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Satiraden

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Gegendarstellung (Real-Satire) Diesem Stern-Beitrag des Monats Januar lag ein bedauerlicher Irrtum zugrunde und er wurde daher kürzlich vom Stern gegen dargestellt.  weiter...


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Hart, härter - Hartz PDF Drucken E-Mail
Benutzer Bewertung: / 23
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Geschrieben von Jürgen Scheffler   
Sonntag, 19. August 2007
Beitragsinhalt
Hart, härter - Hartz
2: Fallbeispiel - Vorgeschichte
3: Fallbeispiel - Die Sanktion
4: Fallbeispiel - Die Rechtsfolgen
5: Frau G. wehrt sich
6: Die "große" Ehrung
7: Vorläufiges Resultat
8: Abschließende Bewertung

 

Abschließende Bewertung

 

In den ARGE des Landes setzen öffentlich bedienstete Menschen alles daran, den sogenannten "Vermittlungshemmnissen" bei ALG2-Beziehern auf die Spur zu kommen. Wenn etliche Millionen von ordentlichen Arbeitsplätzen schlicht und einfach fehlen - so diese nicht anders als krank zu nennende Behördenlogik - dann müssen da bei Langzeitarbeitslosen eben solche vorliegen. Man muss sie nur eben nur aufspüren. Wer auf ALG2 angewiesen ist, ist schon von dessen Höhe her weitgehend ausgeschlossen von seiner Teilnahme am soziokulturellen Leben im Lande. Er ist aber auch noch mehr: in Augen behördlicher Logik wird er zum Therapie-Fall, geplagt von "Vermittlungshemmnissen". Und dank der Hartz-Gesetze mangelt es den Behörden fürwahr nicht an "Therapien", um auch diesen "Fall" wieder dem gesunden Teil der Bevölkerung zuzuführen. Bedenklich dabei das behördlich Zerrbild eines gesunden Mitbürgers: das ist nämlich einer, der jede noch so jämmerliche "Arbeit" zu jedem noch so lächerlichen Lohn klag- und widerspruchslos auszuführen hat. Solche Menschen hatten in früheren Epochen einen Namen: Sklaven.

Wie subtil in der anscheinend beabsichtigten Schaffung einer neuen Sklaven-Klasse vorgegangen wird zeigt Folgendes: Hinter vorgehaltener Hand hört man inzwischen von "Formularen", zu deren Ausfüllung Arbeitgeber seitens der Ämter genötigt werden, die Bewerbungsgespräche mit Arbeitslosen haben. Ein vermutliches Ziel dieser offenbar mehrseitigen Formulare dürfte - unabhängig von allem was da offiziell behauptet wird - vor allem wohl sein, den Behörden Munition zur Sanktionierung ihrer angeblichen "Kunden" zu liefern.

Verehrte Leserinnen und Leser - nun stellen Sie sich bitte einmal vor, Sie seien Chef eines Unternehmens und haben eine freie Position zu besetzen. Fast trauen Sie sich kaum, die freie Stelle zu veröffentlichen, weil sie genau wissen: es werden wieder Berge von Bewerbungen eintrudeln und doch können sie nur ein oder zwei zur Vorstellung einladen und letztlich nur einem Einzigen aus dem ganzen Haufen eine Chance geben. Gleich im Dutzend wäre eigentlich allen anderen Absagen zu schicken nicht zuletzt mit saftigem Porto für die Rücksendung der Unterlagen zu versehen. Und nun noch dieses: Was würden sie tun, wenn sie zudem auch noch genau wissen: Hole ich mir einen Langzeitsarbeitslosen zur Vorstellung, muss ich zusätzlich auch noch dieses "Blockwart-Formular" ausfüllen - und das wo Sie "Petzen" schon in der Schule nicht wirklich mochten? Und selbst wenn sie sich auch dieser Prüfung noch unterziehen...

Kann man unter solchen Umständen viele Unternehmer nicht verstehen, die sich von vornherein in sicherer Entfernung von diesem Abgrund unserer heutigen Gesellschaft halten? Die sich sagen - um Himmels willen keine (Langzeit-)Arbeitslosen. Auch Firmenchefs sind Menschen und nicht jeder Mensch quält andere neigungsgemäß gerne. Nicht jeder Chef mag sich zum Sklaventreiber machen lassen, indem er Sklaven einstellt. Es ist dabei auch eine Frage der Unternehmenskultur: Verhandeln und Feilschen, miteinader Rangeln sind vielschichtige soziale Prozesse und zwar solche, die auch gegenseitige Achtung und Respekt transportieren. Wie aber sollen solche Prozesse mit Menschen möglich sein, die von vornherein per Gesetz gar keine Verhandlungsposition inne haben? Im Gegenteil: ihnen droht schon teilweiser Entzug ihrer kargen Lebensgrundlage, sobald sie es nur wagen, nach der Anzahl der Urlaubstage zu fragen?

Es ist doch eigentlich klar, dass viele Unternehmer einen Teil ihres Unternehmenerfolges nicht Menschen anvertrauen wollen, die schon per Gesetz derart diskriminiert sind. Die Hartz-Gesetze scheinen förmlich darauf angelegt, bei Individuen all jene Kernkompetenzen gleichsam "auszuradieren", auf die es ganz besonders in jener Ellbogengesellschaft ankommt, zu der wir uns - angeblich ohne Alternative - hin entwickeln: Urteilsfähigkeit, Vernunft, Mut, Selbstvertrauen, Menschlichkeit. Kaum jemand übersteht längere Zeit in dieser "Maschinerie" ohne nicht erheblichen Schaden an seiner Persönlichkeit und diesen wichtigen Kernkonpetenzen als Arbeitnehmer, und - und darauf scheint das Ganze auch zu zielen - eben auch als Bürger zu nehmen. Für so Betroffene liest sich unser Grundgesetz immer mehr wie bloße Makulatur - Es gilt nur noch für die anderen, die auch sonst alles haben und denen es gut geht. Es kann nicht genug gewarnt werden: Verantwortliche auf allen Ebenen sollten sich nicht wundern, wenn immer mehr Betroffene einestages beginnen, ihr Verhalten ihrer empfundenen Situation anzupassen.

Es geht hier um Menschen, die nicht das Geringste verbrochen haben, und die nach unserem Grundgesetz durchaus präzise Vorstellungen davon haben dürfen, unter welchen Bedingungen sie was arbeiten wollen. Das Leben auf Hartz-Niveau allein schon ist gewiss alles andere als prickelnd - und die vielen Rückschläge bei Bewerbungen sind da auch noch zu "verdauen". Die höchst bescheidende Hartz-Welt (man kann nicht einmal ohne Zustimmung seines "Fallmanagers" verreisen...) indes sollte für die meisten Menschen als "Motivation" zur Arbeitssuche völlig ausreichend sein. Wieso um alles in der Welt kann die (angeblich vom Volke ausgehende) Amtsgewalt diese Menschen, die es ohnehin schon schwer genug in unserer Gesellschaft haben, nicht einfach "in Ruhe" lassen - oder ihnen wenn schon, dann wenigstens echte Hilfe bieten? Nein - nach spätmittelalterlicher Manier muss auf diesen Menschen behördlicherseits regelrecht herum getrampelt werden. Sie werden schikaniert - drangsaliert - und nach tumber Behördendenke dazu gezwungen, allein eine möglichst hohe Anzahl von Bewerbungen zu generieren. Als ob das fehlende Arbeitsplätze herbei schaffen könnte... Noch bestimmen Bedarf des Arbeitgebers und die Qualität einer Bewerbung die Aussichten auf deren Erfolg. Wenn Arbeitsplätze fehlen, fehlen sie auch weiterhin - vollkommen unabhängig wie sehr man Personalstellen von Unternehmen mit Bewerbungen "bombadiert". Kann es wirklich sein, dass es im anbrechenden 21. Jahrhundert keinen anderen Weg gibt, Bedarf und Kapazität schnell und effektiv zueinander zu führen?

Dass aber jede einzelne Bewerbung Hoffnung für den sich bewerbenden Menschen bedeutet - ihn dazu veranlasst, sich wieder mit seinen persönlichen und beruflichen Perspektiven zu beschäftigen, wird seitens der sich selbst meist als sozial "kompetent" sehenden Amts-Sesselinhaber völlig ignoriert. Bis zu 10 Bewerbungen monatlich und mehr verlangen die Behörden von manchen - und würgen dem Betroffenen damit zumeist 10 schwere Misserfolgserlebnisse pro Monat herein. Im Schnitt alle 3 Tage durchläuft ein solcher Menschen den Zyklus - Freude über das Finden eines passenden Jobangebotes - Hoffnung und Planen (denn auf ALG2 Niveau gibt es nichts zu planen...) - und den vernichtenden Zusammenbruch all dessen, wenn dann die Absage kommt.

Damit nicht genug - wie im geschilderten Fall auch - werden die Menschen dann noch zusätzlich in "Maßnahmen" gezwungen - Maßnahmen, bei denen ihre primäre Rolle allein die eines Goldesels für andere zu sein scheint Dies gilt für Zeitarbeit und Arbeitsfabrik gleichermaßen - und daneben auch für so manches andere. Mit einem "freien Arbeitsmarkt" hat all dies nichts zu tun - höchstens mit dem Gegenteil davon. Diese Gesetze wurden von "Politikern" erlassen, die sich erstens dazu verpflichtet haben, dem Gemeinwohl zu dienen - die ihren Wählern in den Wahlkreisen sonstwas erzählt haben, damit sie gewählt wurden. So weit so gut - aber auch diese Menschen haben Pflichten - allen voran jene, denen sie ihre durchaus nicht unbeträchtlichen Einkünfte verdanken. Wie kann es angehen, dass diese Menschen Gesetze generieren, die bei jedem Betroffenen die Zustimmung zu unserer Gesellschaft auf den Nullpunkt sinken lassen müssen?

Frau G. und ihre Kollegen jedenfalls sind den Realitäten um Einiges näher, als die von ihren Nebenjobs so bedauernswert gehetzte Elite in Berlin. Denn sie müssen stets jenen Schwachsinn ausbaden, den die feinen Herr- und Damenschaften dort verbrechen. Sie bezahlen ihn förmlich mit der Qualität und mit Jahren ihres Lebens. Der politische Kompromiss mag ja die notwendige Form zur Suche eines gesellschaftlichen Optimums sein - doch findet jeder Kompromiss dort sein Ende, wo es um grundlegende Bürger- und Menschenrechte geht. Wenn in solchen Fällen die Kompromittierenden sich dann auch noch sozusagen selbst bedienen, bleibt nur noch ein Name für einen Staat, der solche Strukturen hervorbringt und fördert: Bananen-Republik! Irgendwer kriegt irgendwelche Bananen, weil er Anderen Wege eröffnet, sich grundlos zu bereichern. Und hierin kommt man derzeit in Absurdistan fürwahr vortrefflich voran, wie zahllose Beispiele täglich aufs Neue unter Beweis stellen.

Höchst merkwürdig muss in diesem Zusammenhang eine neuerliche geniale Kreation behördlicher Logik wirken - die gut-mittelalterliche "Bettelfuhre" (das Umeinanderschicken armer Menschen) wurde anno 2007 wieder entdeckt. Es gibt ARGE's im Lande, die zahlen insgesamt 1.250 € "Prämie" an jene Langzeitarbeitslosen, die eine - gleich welche - Beschäftigung weit weg (über 100 km vom bisherigen Wohnort) - aufnehmen. Braucht es noch mehr Beweise dafür, auf welchem Weg wir uns eigentlich befinden?
 

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