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Abschließende Bewertung
In
den ARGE des Landes setzen öffentlich bedienstete Menschen alles
daran, den sogenannten "Vermittlungshemmnissen"
bei ALG2-Beziehern auf die Spur zu kommen. Wenn etliche Millionen von
ordentlichen Arbeitsplätzen schlicht
und einfach fehlen - so diese nicht anders als krank zu
nennende Behördenlogik - dann müssen da bei
Langzeitarbeitslosen eben solche vorliegen. Man muss sie nur eben nur
aufspüren. Wer
auf ALG2 angewiesen ist, ist schon von dessen Höhe her
weitgehend ausgeschlossen von seiner Teilnahme am soziokulturellen
Leben im Lande. Er ist aber auch noch mehr: in Augen behördlicher
Logik wird er zum Therapie-Fall,
geplagt von "Vermittlungshemmnissen". Und dank der
Hartz-Gesetze mangelt es den Behörden fürwahr nicht an
"Therapien", um auch diesen "Fall" wieder dem
gesunden Teil der Bevölkerung zuzuführen. Bedenklich dabei
das behördlich Zerrbild eines gesunden Mitbürgers: das
ist nämlich einer, der jede noch so jämmerliche "Arbeit"
zu jedem noch so lächerlichen Lohn klag- und widerspruchslos
auszuführen hat.
Solche Menschen hatten in früheren Epochen einen Namen: Sklaven.
Wie
subtil in der anscheinend beabsichtigten Schaffung einer neuen
Sklaven-Klasse vorgegangen wird zeigt Folgendes: Hinter vorgehaltener
Hand hört man inzwischen von "Formularen", zu deren
Ausfüllung Arbeitgeber seitens der Ämter genötigt
werden, die Bewerbungsgespräche mit Arbeitslosen haben. Ein
vermutliches Ziel dieser offenbar mehrseitigen Formulare dürfte
- unabhängig von allem was da offiziell behauptet wird - vor
allem wohl sein, den Behörden
Munition zur Sanktionierung ihrer angeblichen "Kunden" zu
liefern.
Verehrte
Leserinnen und Leser - nun stellen Sie sich bitte einmal vor, Sie
seien Chef eines Unternehmens und haben eine freie Position zu
besetzen. Fast trauen Sie sich kaum, die freie Stelle zu
veröffentlichen, weil sie genau wissen: es werden wieder Berge
von Bewerbungen eintrudeln und doch können sie nur ein oder zwei
zur Vorstellung einladen und letztlich nur einem Einzigen aus dem
ganzen Haufen eine Chance geben. Gleich im Dutzend wäre
eigentlich allen anderen Absagen zu schicken nicht zuletzt mit
saftigem Porto für die Rücksendung der Unterlagen zu
versehen. Und
nun noch dieses: Was
würden sie tun,
wenn sie zudem auch noch genau wissen: Hole ich mir einen
Langzeitsarbeitslosen zur Vorstellung, muss ich zusätzlich auch
noch dieses "Blockwart-Formular"
ausfüllen - und das wo Sie "Petzen" schon in der
Schule nicht wirklich mochten? Und selbst wenn sie sich auch dieser
Prüfung noch unterziehen...
Kann
man unter solchen Umständen viele Unternehmer nicht verstehen,
die sich von vornherein in sicherer Entfernung von diesem Abgrund
unserer heutigen Gesellschaft halten? Die sich sagen - um Himmels
willen keine (Langzeit-)Arbeitslosen. Auch Firmenchefs sind Menschen
und nicht jeder Mensch quält andere neigungsgemäß
gerne. Nicht jeder Chef mag sich zum Sklaventreiber machen lassen,
indem er Sklaven einstellt. Es ist dabei auch eine Frage der
Unternehmenskultur: Verhandeln und Feilschen, miteinader Rangeln sind
vielschichtige soziale Prozesse und zwar solche, die auch
gegenseitige Achtung und Respekt transportieren. Wie aber sollen
solche Prozesse mit Menschen möglich sein, die von vornherein
per Gesetz gar keine Verhandlungsposition inne haben? Im Gegenteil:
ihnen droht schon teilweiser Entzug ihrer kargen Lebensgrundlage,
sobald sie es nur wagen, nach der Anzahl der Urlaubstage zu fragen?
Es
ist doch eigentlich klar, dass viele Unternehmer einen Teil ihres
Unternehmenerfolges nicht Menschen anvertrauen wollen, die schon per
Gesetz derart diskriminiert sind. Die Hartz-Gesetze
scheinen förmlich darauf angelegt, bei Individuen all jene
Kernkompetenzen gleichsam "auszuradieren", auf die es ganz
besonders in jener Ellbogengesellschaft ankommt, zu der wir uns -
angeblich ohne Alternative - hin entwickeln: Urteilsfähigkeit,
Vernunft, Mut, Selbstvertrauen, Menschlichkeit. Kaum jemand übersteht
längere Zeit in dieser "Maschinerie" ohne nicht
erheblichen Schaden an seiner Persönlichkeit und diesen
wichtigen Kernkonpetenzen als Arbeitnehmer, und - und darauf
scheint das Ganze auch zu zielen - eben auch als Bürger zu
nehmen. Für so Betroffene liest sich unser Grundgesetz immer
mehr wie bloße Makulatur - Es gilt nur noch für die
anderen, die auch sonst alles
haben und denen es gut geht. Es kann nicht genug gewarnt werden:
Verantwortliche auf allen Ebenen sollten sich nicht wundern, wenn
immer mehr Betroffene einestages beginnen, ihr Verhalten ihrer
empfundenen Situation anzupassen.
Es
geht hier um Menschen, die nicht das Geringste verbrochen haben, und
die nach unserem Grundgesetz durchaus präzise Vorstellungen
davon haben dürfen, unter welchen Bedingungen sie was arbeiten
wollen. Das Leben auf Hartz-Niveau allein schon ist gewiss alles
andere als prickelnd - und die vielen Rückschläge bei
Bewerbungen sind da auch noch zu "verdauen". Die höchst
bescheidende Hartz-Welt (man kann nicht einmal ohne Zustimmung seines
"Fallmanagers" verreisen...) indes sollte für die
meisten Menschen als "Motivation" zur Arbeitssuche völlig
ausreichend sein. Wieso um alles in der Welt kann die
(angeblich vom Volke ausgehende) Amtsgewalt diese Menschen, die es
ohnehin schon schwer genug in unserer Gesellschaft haben, nicht
einfach "in Ruhe" lassen - oder ihnen wenn schon, dann
wenigstens echte Hilfe bieten? Nein - nach spätmittelalterlicher
Manier muss auf diesen Menschen behördlicherseits regelrecht
herum getrampelt werden. Sie werden schikaniert - drangsaliert - und
nach tumber Behördendenke dazu gezwungen, allein eine
möglichst hohe Anzahl von Bewerbungen zu generieren. Als
ob das fehlende Arbeitsplätze herbei schaffen könnte...
Noch bestimmen Bedarf des Arbeitgebers und die Qualität einer
Bewerbung die Aussichten auf deren Erfolg. Wenn Arbeitsplätze
fehlen, fehlen sie auch weiterhin - vollkommen unabhängig wie
sehr man Personalstellen von Unternehmen mit Bewerbungen
"bombadiert". Kann es wirklich sein, dass es im
anbrechenden 21. Jahrhundert keinen anderen Weg gibt, Bedarf und
Kapazität schnell und effektiv zueinander zu führen?
Dass
aber jede einzelne Bewerbung Hoffnung für den sich bewerbenden
Menschen bedeutet - ihn dazu veranlasst, sich wieder mit seinen
persönlichen und beruflichen Perspektiven zu beschäftigen,
wird seitens der sich selbst meist als sozial "kompetent"
sehenden Amts-Sesselinhaber völlig ignoriert. Bis zu 10
Bewerbungen monatlich und mehr verlangen die Behörden von
manchen - und würgen dem Betroffenen damit zumeist 10
schwere Misserfolgserlebnisse pro Monat herein. Im Schnitt
alle 3 Tage durchläuft ein solcher Menschen den Zyklus - Freude
über das Finden eines passenden Jobangebotes - Hoffnung
und Planen (denn auf ALG2 Niveau gibt es nichts
zu planen...) - und den vernichtenden Zusammenbruch
all dessen, wenn dann die Absage kommt.
Damit
nicht genug - wie im geschilderten Fall auch - werden die Menschen
dann noch zusätzlich in "Maßnahmen" gezwungen -
Maßnahmen, bei denen ihre primäre Rolle allein die eines
Goldesels für andere zu sein
scheint Dies gilt für Zeitarbeit und Arbeitsfabrik
gleichermaßen - und daneben auch für so manches andere.
Mit einem "freien Arbeitsmarkt" hat all dies nichts zu tun
- höchstens mit dem Gegenteil davon. Diese Gesetze wurden von
"Politikern" erlassen, die sich erstens dazu verpflichtet
haben, dem Gemeinwohl zu dienen - die ihren Wählern in den
Wahlkreisen sonstwas erzählt haben, damit sie gewählt
wurden. So weit so gut - aber auch diese Menschen haben Pflichten -
allen voran jene, denen sie ihre durchaus nicht unbeträchtlichen
Einkünfte verdanken. Wie kann es angehen, dass diese Menschen
Gesetze generieren, die bei jedem Betroffenen die Zustimmung zu
unserer Gesellschaft auf den Nullpunkt sinken lassen müssen?
Frau
G. und ihre Kollegen jedenfalls sind den Realitäten um Einiges
näher, als die von ihren Nebenjobs so bedauernswert gehetzte
Elite in Berlin. Denn sie müssen stets jenen Schwachsinn
ausbaden, den die feinen Herr- und Damenschaften dort verbrechen. Sie
bezahlen ihn förmlich mit der Qualität und mit Jahren ihres
Lebens. Der politische Kompromiss mag ja die notwendige Form zur
Suche eines gesellschaftlichen Optimums sein - doch findet jeder
Kompromiss dort sein Ende, wo es um grundlegende Bürger- und
Menschenrechte geht. Wenn in solchen Fällen die
Kompromittierenden sich dann auch noch sozusagen selbst bedienen,
bleibt nur noch ein Name für einen Staat, der solche Strukturen
hervorbringt und fördert: Bananen-Republik!
Irgendwer kriegt irgendwelche Bananen, weil er Anderen Wege eröffnet,
sich grundlos zu bereichern. Und hierin kommt man derzeit in
Absurdistan fürwahr vortrefflich voran, wie zahllose Beispiele
täglich aufs Neue unter Beweis stellen.
Höchst
merkwürdig muss in diesem Zusammenhang eine neuerliche geniale
Kreation behördlicher Logik wirken - die gut-mittelalterliche
"Bettelfuhre" (das
Umeinanderschicken armer Menschen) wurde anno
2007 wieder entdeckt. Es gibt ARGE's im Lande, die
zahlen insgesamt 1.250 €
"Prämie" an jene Langzeitarbeitslosen, die eine
- gleich welche - Beschäftigung weit weg (über 100 km vom
bisherigen Wohnort) - aufnehmen. Braucht es noch mehr Beweise dafür,
auf welchem Weg wir uns eigentlich befinden?
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