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Geld regiert die Welt PDF Drucken E-Mail
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Geschrieben von Jürgen Scheffler   
Mittwoch, 27. September 2006
Beitragsinhalt
Geld regiert die Welt
2. Symptomatik
3. Gesellschaftsbegriff
4. Historische Entwicklung
5. Heutige Konfrontation
6. Die großen Lügen
7. Gegenprogramm

Die meisten Menschen in der westlichen Welt wähnen sich heute in hochmodernen Staaten und Gesellschaften und halten die hiesige Lebensart und nicht selten auch sich selbst für die Speerspitze menschlicher Entwicklung und Fortschrittlichkeit. Und in der Tat, das Ausmaß in welchem unser Lebensstil sich derzeit den Globus unterwirft, scheint beeindruckend. Unser Alltagsleben wird von Vernunft bestimmt, ist befreit von religiösen Zwängen. Wir leben existenzieller Sorgen entledigt mit einem hohen Maß an individueller Freiheit und sind gebildeter, wissender als jede bisher je gesichtete Gesellschaft. Wir führen ein weitgehend selbst bestimmtes Leben in demokratischen verfassten Staaten. Bis hin zur intimsten Körperlichkeit leben die Menschen unserer Gesellschaft von archaischen Tabus emanzipiert. Hierzulande sind Geschlechter und Randgruppen gleichberechtigt - kurzum - keine Kultur ist so frei, so offen, entwicklungsfreudig und tolerant wie die unsere und natürlich gibt es keine Kultur auf Erden, die besser wissen könnte, wohin der Zukunftsweg zu führen hat, als die unsere. So oder so ähnlich muss sie wohl lauten, jene Illusion, die uns scheinbar schon mit der Muttermilch verabreicht wird und der viele ihr Leben lang treu bleiben.


Dass wir auf vielen Ebenen tagtäglich tausendfach auf Gegenbeweise für das zuvor beschriebene Hochglanz-Abbild unserer Gesellschaft gestoßen werden, lässt die kollektive Illusion selbst merkwürdig unberührt. Stoisch werden solche Gegenbeweise zumeist in das Land des Vergessens, Verdrängens oder gar des Verdeutens verbannt. Fragen stellen und in Frage zu stellen ist unbeliebt - fast scheint es, als beharre hier eine ganze Gesellschaft auf der auch realen Existenz ihrer Illusion, ohne jedoch auch nur einen Finger dafür zu krümmen oder einen weiteren Gedanken daran zu verschwenden, ja - sogar ohne auch nur mal genauer hinzusehen. Genaues Hinsehen nämlich ruft sofort tiefe Verwirrung hervor - zu viele Aspekte, Einzel- und Sonderinteressen fließen ein oder sind scheinbar zu berücksichtigen, als dass hinter dem Ganzen noch grundlegende Konturen unserer angeblich so fortschrittlichen Gesellschaft auszumachen wären. Angesichts dessen neigt der Einzelne, das Individuum in unserer Gesellschaft, schnell zur Resignation - hält sich für zu dumm oder zu inkompetent, um sich in diesem Wirr-Warr zu recht zu finden. Deshalb haben wir uns bei CogitoSum vorgenommen, insbesondere Gesellschaftsfragen peinlichst genau auf den Grund zu gehen und uns diesen Fragen von einem offenen, d.h. weder weltanschaulich festgelegten noch anderweitig vorgedachten sowie von einem nach unseren Kräften wahrheitsgemäßen Plafond aus zu nähern.

Gesellschaft heute

Wer es nicht glaubt, der möge das Kurzexperiment wagen und mit ein Paar Zeitgenossen seiner Wahl ein Gespräch über konkrete Grundzusammenhänge unserer Gesellschaft suchen. Sofern er sich nicht vom Thema abbringen lässt, wird er alsbald auf Wüste und Leere bei seinen Gegenübern stoßen - und das praktisch unabhängig von deren Bildungsstand oder sozialen Status. Offenbar sind umfassende Vorstellungen über mögliche Grundzüge einer vernunft- und zukunftsorientierten Gesellschaft höchst rar geworden, wozu sich noch die Frage gesellt, ob solche je besonders verbreitet waren.

Dieser nachdenklich machende Befund mag für manche erschreckend sein, gleichwohl haben wir hier quasi mit dem ersten Spatenstich unseres Gesellschaftsprojekts bereits die Ursache für die merkwürdige Feststellung aus der Einleitung frei gelegt. Das mit der Realität nur schemenhaft verwandte Hochglanzabbild von unserer heutigen Gesellschaft hält sich - trotz aller Risse und Widersprüche - so hartnäckig, weil es in den Köpfen der Menschen umfassende Vorstellungen dazu schlicht nicht gibt.

Völlig entgegen gesetzt aber fällt der Befund aus, wenn man sich auf die Diskussion von Einzel- und Teilaspekten einlässt. Hier haben nahezu alle, überwiegend organisiert in Prioritäten persönlicher Betroffenheit, doch sehr konkrete Ansichten und Ideen darüber, wie man diesen oder jenen Teilaspekt viel besser lösen könnte und eigentlich auch müsste. Besonderes Engagement des Gesprächspartners wird sich da stets vor allem in solchen Belangen bemerkbar machen, die ihn selbst direkt betreffen.

Feine Gesellschaft - fühlt man sich fast genötigt, festzustellen: "Jeder denkt an sich, nur ich denke an mich..." und dürfte damit der gegenwärtigen Massenhaltung zum Thema Gesellschaft wohl recht dicht auf den Fersen sein. Dabei müsste Jedem eigentlich schon instinktiv klar sein, dass sich mit dieser Haltung keine ordentliche Gesellschaft und wohl auch kein solcher Staat machen lässt.

Bevor nun ans Eingemachte gegangen wird, muss zuvor noch eine Ebene zeitgenössischer Diskussion hervorgehoben werden - jene nämlich, die wir den Vordenkern neoliberalen Ungeists verdanken. Exemplarisch für diese mag Magaret Thatcher stehen, die mit ihrem griffigen Spruch "There is no such thing as society... " (dt: So etwas wie eine Gesellschaft gibt es nicht...) die Zielrichtung Neoliberalen Denkens so ziemlich auf den Punkt brachte.

Bis heute leben Haltung und Ziel dieser Denkrichtung vor allem in den Köpfen Privilegierter, Reicher und Mächtiger fort und wurden zusammen mit einer Deformation des Freiheitsbegriffes zu einem konturlosen Brei vermengt, der vor allem eines nicht leisten kann und wohl auch nicht soll - einen vernunftorientierten und soliden Gegenpol zu den Angriffen jener zu bilden, die - heute bereits in Besitz von Reichtum und Macht - diese auf Kosten aller noch weiter mehren wollen.

Dass die These von der Nicht-Existenz der Gesellschaft staatsphilosophisch völlig unhaltbar ist, stört die Protagonisten nicht im geringsten. Doch - an welcher Interessenlage bitteschön soll ein Staat sich denn orientieren? Woran sollen er und die Menschen erkennen, was richtig und was falsch ist, wenn die Betrachtungsebene Gesellschaft als solche ausgeblendet wird? Auch entziehen sich Fragen nach der Legitimität staatlichen Handels und des Rechts den Boden, negiert man die Gesellschaft als übergreifendes Konstrukt. Woher will man denn Kriterien für die so wichtige Gerechtigkeit gewinnen? Und letztlich die wichtigste Frage überhaupt: messen sich Erfolg und letztlich auch Recht eines Staates denn nicht am Zustand seiner Gesellschaft und vor allem an ihrer langfristigen Überlebensfähigkeit?

 



 

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