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Unendliche Geschichte... PDF Drucken E-Mail
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Geschrieben von Jürgen Scheffler   
Sonntag, 22. Februar 2009

Religion hat in der realen Politik und in den internationalen Beziehungen nichts verloren. Und das ist gut so - denn heutige Gesellschaften beherbergen zumeist eine Vielzahl von Religionen, deren Unversöhnlichkeit untereinander möglichst keine Pforte in die Realität mehr zu öffnen ist. Die jüngste Kritik des Zentralrat der Juden in Deutschland an Schröders Besuch im Iran gibt hier ein leuchtendes Beispiel ab. Nur religiös vernebelten Hirnen ist plausibel zu machen, wieso der Besuch eines Ex-Kanzlers in einem der fortgeschritteneren muslimischen Staaten dem Ansehen Deutschlands Schaden zufügen soll. Es kann nichts Falsches daran sein, wenn angesichts der hochbrisanten Lage in der Region alle maßgeblichen Mächte in Gespräche eingebunden werden. Daran gibt es nichts aber auch gar nichts zu kritisieren - insbesondere dann nicht, wenn man selbst keinerlei zivilisationskonforme Vorschläge vorzuweisen hat. Gespräche bedeuten weder die Aufwertung der Holocaust-Leugnung durch Ahmadinedschad noch der rückwärtsgewandten Vermengung von Religion und Politik, die in der islamischen Republik Iran - aber durchaus auch in Israel - anzutreffen ist. Gespräche bedeuten zunächst einmal keine Toten, sondern lediglich die Akzeptanz der Realitäten. Im Gegensatz zu jedweder Militäraktionen bergen sie zumindest ein Quentchen Chance, in der Entschärfung dieses Dauerbrenners unter den Weltkonflikten zur Abwechslung vielleicht einen winzigen Schritt voran zu kommen.

Aus Sicht der zivilisierten Welt ist der Iran ein vergleichsweise hoch entwickeltes Land mit einer relativ niedrigen Analphabetenquote und einer zumindest erkennbaren wirtschaftlichen Zukunft. Real betrachtet verhält sich der Staat Iran vergleichsweise friedlich - ganz im Gegensatz zu Israel, welches das bisschen vorhandene internationale Recht quasi gewohnheitsmäßig mit Füßen tritt - und offenbar ein Vorrecht zu dessen Deformation für sich beansprucht. Auch gibt es einen Unterschied zwischen dem verbalen Bestreiten des Existenzrechts eines Staates und dem Eindreschen von Militärmaschinerien auf eine praktisch wehrlose Bevölkerung. Worte lassen sich wandeln oder gar zurück nehmen - Tote hingegen nicht.

Dies wurde leider Anfang 2009 mal wieder deutlich - wo ausgerechnet jener Staat Israel, dessen Volk selbst einmal unter unbeschreiblicher Verfolgung zu leiden hatte, sich im Gazastreifen keineswegs zivilisierter als jedes beliebige Hottentotten-Regime aufführte. Sicher - Ahmadinedschad hat sich mit etlichen Aussagen selbst weit fernab jedes möglichen Konsenses gestellt. Doch dies bezieht sich bislang eher auf seine Aussagen, nicht aber auf das konkrete Handeln des Staates Iran, dessen Regierungschef er nun leider mal ist. Das ramponierte Ansehen Israels bei breiten Bevölkerungsschichten in muslimischen Staaten ist ein Produkt seines eigenen Handelns und Verbesserungen werden sich hier niemals herbeibomben lassen. Fakt bleibt außerdem, dass es da ein Land und ein Volk von 75 Millionen Iranern gibt, das man nicht einfach von der Landkarte auslöschen können wird - ergo gibt es zum Weg der Koexistenz keine Alternative. Der internationale Druck auf Iran ist groß - lange Zeit stand zu befürchten, dass die USA unter dem Bush-Regime auch noch die grandiose Dummheit begehen würde, dem Sündenfall Irak einen weiteren, noch größeren, Fall Iran hinzuzufügen.

Doch worum geht es bei diesem Druck? Vordergründig um die Befürchtung, der Iran könne sich über die Zeit in den Besitz von Atomwaffen bringen. Hierzu ist paradoxerweise festzustellen, dass Israels bereits seit Langem als inoffizielle Atommacht gilt. Wo ist der Druck auf Israel und seine dem religiösen Wahn keineswegs weniger zugetanen Eiferer? Es mag sein, dass man sich diese Frage hier kaum stellt - wichtig für Frieden aber ist, dass man sich diese in Kreisen arabischer Bevölkerungen sehr wohl stellt. Geben die konkreten Ereignisse der jüngeren Geschichte überhaupt irgendeine Handhabe, Israel einen vernünftigeren Umgang damit zuzutrauen, als etwa dem Iran? Im Gegensatz zum Iran ist Israel nicht einmal dem Atomwaffensperrvertrag beigetreten und belügt die Weltöffentlichkeit seit Langem in Punkto Atomwaffen. Wieso eigentlich sollte eine israelische Atomwaffe „besser“ als eine (vorläufig hypothetische) iranische sein? Was - ja was bloß würde die iraelische Propaganda nur tun, wenn der Iran sein Verhalten an dem Israels orientierte - d.h. zwar andere Worte benutzen und in der Sache aber das Gleiche betreiben?

Hinter all dem historischen Unrat, der sich in Jahrzehnten ansammelte, wird deutlich, wie sehr dem Staat Israel eigentlich eine akzeptable Vision für seine eigene Zukunft fehlt. Es ist an der Zeit, dass auch der Judenstaat einmal begreift, dass Schwerter niemals Frieden sondern nichts als Leid und Elend säen. Sicher - für die idiotische Gestalt seines Staatsgebietes kann Israel wenig. Dieses territoriale Merkmal zwang den Staat in der Logik der Kriegsführung häufiger dazu, seine Kriege außerhalb seiner Grenzen auszutragen. Doch sollte der Staat Israel seine eigenen Wurzeln nicht ganz verdrängen. Wie hier nachzulesen, bildete er sich doch selbst aufgrund massiven Unrechts gegenüber der seinerzeit dort ansässigen Bevölkerung. Und hier - und nicht bei Ahmadinedschad - liegt die Wurzel des ewigen Bürgerkrieges zwischen Juden und Arabern. Millionen von Palästinensern wurden vertrieben und können nun mit nicht weniger Recht als die Juden auf ihre „Heimat“ pochen. Wer diesen Konflikt auflösen will, muss den schwierigen Weg zur Koexistenz und einem echten Ausgleich der beidersetigen Interessen suchen. Eine echte realpolitische Bedrohung des Existenzrechts Israels indes gibt es inzwischen nicht mehr. Die Mehrzahl der überwiegend muslimischen Nachbarstaaten strebt längst nach friedlicher Koexistenz - aber ohne eine beiderseitig akzeptable Lösung der Palästinenser-Problematik wird sie nicht zu haben sein.

Der Judenstaat hat sich in allen Kriegen sicher gut bewährt - doch darüber scheint man zu vergessen, dass die wahre Bewährung einer Gesellschaft nicht Krieg sondern Frieden lautet. Und diesbezüglich ist die Situation weit verfahrener, als auf den ersten Blick erkennbar wird. Der Ministaat Israel mit seinen gut 7 Mio Einwohnern (wovon fast 20% ohnehin Muslime sind) ist umgeben von einer fast uniform muslimisch geprägten Welt. Abschottung und Dissoziierung mit den meist weitaus bevölkerungsreicheren Nachbarn wird hier keine Dauerlösung werden können. Zudem stellen die für die Palästinenser gehandelten Lösungsansätze mehr oder weniger einen Negativabdruck israelischer Interessen dar - und sind damit aus deren Sicht ebenso inakzeptabel wie sie es schon vor 50 Jahren waren.

Krieg aber ist mit Gewissheit keine Dauerlösung - denn unvermeidlich wird der Tag kommen, an dem der Nimbus der militärischen Unbesiegbarkeit Israels untergehen wird. Diese Lektion könnte sich der Judenstaat auf jedem Fall von seinem historisch größten Peiniger durchaus mal bewusst zu Gemüte führen, zumal weltweit längst eine Entwicklung weg von Staatskonflikten hin zu schweren innerstaatlichen sozialen Spannungen im Gange ist. Und hier ist Israel keineswegs so rocksolide aufgestellt wie im militärischen Bereich. Die teilweise empfindlich benachteiligten Minderheiten im eigenen Land, das ungelöste Palästinenserproblem und vor allem die auch in Israel rapide sich öffnende Armutsschere dürften die gesellschaftlichen Herausforderungen der Zukunft sein.

Und diese werden sich weder mit Atomwaffen noch mit Panzern oder F16 bewältigen lassen. Die taumelnde Weltwirtschaft wird an Israel ebenfalls nicht vorbei ziehen - und seine Politik wäre gut beraten, den Fokus nicht auf Rassismus und militärisches Umsichschlagen zu lenken, sondern sich der schwierigen Aufgabe zu stellen, eine friedliche Zukunft des eigenen Staates in einem weltanschaulich und inzwischen historisch völlig dissoziierten Umfeld zu entwickeln. Im Interesse der Region, der Weltpolitik und nicht zuletzt im Interesse Israels selbst ist zu hoffen, dass dies diesem Land mit seiner multikulturellen Bevölkerung auch dann gelingt, wenn die militaristische Klammer, von der es derzeit noch zusammengehalten wird, an Bedeutung verlieren wird. Ob dies - wie auch sonst auf der Welt - den gegenwärtig vorherrschenden Eliten überhaupt zugetraut werden kann, sei mal dahin gestellt.

Im Lichte all dessen wird fraglich, ob die Organisation der hiesigen jüdischen Gemeinschaften sich und der Sache ihrer Menschen wirklich einen guten Dienst damit erweist, stets weiter stur der überkommenen Weltsicht von Spaltung und militärischer Dominanz offen zuzuarbeiten. Zu Gesprächen und Verhandlungen auch mit Widersachern gibt es eben keine humane Alternative - Humanität ala Gaza Anfang 2009 jedenfalls widert die Menschen weltweit an. Letztlich ist es in Israel selbst nicht anders als im Iran oder sonstwo auf der Welt. Es gibt Anteile von Spinnern und vernünftigen Menschen. Nirgendwo aber - und auch in Israel nicht - gibt es weder eine politische noch eine religiöse Strömung, die alles Recht für sich allein gepachtet hätte. Und so kann Fortschritt hier zunächst einmal immer nur bedeuten, dass man endlich damit aufhört, sich wegen derartig irrtumsbehafteten Kokolores gegenseitig umzubringen. Zumal - wie immer mehr Menschen weltweit klar wird - es in aller Regel eben nicht um den behaupteten Firlefanz, sondern eher um dahinter verborgene konkrete Interessen von Geld und Macht geht. Und hierfür wäre eigentlich jeder Tote bereits ein Toter zu viel...

Dass höher oder weiter entwickelte Gesellschaften mehr Weitsicht und Toleranz aufzubringen haben, als weniger entwickelte, zählt zum zivilisatorischen Preis eines jeden Fortschritts. Und gerade einem derart gepeinigten Volk wie dem jüdischen stände es außerordentlich gut zu Gesicht, sich hier an vorderster Front an der Entwicklung neuer und besserer Zukunftsvisionen zu beteiligen. Wenn dies den in Israel unter teilweise recht konkreter persönlicher Gefahr lebenden Menschen etwas schwerer fallen mag, so sollte die Erkenntnis der offensichtlichen Zusammenhänge zumindest jenen, die hier sicher und behütet leben, dafür doch um so eher gelingen können - eigentlich.

Sicher wäre es wünschenswert, dass es einen Iran ohne Geschichtsklitterung eines Ahmadinedschads gäbe und Palästinenser ohne Kassam-Brigaden. Aber nicht minder wünschenswert ist auch, dass es keine israelischen Atomwaffen, keine machtvollen Schikanen oder rassistisch motivierte Vertreibungsaktionen und erst recht keine militärischen Überfälle auf geschundene Zivilbevölkerungen gibt. Wer die Hamas oder Ahmadinedschad als Gesprächspartner nicht akzeptiert, muss sich mangelnden Friedenswillen zurechnen lassen - und gerade die Israelis selbst sollten wissen, dass man diesen Willen nicht mit Gewalt herbeizwingen kann. Und so handelt die gegenwärtige Polit-Elite Israels keineswegs verantwortungsvoller als etwa die im Iran oder die der Palästinenser. Und erst recht vom Zentralrat der Juden in Deutschland ist zu fordern, dass er nicht immer wieder nur durch neue Parolen für kriegerische sondern endlich mal durch welche für friedensbildende Alternativen auf sich aufmerksam macht.



 

 

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