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Nicht alles sollte käuflich sein... PDF Drucken E-Mail
Benutzer Bewertung: / 4
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Geschrieben von Jürgen Scheffler   
Samstag, 11. Oktober 2008

Ein absonderlicher Höhepunkt von Desinformation und Verdeutung ist dieser Beitrag in der Welt. Angesichts der Folgen muss erzürnen, mit welcher Unverfrorenheit sattsam bekannte Mietmäuler hier den logischen Doppel-Rittberger hinlegen und allen Ernstes die gleichberechtigte Erwerbsarbeit von Frauen als EINE Ursache der Finanzkatastrophe ausmachen. Sie gar als von der Mittelschicht herbeigeführt darstellen. Bei diesem Angriff auf jeden IQ über 15 fehlen hier natürlich nicht: unser altbekannter Professor Bude, der es noch fertig bringen wird, den Ruf der Soziologie als ernsthafte Wissenschaft völlig zu desavouieren. Wann immer es absurden Blödsinn unter die Leute zu bringen gilt, sind er und seine Netzwerkskollegen zur Stelle. Und nicht nur er. Ein offenbar völlig losgelöster Uwe Jean Heuser fordert heute auf Zeit-Online, Beschäftigte müssten nun Lohnzurückhaltung üben, weil ja die Krise die Staatshaushalte so sehr belasten werde. Inflationsgefahren redet er klein und ansonsten werden gleich absatzweise Tränen über das befürchtete „Nullwachstum“ vergossen. Kein Wort über die strukturellen Defizite, die der Krise zugrunde liegen - und keines über die mit ihr herauf beschworenen Gefahren für das Leben der Nicht-Millionäre. Kein Wort darüber, dass das Kernarsenal neoliberaler Thesen sich samt und sonders komplett selbst widerlegt hat. Hatte Heuser etwa einen „Ghostautor“ namens Hundt? Sie alle haben noch nicht begriffen - das hinter dieser Sichtweise stehende Denkgebäude ist am Ende - Bankrott - seit Wochen Tag für Tag millonenfach nachzulesen. Wenn man so will - die Twin-Tower: Meinungsmanipulation und Selbstbedienung befinden sich im Einsturz.

Nachweislich wird aus einer bestimmten Propagandarichtung schon seit Langem (wir berichteten häufiger drüber...) die Zersetzung jedweder Erkenntnis über gesellschaftliche Zusammenhänge durch dichtes Trommelfeuer mit Nebelkerzen beliebigen Absurditätsgrades betrieben. Wer bislang damit sein Geld „bekommen“ hat (verdient wäre maßlos übertrieben...) sollte nun besser schweigen oder wenn schon nicht, dann wenigstens sich nicht auch noch darüber beschweren (im Falle von zynischen Apologeten: lustig machen...), dass so viele Menschen sich in den ausgelegten Hirnangeln verheddert haben. Wenn in diesen Tagen so viel von Konsequenz und Neuordnung die Rede ist: auch hier müsste sie ansetzen. Denn die kollektive Intelligenz von Massen kann gesellschaftlich nur von Nutzen sein, wenn man die Menschen auch objektiv und zutreffend informiert, statt sie mit tumber Propaganda und NLP zu malträtieren. Verschiedene Meinungen sind das eine - solange sie offen als solche gekennzeichnet sind, können Menschen damit umgehen. Propaganda und unterschwelliger Manipulation indes gebührt öffentlich der gleiche Status zugewiesen, wie dem Genre, dem sie ohnehin zuzuordnen sind: der Status der vorsätzlichen und hinterhältigen Lüge.

Hin und wieder jedoch - und das allein kann schon Hoffnung machen - wird auch in den Medien Selbstkritik oder zumindest Einsetzen von Nachdenken erkennbar. In diesen Tagen der Rat- und Planlosigkeit kommen auch vermehrt Leute zu Wort, denen man sonst keine Plattform gab oder geben wollte. Und siehe da - sie alle haben was zu sagen, darunter Etliches, woran sogar Kopf und Hand sein mag. Der offenen Diskurs auf sachlicher und logischer Basis fehlt unseren Gesellschaften und deren politischen Systemen schon lange - und dazu trugen Leute wie Bude, Sinn, Mohr und viele andere nicht nur bei, sie verdienten auch noch prächtig daran. Die anstehende Revision der Gesellschaften braucht Sachverstand - auch soziologischen - aber solchen objektiver Provenienz und fern jeglichen Propagandaverdachts für Partialinteressen. Von irgendwelchen Gruppen und Interessenverbänden bezahlten Thinktanks dürfen in der Öffentlichkeit nie wieder mehr ein derart großes Gewicht erlangen, wie in den vergangenen Jahrzehnten. Hiermit zerstört sich die demokratische Gesellschaft ihr wichtigstes Kapital, welches in nicht allzuferner Zukunft womöglich noch mal zum Rettungsanker der Menschheit werden könnte - nämlich die Nutzung der kollektiven Intelligenz moderner Gesellschaften.

Wie immer schon und in der Geschichte tausendfach belegt - noch nie haben Elitengesellschaften es zu etwas auf Dauer Brauchbarem gebracht. Ablass, Hexenverbrennungen, Prunkwahn, Tulpenwahn, Weltkriege. Jahrtausendelang waren sie eher die Geißel ihrer Gesellschaften - behinderten Entwicklung und Fortschritt um einiger marginaler Vorteile zugunsten ihrer belanglosen Existenz willen nahezu vollständig. Wirklich große Geister hingegen fügten sich nur selten in die Schmarotzerkasten ein - sie konnten es sich erlauben, aus dem elitenkonform gestalteten Mainstreams vergangener Zeiten herauszuragen. Auf wenn sie ihrerzeit dafür bisweilen in Flammen aufgingen oder irgendwelche Giftbecher schlucken mussten.

Komischerweise erhoben grade die größten unter Ihnen meist nur wenig Anspruch auf Reichtum und Status. Schlimmstenfalls ließen sie es sich auf Kosten anderer gut gehen - wie Goethe z.B. Selbst dies ist akzeptabel, solange man nicht seinen Geist und dessen Logik in den Dienst der völligen Niedertracht stellt. In den Dienst jener Interessenverwirklichung irgendwelcher Cliquen, die ihre Partialinteressen gegenüber jenen, die für alles schuften und ackern und nicht selten auch bluten - also mithin gegen die Gesellschaft - durchsetzen wollen.

Das akademische Ideal, so vergessen es heute mancherorts scheint, bietet genügend Raum für all die talentierteren in unseren Gesellschaften. Doch kann und wird nicht jeder unter ihnen als großer Geist gelten. Die Intelligenz dieser Leute jedoch sollte hinreichend sein, um zu erkennen, wann man ihnen „ordentliche“ Arbeit anträgt und wann man sie für „Interessen“ einzuspannen gedenkt. Und wie bei Jedem von uns - auf den einfachen Maurer mag es in Form eines verlockenden Angebots zu einer einträglichen Schwarzarbeit zukommen - stehen sie dann vor der Wahl: verkaufe ich mich und verkaufe ich damit die Interessen der Gesellschaft, die letztlich alles trägt, oder leiste ich Verzicht.

Eine Geißel des Finanzwahn ist letzlich das leider zutreffende Kalkül, dass sich hier die Mehrheit der jeweils Infragekommenden (die gleichwohl insgesamt eine winzige Minderheit darstellt) gegen den Verzicht entscheidet. Ich will hier keine gnostischen Diskussionen heraufbeschwören - die bringen in der gegenwärtigen Lage auch niemanden weiter. Aber es wird deutlich, wieso die Herrschaftsmaxime „Teile und Herrsche“ da immer noch ganz ordentlich funktioniert. Viel interessanter ist hingegen, wie dieses Kalkül in die Hirne der medienkonsumierenden Menschen transportiert wurde und leider noch weiter wird - und dort massivste Vorarbeit leistet u.a. auch für das, was wir grade erleben.

Inzwischen hat ja die Suche nach den Schuldigen eingesetzt - diese ist eigentlich kaum sinnvoll. Selbst wenn es gelänge, viele oder etliche zu identifizieren, morgen könnte es schon wieder so weit sein, weil flugs andere, keineswegs bessere, die Stelle derer einnehmen, die diese neue Form der Inquisition aus dem Verkehr zieht. Verzichten wir auf die Inquisition - nehmen den Erkannten bestenfalls ab, was sie mit ihrem Treiben ungerechtfertigt eingesackt haben - und geben ihnen die Chance zur Neuorientierung. Derzeit nimmt da ohnehin nur wieder einer neuer Bauer den Platz des geopferten Bauern ein. Gefragt ist vielmehr strukturelle Analyse und strukturelle Verhinderung solcher Fehlentwicklungen sowie ihrer geistigen Vorausetzungen. Ein Element der strukturellen Immunisierung von Gesellschaften gegen solche Machenschaften wäre heute das Brechen der riesigen Medien- und Kommunikationskartelle. Ein anderes das öffentliche Ausbuhen solcher Beiträge wie eingangs vorgestellt. Was im Übrigen auch - dem Internet und seinen Möglichkeiten sei dank - erfolgt, nämlich in den Leserkommentaren zu solchen Artikeln.

Auch wenn die Protagonisten alter Schule dies noch nicht richtig ernst nehmen - dies mag noch das Modell einer bereits begonnenen Zukunft werden. Menschen werden sich artikulieren - nicht immer fein, nicht immer geschliffen und keineswegs immer konsensorientiert. Eine logische Folge wird bleiben und anders sein als je zuvor - kein Autor wird sich am Tage des jüngsten Gerichtes herausreden können, er hätte nie und niemals wissen können, was er da tut... Denn Menschen sagen es ihm - nicht immer fein, nicht immer höflich - aber eindringlich und mit ihren Worten.

 

 

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