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Oettinger stürzen... Satire. "Oettinger stürzen" wird unter Langzeitarbeitslosen als "Running Gag" immer beliebter. Wie diese Meldung einmal mehr zeigt...  weiter...


Gegendarstellung (Real-Satire) Diesem Stern-Beitrag des Monats Januar lag ein bedauerlicher Irrtum zugrunde und er wurde daher kürzlich vom Stern gegen dargestellt.  weiter...


WIESO Tipp (Real-Satire) Die Mühlen der deutschen Justiz mahlen langsam aber gründlich - sagt man ihnen nach. Wie man am Ausgang des Skandal-Prozesses um die Berliner Landesbank (der Spiegel berichtete hier) erkennen kann, wurde am Ende aber doch alles gut...  weiter...


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Wieder und wieder... (Real-Satire) Weitgehend unbemerkt von der Öffentlichkeit gelang der FTD gestern am 20.03.2007 der erste Feldtest eines völllig neuen Prototyps für den politischen Beitrag der Zukunft.  weiter...


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Phantomschmerz im Kopf... PDF Drucken E-Mail
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Geschrieben von Jürgen Scheffler   
Dienstag, 28. November 2006

Schöne neue Welt in Elfershausen. Der Betriebsrat des dortigen kleinen Ex-FAG-Werkes (gehört heute zur Schaeffler KG) hat mit der Unternehmensleitung den Ausstieg aus der 35-Std-Woche vereinbart. Im Gegenzug zu einer Beschäftigungsgarantie bis 2012 für alle 230 Mitarbeiter werden dort die Mitarbeiter künftig 5 Stunden pro Woche mehr und das für ummesonst arbeiten. Mit einer Zustimmung von 98% nahm die Belegschaft diese Regelung an. Weil die IG Metall ihre Zustimmung versagte, wird das kleine Werk nun aus der Firmengruppe ausgegliedert werden, damit die Vereinbarung ohne Verletzung des bestehenden Flächentarifsvertrags umgesetzt werden kann. So weit - so gut. Ein Beispiel von vielen - heute im Zeitalter ungehemmter Gewinnmaximierung eher der Normal- denn ein Ausnahmefall. Dies aber sieht der Spiegelautor Janko Tietz in seinem Artikel ganz anders...

Unser Autor nämlich wittert eine "Stille Rebellion" und sieht die Belegschaft dabei, so wörtlich: "... eine der zentralen Errungenschaften der mächtigen IG Metall aus den Angeln zu heben: Die Mitarbeiter haben im Alleingang die 35-Stunden-Woche gekippt. So etwas gab es in Deutschland noch nie ...". Angesichts derart viel Euphorie bei diesem Jung-Journalisten - der noch dazu 2004 von der Hochschule für Medien in Stuttgart mit dem Medienethik-Preis ausgezeichnet wurde - darf der vernunftbegabte Leser schon einmal die Stirne runzeln.

Und das gleich noch einmal, weil der Autor es für so besonders hervorhebenswert hält, dass in diesem Fall die Initiative zu diesem Akt der Entsolidarisierung angeblich allein von der Belegschaft ausgegangen sei. Diese Behauptung wird eigentlich sogleich dadurch widerlegt, dass die Unternehmensleitung die rechtlichen Rahmenbedingungen hierfür erst einmal herstellen muss - wie im Übrigen auch das Heranschaffen neuer Arbeit für Elfershausen. Aber was soll die arme Unternehmensleitung schon groß machen, wenn eine entschlossene Belegschaft den Preis für ihre Arbeit mit aller Gewalt um 15% senken will? Gegen eine deart geballte Zertretung von Arbeitnehmerinteressen scheint eben kein Kraut gewachsen.

Angesichts solch ausgeprägt "neutraler" Berichterstattung wird dann schon die Laudatio erwähnenswert, die eine gesellschaftlich sicherlich höchst erfahrene Jung-Studentin unserem Jung-Autor anlässlich seiner Preisverleihung hielt: "... Dem Verfasser sei es gelungen, bildhaft zu beschreiben ohne zu emotionalisieren. Die dargestellten Standpunkte und die neutrale Sprache ermöglichten dem Leser eine eigene Meinungsbildung (<- wow!) Ohne anzuklagen oder zu moralisieren würden Möglichkeiten und Perspektiven für die Zukunft aufgezeigt ...". "Alles wird gut..." könnte man da noch in Nina-Ruge-Manier ergänzen wollen...

So viel so "guten" Journalismus hat dieses Land schlicht nicht verdient - und weil unser Autor Janko Tietz hier die schöne Neoliberale Welt so schön unbekümmert feiert, wollen wir es doch keineswegs versäumen, einiges von dem zu schreiben, was unser medienethisch so sehr versierte Leistungsträger in seinem unterirdischen Beitrag alles unterschlagen hat.

Hier geht eine Belegschaft freiwillig her und "schenkt" der Eigentümerin ihres Familienunternehmens, der mehrfachen Milliardärin Maria-Elisabeth Schaeffler, offenbar in vorauseilendem Gehorsam einfach mal eben so 15% ihres Lohnes. Zumal das Unternehmen ja derart Not leidet - lumpige 12 Prozent Umsatzrendite (!) wirft das Unternehmen derzeit ab - doch jetzt sei dank des Belegschaftsgeschenks endlich auch das Werk in Elfershausen wieder "rentabel". Feierstimmung kommt auf: "Gemeinsam mit der Belegschaft und uns als Unternehmen ist es damit gelungen, Arbeitsplätze in Deutschland zu halten", so Widmaier, der Deutschland-Personal-Chef bei Schaeffler.

Was Widmaier nicht dazu sagt - die Schaeffler KG unterhält noch eine ganze Reihe weiterer Werke in der Region und in Deutschland. Es ist völlig klar, dass die Konstruktion in Elfershausen für diese Folgen haben wird. Denn es gilt, die 15% hinzugewonnener Gratis-Kapazität in Elfershausen auszulasten. Und Sie, verehrte Leser, dürfen nun raten, wo man diese Kapazität abziehen wird. Etwa in China, wo die Stundenlöhne nicht einmal ein Zehntel des hiesigen Niveaus betragen? Nein - man wird sie von anderen Niederlassungen mit vielleicht etwas intelligenteren Belegschaften abziehen, die sich der Milliardärin noch nicht in vorauseilendem Gehorsam vor die Füße geschmissen haben.

Zeit für eine nüchternere Bilanzierung des Ganzen. Die Belegschaft in Elfershausen sicherte sich ihre Arbeitsplätze auf ein paar Jahre - toll. Toll vor allem deshalb, weil dies auf Kosten der Kollegen in den Nachbarwerken geschah. Etwa 35 Arbeitsplätze wird dieser - nach Ansicht unseres Autors offenbar feiernswerte - Durchbruch des nackten Selbsterhaltungstriebes in Elfershausen andernorts kosten. Die Volkswirtschaftliche Auswirkung ist klar - in Elfershausen wird trotz 15% mehr Arbeit genaussoviel erwirtschaftet wie zuvor, woanders dafür weniger - das macht unter dem Strich: Minus für unser BIP. So schwer ist Vernunft doch gar nicht, sofern man sie einfach zulässt. Geradezu niedlich auch, wie die Elfershausener offenbar glauben, sie könnten ihre Interessen in dem kleinen 230-Kopf-Werk gegenüber einer weltweiten Firmengruppe auf eigene Faust behaupten.

In gut 5 Jahren - 2012 nämlich - wird auch den Elfershausenern mit ihrem CSU-Katechismus auf dem Nachttischchen aufgehen, wozu sie da instrumentalisiert worden sind. Bis dahin nämlich werden die Mohren ihren Dienst als Ursurpatoren gewerkschaftlicher Macht getan haben und gehen können. Und da sie geschickterweise ganz nebenbei ja auch noch der Ausgliederung ihres Werkes aus dem Flächentarifvertrag zustimmten, können sie sich da heute schon auf ihre fürwahr vortreffliche Verhandlungsposition gegenüber der internationalen Konzernleitung freuen.

All diese Zusammenhänge sollten dem Autor eigentlich klar sein - schließlich studierte er mal Volkswirtschaft. Doch weder davon noch von seiner evangelischen Medienakademie scheint Nennenswertes hängen geblieben. So kann unser Jung-Autor denn auch ohne jede Trübung durch gesunden Menschenverstand in seinem Artikel jubeln "...Die Gewerkschaft muss zusehen, wie Mitglieder ihr Schicksal selbst bestimmen..." Der staunende Beobachter indes fühlt sich mal wieder an den leider schon toten Einstein erinnert: "Zwei Dinge sind unendlich: Das Universum und die menschliche Dummheit. Beim Universum bin ich mir aber noch nicht ganz sicher...".

Wie man das Ganze auch hätte kommentieren können, zeigt z.B. dieser 
Artikel und der Vergleich dieser beiden sei vor allem jenen Lesern empfohlen, die heute immer noch glauben, was so alles in den großen "Star-Medien" von den "Leistungsträgern" so geschrieben wird...


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