermärkte in ihren Grenzen zu entwickeln. Und es wären zwar gewaltige Märkte, die dort entstünden - nur gibt es ein Problem: solch mühseliger Aufbau rechnet sich nicht für die heute üblichen "Turbo-Kurzeit"-Gewinne. Da ist einstweilen an der Strukturzerstörung hier wesentlich schneller und mehr "verdient" - und genau darum und um nichts anderes dreht es sich bei der angeblich so "unausweichlichen" Globalisierung.

Weltweit wird über die Finanzsysteme breiten Schichten der hiesigen Bevölkerungen (und keineswegs nur den Armen...) Vermögen und soziale Absicherung abgezockt, damit Megakonzerne und Megareiche immer noch mehr Mittel in die Finger bekommen für noch mehr Marktmacht und noch mehr Marktdeformation. Müssten die Herrschaften ihr Unterfangen wirklich "selbst" bezahlen, könnte man dem Ganzen relativ beruhigt zu sehen - ein Markt von 400 Mio EU-Bürgern bleibt nämlich auch weiter ein Markt von 400 Mio EU-Bürgern, auch wenn in Indien und China Milliarden-Märkte hinzukommen. Es sind in Wahrheit keineswegs Marktgesetze, die hier Einfluss nehmen - Beweis: würde es den behaupteten globalen Markt wirklich geben, dann müsste in ihm der Lebensunterhalt in Indien oder China in etwa ähnlich teuer sein wie hier... Wir aber wissen - es liegt heute der Faktor 10 dazwischen.

Diese Deformation entspringt direkt dem Finanzsystem - und ist keineswegs Zufall. Verständlich wird sie, wenn man sich deutlich macht, dass Kapital mausetot ist. Es lebt nicht... und kann sich folglich auch nicht von selbst vermehren. Allerdings: man kann sich u.a. "Arbeit" dafür kaufen. Arbeit allein schafft im wesentlichen alle Mehrwerte. Da unsere Wirtschaften aber ununterbrochen gigantische Mengen von Gütern produzieren, muss irgendwer diese Güter schließlich auch kaufen. Zum ganz überwiegenden Teil erfolgt dies in Binnenmärkten ergänzt durch ein bischen Außenhandel. Wer kennt nicht das Wort der Vorsitzenden der großen Absurditätspartei: "Wir müssen um so viel besser sein, wie wir teurer sind..." Soll hier etwa eine gesamte Volkswirtschaft nach nicht einmal 20% der Wirtschaftsumsätze verunstaltet werden? Strukturen und Sozialsysteme abgebaut - Öffentliches Eigentum zum Spottpreis verschleudert? Und die allerwichtigste Frage: Werden wir dann etwa BESSER sein?

Natürlich nicht - wir werden genau das sein, was wir bereits heute schon sind: Schlechter. Gesamtgesellschaftlich betrachtet jedenfalls und das nicht zu knapp. Das Geheimnis: es geht hier gar nicht um das BESSER sein - zumindest im Ganzen nicht. Es geht um etwas sehr viel Naheliegenderes - nämlich genau das, was wir seit Langem präzise auch verzeichnen - Reiche werden von Jahr zu Jahr beschleunigt immer noch reicher. Und das wars auch schon...

Und nun aufgepasst! Es ist für einen westlichen Investor ausgesprochen attraktiv, sein Kapital in Indien oder China einzusetzen - bei weitem attraktiver als dies hier zu tun. Warum? Nun - er bekommt in Indien oder China nach derzeitiger Lage 10 mal so viel Arbeit für seinen Einsatz. Und Arbeit ist - wir erinnern uns - das einzige was Mehrwert schafft. Auf ein uns alltäglich bekanntes Element müssen wir hier noch eingehen - Geld! Richtig - Geld ist nur ein durchlaufender Posten bei diesem Spiel. Jeder Euro landet kurz über lang wieder genau dort, wo er her kam - nämlich bei den Banken. Hinter jedem Euro steht nur eines: das Versprechen altehrwürdiger staatlicher Hoheit, dass Menschen für dieses wertlose Stück Metall oder Papier bereit sein werden, Leistungen zu vollbringen oder Wertgegenstände herzugeben. Jede der stets so sehr auf ihre Seriösität bedachten Banken der Welt indes würde exakt in dem Moment insolvent, wo ihre sämtlichen Kunden plötzlich die Auszahlung ihrer Guthaben in Werten verlangen würden.

Das so bedauernswert schwer "arbeitende" Kapital indes zappelt zudem längst in der Zinsfalle - ein immer höherer Anteil von Finanzgeschäften am BIP suggiert Wachstum, obwohl Heuschrecken ein ordentlich funktionierendes Unternehmen nach dem anderen zerfleddern. Sie erinnern sich: Mehrwert entsteht durch Arbeit. Somit bleibt nur eine Konsequenz: Wenn bei gleicher Arbeit die Löhne gedrückt und Gesellschaften um ihre angesammelten Vermögen betrogen werden, kann man zumindest formell die irren Renditen der Finanzgeschäfte noch mit "Leben" zu füllen. Beweis: eigentlich müsste in Anbetracht des seit vielen Jahrzehnten angeschwollenen weltweiten Kapitalvolumens Zinsen und Renditen längst sinken - auf den Finanzmärkten aber steigen sie eher beschleunigt ins Uferlose - und erreichen inzwischen 30% und mehr.

Nun sieht man auch deutlich die Ursache für die 10:1 Deformation - die gesamte Scheinglobalisierung könnte sonst nicht funktionieren. Noch etwas spricht für die These der zuschnappende Zinsfalle - anscheinend müssen Geschäfte immer gigantischer werden. Mit ein bischen Produktion und dem Gewinn daraus ist es hier lange schon nicht mehr getan - immer irrere Milliarden-Summen kreisen immer schneller um den Globus: ganze Konzerne wechseln munter die Besitzer und auch die enormen Werte öffentlichen Eigentums müssen "eingeschossen" werden, damit dieses System nicht ins Trudeln gerät. Auf Absurdistanisch geht das so: Die Bundesbahn geht demnähst bei einem Schätzwert von 180 Mrd.€ für den Vorzugspreis von 9 Mrd.€ an die Privatwirtschaft. Toll - Nicht wahr? Danach stehen als nächstes auf dem Speisezettel: die gigantischen Volumina der Sozialversicherungen - also der existenziellen Lebenssicherung von Menschen für Krankheit und Alter. In solcher Irrsinnswirtschaft aber spielt alles Mögliche eine Rolle - nur eines nicht: Arbeit und Leistung von Menschen. Gleichwohl aber wird sie auf Arbeit nie verzichten können um die Bevölkerungen zu versorgen sowie das Casino mit Jetons zu befeuern... Nur der Anteil von Arbeit am Buchumsatz der Wirtschaft indes ist im freien Fall. Wirklich dumm gelaufen, dass so viele Millionen Menschen Arbeit zu ihrem Leben brauchen...

Unser Geld- und Finanzsystem ist schon eine besondere Konstruktion, ausgetüffelt und seit Jahrhunderten optimiert von höchst pfiffigen Scharlatanen. Denn was bedeutet denn die Deformation mal grundlegend betrachtet? Sie bedeutet nichts anderes, als dass ein europäischer Anleger, der in ein Chinageschäft investiert, den aus dem daraus folgenden Umsatzzyklus sprudelnden Mehrwert fast vollständig wieder ein kassiert. Für den schuftenden Chinesen bleibt kaum mehr als ein karges minimales Almosen. Die einzige Randbedingung hierzu: der Mehrwert muss hier abgesetzt werden - dort wo es eben reichlich von dem überbewerteten Geld gibt.

Übrigens lässt sich der Mehrwert nicht nur über Produktabsatz realisieren. Nein - man baut im fernen China eine Klitsche auf und verscherbelt diese hierzulande gleich am Stück. Die Vorteile liegen auf der Hand: der wahre wirtschaftliche Wert der Klitsche ist hier schwer zu beurteilen (wo noch nicht einmal unsere eigenen Belange sauber analysiert werden...) und Chinesen meckern weniger, wenn sich Investoren die Klinke in die Hand geben.

So ist es kein Wunder mehr, dass China und Indien sich zu angeblichen Boomländern des Exports mausern und von Typen wie Siegloch und Kleber fast zu Paradiesen hochstilisiert werden - während dieser angeblich so fürchterliche Wirtschaftsboom an den Gesellschaften dort genau so wirkungslos vorüber zieht, wie hierzulande unsere fragwürdige Noch-Position als Export-Weltmeister. Wir alle aber - wenn wir genauer hinsehen - wissen eigentlich sehr exakt, wo aller Mehrwert schließlich landet: bei irrsinnigen Milliarden-Gehältern von Heuschrecken-Kommodores, Großkonzernen, den Megareichen und schließlich vielleicht noch dem Spitzenmanagement, welches man ob seines Einblicks ruhig stellen muss.

Die Kunst der (Volks-)wirtschaftslehre, Makro-Ökonomie und großer Teile der Politik ist die, dem einfachen Volk weiß zu machen, wir lebten alle immer noch im Mittelalter, wo harte Feldarbeit, Tauschhandel, Pfründe und Goldwährung (doch auch dunnemals wurde dabei schon mächtig betrogen...) an der Tagesordnung waren - und "Arbeit" als Wirtschaftsfaktor weitgehend unbekannt war. Mit seinem ersten Pupser in die Windel erbte seinerzeit der Fürst das Recht, beliebig viele seiner Untertanen für beliebig geringen Gegenwert "arbeiten" zu lassen. Seitdem man den Wert der "Arbeit" erkannt hatte und zumindest vorübergehend sinnvoll zu nutzen begann, entwickelt sich die Menschheit nach den vorangegangenen vielen Jahrhunderten des Feudalismus im Turbo-Tempo. Doch inzwischen scheint da so Einiges vom Wege abgekommen. Immer aber verstand es eine kleine Gruppe von Menschen, die breite Masse weiter über den wahren Wert von Arbeit und manch Anderes im Unklaren zu lassen. Einen aus dem Dunstkreis dieser Gruppe kennen wir sehr gut - er verrät sich selbst an der Absurdität seiner These: "Menschen können ihren Lebensunterhalt nicht mehr selbst erwirtschaften..."

Unstrittig kann jeder Mensch natürlich seinen Lebensunterhalt "erwirtschaften" - sofern man ihm die Mittel dazu nicht wegnimmt. Wie längst bewiesen ist, erwirtschaftet er sogar noch sehr viel mehr als das, wäre da nicht ein raffiniertes System, das "natürliche" Märkte so deformiert, dass Menschen für ihre Schufterei selten mehr erhalten, als gerade mal zum Leben reicht. Dem Rest ihrer Leistung können die Menschen heute übrigens an den Schickeria-Orten der Welt dabei zusehen, wie er von Mega-Reichen sinn- und hirnlos verprasst wird. So sehr viel anders als seinerzeit im Mittelalter ist dies nun wirklich auch nicht mehr.

Die viel erzählte Fabel von der Marktwirtschaft trifft, wie gezeigt werden konnte, für den Arbeitsmarkt bereits nicht mehr zu. Echte Marktprozesse wurden hier zur Rarität - vielmehr züchtet die gegenwärtige Politik dort munter eine neue Sklaven-Klasse als Druckmittel zur Drangsalierung der restlichen Arbeitnehmerschaft. Derweil "sparen" sich die Hintermänner dabei kräftig reich, wie überall längst unübersehbar wurde. Inzwischen ist man dabei, demokratische Staatsstrukturen über gekaufte Politik und Minderung von legitimen Staatseinnahmen nach und nach zugunsten der eindeutig undemokratischen Wirtschaftstrukturen immer weiter zu "entmachten".

Prozesse der Konzentration von Wirtschafts- und Finanzmacht deformieren so jede Form von Markt und Macht und korrumpieren alles, was sich dem Prozess in den Weg stellen könnte. Dies gilt nicht nur für den Arbeitsmarkt, sondern für sämtliche Märkte. Denn die angeblichen Gesetze des Marktes und deren unsichtbare Hand regieren stets nur für freie Märkte, was schon ihr Entdecker, Adam Smith einräumte. Deformationen und die Instabilität des Zinssystems aber resultieren in einer verhängnisvollen Unumkehrbarkeit der Entwicklung - eine systemverträgliche Umkehr ist nicht möglich, ohne dass das Ganze wie ein Kartenhaus in sich zusammen bricht.

Solches hatten die Wirtschaften der entwickelten Industrienationen bereits mehrere Male zu verdauen. In den USA wurde der Dollar etliche Male "neu aufgelegt" - in Deutschland neben der Mark auch das staatliche Rentensystem, weil es zunächst auf Kapitaldeckung basierte. Hier ein Extra für all die vielen Fans von Kapitaldeckung: Neu aufgelegt werden musste das System jedesmal, weil es ZUSAMMENGEBROCHEN war. Doch trotz der Dollar-Blase, trotz sich mehrender Anzeichen für Instabilitäten im gegenwärtigen Finanzsystem herrscht noch verbreitet Vertrauen vor, weltweit vertrauen Menschen dem System ihr Vermögen - in vielen Ländern auch ihre Alterssicherung an. Dies sollte jedoch nicht mit Sicherheit verwechselt werden - kapitalgedeckte Systeme sind wegen der Kapitalmarktrisiken unter dem Aspekt Existenzsicherung im Alter unverantwortlich. Des weiteren dramatisieren sie Wirtschaftskrisen eigentlich unnötig - geht es hier dann nicht mehr nur den Verlust von überflüssigem Vermögen, sondern für manch Alten um das nackte Überleben. Aus Sicht der ewigen Gewinner allerdings muss gerade dies natürlich das ideale Druckmittel auf die Politik sein - und darüber hinaus ist es auch noch ein tolles Geschäft für die Versicherungswirtschaft - wie die Göttinger Gruppe eindrucksvoll unter Beweis stellte.

Wirtschaftskrisen würden viel von ihrem Schrecken verlieren - wären überall die Sozialsysteme armutsfest und existenzsichernd organisiert. Hierzu sind im existenziellen Bereich Regulation und solidarische Umlagesysteme ohne Alternative, denn nur sie können erreichen, dass von jedem verdienten Euro ein gerechter Anteil zur Schulterung gesamtgesellschaftlicher Aufgaben abgezweigt wird. Selbst wenn in demographischen Umbruchzeiten vorübergehend etwas höhere Soziallasten zu stande kommen - dies ist immer nur vorübergehend und zudem: jeder Euro der via Sozialleistungen "ausgegeben" wird, fließt sofort zurück in den Wirtschaftskreislauf. Dies verhält sich mit Vermögen und Steuerersparnissen von Mega-Reichen keineswegs so - der Großteil davon verschwindet derzeit in weltweiten und riskanten Heuschreckenabenteuern. Es bahnt sich eine Erkenntnis an: Schlimmes hat eine Wirtschaftskrise vor allem unter dem Aspekt von Markt- und Machtdeformation - denn in einer Krise reißen sich hier deren Begünstigte alles Greifbare an sich und stoßen damit Millionen Andere ins Elend. Die versammelte Leserschaft mag nun mal raten, wieso die Mehrheit der Heuschrecken weltweit so ausgesprochen gerne in Wohn-Immobilien "investieren".

In jüngerer Zeit sind die Vermögen der Megareichen explodiert wie nie - unsere Gesellschaften aber stehen, wie der auf den Finanzmärkten eingerissene Irrsinn im Kontrast zum Hartz-Wahn überdeutlich beweist, vor der neuerlichen Erkenntnis: es sind die Megareichen, die eine Gesellschaft so richtig teuer zu stehen kommen - viel teurer als jede beliebige Anzahl einfacher Arbeitnehmer. Hierfür gibt es einen einfachen Grund. Wir erinnern uns: Kapital ist tot - Mehrwerte müssen erarbeitet werden. Arbeitnehmer erarbeiten also neben dem was sie für sich selbst zum Leben brauchen immer auch all das, was Reichen zuwächst.

Somit wird das, was wir in Form heutiger Arbeitslosigkeit in Verbindung mit Hartz-Wahn vorfinden, nur zu Einem: eine bewusste gesteuerte Deformation - mit der interessierte Kreise einen Teil der Arbeitnehmer bewusst vom Arbeitsmarkt fern halten, um diesen noch mehr zu ihren Gunsten zu deformieren. Also wieder einmal die uralte Devise: "Teile und Herrsche..."

Es ist kein wirkliches Wunder, dass eine wirklich durchgesetzte 35 Std Woche das derzeitige Arbeitslosenproblem aus dem Stand nahezu lösen würde. Für die hier gegebenen Produktivitäts-Verhältnisse wäre das System dem Ausgleich näher. Daran, dass wieder mehr Menschem im Land arbeiten, und andere mehr Zeit für ihre persönliche Erholung, Entfaltung und ihre Familien haben, KANN nichts Nachteiliges sein. Wie auch der logisch unwiderlegbar notwendige Mindestlohn aber hat dies nur einen Fehler: Es passt nicht in das Kalkül jener, die so blendend an den seit Kohl massiv einsetzenden Fehlentwicklungen verdient haben. Den gleichen Fehler haben auch echte und zukunftsfeste Reformen in unseren Sozialssystemen, offene und hocheffiziente Bildungs- und Informationssysteme, eine konsequente Politik der Umwelt- und Ressourcenschonung, eine brauchbare Entwicklungspolitik, eine kriegsfeindliche Aussen- und Sicherheitspolitik - Und immer ist dies derselbe Fehler: für unsere längst wieder viel zu mächtig gewordenen "Deformatoren" ist an alledem wenig zu verdienen oder abzuzocken.

Da man dies in einer Noch-Demokratie nicht wirklich öffentlich diskutieren können darf, wurde in heutigen Gesellschaften der für Deformatoren übliche Weg: die breite Masse ist über diese Zusammenhänge fortwährend und bestmöglich hinters Licht zu führen. Hierzu braucht es simple und weitestmöglich an tradierte Vorstellungen anknüpfende Kommunikationsstrategien und scheinbar eingängige Slogans, ganz gleich wieviel Schwachsinn da transportiert wird und natürlich die totale Kontrolle über eine allgegenwärtige Medienmaschinerie - mit diesen Zutaten gibt es prinzipiell nur noch sehr wenig, was nicht kurz über lang erreichbar wäre. Thinktanks, Spindoktoren und PR-Berater machen da heute keinen schlechten Job. 75% der Deutschen hält Merkel angeblich für eine gute Kanzlerin und würden, so hieß es, sogar die große Koaltion wieder wählen - merkwürdig nur: Koalitionen kann man gar nicht wirklich wählen.

Längst ist nicht nur der Arbeitsmarkt deformiert - auch in sämtlichen Waren- und Gütermärkte wütet längst ein Struktur-Erdbeben. Allein die im Moment noch hohe Zahl von Franchise-Gebern suggeriert derweil noch Reste früherer Vielfalt in den Innenstädten. Franchise ist für Selbstständige in etwa das, was die Zeitarbeit für Arbeitnehmer ist - ein ideales Mittel zur Marktdeformation. Inzwischen dort üblich gewordene Knebelverträge stoßen Kleinselbstständige gleich reihenweise in die Hartz-Sackgasse. Überall immer mehr Menschen, die sich selbstständig oder in Lohnarbeit allein für ihr - im Gesamtzusammenhang betrachtet - lächerliches bischen Lebensunterhalt abschuften.



 


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