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In der Nacht PDF Drucken E-Mail
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Geschrieben von Jürgen Scheffler   
Donnerstag, 21. September 2006
Beitragsinhalt
In der Nacht
2. Eine Beispielrechnung
3. Gefühlte Inflation
4. Fazit

Eine Bespielrechnung

Beginnen wir unsere Betrachtung also mit der Begutachtung eines recht übersichtlichen - und nebenbei gar nicht mal so seltenen - Falles. Nämlich der allein lebende Langzeitarbeitslose um die 50 - oder auch jene(r) RentnerIn, welche(r) einen Rentenanspruch etwa in Höhe des Durchschnitts erworben hat, wie er heute von der Rentenversicherung der Arbeiter ausgezahlt wird (womit man bestenfalls knapp an der Grenze zur Grundsicherung liegt).


Ohnehin verbleibt den Menschen am unteren Ende der Nahrungskette unserer Gesellschaft schon heute von ihren Einnahmen ein nur geringer Teil - denn von diesem Geld ist zunächst mal eine Menge zu bestreiten, was keinerlei Sättegefühl im Bauchraum hervorruft oder auch nur einen Hauch von Luxus beinhaltet. Als da sind:


Mehrkosten für Wohnung, da die Wohnungsmärkte bei weitem nicht genügend Wohnraum (z.B. herrscht vielerorts ein enormer Mangel an preiswerten Single-Wohnungen) zu solchen Konditionen hergeben, wie sie der amtlichen Zahlung zu Grunde liegen. Der Kleinrentner muss seine Wohnungskosten gar ganz von seiner Rente bestreiten und ist zudem nicht selten wegen Mobilitätseinschränkungen auf besondere Wohnlagen angewiesen. Die amtlichen Sätze werden so schnell übertroffen, wobei wir hier mit einer Annahme von 30 zusätzlichen Euronen noch einen sehr zurückhaltenden Ansatz wählen. Dieser Link steht stellvertretend für unzählige weitere dieser Art, was in der Summe ein mehr als beklemmendes Bild von der Wohnsituation für die Entprivilegierten unserer Gesellschaft offenbart. Als nächstes schlagen die Energieunternehmen zu: 40-50 Euro sind da schnell zusammen, die das Portemonnaie des Habenichtses schmälern, inklusive vielleicht ein paar Euro Rücklage für alllfällige Nachzahlungen.


Weitere gut 18 Euro darf zumindest der Kleinrentner für seinen TV-Genuss hinblättern (wobei der Genuss als solcher fraglicher denn je ist), sodann kommt ein Budget für Praxisgebühren und Medikamentenzuzahlungen hinzu, das sich sinnvollerweise auf etwa 30 Euro belaufen sollte - denn wer weiß schon zu Beginn eines Monats, ob er nicht doch mal krank wird. Viele ältere Menschen erreichen und überschreiten dieses Budget locker - zumal vieles, was man zur Erhaltung seiner Gesundheit braucht, längst nicht mehr verschrieben wird.


Da Geld für Reisen praktisch nicht vorhanden ist, mag es nur menschlich erscheinen dass solch ein Mensch gelegentlich mit seinen Lieben wenigstens mal telefonieren möchte - und schon sind weitere rund 30 Euro für einen Minimal-Telefonanschluss samt sparsam geführter Gespräche fällig - für den noch Arbeitssuchenden ohnehin ein Muss ohne das heute fast nichts mehr geht, dass aber, nimmt man das inzwischen fast ähnlich unverzichtbare Internet hinzu, auf etwa 50 Euro anwächst.


Sollte man mit seiner - erzwungendermaßen billigen - Wohnung etwas abseits wohnen, fallen auch noch Kosten für Nahverkehr an (über ein Auto kann so ein Mensch ohnehin nicht verfügen). Somit halbiert sich das Budget fast - deutlich weniger als 200 Euro verbleiben je nach persönlichen Verhältnissen noch, von denen man natürlich - zumindest nach Ansicht selbst bestens bezahlter Richter in Lande - noch locker Rücklagen für Kleidung, Anschaffungen sowie eventuell mal fällige Zahnbehandlungen etc. bilden können soll.


Nun wollen wir hierbei aber nicht jene kleinen Marketing-Schweinerein vergessen, wie sie sich z.B. die aggressiv werbende Postbank ausgedacht hat. Denn dort kommt nur derjenige in den Genuss der mit viel Brimborium beworbenen kostenlosen Kontoführung, der über mehr als 1.250 € regelmäßigen Zahlungseingang verfügt. Fehlanzeige sowohl bei unserem ALGII-Empfänger als auch beim Kleinrentner. So sind es noch einmal 5,90€, um die das Budget ohne rechte Gegenleistung schrumpft - was ein Konto bei der Postbank für diesen Personenkreis langsam in Bereich eines Luxus-Produktes rückt. Immerhin - hier könnte der von der irreführenden Werbung Gefoppte wenigstens noch ausweichen, z.B. auf ein Konto bei den SparDa-Banken - die ihm sein normales Konto ohne Fallgruben und Hintertürchen auch wirklich kostenlos führen.


Natürlich will unser Habenichts nicht einestages seine Kinder mit den nach Streichung des Krankenkassenzuschusses im Sterbefall doch beträchtlichen Kosten für sein irgendwann mal fälliges Unter-die-Erde-Bringen belasten - und schon sind nächsten etwa um die 20€ für eine entsprechende Versicherung futsch. Wenn unser Mustermensch dann noch etwas zum Kränkeln neigt, muss er besonders aufpassen - denn er braucht unbedingt eine Krankenhaustagegeld-Versicherung. Für den Fall eines Krankenhausaufenthalts drohen nämlich bis zu 28 mal 10 Euro Zuzahlung wegen sogenannter "Haushaltsersparnis". Geld was er nicht hat, und bestenfalls mit Mühe von seinem kargen Einkommen abstottern kann.


Hier kann man unserer Ministerin Ulla Schmidt (SPD) nur dringend anraten, mal für einige Monate das Leben an der Armutsgrenze in diesem Land zu führen, bevor man solche Werte festklopft. 10 Euro am Tag hat keiner des hier in Betrachtung stehenden Personenkreises für seine Haushaltsführung zur Verfügung. Also: um weitere rund 10 Euro schrumpft das kärgliche Budget und dazu gleich nochmal um etwa 8 €, wenn unser Kandidat auch noch eine - eigentlich für unumgänglich gehaltene - allgemeine Haftpflichtversicherung unterhält.


So pendelt sich das verfügbare Monatsbudget schnell auf etwa 120 Euro pro Nase für ein ALGII-Paar bzw. 150 für den Single ein, wovon auch noch unbedingt ca. 20 Euro beiseite zu legen sind, um sich mal ein Kleidungsstück, ein paar Schuhe etc. kaufen zu können. Kühlschrank, Waschmaschine und Fernseher hingegen schliesst man dann schon eher ins Abendgebet ein, auf dass sie von möglichst unbegrenzter Lebensdauer sein mögen - denn Anschaffung, Reparatur oder Ersatz notwendiger Haushaltsausstattung bringen sofort jeden noch so fein austarierten Minimalhaushalt durcheinander. Somit stehen letztlich selten wesentlich mehr als 100 Euro pro Nase für einen Monat lang pralles "in-Saus-und-Braus-Leben" der Menschen am unteren Rand unserer Gesellschaft bereit.


Die Entwicklung einer eigenen Konsum-Kultur ist so nicht etwa neuerlicher Auswuchs von "Geiz-ist-geil"-Mentalität, sondern die unausweichlich notwenige Konsequenz für den betroffenen Personenkreis. In dieser Kultur findet z.B. Gastronomie schon mal von vornherein nicht statt - eine 20 Euro Rechnung etwa für einen Restaurantbesuch ist selbst zu hohen Feiertagen definitiv nur dann drin, wenn sich eine Fastenwoche anschliesst.


Das Zubereiten von Mahlzeiten aus frischen Lebensmittelprodukten dagegen ersetzt den Luxus des früheren Restaurantbesuchs vollständig - denn hier sind schnell mal 6-10 Euro für frische Zutaten beieinander und es wird damit zur Ausnahme. Die Dose Bllig-Fertig-Linsensuppe für 85 cent gibt sich da schon wesentlich haushaltsverträglicher und man kann sich an einem solchen "Glutamat-Tag" dann zum Ausgleich vielleicht mal einen Apfel, ein anderes Stück Obst oder alternativ eine Zeitschrift gönnen.

Schließlich sind von den knapp 4 Euro Tagesbudget auch noch solche Dinge wie Waschmittel, Klopapier, Spülmittel, Zahnpasta, Minimalkosmetik sowie eine Mindestausstattung von Putz-und Reinigungsmitteln zu berappen, bevor man den Rest auf Nebenmahlzeiten und Getränke verteilen kann. Jetzt sollte eigentlich Jedem klar sein, wieso unser Beispielmensch längst an das meist recht frugale Produktdesign von Billigmarken gewohnt ist.



 

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