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Zukunft der Sozialsysteme (1) Drucken E-Mail
Benutzer Bewertung: / 6
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Geschrieben von Jürgen Scheffler   
Samstag, 18. November 2006
Beitragsinhalt
Zukunft der Sozialsysteme (1)
0. Modell - Beschreibung
1. Heutige Situation
2. Demographisch korrekte Situation heute
3. Systemgrenzen und Wirtschaftsdogmen


 

3. Systemgrenzen und Wirtschaftdogmen


Die heutigen Wirtschaftsparadigmen klingen uns ob ihrer unablässigen Wiederholung in den Ohren - Löhne zu hoch, Sozialsysteme zu teuer und ineffizient, Arbeitslose zu verwöhnt, zu faul zu unwillig, Rentner zu reich und zu anspruchsvoll usw.. Mit allerlei zumeist sehr groben Werkzeug aus dem Instrumentarium des Fundamentalkapitalismus jedoch liesse sich eine bessere, schönere, goldenere Zeit herbei führen - dies will man vor allem junge Menschen im Lande glauben machen.


Niemand - vor allem junge Menschen nicht - sollte auf diese ebenso hinterhältigen wie haltlosen Versprechungen herein fallen. Denn es ist nun mal eine Binsenweisheit, dass der heute junge Mensch auch bald alt sein wird - und somit die Folgen dessen, was unter Umständen heute in seinem angeblichen Interesse angerichtet wurde, am eigenen Leibe wird ausbaden müssen. Unsere Rechnung zeigt sehr deutlich, dass ein menschenwürdiges Alter nicht zum Nulltarif zu haben ist - egal wie man es im Detail löst. Für alle Gesellschaften - gleich wie sie organisiert sind - bleibt dies eine der schwierigsten kollektiven Aufgaben überhaupt und sie kostet vor allem Geld - richtig viel Geld. Umso wichtiger, dass mit diesem vielen Geld, welches man Menschen in der Erwerbsphase wegnimmt, so sinnvoll und gerecht wie nur möglich umgegangen wird.


Es ist ja nicht unberechtigt, wenn z.B. eine nicht üppig verdienende Verkäuferin sich eines Tages die Frage stellt, wieso sie mit ihren Steuern und Sozialabgaben die Pension eines Herrn Prof. Sinn in mehrfacher Höhe ihres Einkommens eigentlich mitfinanzieren soll, wo sie selbst eigentlich schon einen Termin beim Sozialamt zwecks Beantragung der Grundsicherung fürs Alter vorbuchen könnte. Genau DAS aber ist unser heutiges System, verehrte LeserInnen - und die wenigsten von Ihnen können entscheiden, ob sie nun daran mitwirken wollen oder nicht. Es besteht für Arbeitnehmer gesetzlicher Zwang dazu.


Dies ist nicht Schuld der alten oder armen Menschen - sondern derjenigen, die diesen Dickicht aus Absurdistan auf - und ausgebaut haben. Ich - selbst 50 - kann gut verstehen, wie manch jüngerer Mensch mit den Augen rollt, wenn er auf seine Lohnabrechnung schaut - und feststellt, dass da 500, 600 oder 700 € und mehr Monat für Monat allein in die Rentenkasse wandern und ihm so nach allen anderen Abgaben und Steuern kaum noch die Häfte seines Bruttos verbleibt. Ich persönlich glaube aber auch nicht, dass Menschen heute - selbst als vielleicht höhere Beamte oder Abteilungsleiter in der Wirtschaft - auf Dauer damit glücklich sein werden, wenn sich unsere Straßen allerorts mit Elend füllen, weil immer mehr Menschen immer weniger zum Leben haben.


Dies nämlich ist die Vision, die untrennbar mit einer Umsetzung der eingangs erwähnten Paradigmen verbunden ist - nur wird dies vor den Menschen heute hinter allerlei Wortgeklingel verborgen. Man faselt von Chancengerechtigkeit statt Gerechtigkeit, man schwadroniert mit Eigenverantwortung statt Solidarität, man zieht uralte zu Feudalzeiten geschaffene "Tugenden" heran wie Fleiß, Leistungsbereitschaft, Kindemachen fürs Vaterland u.v.m. und man setzt uns beständig vor - im Konsum läge alles Heil und der geheiligte Markt werde schon alles richten.


Aber lassen Sie sich gesagt sein - den Markt interessiert all dies nicht bie Bohne. Hoffnungen kann man immer nur auf Menschen und deren Vernunft setzen. Ich weiß nicht, ob jemandem ein 1000€ Einkauf in einer Edelboutique noch so richtig Freude bereiten wird, wenn er dabei quasi andauernd über arme, verwahrloste, verzweifelte Menschen steigen muss. Solidarität ist ein Gebot gesellschaftlicher Vernunft - und sie hat in sich auch wirklich solidarisch organisiert zu sein. Diesem Anspruch werden unsere in die Jahre gekommenen Sozialsysteme - und besonders das derzeitige Rentensystem - schon länger nicht mehr gerecht.


Wir wollen dabei aber auch nicht aus den Augen verlieren, dass unsere Arbeitswelt aufgrund des Produktivitätsanstiegs dabei ist, sich nachhaltig zu verändern. Der Waren- und Güterbedarf einer Gesellschaft lässt sich mit immer weniger Arbeitskraft herstellen und reproduzieren. Die Folge - die Nachfrage nach Arbeit MUSS sinken. Doch sind es primär binnenwirtschaftliche Bedingungen, die die volkswirtschaftlichen Gesamtrechnungen prägen - und entgegen allem Globalisierungsgequatsche - wird dies auf absehbare Zeit auch noch so bleiben. Bevor wir uns dafür interessieren, wie wir Arbeiter in Indien und China bestmöglich ausbeuten können, sollten wir erst endlich mal unsere eigenen Hausaufgaben machen und unsere Gesellschaft wieder flott machen für all die kommenden Herausforderungen.


Doch die uns derzeit vorgesetzten Lösungen sehen völlig anders aus - Wirtschaftsverbände und Lobbyisten sind ja unermüdlich dabei, Niedriglohn-Sektor, Lohn-, Renten- und Transferkürzungen, Arbeitszeitverlängerungen als DIE Lösungen für mehr Wachstum und damit das Heil anzupreisen. Und wenn wir denn dieses Wachstum einmal haben und die Vollbeschäftigung (bei Arbeitszeitverlängerung? Gelächter...) erst wieder herrscht, würden sich alle Probleme von selber lösen. Lassen Sie sich nicht länger hinters Licht führen - wir hier tun der Wirtschaft doch mal den Gefallen. Zimperlich wollen wir dabei nicht sein - also senken wir alle Löhne und Transferleistungen in Tabelle 1-1 gleich auf das Niveau ab, das dem Grundbedarf entspricht und schauen mal, wie jener Zustand ausschaut - hinter den man auch beim allerneoliberalsten Willen nicht weiter zurückfallen kann:



Tabelle 3-1

 

Ja - was sind das denn bloß für Zahlen? Der Binnenmarkt verliert 800 Mrd(!) Arbeitnehmerentgelte. Die Abgabenquote steigt auf über 70% - die gesamtgesellschaftliche Leistung reicht vorne und hinten nicht mehr aus, Transfers und Grundbedarf überhaupt noch zu finanzieren. Dies ist in etwa eine Situation, wie sie heute in Entwicklungsländern und das in oft noch weit absurderer Ausprägung vorzufinden ist. Offenbar finden manche - vor allem diejenigen, die hier so gerne den Niedriglohnsektor ausbauen wollen, richtig gut. Wir sehen weiter: die Arbeitsstunden heraufzusetzen, bringt überhaupt nichts - zumindest nicht ohne Lohnausgleich. Nicht überraschend, denn wir haben ja auch gar nicht wirklich das Problem, dass die Menschen hier zu faul oder Arbeit hier zu teuer ist. Dies redet man nur 24 Std am Tag, 7 Tage die Woche ein. Wir haben schlicht das Problem, dass schon jetzt überhaupt zu wenig Arbeit für das derzeitige Arbeitsprofil da ist - nur das eben soll das große Geheimnis bleiben. Unsere ganze Rechung hier indes ist gegenüber der Arbeitszeit eigentlich invariant - und dies trifft in guter Annäherung auch für die Realität zu.


Denn: Alles was man mit mehr Arbeitseinsatz herstellen könnte, muss schließlich auch am Markt absetzbar sein - andernfalls sinken die Preise und man ist schwupps wieder dort, wo man vorher war. Je billiger die Märkte hier und weltweit aber bedient werden, um so weniger Spielraum bleibt für die Schaffung halbwegs erträglicher Verhältnisse in den Gesellschaften. Entscheidend ist immer nur, welche Marktwerte erarbeitet werden - vollkommen wurscht mit wieviel oder wie wenig Arbeitstunden oder mit wieviel oder wie wenig Gewinn dies geschieht - so viel zur Lieblingsthese der CDU.


Arbeitszeitverlängerung ohne Lohnausgleich aber hat immer einen todsicheren Sofort-Effekt: sie erhöht den Gewinn des Unternehmens. Der Absatz des Produkts hingegen wird nur dann steigen, wenn man mehr Markterfolg realisiert - z.B. weil man die Preise senkt. Hierfür allerdings gibt es keine Garantie - oft ist es so, oft aber eben auch nicht. Und unter uns gesagt - oft werden die Preise nicht einmal gesenkt. Auf jeden Fall bleibt das sofortige Resultat - mehr Gewinn in den Taschen von Managern und Anteilseignern. Ob der Absatzwert dadurch steigt, worauf die CDU-These ja abhebt, bleibt mehr als fraglich (im Binnenmarkt z.B. müssen Menschen auch Geld für mehr Konsum haben).


Allenfalls etwas mehr Sicherheit für den Arbeitsplatz könnte bei sehr viel gutem Willen (den man sich in Absurdistan besser abgewöhnen sollte) aus dieser Maßnahme heraus lesen - da sich der Preisspielraum vergrößert und damit die Wettbewerbfähigkeit theoretisch steigt. Doch Vorsicht! Volkswirtschaftlich ist damit nicht automatisch echter Gewinn verbunden - denn der Absatzwert steigt nicht sofort automatisch, er verteilt sich zunächst einmal lediglich auf eine größere Gütermenge. Erst der Hinzugewinn von wertmäßigen Marktanteilen in einem wachsenden oder wenigstens stagnierenden Markt würde sich positiv bemerkbar machen. Wahrscheinlicher indes aber ist etwas wesentlich Naheliegenderes: die Arbeitszeitverlängerung erlaubt Personalabbau, der sich wiederum unmittelbar - völlig unabhängig vom Marktgeschehen -nochmals auf der Stelle in noch mehr Gewinn auszahlt.


Früher einmal gehörten solche Zusammenhänge in das sogenannte unternehmerische Risiko - jener Grund, mit dem man auch letzlich den Profit des Unternehmers rechtfertigte. Genau dieses Risiko aber wird mittels Arbeitszeitverlängerung ohne Lohnausgleich auf die Belegschaften abgewälzt, ohne ihnen jedoch einen höheren Anteil im Erfolgsfall zukommen zu lassen. So wird es einfacher, ein Produkt billiger zu machen, anstatt seine Marktposition mit Innovation oder Weiterentwicklung auszubauen.


Das Ganze setzt sich zwingend in Richtung Verramschung - d.h. sinkende Qualität und Preisverfall - in Bewegung. Mit der sinkenden Qualität aber verkleinert sich wieder der Abstand zu weniger leistungsfähigen Produzenten - die Marktanteile geraten wieder unter den Druck von Niedrigslohnstandorten. Die Folge: erneuter Druck für Lohnsenkungen. Und wie der Wettbewerb um den niedrigsten Lohn hierzulande nur ausgehen kann, verrät uns da eine ganz wichtige Zahl aus unserer Tabelle 3-1. Nämlich satte 3,84(!) stellen den allerniedrigst möglichen Lohn hierzulande - bezogen auf eine solidarische Gesellschaft dar. Wer noch weniger will - müsste erst einmal die Lebenshaltungskosten hierzulande deutlich senken (Gruß an Prof. Sinn...), bevor wir in der Ramschspirale Indern und Chinesen überhaupt erst einmal wirklich überhaupt Konkurrenz machen könnten.


Und selbst das ist nur die halbe Wahrheit - denn entscheidend dafür, wie es Menschen in diesem Afrika-Szenario gehen wird, sind vor allem die langen fetten Zahlen in Rot von -170.000 bis an die -190.000 €, die nämlich dem Individuum im Verlaufe seines Lebens fehlen, seinen Grundbedarf und wenigstens die mindestmöglichen Transferleistungen zu organisieren. Unter diesen Bedingungen lässt sich schon längst keine solidarische Gesellschaft und erst recht kein Konsumparadies mehr organisieren. Also taugt dieses Szenario zu nichts anderem als zu Futter für den Reißwolf. In der nächsten Variation wollen wir bestimmen, wie hoch denn Einkommen sein müssten, um gerade eben ein Gleichgewicht zwischen Löhnen und der Summe aus Grundbedarf und Transferleistungen herzustellen. Die Arbeitszeit setzen wir vernünftigerweise wieder mit 40Std pro Woche an. Hiermit ergibt sich:


Tabelle 3-2

 

Mit diesen Parametern haben wir - wenn man so will - die realistische untere Grenze für mögliche Lohnsenkungen auf Basis heutiger Lebenshaltungskosten vor Augen. Wohlgemerkt - hier lebt die gesamte Gesellschaft praktisch auf Hartz IV-Niveau. Kein Geld für Autos, Reisen oder sonstigen Schnick-Schnack. Grade Leben und ein Dach über dem Kopf sind drin - und Kinder und Alte werden mit durchgefüttert. Diese Verhältnisse werden sich in den nächsten Jahren aufgrund der sich wandelnden Demographie verändern - anfangs langsam, dann beschleunigt bis etwa 2030, ab wo dann für etliche Jahre sozusagen das Tal durchschritten wird - schon 2040 dürften sich die Verhältnisse wieder stabilisieren - denn die dann in Rente befindlichen Babyboomer erreichen das Ende ihrer Lebensspanne. Bei 10% Arbeitslosigkeit erreicht dieses System nur noch knapp 83% des an sich erforderlichen Gleichgewichts, bei noch mehr Arbeitslosigkeit noch weniger.


So ist längst drängende Notwendigkeit, unser Rentensystem in ein armutsfestes System zu überführen, damit dieses auch noch rechtzeitig seine volle Wirkung entfalten kann. Die Zahlen dieses Szenarios müssen richtig verstanden werden - hier KANN es keine Spreitzung in Löhnen oder Renten mehr geben - jedem der mehr Einkommen erzielte, müsste zwingend jemand gegenüber stehen, der seinen Lebensbedarf nicht mehr decken kann. Ist dieses Mehr dem Betrag nach sehr hoch, sind es sogar sehr viele, die dafür unterhalb der Bedrafsgrenze liegen müssen.


Auf heutiger Basis aber wären eine Vielfalt von Konstruktionen denkbar - denn unserere Volkswirtschaft erwirschaftet ja bei weitem mehr als dieses minimale Gleichgewichtssystem erfordert! Nur dieses Mehr aber könnte man in der Gesellschaft als Spielraum zur Lohn - und in Grenzen auch - zur Rentendifferenzierung nutzten. Und das ist unseren Elitären Zirkeln anscheinend zu wenig - okay - DANN sollen sie es bei Wahlen aber auch mal deutlich sagen! Dann werden wir schon sehen, wo sie mit derartigen Zielen landen. Es geht nicht um Gleichmacherei, Kommunismus, Sozialismus... Es geht um Lebensinteressen von Menschen! Wir sehen hier sogar, dass es durchaus einen Spielraum gibt, für "Leistung muss sich lohnen" - Aber vor dem Lohn hat bitteschön die Leistung zu kommen. Dieser Spielraum ist eben in einer demokratischen und menschnewürdigen Gesellschaft nicht unbegrenzt. Jedenfalls sehen wir, dass ein solidarisches Sozialsystem und ein Anreizsystem für individuelle Leistung sich nicht unbedingt so sehr ausschließen, wie es von interessierter Seite immer gerne behauptet wird.


Interessant noch die sich für das Minimalsystem errechnenden Stundenlöhne von deutlich über 7€ (!) - ganz so blöd können unsere Nachbarn also nicht gewesen sein - mit ihren gesetzlichen Mindestlöhnen - liegen sie doch alle über dieser Grenze. Hier muss man sich schon fragen, wo und vor allem mit welchem Ziel (von der Berechtigung ganz zu schweigen) hierzulande immer noch Bedenken getragen werden in Bezug auf Mindestlöhne. Auf knapp 9 € übrigens würde unser Wert hier bei flächendeckender 35 Stunden Woche steigen - womit sich vom Arbeitsaufkommen her die Arbeitslosigkeit praktisch in Luft auflösen sollte - theoretisch. Wir sehen - es ist eine Menge möglich, ohne dass hier irgend etwas zusammenbräche. Nun - Viele andere Länder haben ihren Wirtschaften längst einen Mindestlohn verordnet - nur wir Deutsche wissen mal wieder alles besser. Wenn es etwas gibt, was man noch absurder machen kann, als andere, sind wir eben schon gerne mal führend.


Ganz eindeutig jedenfalls sehen wir - Lohnsenkungen scheinen nicht so wirklich der Ausweg aus der Krise, die in Wahrheit keine ist. Das BIP läge in diesem theoretischen Grenzfall immer noch gut mindestens 600(!) Mrd unter dem aktuellen Wert - allein durch die geringen Löhne. Mediablöd und all die schicken Autosalons und Edelboutiquen hätten geschlossen - die gesamte Volkswirtschaft drehte sich nur allein um die Befriedigung des Grundbedarfs und die Bereitstellung der notwendigen Transfers. Lohnhöhen unterhalb dieser Schwelle sind aus gesellschaflticher Sicht in Wahrheit gar keine ARBEIT mehr - Arbeit genannt wird dies lediglich aus Sicht derer, die sich bei dieser offen angestrebten und menschenverachtenden Ausbeuterei die Taschen noch voller stopfen wollen.


Was wir aber auch sehen können ist, dass offenbar schon relativ geringe Abstände der Löhne über dem zum Leben unumgänglich Notwendigen ausreichen (3,84 € zu rund 8 €), um ein umlagefinanziertes Rentensystem in Betrieb zu halten. Diese Leistung mittels privater Versicherungen inklusive AGB-Wirrwarr und satten Gewinnen für Unternehmen realisieren zu wollen, KANN NUR wesentlich teurer werden - vor allem auch angesichts der großen Zeiträume. Zudem spricht sehr viel dafür, Geld für nackte Lebensinteressen von Menschen tunlichst nicht zum Zocken an den Börsen zu verwenden. Vergleicht man dieses Minimalszenario mit den aktuellen Werten gemäß Tabelle 1-1, wird insgesamt eigentlich deutlich, wo wir derzeit stehen - und zugleich wird deutlich, wohin uns die derzeitigen Konzepte ganz offensichtlich gegen jedes Gemeinwohl der Gesellschaft - hin bewegen sollen.


Wie die Antwort eines jedes vernüntigen Menschen auf dieses Ansinnen nur lauten kann, liegt klar auf der Hand. Dies trifft ganz besonders für heute junge Menschen zu. "Lasst Euch nicht verarschen..." würde man am liebsten in Pocher-Manier ausrufen. Der von arg- oder skrupellosen Idioten in die Welt gesetzte Unsinn von Generationenkonflikten und ähnlich widerlichen "Teile und Herrsche"-Parolen sollen die Gesellschaft als Ganzes in einer ihrer wichtigsten - wenn nicht der wichtigsten Aufgabe überhaupt - schwächen: in der Herstellung und Erhaltung von menschenwürdigen Zuständen für ihre Mitglieder. Die Motivauswahl für dieses Treiben engt sich beträchtlich ein auf das zwischen Dummheit und Bösem Vorsatz angesiedelte Kontinuum...


Wer behauptet, die Erfüllung des Generationenvertrags sei durch die Globalisierung nicht mehr möglich, der lügt in wessen Intereresse auch immer und erklärt damit eigentlich zugleich den Total-Bankrott der demokratischen Gesellschaft als Ganzes. In den absurden Zeiten die wir haben, kann man sich entweder auf die Seite der Vernunft oder gegen sie stellen. Auch sollten wir uns nicht an Abgabenquoten und sonstige gern benutzten Kennzahlen klammern - zumindest nicht ohne sie genau zu hinterfragen und verstanden zu haben, was sie bedeuten.


Prozente kann man nämlich nicht essen und auch sich nichts dafür kaufen. Auch muss klar sein, dass ein Durchschnittswert - z.B. bei Löhnen - nur begrenzte Aussagekraft hat. Ein Durchschnitt kann auch dadurch hohe Werte haben oder steigen, dass wenige unnötig viel und viele nicht genug verdienen. Ein gesetzlich fixierter Mindestlohn ist hier zuverlässiger Schutz vor Arbeits-Strukturen, die man nicht mehr als Arbeit im gesellschaftlichen Sinne ansehen kann.


Mindestlohn stellt sicher, dass mit jedem Arbeitsplatz zumindest das erarbeitet wird, was zum Leben und für die Transferleistungen der Gesellschaft gebraucht wird. Und auch nor ein solcher Arbeitsplatz hat eigentlich das Recht, in einer staatliche herausgegebenen Arbeitsstatistik gezählt zu werden. Auch wird erkennbar, welch ein Unsinn eine breite Anwendung von Kombilohn-Modellen darstellt... Arbeitsplätze in der Wirtschaft, die eine Gesellschaft bezuschussen muss, stellen die Logik des Zusammenwirkens von Gesellschaft und Wirtschaft komplett auf den Kopf - gradezu ein aktuelles Paradeprodukt "Made in Absurdistan".


Deutlich sei hervorgehoben, dass das wir hier nicht einem Sozialismus oder Kommunismus das Wort reden - wir haben lediglich eine sinnvolle Verknüpfung von Randbedinungungen für das Wirtschaftssystem UNSERER Gesellschaft in den logisch grundlegend gegebenen Zusammenhang gestellt. Wer sich darunter bewegen will, verfrühstückt auf Dauer den sozialen Frieden im Land - Haben wir nicht schon Landesregierungen, die mit Zuspruch von nicht einmal mehr 25% der wahlberechtigten Bevölkerung regieren (siehe Sachsen-Anhalt)?


Bedauerlicherweise wittert außerdem das braune Gesocks längst schon Morgenluft, dass sich ihnen hier bald eine Chance bieten könnte, unser Land erneut nicht mehr wiedererkennbar "umzugestalten". Der Kapitalismus als solcher muss wegen unserer bisherigen Befunde noch lange nicht als grundsätzlich schlecht gelten - schlecht ist eher, was heute Menschen, vor allem unsere selbst ernannten "Eliten", derzeit aus ihm machen bzw. mit ihm anstellen.


Wer an 30% Gewinnmargen oder 40 Mrd € Vermögen noch irgendetwas Vernünftiges entdecken kann, dem ist kaum noch zu helfen - ganz besonders dann nicht, wenn er dies als abhängig Beschäftigter so sieht. Es geht hier nicht um Neiddebatten - sondern um einfache unausweichliche Grundforderungen, die unser Wirtschaftssystem erfüllen MUSS, weil es sonst beginnt, an jenem Ast zu sägen, auf dem wir alle miteinander hocken.


Nun mag es ja mit spitzem Bleistift ausgestattete Skeptiker geben, die bezweifeln, dass unser als Gleichgewicht ausgewiesener Zustand auch wirklich das Gleichgewicht darstellt. Für diese Skeptiker also - die nächste Tabelle mit den eingesetzten Zahlen aus einer demographisch korrekten Gleichverteilung auf die Abschnitte im Lebenszeitprofil:



Tabelle 3-3

 

Sie sehen: der Gleichgewichtsindikator fällt - wie von Geisterhand (wir schwören - ohne jeden "Kunstgriff") - auf genau 100% - was untermauert, dass unsere Tabellen mathematisch irgendwie korrekt aufgebaut sind. Was in Tabelle 3-2 den Gleichgewichtszustand noch drückt, war die mit 10% angenommene Arbeitslosigkeit sowie die Frühverrentungsdeformation. Das bedeutet - Arbeitslosigkeit kann ein System sich eigentlich erst "leisten", wenn es sich reichlich oberhalb des Gleichgewichts befindet. Geradezu gigantisch dagegen die Sprünge in den Abgabenquoten für die Renten zwischen den Tabellen 3-1 bis 3-3. Hier sieht man deutlich - wie schädlich Frühverrentung und Arbeitslosigkeit zusammenwirken können - und wie exorbitant sich Niedriglohnszenarien dabei niederschlagen.


Im nächsten Kapitel werden wir mit dem Rechenschema noch einige andere Dinge näher untersuchen - dies erscheint vor allem vor dem Hintergrund notwendig, dass wir eine Grundlage unserer Berechnungen nicht aus den Augen verlieren dürfen - dass es nämlich gelingt, auch in Zukunft einen um Erwerbsarbeit zentrierten Lebensentwurf für alle aufrecht zu erhalten - also ein an Vollbeschäftigung orientiertes System. Dies ist aber kein zwingendes Naturgesetz - schon gar nicht wenn sich die Arbeits- und Lebenswelt derart wandelt, wie in unserer Gesellschaft an der Schwelle zur Informationsgesellschaft. In Entwicklungsländern gibt es praktisch keine moderne Gesellschaft - dort gibt es eine minimale Schicht Superreicher, und einige, die denen zu arbeiten und zumeist deren Herrschaft aufrecht erhalten sowie Reichtum mehren, und dann stets eine große Masse, die in Elend lebt. Kein vernünftig denkender Mensch kann sich für Europa jemals wieder derartige Verhältnisse wünschen (Hatten wir schon... sozusagen).


Hier endet der erste Teil unseres Beitags zu diesem brisanten Thema. Mit dem folgenden Link können sie direkt zu Teil 2 springen, wo wir mit diesem Rechenschema einiges anstellen werden - und uns u.a. auch die Demographie 2050 vornehmen werden - soweit sie heute vorhergesagt wird.

 

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