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Satiraden

Oettinger stürzen... Satire. "Oettinger stürzen" wird unter Langzeitarbeitslosen als "Running Gag" immer beliebter. Wie diese Meldung einmal mehr zeigt...  weiter...


Gegendarstellung (Real-Satire) Diesem Stern-Beitrag des Monats Januar lag ein bedauerlicher Irrtum zugrunde und er wurde daher kürzlich vom Stern gegen dargestellt.  weiter...


WIESO Tipp (Real-Satire) Die Mühlen der deutschen Justiz mahlen langsam aber gründlich - sagt man ihnen nach. Wie man am Ausgang des Skandal-Prozesses um die Berliner Landesbank (der Spiegel berichtete hier) erkennen kann, wurde am Ende aber doch alles gut...  weiter...


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Wieder und wieder... (Real-Satire) Weitgehend unbemerkt von der Öffentlichkeit gelang der FTD gestern am 20.03.2007 der erste Feldtest eines völllig neuen Prototyps für den politischen Beitrag der Zukunft.  weiter...


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Hauch des Unwirklichen... PDF Drucken E-Mail
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Geschrieben von Jürgen Scheffler   
Mittwoch, 23. September 2009

Ja – wie - ist denn schon wieder 1. April?...“ mag sich da manche(r) fragen, wenn er oder sie am vergangenen Wochenende auf der Website einiger namhafter Nachrichtenmagazine solche Scherzartikel zu lesen bekam. Was im provinziellen Kabarett eventuell noch zu ein paar müden Schenkelklopfern reichen könnte, gewinnt enorm an Brisanz wenn man berücksichtigt, dass Behörden diese haarsträubende Gurkenstory um den clownesken Bekkay Harrach offenbar auch noch ernst nehmen. Man rechnet ihn gar der mittleren Führungsebene der eher sagenhaften denn realen Al Quaida zu und spricht gar von einer Bonner Terrorzelle. Die Sehnsucht gewisser Kreise nach einem realen terroristischen Gegner muss wohl groß sein. Dann endlich könnte man doch mal wieder so richtig durchgreifen – so nach dem Muster Reichskristallnacht. Was sich Redakteure bei Spiegel, Welt und anderen Perlen unseres Medienkartells bei der Ausschlachtung dieser Posse gedacht haben, entzieht sich unserer Kenntnis. Allzu viel jedenfalls kann es nicht sein – und daneben drängt sich der Verdacht des Drogenkonsums auf. Vielleicht wird auf den Redaktions-Konferenzen ja ein Bundeswehr-Direkt-Import von unserer fernöstlichen Selbstverteidigungsgrenze gereicht? Nun – wer weiß das schon. Das Ergebnis indes spricht für sich... Doch kehren wir zurück zu den wirklich wichtigen Dingen dieser Tage. Wir stehen unmittelbar vor den „sogenannten Wahlen“ zum deutschen Bundestag – und so wahr ich hier sitze und schreibe: seit Monaten wohne ich dem mit Abstand merkwürdigsten Wahlkampf bei, den ich jemals erlebt habe. Vor allem: Sollten Wahlen nicht dadurch gekennzeichnet sein, dass es Alternativen gibt, zwischen denen der Wähler wählen kann? Und das kann man anlässlich dieser Wahl ja nun wirklich nicht behaupten...

Seit Monaten posaunen Wahlprognosen den so gut wie sicheren Sieg der vom Medienkartell eindeutig bevorzugten Koalition Schwarz-Gelb ins Land. Nach dem eher gemütlichen als überzeugenden TV-Duell vor einer Wochen nun - wie 2005 – kurz vor der Wahl wieder mal die Prognosen-Wende.. Dass dies notwendig ist, ist klar – denn welches Meinungsforschungsinstitut will nachher schon derart krass daneben gelegen haben? Und auf keinen Fall auch soll ein potentieller Schwarz-Gelb-Wähler wegen des Eindrucks daheim bleiben, das Rennen sei schon gelaufen. Auch ansonsten quillt das Medien-Kartell auf allen Ebenen über vor suggerierender Propaganda für Schwarz-Gelb und subtiler Demontage der Gegenseite – was die politisch handlungsunfähige SPD gleich mit einschließt.

Bleiern liegt über dem Land, dass vollkommen gleichgültig wie der angebliche Souverän (die Bürger) wählen wird, schon heute klar ist, wie der nächste Kanzler der Bundesrepublik Deutschland heißen wird. Angela Merkel. Steinmeiers Getrommel – er wolle Kanzler werden – macht eher den Eindruck einer Pflichtübung, zumal der Schein-Kandidat die einzige Konstellation, die überhaupt je ein Format zu einer anderen Politik entwickeln hätte können, im Verein mit dem im dritten Frühling befindlichen Müntefering längst ausschloss. Und so setzte es für den Kämpfer auf verlorenem Posten denn auch die schallende Ohrfeige – denn die FDP legte sich soeben auf Schwarz-Gelb fest. Das war's dann für Kanzler-Aspirant Steinmeier. Und niemand wird wohl behaupten wollen, das sei nun eine völlig unvorhersehbare Entwicklung...

Wie schon einmal in der Geschichte Deutschlands liegt das Versagen der altehrwürdigen Volkspartei SPD in der Bewahrung der Demokratie deutlich auf dem Tisch und dahinter zieht die bange Frage auf, was oder wem denn da politisch der Weg geebnet werden soll. Mindestens genauso muss befremden, dass maßgebliche Medien wie die Welt sich zwar Gedanken über irgendwelche Würstchen im Kanzler-Verzehr machen, aber der naheliegenden Frage weiträumig ausweichen, wie der SPD-Führungs-Kreis zu einer derart krassen Fehleinschätzung ihrer Lage gelangen konnte. Ihr gesamter Scheinwahlkampf um die sagenumwobene Ampel ist seit heute rückstandslos den Bach runter. Da nutzen dann die eilends – vorwiegend zur Beruhigung der eigenen Basis – ausgegebenen Valium-Pillen „Die FDP wird es schon nicht so gemeint haben...“ auch nichts mehr.

Politisch fällt Deutschland damit nach langem Siechtum ein weiteres Stück in Leichenstarre. Allenfalls ein Wahlausgang, bei dem es für CDU und SPD nicht einmal mehr zur „großen“ Koaltiion reicht, wäre noch in der Lage, dem Land wieder politischen Leben einzuhauchen. Wenn auch höchst unwahrscheinlich – völlig unmöglich wäre dies nicht einmal, denn gemessen an ihrer Politik wäre es nicht einmal unverdient, wenn es die CDU/CSU unter 30 und die SPD unter 20 Prozent beamen würde.

Wie „sicher“ sich die grauen Eminenzen über den Wahlausgang tatsächlich sind, kann vielleicht aus dem geschlossen werden, was sie so an Farbenspielen über ihr Medienkartell absondern lassen: wie wär's mit Schwarz-Gelb-Grün (Jamaica) oder vielleicht doch lieber eine Uganda-Koalition? (Schwarz-Rot-Gelb?). Wenn Gottschalk schon eine Wahlempfehlung abgeben darf, dann darf ich das auch... Leute – wählt die Linkspartei und streut damit Sand in das Getriebe dieses Mummenschanz. Diese nämlich ist einerseits groß genug, um ins Parlament zu kommen und andererseits noch nicht so völlig vom „System“ absorbiert, wie die anderen Parteien. Die echten Wahlmöglichkeiten bei dieser Bundestagswahl 2009 scheinen sich auf diese eine Frage zu reduzieren: Nicht-Wählen, Linkspartei wählen oder irgendwen aus der Allparteien-Koalition wählen. Das Ergebnis  wird – von ein wenig Kosmetik zur Besänftigung der jeweiligen Klientel mal abgesehen – sowieso immer das Gleiche bleiben.

Und das ist traurig – ja es ist sogar eine Frechheit, was unsere Bilderbuch (fast wäre mir Bilderberg rausgerutscht...) - Demokraten sich hier wagen, dem Wähler zu präsentieren. Von Politischen Inhalten – oder gar etwa Konzepten – weit und breit nicht die geringste Spur. Köpfe statt Inhalte mag ja irgendwann mal eine brauchbare Wahlkampftaktik gewesen sein – aber Wahlkampf so ganz ohne Inhalte? Nur hohle Phrasendrescherei unter gradezu panischer Vermeidung jedweder Formulierung politischer Ziele? Die Geschicke des Landes werden sich weder um „die Kraft“ noch um das „Mehr und Anders“ scheren. Dieses bedauerlicherweise nicht neue Phänomen ist wohl kein Zufall, sondern könnte auch als Indiz dafür herhalten, dass die auf Großplakaten vorzugsweise abgebildeten Köpfe vielleicht tatsächlich einen Füllstand aufweisen, der in etwa dem des verwirrten Bekkay Harach entsprechen dürfte.

Was ist los in diesem Land, von dem ein weißhaariger Typ von Plakaten herunter behauptet, es könne mehr? Was meint der da eigentlich genau mit „mehr“? Noch mehr Hartz? Noch mehr Aprilscherze wie den obigen? Etwa das ganze Jahr über 1. April (was der Realität vermutlich näher kommen dürfte...). Politiker müssen Menschen ohne Anstand sein – denn welcher anständige Mensch würde es fertig bringen, nach derart krassen Fehlprognosen (und das ist noch die milde Interpretation...) wie vor nicht einmal einem Jahr sich überhaupt noch irgendwo blicken zu lassen? Damals verkündeten Steinbrück und unsere stereotyp gestikulierende Kanzlerin, dass für unsere hartzgestählte Wirtschaft so gar keinerlei Gefahr bestünde, in den Sog der Verwerfungen auf den Finanzmärkten zu geraten – zugleich aber – und das wollen wir nicht vergessen - gaben sie Milliardenschwere Garantien für die Spareinlagen bei Banken ab! Teilweise wenigstens lagen sie ja richtig mit ihrer Prognose – denn zumindest mal den Banker-Boni scheint nichts Ernstzunehmendes passiert zu sein. Inzwischen trauen sich bereits erste Finanz-Jongleure schon wieder in die Prime-Time! Ja - wenn das keine Zeichen sind, die Mut machen...

Mut ist auch bitter nötig! Und das keineswegs nur bei der entschlossenen Selbstverteidigung Deutschlands am Hindukusch – nein, auch Schwarz-Gelb wählen wird langsam zu einem Betätigungsfeld für Helden. Das hat damit zu tun, dass das Helden-Dasein allgemein von einer Ambivalenz durchzogen ist. Helden sind nämlich meist solche, die sich im Namen irgendeiner zweifelhaften Sache übers Ohr hauen lassen. Die mag diesmal besonders für FDP-Wähler gelten: Nicht selten sind es politisch unerfahrene Youngster, die der locker-liberalen Versuchung erliegen, die so guidomobil und nicht einmal unsympathisch daher kommt. Doch bei aller Sympathie – Zuhören ist angesagt! Zum Beispiel dann, wenn Frontmann Guido mal wieder über die ausufernde Staatsverschuldung herzieht und dabei hinterhältig offen lässt, welchen Teil der aktuellen Neuverschuldung er da nun genau meint. Etwa jenen zur Rettung der Banken, oder jenen zur Rettung der Großkonzerne? Oder etwa doch gar soziale Ausgaben? Das FDP-Wunschbild war immer und bleibt die Privatisierung des Gesundsheits- und Rentenwesens. Welch ein Segen das sein wird, lässt sich an den USA sehr gut ahnen. Ungezählte dort verloren bereits ihre Altersvorsorge – knapp 50 Mio Menschen sind erst gar nicht krankenversichert.

Mit seiner Privatisierungsorgie will Westerwelle gleich den Doppelschlag landen – und altruistisch wie er nun mal ist - den Menschen ein anderes Versprechen erfüllen, dass auf die scheinbar griffige Formel hört: mehr Netto vom Brutto. Genau betrachtet eine unvollständige Aussage – denn er schweigt darüber, von wieviel Netto oder Brutto er da nun redet. Und das mit gutem Grund – denn aufgrund der total deformierten Machtverhältnisse auf sämtlichen Märkten - besonders auf den von Lohn-Abwärtsspiralen geplagten Arbeitsmärkten - ist ja völlig offen, über wieviel Brutto oder Netto man da eigentlich redet. Für den übergroßen Anteil der weiterhin artig ackernden Bevölkerung sind 100% abgabenfreier Lohn nicht wirklich attraktiv – wenn es sich dann statt um 3.000 € vielleicht nur noch um 1.500 € dreht, wovon dann auch noch in Westerwelles Vision sämtliche Gesundheits- und Altersvorsorgekosten zu bestreiten sind.

Gleichwohl, zumindest die CSU-Hardliner der Union stiegen gleich mal auf die Steuersenkungs-Versprechen der FDP ein. Wann begreifen Menschen in diesem Land endlich mal, dass Steuersenkung stets nur einer sehr kleinen Klientel in unserer Bevölkerung nutzt? Und das verschärft, wenn man sich vor Augen hält, dass „verschenkte“ Steuern letztlich in zusätzlicher Ausgabesenkung der öffentlichen Hände münden müssen. Die Milliarden-Zuschüsse an die Bundesagentur für Arbeit zum Beispiel, dürften dann nicht mehr so locker sitzen – was für viele, die sich heute dank Kurzarbeit noch in „Besitz“ eines Arbeitsplatzes wähnen, ein jähes Erwachen zu Folge haben könnte. Pikant – hatte unsere Wünsch-Dir-Was-Kanzlerin sich vor nicht allzu langer Zeit wort- und wie immer gestenreich – dafür stark gemacht, die Beiträge zur Arbeitslosenversicherung zu senken? Und das auch noch asymmetrisch zugunsten der Arbeitgeber? Nun - dieser grandiosen Maßnahme darf angesichts der heutige Lage doch nun wirklich Augenmaß und Weitblick bescheinigt werden...

Aber Sie können beruhigt sein, verehrte LeserInnen. Bis zum Abend des 27.09.2009 wird unsere Welt so bleiben, wie wir sie kennen. Was hingegen ab dem 28.09.2009 sein wird – darüber spricht man eher weniger gern. Die Hecksee der „Umweltprämie“ (welch eine Wortwahl...) dürfte die hiesige Autoindustrie bis ins Mark erschüttern. Weit und breit ist kein wirtschaftliches oder politisches Betätigungsfeld in Sicht, von dem Linderung kommen könnte... Mehr Potential für Binnenkonsum? Fehlanzeige. Marktreife Innovationen? Fehlanzeige. Technologisch fortschrittliche Projekte? Fehlanzeige. Politische und Gesellschaftliche Reformen? Fehlanzeige. Umsteuern im Finanzwesen? Fehlanzeige. Aber Geld für Studien ist offenbar noch da... man soll ja die Kreativität unserer Politiker auch nicht so behindern, wie z.B. die des Wirtschaftsministers von und zu Guttenberg – der sich für horrendes Geld gleich komplette Gesetzentwürfe von irgendwelchen Interessen verhafteten Klitschen statt von dem Gemeinwohl verpflichteten Beamten schreiben lässt – um sie dann gleich danach in den Papierkorb zu schmeißen.

Wenn auch uneingestanden – offenbar herrscht Ratlosigkeit. Wie ein Blick in diesen Artikel beklemmend deutlich macht. Nichts genaues weiß man nicht – aber wir wissen, dass z.B. Ackermann seine 25% Eigenkapital-Rendite weiter für ein vernünftiges Ziel hält. Tja – so ist er eben, der Ackermann! Hier mal ein paar interessante Grafiken, die doch nachdenklich machen sollten. Als erstes sehen wir die Relationen der Commerzbank / Dresdner Bank. Wie zu sehen, machen sämtliche Aktiva der Bank nicht einmal mehr ein Sechstel des Volumens an Derivat-Geschäften aus, in welche die Commerzbank verwickelt ist. Und sie würden nicht glauben, was heutzutage alles aktviert wird... Zum Beispiel auch ihre Spareinlagen und Konto-Guthaben. Über das Eigenkapital der Bank brauchen wir angesichts seiner Vernachlässigbarkeit erst gar nicht mehr zu reden.

commerz-bank

  Wenn da den Einen oder Anderen schon eine gewisse Genugtuung beschleichen sollte, Kunde einer anderen Bank zu sein, dann haben wir noch einen für Sie – und wir kehren damit denn auch gleich zu Ackermann zurück. Denn die vergleichbare Grafik schaut für die Deutsche Bank - der Ackermann ja so überaus erfolgreich vorsteht - folgendermaßen aus:

deutsche-bank

Nun wird Ihnen vielleicht klarer, warum wir Bad-Banks brauchen – oder? Naja – es gibt zwar nicht wenige, die sind zwar schon länger der Ansicht, wir hätten sie längst. Was aber noch viel wichtiger ist – erinnern Sie sich anhand dieser doch recht harmlos daherkommenden Bällchen mal an das, was uns so zur Bad-Bank-Konstruktion erzählt wird. Man lädt also „giftige“ Derivat-Papiere bei einer solchen Badbank ab, womit sie samt ihrer Risiken aus den Bilanzen der Institute verschwinden. Doch WAS ist mit den Zinsen, die die Bank zuvor dafür kassiert hat? Na? Macht es klick bei Ihnen? Denn die Zinsen sind ja immer noch bei der Bank – und dank Bad-Bank völlig gegenleistungslos. Jetzt sollte die Bedeutung der Luft-Papiere doch erkennbar werden und nebenbei dem Wort „Bankraub“ eine völlig neue Bedeutung geben. Zuerst nämlich plündert man die Trottel, die sich den wertlosen Schamott als Kapitalanlage aufschwatzen lassen – und dann über die Zinsen die wirtschaftlichen Aktuere, die sich auf diese windige Finanzierungsform einließen (wie z.B. viele deutsche Kommunen über Cross-Border-Leasing – ebenfalls als Public Private Partnership zeitweise heftigst beworben durch Frau Dr. Merkel...). Banken könnten so im Moment Derivate auf den Flug zum Alpha-Centauri finanzieren – denn für sie GIBT es kein Risiko mehr. Was immer ins Schlingern gerät (d.h. Mit den Zins- und Tilgungszahlungen nicht nachkommt... der Rest spielt keine Rolle ) wird einfach zur Badbank abgeschoben.

Schlaumeier mögen nun einwenden: Moment – da ist ja immerhin noch das verliehene Kapital, welches die Bank abschreiben müsste. Richtig – theoretisch ja – Aber was eigentlich tun Banken genau? Geht der Ackermann etwa hin und spendiert da Geld von seinem üppigen Einkommen? Mitnichten – die Bank sammelt „Investoren“ ein und führt deren Geld (und nicht etwa das eigene...) den Projekten zu. Träger des Ausfallrisikos ist also bei realwirtschaftlichen Projekten letztlich nicht die Bank, sondern stets der Investor! Anders bei Derivaten – so eine Art, Wetten, dass... für Betuchte. Hier bleibt die herausgebende Bank selbst involviert. Und nun machen die riesigen grünen Bälle oben sehr schön deutlich, worum es hier eigentlich geht. Wir stehen vor nicht mehr und nicht weniger, als dem klaren Befund, dass das Konzept der Geldschöpfung durch private Banken vollständig und allumfassend gescheitert ist. Und wenn sie nun noch mal kurz darüber nachdenken, wer für Badbanks grade steht – sollte Ihnen klar werden, bei wem Ackermann und Co. die längst verfrühstückten Unsummen einzusammeln gedenken. „Ja – aber es könnte ja wieder aufwärts gehen mit der Wirtschaft – und dann in ein paar Jahren sollen diese Schrottpapiere ja wieder etwas wert sein.“ So lautet zumindest die Beruhigungspille, die man besorgten Bürgern auftischt. Doch überlegen Sie mal selbst: Wie bloß könnten solche Derivate (ohne jeglichen realwirtschaftlichen Kern) – also etwas, was heute schon nicht im Geringsten durch irgendeinen Wert gedeckt ist, in einer ungenannten Anzahl von Jahren je einmal etwas wert sein? Wo doch jeder weiß, dass das Zinseszins-System unausweichlich auf exakt das Gegenteil hinausläuft.

Über diese marode, ja man kann fast sagen, kriminelle Grundlage useres hochgepriesenen Kapitalismus werden Sie in den Organen des Medienkartells wenig – auf den Guerilla-Seitem im Web indes umso mehr finden. Und der Vorwurf ist mit dem berühmten Josephs-Cent schnell beschrieben. Stellen Sie sich vor, der gute Joseph hätte im Jahre 0 für Sohnemann ein Sparkonto zu lumpigen 5% eingerichtet und genau 1 Cent darauf eingezahlt, und weder er noch seine Nachfahren hätten jemals etwas davon abgehoben. Bereits 1470 würde dieses Konto einen Wert aufweisen, der dem Gesamtgewicht des Planeten Erde in purem Gold entspräche. Heute, 2009, wären es nicht weniger als 10 hoch 11 – also 100 Milliarden - solcher Goldkugeln. Man kann sich nicht einmal wirklich sicher sein, ob das Universum überhaupt soviel Masse enthält – geschweige denn das extrem seltene Element Gold!

Was ist das? Hat das auch nur irgendetwas mit Vernunft, mit Recht oder gar mit Leben zu tun? Nein – ganz offensichtlich nicht. Denn Leben ist sowohl ressourcenabhänigig wie auch vergänglich. Wer aber ein Besitzrecht auf dieser vollkommen unbrauchbaren Basis aufstellt und erhalten will, der will schlicht und einfach nur Eines: Alles – und zwar ohne Ausnahme Alles. Und das sollte nun die Beurteilung von Figuren schon deutlich erleichtern, die gar Verzinsungen von 25% anpeilen. Aus den Goldträumen kann also definitiv nichts werden – und wir sind gerade abermals dabei, dies zu erfahren.

Man sollte unsere Eliten darin stoppen, Badbanks einzurichten, nur um zwielichtige Institutionen über Wasser zu halten. Wozu eigentlich brauchen wir heute überhaupt noch Banken? Große Teile des heutigen Güter- und Leistungsaustausches werden längst geldlos abgewickelt. Welchen Sinn machen da Banken eigentlich noch? Die Transaktionen und das bisschen Zahlenschubserei könnte jeder Heim-PC heute im Energiesparmodus bewältigen. Wozu also noch Banken? Und vor allem: wozu ausgerechnet diesen Milliarden hinterher werfen? Milliarden, die überall fehlen werden – in der Realwirtschaft, im Sozialwesen, in der Bildung, in der Forschung, in der Katastrophenvorsorge...

Geldschöpfen könnte auch der Staat (und das dann sogar halbwegs legitim...) und der reale Waren- und Leistungsaustausch findet seit jeher in der Realwirtschaft statt. Es ist doch kein Verlust für uns Menschen, wenn es keine schwachsinnigen Übernahmen finanziert durch absurde Kapitalmengen mit vollkommen leistungsloser Gewinnerwartung mehr geben würde. Im Gegenteil – Unternehmen müssten nicht mehr ständig auf ihre Absicherung gegen Übernahmen schielen, sondern könnten sich wieder ganz auf gute Umsätze und Erträge in ihrem originären Betätigungsfeld konzentrieren. Die Wertschöpfungskette würde sich nachhaltig verändern, wenn man all die Blutsauger der Kapitalhydra endlich abgeschüttelt hätte. Und dazu waren die Bedingungen selten geeigneter im Moment. Ohne rechtliche und staatliche Hilfen nämlich wäre so ziemlich jede Großbank auf der Stelle pleite. Eben: Pech gehabt... Herr Ackermann. Kein Grund zum Jammern, passiert Millonen arbeitender Menschen auch ständig...

Hiermit erreichen wir ein Gebiet, dass das Leben des Menschen in den arbeitsteiligen Gesellschaften von heute prägt wie kein Anderes. Die Lust .. oder besser der Frust... mit der Lohnarbeit als Lebensmodell in einem ungedämpften Raubtierkapitalismus. Erinnern wir uns kurz der fürwahr „sozialdemokratischen“ Aussage Münteferings: Nur, wer arbeitet, soll auch Essen... Toll! Was nun aber, wenn auf Teufel komm raus kein vernünftiger Arbeitsplatz zu ergattern ist? Dies wird mit fortschreitender Rationalisierung unserer Wirtschaftsprozesse absolut vorhersehbar eher die Regel als die Ausnahme werden. All diese Menschen – inmitten der reichsten Welt die es je gab - etwa verhungern lassen? Man kann ja dieser Ansicht sein – aber: welche normale Mensch wäre wohl so blöde, solche Leute in politische Ämter zu wählen?

Dieses Szenario darf also gar nicht erst erkannt werden. Und hierfür hat man natürlich hochrangige Stäbe, die sich um genau diese Aufgabe kümmern. Unseren Arbeitsminister zum Beispiel. Nun – dieser Arbeitsminister jedenfalls ist u.a. für die Statistik zur Arbeitslosigkeit verantwortlich. Dies ist nun eine wundervolle Statistik – für die Politker versteht sich, nicht etwa für die wachsende Schar jener, die in unserer Gesellschaft gleich ganz ohne Arbeit da stehen. Denn an ihr lässt sich der Erfolg des Regierens ja so wundervoll messen und demonstrieren – vorausgesetzt, man hat sie ausreichend verfälscht. Vorfahrt für Arbeit tönte unsere Kanzlerette noch im Kandidatenstatus Anno 2005 – und in der Tat, heute ist die Arbeit derart schnell unterwegs, dass offenbar immer mehr Menschen gar nichts mehr davon abgekommen (wie auch von dem vielen Geld was in den grünen Blasen oben steckt..) Das kann man Leuten, von denen man gewählt werden möchte, natürlich so nicht sagen. Und so erfand man eben einen Kapitalismus, in dem zwar die Reichsten im Zeitraffer-Tempo immer noch reicher werden, zugleich aber die Arbeitslosigkeit permanent und ohne jegliche Bindung an irgendeine Rest-Realtiät erfolgreich bekämpft wird. Leider nur eine Fata Morgana wie das nächste Bild zeigt:

arbeitslosigkeit

Tja – und vergessen Sie bitte nicht. Das sind noch die Zahlen VOR der Wahl... phantasiebegabte Leser können sich vielleicht ausmalen, wie die erst NACH der Wahl aussehen und wohin sich das ganze Drama noch entwickeln könnte. Hier ein kleiner Vorgeschmack auf das was da kommen dürfte. Trotz Ausgrenzung von Millionen von Langzeitarbeitslosen ins Hartz4-Ghetto – der BA reicht das Geld nicht einmal für die Finanzierung von „erstklassigen“ Arbeitslosen und Kurzarbeitern, und die Signal-Vokabel Leistungseinschnitte beginnt ein unangenehm prophetisches Licht auf den Slogan „Heute wir – Morgen ihr“ werfen, den Montagsdemonstranten schon vor fünf Jahren ihren teilweise verständnislosen Zusehern zu riefen.

Über die längst überfällige Neuverteilung von Arbeit indes macht sich niemand Gedanken – statt dessen macht man lieber Milliarden um Milliarden locker, um so derart hirnrissige sozial angestrichene Programme wie Vermittlungsgutscheine und Lohnsubventionen aufrecht zu erhalten, bei denen nur ein einziges Kriterium für unsere Politiker entscheidend ist: Geld fließt vor allem immer dann reichlich, wenn Menschen aus der Arbeitslosenstatistik verschwinden. Und wenn es denn fließt, dann niemals zu denen, die es brauchen könnten – sondern zu irgendwelchen windigen Mitnahme-Konstrukten. Vielleicht sollte man es mal mit Kopfgeldjagd auf Arbeitslose probieren? Käme billiger und wäre im Sinne von nachhaltigem Wirtschaften doch wesentlich effizienter. Oder - wie wär's denn mit einer fürchterlichen Pandemie? Die Schweinegrippe lässt grüßen. Milliarden wurden hier der Pharma bereits hinterher geschmissen – und schon geht die Zankerei los, ob die Kassen nun erneut diese überflüssige Massen-Impfung bezahlen oder ob man die Menschen gleich selbst zur Kasse bittet.

An dieser Stelle will ich meinen Wahlausblick hier beenden – ganze Bücher ließen sich nur allein mit den Misständen füllen. Für uns alle kann ich nur hoffen, dass unseren Wählern bei all der Absurdität des uns gebotenen Theaters das Gefühl für das wirkliche Wichtige nicht abhanden kommt. Diese Wahl ist weit mehr eine Schicksalswahl als die meisten Vorangegangenen – und echte politische Alternativen sind praktisch kaum in Sicht. Dennoch - machen Sie den Mächtigen einen Strich durch ihre Rechnung und entziehen ihnen die Legitimation für ihr schäbiges Spiel. So – und nur so - eröffnet sich eine Chance auf Erneuerung... So verständlich der Wunsch vieler ist, die „alten“ Zustände wieder herbei zu zaubern: unter den gegenwärtigen Verteilungs-Bedingungen bleibt die entegegengesetze Richtung unbeirrbar vorgegeben und außer der Linkspartei sowie einigen Mini-Parteien lässt keine Partei einen Willen zum politisches Umsteuern erkennen, der über fadenscheinige Lippenbekenntnisse hinausginge.

 

   

 

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