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Hart, härter - Hartz PDF Drucken E-Mail
Benutzer Bewertung: / 23
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Geschrieben von Jürgen Scheffler   
Sonntag, 19. August 2007
Beitragsinhalt
Hart, härter - Hartz
2: Fallbeispiel - Vorgeschichte
3: Fallbeispiel - Die Sanktion
4: Fallbeispiel - Die Rechtsfolgen
5: Frau G. wehrt sich
6: Die "große" Ehrung
7: Vorläufiges Resultat
8: Abschließende Bewertung

 

Vorgeschichte

 

Und nun zu unserem Fallbeispiel. Frau G. (Name von der Redaktion geändert) lebt in Friedrichshafen am Bodensee. Eine Region in Deutschland, der Otto-Normal-Verbraucher keineswegs "Probleme" im sogenannten "Arbeitsmarkt" unterstellen würde - die offizielle Arbeitslosenquote pendelt hier derzeit um glänzende 3,2% - Werte von denen die überwiegende Mehrzahl anderer Regionen in Absurdistan nur träumt. Frau G. ist jetzt Anfang 40 und arbeitete lange Zeit im sozialen Bereich. Frau G. entschied sich vor einigen Jahren zur Aufgabe dieses Jobs, als das Mobbing ihres Chefs immer unerträglicher wurde. Bald darauf strebte sie eine berufliche Neuorientierung an, in deren Verlauf sie die Berufsausbildung zur Bürokauffrau als Lehrgangsbeste abschloss. Frau G. ist nunmehr voller Hoffnung – mit diesen Vorraussetzungen sollte sie in einer solchen Region Chancen ohne Ende haben.

Doch es gibt Schwierigkeiten von Anfang an - der tatkräftigen Frau gelingt es trotz intensiver Bewerbung nicht, einen ordentlichen Arbeitsplatz zu ergattern, obwohl sie ein breites Erfahrungs- und Kenntnisspektrum mitbringt. Sie bleibt arbeitslos – und wird somit ein "Fall" für die "Hilfe zur Arbeit" der Options-Kommune Bodenseekreis.

Auch wenn das Leben auf Hartz-Niveau alles andere als prickelnd ist, schmeißt Frau G. die Flinte nicht ins Korn - bewirbt sich wieder und wieder – unterbrochen von jeweils kurzbefristeten und berufsfremden Jobs. März 2007 verordnet ihr das Amt einen 1€-Job, den Frau G. anstandslos versieht und der ihr wenigstens ein paar zusätzliche Euro einbringt, sodass ihr der Unterhalt ihres kleinen Autos leichter fällt - welches in der Region mit ziemlich zerstückelten ÖPNV-Angebot durchaus wichtig ist. Viele Jobangebote hier setzen ein Fahrzeug voraus. Eines Tages im Mai erhält Frau G. von ihrem Amt telefonisch die Aufforderung, sich bei der Firma S. vorzustellen.

Frau G. macht für 9.5.2007 einen Termin aus - nach einem ca. 1-stündigen Gespräch mit dem Firmenchef Herrn S. scheint am das meiste abgeklärt – Herr S. räumt Frau G. Bedenkzeit bis zum nächsten Tag ein. Frau G. ist nicht unbedingt begeistert – der in Aussicht gestellte Verdienst scheint ihr etwas mickrig. Telefonisch erkundigt sie sich beim Amt, ob sie Zuschüsse erhalten könne - was natürlich nicht drin ist. Frau G. rechnet nach - unter Berückschtigung der Fahrkosten zum künftigen Arbeitsort wird ihr kaum mehr beiben, als bisher. Doch ihr ist auch klar (und selbst wenn sie es vergessen hätte - wurde es ihr im Telefonat wie immer sehr deutlich gemacht), dass sie nicht wirklich eine Wahl hat. Wie ausgemacht ruft sie also am nächsten Tage die Firma S. an, erreicht aber nur die Bürokraft. Inzwischen war Frau G. eingefallen, dass sie es bei der Vorstellung versäumt hatte, sich nach den Rahmenbedingungen der Stelle - also Urlaub, Sonderzahlungen und Entwicklungsmöglichkeiten zu erkundigen. Frau G. holt das nach und bekundet zum Ende des Gesprächs, dass sie den Job machen wolle.

Allerdings informiert sie ihre Gesprächspartnerin, dass die endgültige Entscheidung noch nicht gefallen sei und dies noch 1 bis 2 Wochen dauern könne. Firma S. werde sich dann bei ihr melden. Im Stillen ist Frau G. gar nicht mal so unglücklich über die neuerliche Wendung – immerhin eröffnet diese ihr die vage Chance, vielleicht irgendwo doch noch einen besser bezahlten Job zu finden. Dennoch - Frau G. überkommen auch Anflüge von Resignation: 2 Jahre lang hatte sie sich für ihre Ausbildung abgerackert, sich wirklich angestrengt - und nun sowas?

Zwischenzeitlich hatte Firma S. offenbar - was Frau G. zu diesem Zeitpunkt nicht wissen konnte - beim Amt um weitere Bewerber für ihre Praktikantenstelle gebeten - woraus klar hervor geht, dass Herr S. sich wohl nicht für Frau G. entscheiden konnte. Näheres über die Gründe ist nicht bekannt – doch hält dies das Amt nicht davon ab, aktiv zu werden, während Frau G.noch eher fast fürchtet denn hofft, die Stelle tatsächlich zu bekommen.

Von Firma S. hört Frau G. erst einmal nichts mehr – dafür aber hat sie am folgenden Freitag dicke Post - Inhalt: ein Bescheid über die Absenkung ihres ALGII um 30% für 3 Monate. Auf nicht weniger als 5 Seiten Bescheid und dazu noch 4 Seiten Rechtsbelehrung, die sie unter Androhung weiterer Sanktion unterschrieben zurück zu senden hat, macht Fallmanagerin B. ihr klar, dass Frau G. die folgenden 3 Monate ein um 104€ gekürztes ALGII erhalten werde. Sanktion! (Die wichtigsten Dokumente sind im Folgenden abgebildet - zur Wahrung der Anonymität sind Stellen geschwärzt).



 


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(2021) www.cogitosum.de
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