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Die einzige Konstante neben dem "O" ist hier: "Krise"! Hinter
uns liegen verwirrende wie sorgenvolle Tage - und leider stehen die
Zeichen gut, dass noch etliche folgen werden. Doch wer sich
aufmerksam umhörte und umsah, konnte in diesen Tagen Etliches
über unser Finanz- und Geldsystem erfahren und lernen. Um es mit
den Sonntagstalkworten Volker Kauders (CDU) zu sagen: ...gespürt
habe er schon länger, dass da was nicht in Ordnung sei. Nun
- damit ist er gewiss nicht allein. Allerdings sollte er - besonders
als Spitzenpolitiker - es eigentlich viel besser und vor allem
genauer wissen. So genau zumindest, dass er nicht bis vor kurzem noch
so viele der neoliberalen Phrasen von ausufernder Staatsverschuldung
und Notwendigkeit zu immer noch mehr Deregulierung hätte
nachplappern müssen. Ausnahmsweise war sogar der
Sonntagsabendtalk bei Anne Will informativ. Doch dass Volksparteien
ihren wirtschaftpolitischen Katechismus quasi übernacht
austauschen, dass Banker aber auf einmal so kleinlaut sind - sich gar
unter die Fittiche der ehemals von ihnen selbst verspotteten
Staatsmacht begeben, muss nachdenklich machen. Solche Polsprünge
in der öffentlichen Kommunikation und synchron dazu auch im
konkreten Handeln verheißen meist wenig Gutes, vor allem in
Anbetracht der Unsummen, mit denen da hantiert wird. Am
glaubhaftesten an Allem mag vielleicht noch der Willen der Politik
sein, die Öffentlichkeit zu ihrem eigenen Schutz nicht mehr als
unumgänglich zu beunruhigen. Doch wohnt diesem Signal
konstruktionsbedingt Mehrwertigkeit inne
- aus wohlmeinender „Schonung“ kann unversehens auch Vertuschung
oder gar Schlimmeres werden.
Bevor
wir uns nun der Krise und ihren Hintergründen nähern, sei
dieser Link
all Jenen empfohlen, die sich unter unserem gegenwärtigen
Geldsystem nicht wirklich etwas Konkretes vorstellen können.
„Klar weiß ich, was Geld ist..“ mögen Viele spontan
sagen. Tatsache aber ist, dass es wohl auf kaum einem sonstigen
Gebiet des alltäglichen Lebens derart viel Mangel an
zutreffendem Wissen in der Bevölkerung gibt, wie auf dem
Sektor Geld - obgleich wir wir mehr oder weniger täglich mit ihm
umgehen. Dies wird auch gar nicht so ungern aufrecht erhalten - vor
allem von Politikern und Experten. Eben, weil es sich auf der Ebene
wertgesicherten Geldes von anno dunnemals so wunderbar einfach und
auch für „Laien“ verständlich „argumentieren“ lässt
- wobei wirkliches Verständnis wohl eher weniger das
Argumentationsziel sein dürfte...
Zur
Krise selbst: angesichts hektischer Bemühungen der
Wochenend-Diplomatie weltweit scheint es gelungen, zumindest die
Börsen für den Moment mal an weiterer Talfahrt zu hindern.
Die im Verlauf der letzten Woche arg gebeutelten Aktienmärkte
erholten sich - der DAX und andere Indizes machten einen
Freudenhupfer. Das muss bei einigen Predigern des Neoliberalismus
wohl so eine Art Orgasmus ausgelöst haben, zumindest gemessen an
dem was da so in der Presse zu finden war. Demonstriert am Beispiel
Reinhard Mohr (wie manche vielleicht wissen, einer meiner
„Lieblingsautoren“) im Spiegel anlässlich einer
Fernsehkritik
zu Friedrich Merzens „optimal“ getimter Buchvorstellung: „Mehr
Kapitalismus wagen. Wege zu einer gerechten Gesellschaft“.
Zitat aus Mohrs journalistischem "Prunkstück": „Binnen
Stunden ist gestern der Dax, die Ausgeburt des Finanzkapitalismus,
derart raketenhaft auferstanden, als sei ihm gerade der heilige Geist
des unbefleckten Kapitals erschienen.“
oder „ ... ,dass der Kapitalismus...
beinah immun
scheint gegen Krisen aller Art, aus denen er stets gestärkt
hervorgeht“. Trotz all der Anleihen beim Allmächtigen
diagnostiziere ich da: klarer Fall für Zewa Wisch und Weg.
Ist
es denn nun geschafft? Ist die akute Brandgefahr in Weltfinanz und
Weltwirtschaft abgewendet? Eigentlich ist es zu früh und die
Wirksamkeit des ganzen Experimentes ohnhin nicht gesichert. Die koordinierten Planungen der führenden Industriestaaten
scheinen - vorsichtig formuliert - höchst ehrgeizig. Weltweit
werden schwindelerregende Unsummen „angefasst“ um vor allem im
Bankenbereich wieder für Ruhe zu sorgen - angeblich. Der
Kurshüpfer an den Börsen bedeutet zunächst einmal
nicht mehr und nicht weniger, als dass es Menschen gibt, die der
dargebotenen Show Glauben schenken und vielleicht noch welche, die
mal eben - rein zufällig natürlich
- plötzlich und ausgerechnet jetzt ihre tiefe Liebe zu
Finanztiteln wieder entdecken. Doch es gilt zweierlei: erstens ist
die Börse nicht unbedingt ein verlässlicher Indikator für
den Ernst einer Lage und zweitens hat der DAX trotz mächtigen
Spurts nicht einmal das Mindestniveau der Vorzeit erreicht. Doch auch
ganz ohne Marder-Autopsie bestehen erhebliche Risiken.
Die
Zeichen in der Realwirtschaft stehen alles andere als günstig -
so standen sie auch schon bereits vor dem Börsencrash. Weiter
erhebt sich die Frage, ob es gelingt, die international abgestimmten
Maßnahmen auch genügend schnell umzusetzen. Selbst wenn
entsprechende Gesetze die Parlamente passiert haben, einige Zeit wird
verstreichen, bis sie ihre reale Wirkung entfalten werden. Welche
Belastungen im Gefolge des globalen Banken „Bail-Outs“
(Rettungsaktion) da nun auf die Staatshaushalte förmlich
zurollen werden, steht indes in den Sternen.
Allein für Deutschland liegt das beschlossene Volumen deutlich
über dem eines jährlichen Bundeshaushalts.
Doch
nutzten Einige die kurze Verschnaufpause in den Katastrophenmeldungen
sogleich. Als ob wir nicht drauf verzichten könnten, wagen sich
die ersten neoliberalen Propagandisten bereits wieder aus den Löchern
und entblöden sich nicht, ein altbekanntes Einsparpotential - oh
Wunder - bei den Sozialkosten zu entdecken. Außer bei der
Welt-Hungerhilfe könnte man ja z.B. bei 45 Mrd € für
Hartz IV sicher noch so richtig was zur Beseitigung jenes
Schlamassels einsparen, den Bank- und Finanzscharlatane da
angerichtet haben. Immerhin geht es dabei um „Leistungsträger“
- das andere sind ja nur Menschen.
Andere
Facette heute im Spiegel:
(der Fairness wegen wollen wir dazu sagen, dies ist eine
Presseagentur-Meldung): man meldet nüchtern Umsatzplus
im Einzelhandel trotz Finanzkrise. Toll - man darf schon
gespannt sein, was daraus erst wird, wenn Reinhard Mohrs Feder
darüber gegangen ist. Die Sinnhaftigkeit der Beitrags indes
liegt schon der Logik nach auf dem Rücken - Zitat: „Wir
spüren nicht, dass sich die Verbraucher durch die Krise stärker
zurückhalten als sonst". Ja -
warum auch um alles in der Welt sollten sie denn nun ausgerechnet gerade DAS
tun? Da wird doch der Eine oder Andere sein Geld vielleicht
doch eher noch schnell für etwas ausgeben, was er gerade oder
bald brauchen könnte.
Nun
- nutzen auch wir die Verschnaufpause, um ein paar Aspekte näher
unter die Lupe zu nehmen.
Nach
dem von den Medien seinerzeit kaum bekannt gemachten Brandbrief
der „Elder Statesmen“ an die EU-Führung vom Mai (!) diesen
Jahres, decken Finanztitel derzeit etwa das 15-fache des
Welt-Jahres-BIP ab. Lassen Sie uns mit dieser Information mal eine
kleine Betrachtung für Deutschland anstellen - es ist einfacher
und übersichtlicher als man denkt.
Unser
Jahres-BIP liegt derzeit bei rund 2.700 Mrd €. Dies ergibt - mal 15
- astronomische 40.500 Mrd €! Selbst wenn wir sämtliche
Vermögenswerte hierzulande zusammenkratzen und auch noch Oma ihr
klein Häuschen sowie den mickrigen Rest verbliebenen
öffentlichen Eigentums oben drauf legten: mehr als bestenfalls
12.000 bis 15.000 Mrd € würden kaum zusammen kommen. Deutlich
wird - irgendwie fehlen da so um die 25.000 Mrd € - anteilig allein
auf Deutschland bezogen. Die früher so oft als künftige
Generationen ach so schwer belastend kritisierte Staatsverschuldung
von 1.600 Mrd € macht im Vergleich dazu kaum mehr aus, als eine
Wanne voll Wasser in einem Swimmingpool - zumal davon in Mehrheit Sinnvolles
geschaffen und erhalten wurde.
Der
denkbare Einwand, möglicherweise könne dieser irre
Fehlbetrag irgendwie im Ausland gedeckt sein, verfängt auch
nicht so recht, denn dort bestehen ganz offensichtlich vergleichbare
Verhältnisse. Der Brandbrief der „Elder Statesmen“ verrät
aber noch mehr - und auch dies scheint nicht gerade beruhigend. Denn
die von Statesmen skizzierten Gegenmaßnahmen geben dem
unbefangenen Leser einen Fingerzeig darauf, wie die politische
Bewältigung dieser Krise „gedacht“ wird. Und da ist
angesichts der Zahlen zu befürchten: es mögen Ansätze
sein, die früher einmal vielleicht noch etwas hätten
bewirken können - inzwischen aber greifen sie wohl eher
reichlich zu kurz.
Und
das ist es auch, was alle bisherigen „Rettungsaktionen“
kennzeichnet. Seit 2007 verpufften nicht gerade wenig Milliarden mehr
oder weniger wirkungslos. Gesagt werden muss auch, dass mitnichten
die Immobilienkrise und mithin ein paar Millionen zu sorgloser
Hauskäufer in USA wirklich Ursache der Krise gewesen sein
können. Etwas nachrechnen ergibt schnell - selbst wenn sich 1
Mio Amerikaner mit ihrer Hütte übernommen haben und Banken
die beliehene Immobilie weitgehend abschreiben müssten - mehr
als 200 Mrd $ / Million Fälle kann das kaum ausmachen. Die
Immoblienkrise war somit wohl eher ein nicht mehr retuschierbares
Symptom und nicht Krisenursache. Das Rad was da gedreht wird, ist um
Einiges größer. Die Ursachen hierfür dürften
eher in den - seit Jahren wider alle Vernunft hochgehaltenen -
Mantras der Finanzelite und dem was da sonst noch alles so verbrochen
wurde, zu suchen sein. Diese ungezählten Derivate und
Zockerpapiere - vor allem die CDS (Credit Default Swaps) - scheinen
Risiken in schier unkontrollierbarem Ausmaß in sich zu bergen -
und insgesamt hat dieser Virus wohl die Finanzsysteme weltweit
infiziert.
So
wird aus der in der Medienpropaganda seltsam oft zitierten
„Vertrauenskrise der Banken untereinander“ da wohl eher ein
ähnlicher Hoax wie die „Immobilienkrise als Ursache“ - wozu
wir schon mal (nicht ohne Staunen) feststellen mussten, dass der
Preisverfall auf dem US-Immobilienmarkt bereits Ende 2005 einsetzte.
Dem feinsinnigen Beobachter indes mag noch in Erinnerung sein, dass
man uns erst über die Auswirkung hierzulande bis
hin zum HRE-Drama stets zu täuschen versuchte. Anfangs sprach
man noch gern und oft in verharmlosendem Duktus von kurzfristigen
Liquiditätsengpässen. Gelogen im strengen Wortsinn
hat man wohl nicht - denn Liquiditätsengpässe waren ja da -
man unterschlug aber, dass sie stets Anzeichen eines tiefer liegenden
Problems sind. Und wenn diese Probleme nun plötzlich alle Banken
haben, na - was kann das wohl bedeuten? Womöglich geht es nicht
und ging es nie um kurzfristige Probleme - weder bei HRE, bei Lehmans
oder sonst wo, sondern eher um systemische, die mit den vielen oben
erwähnten Luft-Milliarden zusammenhängen, die sich da
irgendwo in den Büchern der Banken verstecken.
Somit
haben wir in Wahrheit da vielleicht weniger eine Vertrauenskrise - der steile
Abgrund wird es sein, in den man da bei manchen - vor allem großen
- Banken blicken könnte, während der Boden unter den Füßen
bereits zu bröckeln beginnt. Hier und da waren ja selbst in
etablierteren Medien Warnungen zu vernehmen - so beispielsweise hier
oder hier.
(beachten sie das Datum beim zweiten Link...). Der Medien-Rummel aber
scherte sich darum wie um so vieles andere Wichtige auch nicht und Politik
samt Experten ergingen sich in Valium-Gequassel. Es ist leider eine
Tatsache, dass die in den Rettungsmaßnahmen enthaltenen
Änderungen zur Bilanzierung genau diesen Verdacht untermauern -
denn nur damit könnte man das Ausmaß des Dramas weiter
vertuschen.
Doch
- wovor hat man denn wohl Angst, wenn man uns so lange immer noch
derart haarsträubend belügt? Ja - da gibt es etwas, und das
ist gewaltiger als alle Rettungspakete und stärker als jegliches
Gekungel zwischen Finanz- und Politikwelt. Käme es zu einem
allgemeinen Bankenansturm, dürften das Finanzcasino - samt Macht
und Einfluss - von einem auf den anderen Tag geschlossen sein.
Insgesamt
erhärtet sich so der Verdacht, das „Rettungspaket“ zielt
also gar nicht auf geplagte Bänker, die wegen ihres
Klimakteriums o.ä. in irgendwelche anfallartigen
Vertrauenskrisen geraten sind. Welch ein Blödsinn auch - das
sind beinharte Profis und keinesfalls zartbesaitete Pastorentöchter.
Und vor allem - sie nahmen bisher auch sonst nichts wahr, was sich
nicht irgendwie direkt in einer Bankbilanz widerspiegelte. Eine
Position „Vertrauen“ gibt es dort ebenso wenig, wie eine namens "Umwelt" oder "Soziale Verantwortung".
Worum
es hier wohl eher geht, scheint, der Öffentlichkeit sowohl das
wahre Ausmaß der Katastrophe sowie deren Zusammenhänge,
Akteure und Profiteure zu verschleiern. Wenn Sie also in diesen Tagen
„Vertrauenskrise unter den Banken“
lesen - nehmen Sie es mehr als Prophetie. Wirklich damit gemeint sein
könnte vermutlich eher das, was eintreten könnte, wenn jemals
heraus käme, was da wirklich gerade abgeht. Denn das so viel
thematisierte „Vertrauen“ ist die Archillesferse des gesamten
Molochs, der da vor sich hinwuchert. Eine Krise hier bedeutet eine
Krise des Vertrauens der Bevölkerung in ihr Geld, in die Banken
- und angesichts der frischen „Traumhochzeit“ - am Ende womöglich
auch noch in ihre Politiker.
Grund
zu Panik besteht für normale Menschen noch nicht unbedingt.
Entschieden wird unsere Wirtschaftszukunft ohnehin in den
Realwirtschaften der Staaten. Die aus den Fugen geratene
Finanzwirtschaft samt all ihrer „innovativen Produkte“ gibt grad
halt mal die „Titanic“ und scheint gar nicht mehr in der Lage,
überhaupt noch einen Beitrag zu irgendetwas Brauchbarem zu
liefern. Hardliner Roland Koch indes hielt es letzte Woche noch für
nötig, in einem Interview darauf zu beharren, es
sei ohne jeden Zweifel richtig gewesen, Risiken handelbar zu
machen... Soso - da kann man Frau Ypsilanti wirklich nur
noch die Daumen drücken. Mir persönlich ist es ohnehin
völlig Schnuppe wieviel Vermögen Kochs Freunde (seine
eigenen Worte...), also die Multi-Millionäre und
Multi-Milliardäre, verlieren - Es kratzt mich nicht die Bohne.
Letztlich bleibt auch ihnen: sie können immer noch ALG2
beantragen - aber bitte erst hübsch die
Kontoauszüge der letzten drei Monate vorlegen!
Was
mich in der Gesamtschau eher bedrückt, ist indes, dass ich mir
so überhaupt nicht mehr sicher bin, ob die uns präsentierte
Show vom Wiedererstarken der Politik und der neuen Bescheidenheit der
Banken auch wirklich den Tatsachen entspricht. Mein Unbehagen mag
vielleicht mit meiner persönlichen Vertrauenskrise zu unseren
Medien zusammenhängen, aus der ich seit Jahren immer nur
Eines lerne: Think the opposite! Und damit stellt sich die
Frage - Was, wenn momentan nicht die Staaten die Banken
übernehmen, sondern umgekehrt: die
Banken übernehmen die Staaten?
Nachttrag: Hier noch ein Link zu einem sehenswerten Plus-Minus-Video
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