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Vorhersehbares Schicksal PDF Drucken E-Mail
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Geschrieben von Jürgen Scheffler   
Freitag, 29. September 2006

München. Die Siemens-BenQ Konstruktion stellte heute Insolvenzantrag. Nicht einmal 1 Jahr ist es her, dass vollmundige Ankündigungen deren Top-Managers Clemens Joos der verkungelten Siemens-Handysparte eine rosige Zukunft zeichneten. Der "Verkauf" der Sparte indes war schon ein Deal der besonderen Sorte - der "Käufer", die taiwanesische BenQ, bekam die ganze Sparte nicht nur geschenkt - nein, die offenbar in Panik geratene Mutter packte noch satte 250 Mio € sowie weitreichende Rechte an der Marke "Siemens" oben drauf. Dass all dies nicht unbedingt für sich schon einen Wert darstellt, musste BenQ inzwischen erfahren. Wie auch - wenn ein weltbekannter noch zumindest mit einem Restimage versehener Global Player wie Siemens so offensichtlich die Flucht antritt. Hier wiederholte sich in etwa das, was sich bereits vor Jahrzehnten in der Unterhaltungselektronikindustrie Deutschlands ereignete. Großkonzerne schmeißen strategische Geschäftsfelder im Produktbereich weg wie heiße Kartoffeln, geben sie praktisch kampflos auf, damit nur ja die Bilanz keinen Schaden nehme. Weder ein Siemens- noch ein BenQ-Manager wird sich seinerzeit wohl die Frage gestellt haben, welches Produktimage ein solcher Vorgang auf dem Markt hinterlassen würde, ja hinterlassen muss.

Unabhängig von den auch nicht gerade wenigen Problemen beim Produkt selbst ist mit einem solchen "Schrottimage", wie dieser Deal es anders nicht hinterlassen konnte, besonders im hart umkämpften Konsumprodukt-Markt kein Pfifferling zu gewinnen. So dürften manchem Großeinkäufer durchaus die Schlagzeilen im Hinterkopf herum geschwirrt sein, bevor er ein Siemens-BenQ Produkt in seinem Portfolio positionierte.


Ob je Chance bestand, das auch schon vor dem Deal angekratzte Image der Siemens-Handys aufzumöbeln, muss offen bleiben. Fest steht nur, falls welche bestanden, hat man sich mit nahezu allen Mitteln dagegen gewehrt, sie zu nutzen. Nachrichten über Konsolidierungsziele und Einparprogramme sind die falschen Zutaten für eine Produkt-Offensive. Was in deren Lichte allein übrig bleibt, ist lediglich die Billig-Ramscher-Linie - also jener Bereich, in dem man mit dem Produktionsstandort Deutschland nun wirklich nicht besonders glänzen kann.


Vielleicht hätte die hoch bezahlten Manager mal etwas auf den Marktführer Nokia schielen sollen - der gegenüber Siemens mit einem geradezu edel-stählernen Produktimage da stand und heute noch steht. Die viel berufene deutsche Ingenieurkunst verkauft sich nämlich nicht allein durch deren Proklamation, sondern dann, wenn der Kunde sie im Produkt als für ihn detektierbaren Nutzen wieder findet. Dass ein solides Markenimage über den einen oder anderen Produkt-Flop hinweg zu helfen vermag, ist unbestritten - und dies wurde nicht zuletzt auch von Nokia wiederholt genutzt. Ein solches Image aber war bereits zu Zeiten des Kindtausches nicht mehr vorhanden, was stes ein offenes Geheimnis war.


Eine Zäsur und die völlige Neuformierung der Sparte - vor allem die Abkehr von Siemens-üblichen Verkrustungen - verbunden mit dem Willen zu sauber entwickelter technischer Neuerung, war die Aufgabe, die an die deutsch-fernöstliche Mesalliance gestellt war. Sozusagen das Suchen und Finden eines neuen Grundes, wieso Handykunden in Zukunft lieber zum Siemens-BenQ-Produkt als zu dem von Nokia oder Motorola greifen sollen. Das in immer schnellerer Folge auf den Markt schmeißen von netten "Me-Too"-Produkten ist definitiv keine Lösung dieser Aufgabe, die ohne ein motiviertes Entwicklungsteam mit guten Leuten und eine Führungsstruktur mit einem echtem Handlungsspielraum jenseits von Sparprogrammen ohnehin nie zu lösen war.


Dass die taiwanesische BenQ hier noch mehr in den Kategorien der Goldgräberstimmung boomender Fernostmärkte "denkt", ist entschuldbar. Solche Märkte haben wir hierzulande aber nicht - und wer wusste das besser als die flüchtende Mutter Siemens beim "Aussetzen" ihres Kindes, mit dem sie sich um die erforderlichen Investitionen für eine ernst gemeinte Revitalisierung ihrer Handysparte drücken wollte. So wird der Fall Siemens-BenQ zu einem neuerlichen Beleg dafür, wie leistungsvernichtend sich die allgegenwärtigen Konzentrationsprozesse sowie heutige Wirtschaftsmaxime auswirken. Der Entwicklungsstandort Deutschland ist vor allem deswegen zum festen Bestandteil von Sonntagsreden und sonst nichts verkommen, weil in Wahrheit niemand mehr wirklich Interesse daran hat, seinen Erfolg über ein gutes Produkt zu suchen. Zu mühselig, zu unsicher und karg der kurzfristig erzielbare Gewinn. So wird Siemens-Boss Klaus Kleinfeld in Teilen der deutschen Wirtschaftspresse denn auch für seine "Weitsicht" gepriesen, die er bei dem heimtückischen Geschenk an BenQ an den Tag legte. Man übersieht dabei - das Ende der allgegenwärtigen kapital-verrückten Fehlorientierung ist absehbar, weil sie sich eines Tages selbst an absurdum führen muss. Doch auch danach wird die Welt schicke neue Handys brauchen. Und von diesen wissen wir nun dank solcher "Management-Weitsicht" schon heute, welcher Name NICHT mehr darauf stehen wird.


Wer ein strategisches Geschäftsfeld nach dem anderen zugunsten kurzfristiger Kapitalinteressen aufgibt, handelt nicht klug, sondern außerordentlich verantwortungslos. Und dies gilt für das ehemalige Vorzeigeunternehmen unserer Nation gar in verschärfter Form. Wer, wenn nicht dieser Koloss hätte wenigstens die Mittel, zentrale Standbeine einer hiesigen Industrie im Wettbewerb zu behaupten? Das ist zwar gewiss nicht einfach, aber dafür winkt ein Stück mittel- und langfristiger Zukunftssicherung nicht zuletzt auch für den Konzern selbst. Doch dies erfordert auch die Kompetenz, technische Entwicklung und Dimensionen zuverlässig einschätzen zu können. Mit einer ernsthaft betriebenen Vermarktung deutscher Ingenieurkunst scheint der Betriebswirtschaftler und Wirtschaftspädagoge Kleinfeld offenbar überfordert und so ist ihm daran - wie vielen seiner Kollegen in anderen Vorstandsetagen auch - nicht gelegen. Stattdessen nimmt man lieber solchen Schwachsinn wie die 250 Mio € in Kauf, die man neben einer kompletten Produktsparte an andere verschenkt - alles nur, damit der eigene noch blendax-weiße Name nicht den inzwischen längst verdienten Schaden nimmt.


Die wahre Zielrichtung des Deals müsste eigentlich jedem Beobachter von Anfang an klar gewesen sein und es ist auch nicht der erste Fall solch sinnwidriger wie mutwilliger Zerstörung des "Made in Germany". Allein die bemühten Mittel und Wege sprengen den bekannten Rahmen. So dürfte es unter den Kunglern vermutlich nie ernsthaft beabsichtigt gewesen sein, sich mit diesem Deal ernsthaft auf dem Produktmarkt zu engagieren. Doch wie hätte man die Unlust an harter Marktarbeit vor Publikum und Aktionären rechtfertigen können? Das Ganze war vorhersehbar wie das Amen in der Kirche - es stellt sich allein die Frage, wie lange unsere Gesellschaft (und inzwischen auch Wirtschaft) es sich noch leisten kann, solche schäbigen Machenschaften weiter zu dulden, deren überwiegender Zweck die Vertuschung geradezu monströser Unfähigkeit beim Schlüsselpersonal ist.


Wie immer häufiger in letzten Jahren sind die Leidtragenden solcher Unfähigkeit nicht die Unfähigen selbst - wieder sind es die Arbeitnehmer in den sogar hochmodernen Werken hierzulande, die sich demnächst bei der Arbeitsagentur anstellen dürfen. In geradezu kafkaeskem Widerspruch dazu genehmigen sich die für dieses Fiasko verantwortlichen Nieten in Nadelstreifen erst einmal einen kräftigen Schluck aus der Vorstandsgehaltspulle. Leistungs- und Investionsvernichtung im Großmaßstab scheint zum wahren Erfolgsmodell avanciert zu sein. Wer hätte noch vor einigen Jahren vermutet, dass sich das Peter-Prinzip einestages mal derart eindrucksvoll bestätigen würde, wie in diesem unseren heutigen Land und das nahezu querfeldein durch unsere gesamte selbst ernannte "Elite". Dass mit dem heute gestellten Insolvenzantrag wieder tausende Arbeitsplätze verdampfen werden, macht traurig - Trost spendet allein die Aussicht, dass auch Eliten einestages mal genötigt sein könnten, ihren eigenen - längst bitter überfälligen - Insolvenzantrag zu stellen.

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