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Zukunft der Sozialsysteme (1) Drucken E-Mail
Benutzer Bewertung: / 6
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Geschrieben von Jürgen Scheffler   
Samstag, 18. November 2006
Beitragsinhalt
Zukunft der Sozialsysteme (1)
0. Modell - Beschreibung
1. Heutige Situation
2. Demographisch korrekte Situation heute
3. Systemgrenzen und Wirtschaftsdogmen


 

1. Heutige Situation


Als erstes wollen wir die aktuelle Lage erfassen. Hierzu setzen wir für heute zutreffend ein Durchschnittsalter von 80 Jahren an. Sodann - ein Kind wird in seine Umgebung (familiärer oder alleinerziehender Haushalt) hineingeboren und bis zu seiner Eigenständigkeit dort im wesentlichen von Leistungen seiner Umgebung unterhalten - eine oder mehrere Personen, die sich ihrerseits wiederum in einer weiter fortgeschritteneren Phase des Lebensentwurfes befinden.


Wir bilden lediglich ab, dass der Staat Geld zum Aufziehen der Kinder beisteuert. Diese Transferleistung stammt von "außen" und stellt sozusagen eine gesellschaftliche Investition dar. Für die Phasen des Aufwachsen des Kindes nehmen wir hierzu für heute folgende Ansätze an: 200€/Monat im Alter 0-6; 300€/Monat im Schulalter; und 500€/Monat in Berufsausbildung oder Studium. Eventuelle Lohnanteiel in der Berufsausbildung oder Studium wird vernachlässigt.


Mit dem Ende seiner Ausbildung tritt der Mensch in seine Erwerbsphase ein - und nur in ihr ist er im Sinne unserer Rechnung "produktiv". Alle anderen Phasen werden als "alimentiert" angesehen. Weiter gehen wir davon aus, dass ein Akademiker in seinere Erwerbsphase im Schnitt ein höheres Einkommen erzielt, als ein Arbeiter. Als Eckwerte hierfür dienen uns die Durchschnittangaben aus der aktuellen Statistik für Arbeiter im produzierenden Gewerbe sowie Angestelltengehälter, die beiden Profilen zugeordnet werden - auch wenn nicht jeder Angestellte studiert - und nicht jeder Arbeiter nicht studiert hat.


Renten werden über aktuell gültige Rentenquoten aus dem zuvor bestehenden Arbeitseinkommen abgeleitet. Im Akademiker profil ergibt sich eine etwas höhere Quote, womit wir die u.U. bessere (private) Selbstständigenversorgung sowie die Beamten (70%) hälftig mischen mit den 50% der gesetzlichen Rentenkassen. Heraus kommen dann 60%. Weiter wird nicht unterteilt in Beschäftigung im öffentlichen Dienst, in der Wirtschaft oder Selbstständigkeit. Den Generationenvertrag berechnen wir als gesamtgesellschaftliche Aufgabe - Alle in der Erwerbsphase müssen im System das irgendwie aufbringen, was an Transferleistungen im System für alle benötigt wird.


Unabhänig davon, ob real nun etwas steuerfinanziert wird oder über Sozialabgaben, erfassen wir so immer die Gesamtsumme der erforderlichen Beträge. Real werden heute z.B. Pensionen zwar direkt vom Staat gezahlt, dieser aber erhebt dafür seine Steuer von der Bevölkerung. Uns sind solche Details egal - wir wollen wissen, wieviel das ganze Spaß insgesamt kostet - wie man es im Einzelnen erhebt, spielt hier zunächst mal keine Rolle. Unsere Rechnung entspricht hiermit der Projektion einer Bürger- oder Volksrente, die allein mit der Erwerbsarbeit gegengerechnet wird.


Aus gleichem Grunde unterscheiden wir auch nicht zwischen Renten und Pensionen. Hinsichtlich der volkswirtschaftlichen Gesamtrechnung erfassen wir so im wesentlichen alle Arbeitnehmerentgelte zuzüglich der Selbstständigeneinkommen (Aktuelle Werte aus dem statistischen Jahrbuch 2006: 1.128 Mrd € zzgl. rund 158 Mrd € Selbstständigeneinkommen). Mit diesen Annahmen kommen wir zu den in folgender Tabelle dargestellten Ergebnissen. ( Eräuterung: Werte in blauer Schrift sind Eingabeparameter - solche in roter Schrift hervorgehobene Werte):


Tabelle 1-1

 

Erstaunlich: Unser einfaches Modell führt in Verbindung mit Lohn- und Beschäftigungsdaten aus 2005 auf den ersten Blick zu relativ plausiblen Ergebnissen, wenn man berücksichtigt, dass wir die 4 Mio. Selbstständigen und 2 Mio. Beamten miteinbezogen und vereinfachend auf die beiden Profile verteilt haben. Die Arbeitsentgelte stehen mit 1.270 Mrd € in guter Übereinstimmung zu den 1.286 Mrd €, die sich aus den Daten des Statistischen Bundesamtes ergeben.


Allerdings bekommt man bei näherem Hinsehen einen Schrecken - Satte 28,4%(!) weist unsere Rechnung als eigentlich erforderliche Abgabe nur allein für hypothetische Umlagefinanzierung der Renten nach unserem Schema aus. Verdammt hoch - viel höher vor allem als der derzeitige Beitragssatz von 19,5%. Wie kann das denn? Nun - zunächst einmal schiesst der Staat schon seit Jahren bei den Renten zu - als Ausgleich für versicherungsfremde Leistungen, stammen rund ein Drittel der Mittel der Rentenanstalten aus dem Steuertopf. Rechnen wir dieses Drittel hinzu, bestätigt sich unsere Rechnung erneut gut. ( Beiträge: ca. 240 Mrd + Staat: 80 Mrd + Pension: 36 Mrd = 356 Mrd unser Wert: 361 Mrd ).


Doch zugleich sind wir sozusagen auf ein Geheimnis gestoßen, über das man uns gern im Unklaren lässt - denn: die Lage der Rentenkassen ist heute längst derart deformiert, dass sie die Alterstruktur der Bevölkerung nicht einmal im entfernt mehr widerspiegelt. Glauben Sie nicht? Dann schauen sie bitte einmal ins statistische Jahrbuch des Bundesamtes für Statistik (2006): Dort nämlich steht zu lesen: wir haben überhaupt nur 15,3 Mio Menschen im Alter von 65 und mehr - und eigentlich sollten im Wesentlichen auch nur die Rente beziehen. Bis zu 20,5 Mio Rentner aber weist das gleiche Jahrbuch aus, was einer 100%-igen Verrentung aller Menschen über 60 Jahre gleichkommt. Ähnliche Unklarheiten bestehen auch zum Ende der jungen Nichterwerbsphase - Gerade einmal 14,8 Mio Menschen haben wir im Alter bis 18 Jahren. Selbst wenn wir alle Azubis (1,5 Mio) und alle Studenten (2,0 Mio) hinzuzählen, kommen wir nur auf 18,3 Mio Menschen. Wir stellen die Zahlen so ein dass sich am Ende die vollständigen 82,5 Mio Bevölkerung ergeben und zumindest die bekannten Eckwerte eingehalten sind.


Bei der Suche nach den Ursachen für die heute prekäre Lage der Rentenkassen jedenfalls steht schon mit dieser Rechnung einwandfrei fest, dass jedweder angebliche Beitrag der Demographie hier ganz eindeutig in das Land der Fabeln gehört. Zwar gehen kleine Berufsgruppen relativ früh in Pension (Militär, Polizei etc.) Doch dies erscheint ja heute nicht auf dem Rechenzettel der heute notleidenden Rentenkassen. Was sich somit dort allein auswirken kann - und das recht vehement - ist: die Frühverrentungspolitik! Diese nämlich erfand man in einer - man muss schon fast sagen unheiligen - Allianz zwischen Politik, Gewerkschaften und Wirtschaft, als die Arbeitslosenzahlen bereits ab den ausgehenden 80er Jahren nicht mehr sinken wollten.


Damals ein tolles Geschäft für alle Beteiligten - die Politik konnte sich mit erträglichen Statistiken schmücken, die Gewerkschaften wirkten dem Druck entgegen, die hohe Arbeitslosigkeit regelmäßig auf ihre Verhandlungsposition ausübt und die Unternehmen konnten sich geräuschlos verjüngen sowie fest darauf vertrauen, dass sich die Kunde vom abnehmenden Arbeitsvolumen vorerst nicht verbreiten werde. Wohl viele erwarteten seinerzeit schließlich auch noch den Beschäftigungseffekt der damals so aufstrebenden "New Economy", und bis dahin wollte man sich offenbar halt irgendwie "durchwurschteln".


Heute wissen wir es besser - die New Economy zerplatzte wie eine Seifenblase. Was blieb, waren bereits zu früh in Rente geschickten Menschen. Sie sollten in der Folge noch zu Millionenheeren anwachsen, denn im Zuge voranschreitender Privatisierung griff man doch immer wieder gerne zu diesem Mittel - und dies ganz besonders bei den ehemaligen Großarbeitgebern Bahn und Post - wovon nur vereinzelt Skandalmeldungen überhaupt an die Öffentlichkeit gelangten.


DAS ist in Wahrheit eine der Hauptursachen für unsere heutigen Probleme, die mit Demograhie aber auch rein gar nichts zu tun haben, wie wir im Kapitel 2 noch zeigen werden. Frühverrentung könnte dabei ein durchaus vernünftiges Lösungselement sein - allerdings nicht in diesem unseren verkorksten System und zudem machte es sich irgendwie auch schlecht für unsere Politik, plötzlich zuzugeben, dass nicht mehr genug Arbeit für die Aufrechterhaltung der Vollbeschäftigung da sei. Stattdessen wurde bereits zu Kohl's Zeiten der eigentlich logisch konsequente Trend zur Arbeitszeitverkürzung mit dem Progandakonstrukt vom "Freizeitpark Deutschland" offen bekämpft. Man verwies gerne auf das Ausland - unterschlug dabei aber den in Deutschland längst bestehenden Produktivitätsfortschritt.


Tabelle 1-1 weist nun überdeutlich auf die Dramatik der Lage hin - gäbe es ein gesellschaftsweites und gerechtes Umlagesystem wären satte 28,4% Beitrag fällig - um die ausgewiesenen Renten zu ermöglichen. Dabei haben wir nicht einmal ein solches System - wir haben stattdessen ein unüberschaubares Wirr-Warr von Detail- und Sonderlösungen, dessen Hauptzweck Verwirrung und Verneblung zu sein scheint. Die großen Rentenanstalten behandelt man derweil - getragen von nur mehr noch 2/3 Drittel der Erwerbstätigen - wie ein Auslaufmodell. Statt dessen wird die Private Alterssicherung als Lösung propagiert. Nicht nur, dass heutige Rentner diejenigen sind, die bereits die Zeche für diese Vertuschungskation zahlen müssen - wer heute ordentlich verdient, dem MUSS das Ganze genau so wie blanker Hohn erscheinen. Er berappt nämlich nicht grad wenig für die Rentenkasse - und kann zugleich bei Verwandten bewundern, wie wenig dabei für die meisten herum kommt und nun soll er sich nun auch noch ZUSÄTZLICH privat absichern.


Ein Detail unseres speziell deutschen Umlagesystems nämlich blieb unangetastet - das Äquivalenzprinzip. Senkungen der Rentenquoten finden einheitlich statt - wodurch die Menschen mit geringen Einkommen inzwischen keine hinreichenden Rentenansprüche mehr erwerben KÖNNEN. Hätten viele nicht Betriebsrenten oder sonstige private Ersparnisse - befänden sich noch viel mehr Rentner längst in existentiellen Notlagen. Zugleich aber beziehen einige Rentner der gleichen Kasse immer noch üppige Renten von 2.000 € und mehr. Bei uns errechnet sich eine Durchschnittsrente im Arbeiterprofil von 1.270 € im Monat deutlich über der von den Rentenkassen zugrunde gelegten "Äquivalenzrente" liegt - doch diesen auch Eckrente genannten hypothetischen Betrag (für 2007: 1062 € ) kann ein Arbeitnehmer mit Durchschnittseinkommen und Durchschnitt-Erwerbsbiographie immer seltener erreichen - er errechnet sich aus fast erwerbslebenslanger Vollbeschäftigung (45 Arbeitsjahre). Die Mehrheit der Rentner erhält derzeit Renten um die 650 €, und nicht wenige davon haben keine sonstigen Einnahmequellen - somit sind diese schon heute als "arm" anzusehen.


Es kann nicht sein, dass ein Mensch, der sein Leben lang gearbeitet und Jahrzehnte lang mit seinen Beiträgen Rentner "durchbrachte" heute in Altersarmut gestoßen wird, wenn er selbst zur Verrentung ansteht. Spätestens hier muss jede Besitzstandswahrung Einkommensstarker ihr Ende finden. Doch unsere Politiker ersonnen zur Rettung des Besitzstandssystems die Grundsicherung im Alter - sozusagen ein HartzIV für Rentner. Aus Steuermitteln wird die Minirente auf Armutsniveau aufgepeppt - allerdings nur nach Antrag und Bedüftigkeitsprüfung. Dass besonders ältere Mitbürger den Gang zum Sozialamt scheuen, Nachteile für ihre Verwandten befürchten etc., nahm man wissentlich in Kauf - wenn man es nicht sogar darauf abgesehen hatte.


Rund 2 Mio derzeit hätten so zwar Anspruch auf dieses "Hartz für Rentner" - haben es aber gar nicht erst beantragt. Und wieder eine Rechnung der Umverteiler, die voll aufgeht. Welch ein tolle Belohung für ein vielleicht auf niedrigem Niveau, aber dafür anständig gelebtes Arbeitsleben im Absurdistan von hier und heute. In solchen Zeiten überhaupt nicht mehr als gerecht vermittelbar ist die Privilegisierung der Beamten - die Durchschnittspensionen liegen heute über 2.000 (!) € im Monat für Menschen, die ihr Leben lang nicht zuletzt auch von den ehemaligen Steuern unseres Armutsrentners gelebt haben. Dieses kranke und deformierte System ist kein gerechter Staat mehr, sondern ein Ausbeutungssystem, dass selbst im Alter nur jene noch immer weiter belohnt, denen es schon immer gut ging. Dabei kann man diesem System nicht entrinnen - die Teinahme an ihm ist Arbeitnehmern gesetztlich vorgeschrieben.


Zum Abschluss der aktuellen Diskussion wollen wir mit der Tabelle 1 mal ein Experiment unternehmen - wie sähen die Verhältnisse denn aus, wenn man die üppigen Renten und Pensionen zugunsten der geringen Renten "eindampfen" würde? Ja - nun nicht unbedingt die Einheitsrente für alle Zukunft - aber eben zumindest mal ein kollektiver Kraftakt für eine Übergangsphase. Dies könnte dann so aussehen:


Tabelle 1-2

 

Ohne dass sich sonst große Änderungen ergeben, fällt die Abgabenqoute für die Altersicherung um satte 8% zurück. Unter die Armutsgrenze müsste dennoch niemand sinken, sofern man sich vom Äquivalenzprinzip verabschiedete. Mit etwas über 1.000 € sollte man - wenn auch bescheiden - leben können, vor allem wenn zugleich der Blödsinn von Abgaben und Abzügen auf Renten wieder komplett aus der Welt geschafft würde. Zudem sahen wir ja vorhin - die Eckrente 2007 beträgt auch nur 1.062 €.


Wir hier jedenfalls sehen und wollen uns merken: sogar die gegenwärtig höchst deformierten Verhältnisse ließen sich anpacken - ohne dass dies zu Lasten der angeblich so arbeitsmarktwirksamen Lohnnebenkosten gehen MUSS. Ein Umlagesystem ist eben in sich höchst leistungsfähig - wenn man es nur lässt. Tabelle 1-2 stellt denn auch ein Ansatz für ein solidarisches Not-Programm dar, dass den Systemwechsel einleiten könnte. Solidarität bedeutet eben, dass starke Schultern in der Gesellschaft auch mehr von der gesamtgesellschaftlichen Aufgabe schultern als schwache. Arme allein können Armen schließlich auch schlecht helfen... Wer jedoch ständig mit spitzem Buchhalterstift nachrechnet, ob er aus einem Solidarsystem nur ja auch alles wieder herausbekommt, was er hinein gibt - der meint nicht Solidarität, sondern Besitzstandswahrung. Und dies ist nun mal das Gegenteil von Solidarität - vor allem wenn schon längst Menschen von ihren Einkünften nicht mehr leben können. Dies gilt weit über das Rentensystem für nahezu alle gesellschaftlich zu regelnden Bereiche. Neoliberale Propaganda indes zielt auf ganzer Breite vor allem darauf ab, die Erkenntnis genau dieses Sachverhalts zu unterdrücken.


Nur zu diesem Zweck - und nicht etwa weil derartiges in der Realität irgendeine nennenswerte Rolle spielte - werden auch fortwährend Leitbilder von "Eigenverschulden" für Arbeitslose, aber auch für Menschen aus der Ex-DDR, die Rentnergeneration, oder für wen auch immer, der da grade irgenwo im Wege steht, in die Öffentlichkeit transportiert. Und diese werden durch Medienarbeit, zahlreiche "Experten" und nicht zuletzt auch durch den Geist der Hartzgesetze ständig untermauert aufgefrischt. Unbeschadet der Tatsache, dass es einige wenige geben mag, auf die dieses irreführende Leitbild vielleicht tatsächlich zutrifft - im großen Zusammenhang geht dies als Pille-Palle im Rauschen völlig unter.


Unumstößliche Lebenstatsache für Menschen im Heute bleibt: Wer sich schon die letzten Jahre seines Erwerbslebens im Niedriglohn oder als Hartzling durchschlagen muss, dürfte gewiss "bestraft" genug sein - auch wenn er nichts verbrochen hat. Mit welchem RECHT eigentlich will man ihm seine "Strafe" auf zutiefst zynische und üble Weise auch noch für sein gesamtes Alter verlängern? Wenn jemand schon sein Leben lang nicht so sehr üppig verdient hat, hatte er nie eine Chance, etwas groß anders zu machen - ein Vater von drei Kindern kann sich nun nicht mal so eben auf das Harakiri einer ungewissen Selbstständigkeit einlassen - oder mit dem Geld fürs Essen an Börsen herumzocken. Allein, dass er seine Kinder trotz allem zu halbwegs anständigen Gesellschaftsmitgliedern aufgezogen hat, stellt schon eine eigentlich zu würdigende Leistung dar. Dies nämlich ist - noch - der Normalfall in unserem Land, und nicht etwa die Kevins, Jessicas und all die anderen Einzelfälle, die uns fortwährend um die Ohren geschlagen werden.


Auch an der gegenwärtigen Schieflage des Rentensystems trägt unser künftiger Armutsrentner keinerlei Schuld - er hatte keinen Einfluss und war gesetztlich ohne Alternative in das System hineingezwungen. Paradoxerweise aber soll ausgerechnet er die Folgen für die Verschleierung jenes Mangels an Arbeit ausbaden, unter dem er schon im Erwerbsleben zu leiden hatte. Niemand von all den schicken Mächtigen und Reichen in der Gesellschaft, die heute bei Christiansen und anderswo ständig große Worte führen, hat in Relation zu seinen Möglichkeiten auch nur entfernt derart viel für die Gesellschaft getan, wie gerade diese Person - die da nun erneut bestraft werden soll. Soweit zum derzeit herrschenden Klima im Land - welches wir bei CogitoSum immer wieder unter Beschuss nehmen werden. Im nächsten Kapitel wollen wir uns indes mehr dem zahlenmäßigen Ausmaß dieser - durch unsere ach so tollen Eliten - verursachten Schieflage zuwenden:



 


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