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Satiraden

Oettinger stürzen... Satire. "Oettinger stürzen" wird unter Langzeitarbeitslosen als "Running Gag" immer beliebter. Wie diese Meldung einmal mehr zeigt...  weiter...


Gegendarstellung (Real-Satire) Diesem Stern-Beitrag des Monats Januar lag ein bedauerlicher Irrtum zugrunde und er wurde daher kürzlich vom Stern gegen dargestellt.  weiter...


WIESO Tipp (Real-Satire) Die Mühlen der deutschen Justiz mahlen langsam aber gründlich - sagt man ihnen nach. Wie man am Ausgang des Skandal-Prozesses um die Berliner Landesbank (der Spiegel berichtete hier) erkennen kann, wurde am Ende aber doch alles gut...  weiter...


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Wieder und wieder... (Real-Satire) Weitgehend unbemerkt von der Öffentlichkeit gelang der FTD gestern am 20.03.2007 der erste Feldtest eines völllig neuen Prototyps für den politischen Beitrag der Zukunft.  weiter...


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Zeit der Schizophrenie... PDF Drucken E-Mail
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Geschrieben von Jürgen Scheffler   
Mittwoch, 18. März 2009

Game over... So einfach und zugleich unerbittlich, wie diese Message für Spielsüchtige (die in Wahrheit ja auch eher Gewinnsüchtige sind...) am einarmigen Banditen daher kommt, so wenig findet sie offenbar Eingang in den dementen Elitehirnen dieser Zeit. Was in normalen Zeiten als zuverlässiger Indikator einer grandiosen Ignoranz gelten dürfte, lastet inzwischen wie Blei nicht nur auf der hiesigen Gesellschaft: kein Tag vergeht, an dem nicht Orientierungslosigkeit und Absurdität spürbarer weden - wenn teilweise auch mit wundersamen Auswirkungen. Beispielsweise strömen derweil Scharen planloser Wähler der FDP zu, obwohl ja wohl klar sein dürfte: woher auch immer Aufbruch zu Neuem kommen mag - ganz gewiss doch nicht aus jener Richtung, die diesem Katastrophenzug das ideologische Gleisbett schuf, der da nun Richtung Abgrund unterwegs ist. So handelt dieser Beitrag auch von psychischen Störungen des Denkens, der Wahrnehmung und der Affektivität - also exakt dem, was man gemeinhin mit dem Wort Schizophrenie umschreibt. War bisher bekannt, dass einzelne Menschen Opfer dieser grauenhaften Krankheit werden können, so scheint neu, dass dies auch ganzen Gesellschaften blühen kann (So ganz neu ist es nicht wirklich - denn mit der sogenannten „Machtergreifung“ - damals nicht anders als heute von Eliten inszeniert - war man schon mal auf vergleichbarem Weg... ).


Und wie es blüht. Quasi im gleichen Atemzug, wie Tausenden in Form von Arbeitsplatzverlust die Lebensgrundlage entzogen wird und bei Rentnern, Arbeitslosen und Armen auch noch der allerletzte freie Euro abgeholt wird, schieben sich Elitäre ohne jede Skrupel weiterhin wachsende Wahnsinnssummen zu - beispielsweise in Form sogenannter „Boni“ auf irgendwelchen Pfründeposten. Man fasst es kaum: „Häh - Boni? Wofür denn das? Klar: natürlich nur für lupenreine Spitzenleistung. Hierfür also mal ein Beispiel - stellvertretend für tausende andere: die Postbank (Link). Sie wissen schon - das ist die Bank, die seit Jahren schon ihre Gebühren ausgerechnet bei den ärmsten ihrer Kunden kassiert (siehe folgende kleine Montage aus der aktuellen Werbung... wo sich die Verweise auf - wohlgemerkt verschiedenen - Webseiten befinden... )

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Sowas nennt man doch nun mal wahrhaftige Werbung - kostenloses Girokonto! Aber natürlich nicht für diejenigen, für die 5,90 € wirklich etwas ausmachen. Bei all der Markt- und Werbemacht von Giganten wie Postbank oder Commerzbank gehen da ehrliche Angebote, die ein echtes kostenloses Girokonto beinhalten, wie z.B. das von den SparDaBanken (die wir hier absichtlich und dazu kostenlos erwähnen...) etwas unter. Wie auch immer: kommen wir nun zur ultimativen „Leistung“. Vor gut einem Jahr lag der Aktienkurs dieses Unternehmens bei sagenhaften 67,04 € - und erholt er sich gerade etwas Richtung 10 €. Wahnsinn - rund 85% Prozent Verlust in wenig mehr als einem Jahr! Na - wenn das keinen Millionen-Bonus wert ist, was denn dann? Mit dieser verqueren Art Arithmetik hat Postbank-Boss Klein keine Probleme - weder in seinem Gebührengefüge noch beim unverdienten Millionensegen - schließlich habe er dafür ja auch ganze Wochenenden durchgearbeitet, der Arme... Aber nach jüngsten Meldungen will er mal nicht so sein und kündigt an, er werde 2009 ein ganzes Jahr für ein Euro Gehalt (davon kann man weder theoretisch noch praktisch leben...) arbeiten, wenn - ja wenn - der Aufsichtsrat es wollen sollte - was natürlich nie eintreten wird. Purer Zynismus in Reinkultur...

Doch die Postbank ist da durchaus in guter Gesellschaft. Denn - auch wenn es der Vernunft richtig weh tut - Andrea Nahles (SPD) kämpfte kürzlich beherzt für die Armen unserer Gesellschaft. Sie setzte sich dafür ein, dass die Notransfusion für unsere verirrten Autokonzerne auch Hartz-Empfängern zu gute kommen soll. Was im Umkehrschluss bedeutet: Allem Anschein nach ist es bislang wohl so nicht vorgesehen! Abgesehen von der tief schürfenden Frage - wieviel Hartz IV Empfänger sich wohl mit der Frage einer Neuwagenanschaffung überhaupt akut beschäftigen mögen - passt dieses Szenario doch wohl weit besser in eine Büttenrede als in die Realität. Deutlicher kann man die Demenz des ganzen Hartz-Denkansatzes kaum hervorbringen. Demnach würde die Prämie, die wirklich jedem Heiopai zu Gute kommt, der zumindest so tut, als würde er ein hinreichend altes Vehikel verschrotten, dem Hartzempfänger etwa als „Einkommen“ auf die Leistungen angerechnet, womit sie dann gleich wieder futsch ist? Was machen die Behördenhirne bloss, wenn dieser angesichts dieses Schwachsinns gleich ganz der Verlockung widersteht? Vielleicht - ihm mangelnde Mitwirkung vorwerfen und dann ihm deswegen die Bezüge kürzen, so nach dem Motto, er hätte sich ja in den Genuss der Abwrackprämie bringen können?

Nun - über solche Kleinigkeiten wollen wir uns gar nicht erst aufregen. Auch nicht darüber, dass sich der halb-abgehalftete Roland Koch als amtierender Ministerpräsident mal so eben en passant in Personalfragen des seiner geistigen Strömung ohnehin schon unendlich gewogenen ZDF einmischt. Man muss das nur verstehen - offenbar ist auch nur ein Hauch von unabhängiger Berichterstattung inzwischen derart bedrohlich für die Kungel-Zirkel dieser Verbands- und Seilschaftenrepublik, dass man sich genötigt sieht, sie im Keim zu ersticken. Und wenn da mal ein Chefredakteur nicht so spurt oder ihm auch nur der Verdacht eines Mangels an der „richtigen“ Haltung anhaftet: die Schar der willigen Willenlosen ist ebenso riesig wie eifrig im Stühlesägen. Nun - als Beobachter mag man sich da schon fragen, wie man angesichts solcher Praktiken die abfälligen Untertöne in der Berichterstattung über die russische Medienlandschaft nocht rechtfertigen will - wo doch die diesbezüglichen Unterschiede zwischen hüben und drüben zunehmend verschwimmen.

In solche wirren Zeiten haben unsere „Demokratien“ immerhin noch ein Pfeiler vorzuweisen, von dem man glaubt, er stehe im Sumpf wie eine Eiche. Die Justiz. Ehern und einst mal angesehen erhebt sie diesen Anspruch - und urteilt so vor sich hin. Zum Beispiel: einer Kassiererin in Berlin war gekündigt worden, weil sie von irgendeinem Kunden verlorene Getränke-Bons im Wert von 1,30 Euro unterschlagen habe. Wer mag, kann sich hier die weiteren Fakten ansehen. Und nun wird es rechtlich interessant: denn die angeblich „unterschlagenen“ Bons haben dem Unternehmen Tengelmann genau betrachtet keinerlei Schaden zugefügt. Der mit den Bons verbriefte Betrag war ja eine Zahllast des Unternehmens - und zwar an den Kunden, dem sie ursprünglich gehörten. Nun stelle man sich vor, die Kassiererin hätte die Bons an das Unternehmen zurück gegeben - wäre dann etwa Tengelmann wegen „Unterschlagung“ bestraft worden? Nun - die Richter des Landesarbeitsgericht (was immer sie eingeworfen haben mögen...) entschieden, die fristlose Kündigung der bereits seit Jahrzehnten beschäftigten Kassiererin sei rechtens. Mit anderen Worten: beliebiger Willkür wird Tor und Tür geöffnet. Anders als im Kommentar darf allerdings durchaus bezweifelt werden, ob dies formell rechtens war - denn zu einer fristlosen Kündigung gehört dem Gesetz nach immer noch auch die Schädigung des Arbeitsgebers, die im vorliegenden Fall wohl nicht so ohne Weiteres herleitbar ist.

Würden wir in einem Paradies der Ehrlichkeit und Aufrichtigkeit leben, könnte man diesem Schwachsinns-Urteil vielleicht noch entfernt irgendwie folgen - doch im aktuellen Umfeld von Betrug, Abzocke und Selbstbedienung großen Stils in praktisch allen führenden gesellschaftlichen Kreisen ist dies Urteil vor allem auf Eines: ein Urteil über unsere Justiz - und zwar ein ziemlich vernichtendes. Aufgabe des Rechtes einer Gesellschaft ist es, Gerechtigkeit herzustellen und zu erhalten - und zwar für Jeden gleich. Im dem Maße, wie dabei die Justiz versagt (was sich leider zunehmend häuft... ganz besonders dann, wenn aus Versehen mal Elitäre auf der Anklagebank platznehmen...) werden auch noch die letzten Grundlagen des gesellschaftlichen Zusammenhaltes erodieren. Dieser Prozess ist nicht sonderlich spektakulär - und er wirft auch so gar nichts für werbewirksame Schlagzeilen ab. Doch auf längere Sicht richtet er kaum wieder gutzumachenden Schaden an...

Da wir grade bei Lappalien sind - keine Idiotie ist offenbar groß genug, dass es nicht noch Nachahmer gäbe - ein weiterer Willkür-Fall: Eine Kamener Bäckerei kündigte zwei langjährigen Mitarbeitern, weil sie angeblich Brotaufstriche für Brötchen „entwendet“ hätten (das muss man sich mal auf der Zunge zergehen lassen... ). Sie denken nun vielleicht, das sei ein verfrühter April-Scherz - doch leider ist dem nicht so, wie dieser Link zeigt. Diesmal ging die Justiz offenbar ganz ohne Drogen zur Sache und bügelte diese lächerliche Klage ab. Dennoch wird das Gefühl, in einem halbwegs ordentlichen und gerechten Rechtstaat sicher aufgehoben zu sein, durch solche Veranstaltungen nun wirklich nicht gefördert - eher fühlt man sich wohl an den Titel dieses Beitrags erinnert.

Und dies leider auch in einem aktuellen Zusammenhang. Seit dem traurigen Ereignis letzter Woche sorgte der Amokläufer von Winnenden für Beschäftigung und Werbeeinnahmen bei unseren Medien und natürlich entfaltete sich die absurde Pracht unserer Gesellschaft mal wieder zur schönsten Blüte. Spiegel-Online - auch sonst um Dummheiten selten verlegen - übertrifft sich hier mal wieder selbst. Erneut, wie eigentlich stets bei solchen Dramen, werden - zumindest unterschwellig sogenanntes Killerspiele für das grausige Drama mitverantwortlich gemacht.

Ein verhätschelter Junge aus gutem Hause - auf den noch nicht einmal das sonst gern zitierte „Einzelgänger“-Profil so recht passen will - dreht durch und tötet 15 Menschen und vielleicht auch sich selbst. Wahrer Horror - doch der wird fast noch in den Schatten gestellt von der Berichterstattung und den anderen Peinlichkeiten in dem Fall. So gibt es Grund zur Annahme, dass die betretenen Gesichter in der ersten Pressekonferenz des baden-württembergischen Innenministeriums nicht allein vom Ausmaß des Schreckens geprägt waren. Welchen Grund mag es wohl gegeben haben, dass ein veritabler Landesinnenminister vor den Medien ausufernd über die Lage von irgendwelchen Treppen im Schulgebäude vor sich hinstammelt?

Nun - es galt wohl, die nicht ganz belanglose Kleinigkeit zu verbergen, dass der Täter für einige Stunden der Polizei entwischen konnte, was nicht zuletzt noch zu weiteren Opfern führte. Als wäre dies nicht schon peinlich genug, taucht dann plötzlich eine Meldung auf, der Amokläufer hätte seinen Lauf angekündigt. Wo? - natürlich in einem Forum des bösen bösen Internet. Dumm nur - das betroffene Forum war sehr flott, diese offenbar mit Fälschungen unterlegte „Behauptung“ nachweislich zu widerlegen. Über die Hintergründe dieser Pirouette wird leider viel zu leicht hinweg gegangen - denn die von der Polizei präsentierten Screenshots beweisen immerhin, dass hier wohl bewusst gefälscht worden sein muss. Es handelt sich also nicht - wie in vielen Medien zu lesen - nur um eine „Panne“. Irgendwer wollte, warum auch immer, in Ausbeutung des tragischen Ereignisses genau diese Botschaft generieren - und das wäre es schon durchaus interessant, zu erfahren warum da wer versuchte, das grauenhafte Vorkommnis zu instrumentalisieren...

Merkwürdig auch - zwar zählt der Spiegel die Pornobilder auf Tim K. Rechner samt Inhaltsbeschreibung auf, und erwähnt süffisant, dass Tim K. am Vorabend seines Blutrausches von „Far Cry“ gespielt habe - ein klitzekleiner Begleitumstand aber bleibt dafür völlig unerwähnt. Offenbar befand sich Tim K. seit längerem wegen Depressionen in Behandlung. So ist nicht einmal auszuschließen, dass er zum Tatzeitpunkt unter dem Einfluss moderner Antidepressiva stand. Ein Teil dieser legalisierten Modedrogen rufen bei einigen Menschen bekanntermaßen schwere Ausnahmezustände hervor - und dies nicht nur bei der Einnahme, sondern auch beim Absetzen. Doch um allein diesen Umstand zu erfahren, muss man heutzutage in Absurdistan schon Auslandsmedien bemühen. Und erst als diese die Meldung verbreiteten, wurde dies auch hierzulande widerwillig am Rande mitgemeldet.

Man braucht eigentlich nur die Deformationen unseres „Gesundheitssystems“ mit dieser Information (Aktualisierung: es handelte sich hier um einen Link, in dem von einer Warnung der österreichischen Gesundheitsbehörden vor der Verabreichung von Anti-Depressiva an Jugendliche berichtet wurde... der Link ist leider unauffindbar "verschwunden") aus völlig unverdächtiger Quelle übereinander legen, um einen zumindest prüfenswerten Zusammenhang zu erhalten. Vielleicht auch interessant für die Leser - noch während des Entstehens dieses Artikels sieht Spiegel-Online sich offenbar genötigt, seine Berichterstattung (Link) anzupassen und es existieren nun, zumindest vorübergehend, zwei fast identische Versionen des Beitrags gleichzeitig auf Spiegel-Online. Von Antidepressiva und deren durchaus nicht völlig unbekannten „Nebenwirkungen“ allerdings weiterhin keine Spur darin. Statt dessen dementieren die Eltern nun die Psycho-Nummer schon aus Furcht davor, mitverantwortlich gemacht zu werden - was die Sache nicht unbedingt klarer macht.

Bei den als „Killerspiele“ gescholtenen Computerspielen indes handelt es sich um äußerst populäre Spiele wie Counterstrike, TacticalOps und ähnlichen. Man nennt sie auch Egoshooter, weil der Spieler das Geschehen dort aus der Ichperspektvie wahrnimmt. Beschrieben lässt sich das Genre in etwa als eine Art virtuelles Räuber und Gendarmspiel - landesweit und oft auch international treffen sich Spieler in einer Szenerie, um in dieser virtuellen Szene zumeist in zwei Gruppen gegeneinander zu kämpfen. Auch wenn der Waffengebrauch simuliert wird (das wurde es beim alten Räuber- und Gendarmspiel auch...) hat dies schon allein deswegen nicht das Geringste mit Amokläufen zu tun, weil sich bei Amokläufen ein Täter gegen vollkommen unbeteiligte und wehrlose reale Menschen richtet - was wohl eindeutig zwei grundverschiedene Paar Schuhe sind. Praktisch jeder Jugendliche, der heute hier aufwächst, kommt irgendwann in Kontakt zu solchen Spielen, so wie früher eben Jeder mal mit anderen draußen Räuber und Gendarm gespielt hat. CogitoSum berichtete zu diesem Themenkomplex bereits hier, hier und hier.

Dass besonders der Name des Spiels Counterstrike bei sämtlichen der jüngeren Schüler-Amokläufe in Deutschland fällt, ist nicht etwa ein Indiz für die besondere Gefährlichkeit dieses Spiels - es ist schlicht seiner enormen Verbreitung geschuldet. Gruppenspiele dieser Art im Internet benötigen eine gewisse Verbreitung, bevor sie für Spieler überhaupt attraktiv werden. Denn erst viele gut besuchte Spiele-Server machen den mit diesen Spielen verbundenen Unterhaltungswert rund um die Uhr nutzbar. Warum kurzdenkende Politiker und andere Schlaumeier - die meist vor allem auszeichnet, solche Spiele nicht einmal zu kennen - dennoch nicht ruhen, bei jeder Gelegenheit ausgerechnet auf diesem Spiel-Genre herumzutrampeln, muss ein Rätsel bleiben. Eher könnte man da die abendlichen ZDF-Nachrichten fast noch für gefährlicher halten. Keiner der Schul-Amokläufer hierzulande - so vermutlich auch Tim K. nicht - dürften zu den besonders Aktiven in dieser Game-Szene gehört haben. Drollig auch, dass immer wieder Verbote gefordert werden - wobei diese Spiele längst unter der vollen Härte des Jugendschutzgesetzes stehen.

Dieser Killerspielwahn dient so denn auch nur Einem: durchgeknallten Behörden einen Vorwand zum Herumschnüffeln in der Privatsphäre von Menschen zu liefern. Die einzig mögliche Steigerung wäre: Diese Spiele auch für Erwachsene zu verbieten --> Behörden müssen nun *leider* dieses ohnehin kaum durchsetzbare Gesetz „durchsetzen“ --> Ergebnis: Freibrief zum Schnüffeln was das Zeug hält... und wieder ein Stück Freiheit auf dem Altar des Absurden geopfert. Wo die Fahrrinne schon mal ausgebaggert ist, kommt unsere Millionärsgattin und Übermutter im Kabinett gleich mit voll in Fahrt - Familienministerin von der Leyen will nun endlich der Kinderpornographie wirkungsvoll zu Leibe rücken. Dieses durchaus ehrenwerte Ziel aber verfolgt auch sie auf einem merkwürdig absurden Weg - sie möchte den Zugangprovidern auferlegen, entsprechende Inhalte zu „filtern“.

Wie damit Kinderpornographie an der Wurzel bekämpft werden soll, bleibt indes ein Rätsel - denn das bestmögliche (wenn auch äußerst unwahrscheinliche) Ergebnis dieser Maßnahme kann sein, sie aus dem Internet zu verdrängen. Doch Kinderpornographie ist älter als das Internet - und es gibt jede Menge Wege, sie auch jenseits des Netzes der Netze herzustellen und zu verbreiten. Wieso eigentlich nicht versucht von der Leyen sich zur Abwechslung mal an einer wirkungsvollen Maßnahme: statt die Nutzer der Kinderpornographie deren Erzeuger - auch im Ausland - mit allen Mitteln und äußerstem diplomatischen Druck zu bekämpfen? Das wäre erstens vielleicht sogar realisierbar und würde zweitens der milliardenschweren Szene einen harten Schlag versetzen.

Doch zurück nach Winnenden: bedeutsamer ist da noch eine andere Frage. Wie kann es sein, dass ein 17-jähriger Schüler derart geübt im Umgang mit einer echten Waffe ist, dass es zu so vielen Opfern kommen kann? Normalerweise hat ein Junge dieses Alters so eine Waffe noch nie in der Hand gehalten, geschweige denn je benutzt. Man kann davon ausgehen, dass unter solchen „normalen“ Bedingungen die Katastrophe bei weitem nicht derart eskaliert wäre. Offenbar aber war Tim K. mit seiner Tatwaffe auf das Allerbeste vertraut. Ein Umstand, über den etliche Politiker - unter ihnen auch Bundestrojaner-Züchter Schäuble - nur allzu gerne den scheinheiligen Mantel des Vergessens breiten würden. Wer einmal etwas wirklich Erschütterndes lesen möchte, sollte sich diesen Link hier ansehen. Eine Ungeheuerlichkeit nach all den damaligen heiligen und unheiligen Schwüren der Politikerkaste im Gefolge des Massakers in Erfurt - aber von der strukturellen Art her längst Alltag in Absurdistan.

So stehen wir mit der Tragödie von Winnenden erneut vor einem Fall, der erst durch das Zusammentreffen vieler Umstände, von denen die meisten noch im Dunkeln liegen und etliche auch dort verbleiben dürften, überhaupt erst möglich wurde. Eine wirklich schlüssige Erklärung wird es wieder nicht geben. Höchstens ein neuerliches von irgendwelchen Interessen weich gespültes Gewäsch - und selbst dies ist wenn, überhaupt erst in Monaten zu erwarten. Derweil aber profitiert man bereits ungeniert von dem Grauen - Medien wie Politiker ringen um Anteile am Populismus-Kuchen und versuchen politisches oder echtes Kapital aus dem Massaker zu schlagen. Und doch wissen beide genau: der von ihnen selbst aufgepeitschte tumbe Aktionismus wird erneut - wie auch schon in den Fällen Emsdetten und Erfurt - zuverlässig dem Versagen zugeführt.

Eine Gesellschaft, die sich fortwährend derart selbst belügt, indem sie immer noch Ideale hoch hält, die längst niemand mehr - besonders ihre Eliten - überhaupt noch leben, sollte sich nicht darüber wundern, dass gerade Heranwachsende in schwere Konflikte mit ihrer persönlichen Erfahrung und Erkenntnis geraten. Keimen erst einmal Zweifel dekodiert sich gerade jungen Leuten auch schnell das menschenverachtende Repressionssystem, dass in Wahrheit den Äther der gesellschaftlichen Strukturen unseres Exportweltmeister-Kombinats bildet. Das ist nun mal so - wenn wie in diesen Zeiten nur noch Geld - und aus Sicht der Arbeitenden noch nicht einmal das eigene - die einzig bestimmende Skala im Leben von Menschen ist,

Wer aber Menschen ausgrenzt, nur weil sie anders sind als Otto Normalverbraucher, wer Arme ausnimmt, nur um sowieso schon Reiche unverdient noch reicher zu machen, sollte die moralische Instanz besser meiden. Verblödungsfernsehen und im Dienste des Konsumgottes künstlich aufgepeitschte Massenhysterie (siehe nur das widerliche WM-Fieber...) erzeugen ebenso unappetittliche Nebenwirkungen, wie ein Großteil der von Pharmakonzernen gepriesenen und millionenfach unters Volk gekippten Psychopillen und Antidepressiva.

Den Vogel schossen hier unlängst Meldungen ab, nach denen einer der bekannten Nebenwirkungen bestimmter Antidepressiva (Serotonin-Wiederaufnahmehemmer), nämlich sexuellen Funktionstörungen, am besten mit der Einnahme von Viagra zu begegnen sei. Dabei brauchen Gesellschaften eigentlich nicht vordringlich Pillen für ihre Funktion - sie brauchen zuvorderst für Menschen lebbare Lebensentwürfe. Diese gibt es an sich zum Nulltarif - umso trauriger dass sich Menschen heute dopen müssen, um in einer Gesellschaft zu überleben, für die nicht der Mensch, sondern unverdienter Profit das Maß aller Dinge ist.

Und nun die schlechte Nachtricht: all dies ist eng verwoben mit jenem hinterhältigen Mechanismus, der durch unser Geldsystem dargestellt wird. Geld ist nicht menschlich und weder Mensch noch sonst irgendein Lebewesen besitzen gar Gene zum Umgang mit diesem Artefakt. Selbst über solchen Schwachsinn konnte man kürzlich von unseren Medien abgesonderten Schwachsinn lesen. Unser gegenwärtiges Geldsystem ist weder ehrenwert noch ehrlich - und dies nachweislich bereits in seiner Struktur. Im Gegenteil - es schafft klar erkennbar die Basis für Korruption, Betrug und Entmenschlichung der Gesellschaft. Bei einem unehrlichen Geldsystem kann niemand eine ehrliche Gesellschaft erwarten.

Nichts beweist das besser als genau der Abgrund an Betrügereien und organisierter Kriminalität, in den man im Gefolge der Geldschöpfung durch Privatbanken geriet. Unsere Politiker beklagen die vorhersehbaren Auswüchse dessen - gleichwohl pumpen sie dreistellige Milliardenbeträge in dieses mafiöse Geschäft und knausern dann rum, wenn es um reale Lebensperspektiven von echten - im Gegensatz zum Geld lebendigen - Menschen geht, die um ihre Arbeitsplätze ringen - weil irgendeine Finanzmafia beschlossen hat, eine Wirtschaftskrise „herbeizuführen“. Wer diese Mafia bekämpfen will, muss ihr ihre Macht nehmen - also: Schluss mit privater Geldschöpfung. Dieses Modell hat auf ganzer Linie versagt.

Letztlich stehen hier vor einer „Schere im Kopf“ - wo fast die gesamte Welt inklusive Natur unter den Auswirkungen dieses offen erkennbar falschen Weges stöhnt, braucht es an der Lebensrealität aller Menschen orientierte Strukturen, die bestmöglich gegen Angriffe der subversiv-krimineller Provenienz abgeschottet sind. Doch keine der politischen Parteien hat hier auch nur Ansätze im Köcher. Das erhebt die Frage, warum dies wohl so sein mag - und die Antwort ist klar: Überfordert man Politiker und andere Elitäre als Menschen nicht vielleich doch mit dem Erwartung, sich gegen das einzusetzen, was sie - neben den „Taschengeldern“ aus öffentlicher Kasse - doch überaus auskömmlich „belohnt“?

Menschen begehen Fehler - dies sowohl in den oberen wie unteren Schichten einer Gesellschaft. Das Schizophrene unserer Zeit ist leider: macht dies heute ein Armer, muss er - inzwischen selbst hierzuland - sein Leben bedroht sehen. Ein Reicher hingegen wird , und das auch nur bestenfalls, vielleicht ein wenig weniger reich. Hierzu muss man nur gegenüberstellen, was geschiert, wenn ein Arbeitender 99% seines Einkommens und ein Milliardär 99% seines Vermögens verliert. Der eine ist so gut wie tot - der andere immerhin noch Millionär. Eigentlich Grund genug, über Eigentum und unser Geldsystem und seine Auswirkungen in Ruhe mal in sich zu gehen - und dann nach Strukturen in Finanz, Wirtschaft und Politik Ausschau zu halten, die unsere Gesellschaften wieder mehr an lebenswerten Idealen für Alle orientieren. Möglicherweise hätte dies nebenbei auch durchaus preventive Auswirkungen hinsichtlich solcher Desaster wie dem in Winnenden.

 

 

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