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Siemens-Stern strahlt wieder... PDF Drucken E-Mail
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Geschrieben von Jürgen Scheffler   
Montag, 4. Dezember 2006

Ganz langsam - in Salami-Taktik vom Allerfeinsten - versucht die bezahlte Meinungsführerschaft hierzulande den Paradigmenwechsel in einem gesellschaftlichen Konsens herbei zu führen, der bis vor Kurzem noch Gültigkeit hatte: Der Ausstieg aus der Atom-Energie. Unumstritten war der zwar nie - allen voran Lobbyisten von Siemens und Areva nahmen und nehmen hier kontinuierlich Einfluss. In der - vorsichtig formuliert - wirtschaftsnahen CDU herrschte sowieso immer Skepsis vor. Nur unwillig beugte sie sich der herrschenden öffentlichen Meinung, die sich mit deutlicher Mehrheit gegen diese Form der Energieerzeugung formiert hatte. Seitdem die ja nun wieder mit regieren darf, mehren sich so dann auch die Anzeichen für einen Ausstieg aus dem Ausstieg. Parallel dazu wird die dazugehörige PR-Kampagne generalstabsmäßig inszeniert. Wie dieses Beispiel verdeutlicht, werden dabei sämtliche Register propagandistischer Kunst gezogen.

Und so stellt sich gleich zuerst die Frage, wieso solch enormer Aufwand? Natürlich - ein gigantisches Geschäft winkt mal wieder. Damit kein falscher Eindruck entsteht - auch wir bei CogitoSum finden große Geschäfte gut - sofern sie denn auch wirklich gut sind. Wie die Erfahrung zeigt, ist Misstrauen gegenüber Projekten exakt in dem Ausmaß angebracht, wie dafür Propaganda betrieben wird - so auch in Falle der offenbar angepeilten Renaissance der Kernspaltungs-Energie.

Denn alles was uns da angepriesen wird, ist keinesfalls neu - oder gar eine Innovation - wie man uns glauben machen will, sondern uralte und alte Hüte. Es wirft schon ein höchst bedenkliches Licht auf das Denk- und Leistungsvermögen eines Teils unserer Eliten, dass sie es auch nach Jahrzehnten noch nicht fertig brachten, der Gesellschaft eine neue saubere Form der Energieerzeugung mit überschaubaren Risiken zu präsentieren. Hier herrscht in Regierungs- wie Konzernpalästen Phantasie- und Visionslosigkeit in einem erschreckenden Ausmaß vor. Man greift zurück auf technologische Errungenschaften von vor 50 Jahren und hofft nunmehr darauf, den deutlich ausgebauten politischen Einfluss sowie die gewachsenen Möglichkeiten in der Manipulation öffentlicher Meinung dazu nutzen zu können, das seinerzeit entgangene Geschäft jetzt doch noch auf die Schnelle nach zu holen.

Einsehbar scheint ja durchaus, dass Atomstrom insbesondere unter unserer heutigen Wahrnehmung der Klimaprobleme auf den ersten Blick an Attraktivität gewonnen hat. Keine Verbrennung fossiler Kohlenwasserstoffe belastet die Kohlendioxidbilanzen und es lassen sich enorme Mengen Strom im Dauerbetrieb erzeugen, was für die Abdeckung der Grundlast in der Stromversorgung von hoher Wichtigkeit ist.

Doch galt das für diese Energieerzeugungsform schon immer. Zu allen Zeiten versprach sie billige, saubere Energie in Hülle und Fülle und Unabhängigkeit von fossilen Brennstoffen. Deswegen wurden unübersehbare Milliarden-Summen in die entsprechende Forschung gesteckt und man kann wohl behaupten, dass man diese Technik heute - nach herkömmlichen Maßstäben gemessen - technisch soweit beherrscht, wie es nun mal leider nur möglich ist.

Einziger Schönheitsfehler - der Stoff, mit dem man da umgeht, birgt derart viele unübersehbare Risiken, dass die Frage ob diese Technologie sich für einen dauerhaften Massenbetrieb eignet, durch die bereits bestehenden weltweiten Erfahrungen aus dem Betrieb längst beantwortet sein sollte. Schon vor Jahrzehnten krankte die öffentliche Diskussion darum - wie so oft - an Simplifizierung des eigentlich zur Diskussion stehenden Problems. Stets stand nur das Spektakuläre im Vordergrund - der Super-GAU - und nicht etwa die wesentlich weiter reichenden prinzipiellen Probleme.

Und selbst von diesem GAU - den größten anzunehmenden Unfall - einer solchen Anlage (heute vor allem große Druchwasserreaktoren) herrschen bis heute in der Öffentlichkeit vielfach unzutreffende Vorstellungen vor. Der GAU beschreibt den Verlust der technischen Kontrolle über den Reaktor-Kern, in dem fortan Kettenreaktionen bis zur völligen Umwandlung des Spaltmaterials ablaufen. Anders als z.B. bei Feuer reagiert hier der Brennstoff fortan praktisch unbeeinflussbar mit sich selbst - d.h. auch ein Absperren der Sauerstoffzufuhr oder Kühlung beeinflusst den Prozess selbst nicht, sondern bestenfalls Sekundär-Effekte wie Brände und dergleichen.

Eine "Detonation" wie bei der Atombombe indes ist nicht zu erwarten, was schon allein der räumlichen Verteilung des Spaltmaterials geschuldet ist. Wohl aber tritt eine Aufheizung in einem nicht vorhersehbaren Ausmaß ein, der kein bekanntes Material stand zu halten vermag. Die Bauteile der technischen Konstruktion schmelzen - die weitere Entwicklung ist endgültig nicht mehr vorhersagbar. Dies alles ist keine Fiktion - sondern fand real so statt: ab dem 26. März 1986 zu bewundern bei Tschernobyl. Detailliertere Informationen hierzu unter diesem Link.

Hier nur kurz der grobe Ablauf: Nach dem Kontrollverlust sprengt eine sekundäre Wasserstoff-Detonation die äußere Reaktor-Schutzhülle weg - Radioaktive Dämpfe und Aerosole gelangen in großem Umfang in die Atmosphäre. Der außer Kontrolle geratene Reaktorkern zerschmelzt seine Tragkonstruktion, sackt ab und durchbricht eine Fundamentebene nach der anderen - enorme Temperaturen setzen unablässig weiter ein Mix an strahlenverseuchten Substanzen aller Art frei.

Angesichts der bevorstehenden Verseuchung von ganz Europa entschließt sich der Katastrophenstab zu einer verzweifelten Maßnahme - man will unter allen Umständen die weiter ablaufenden Kettenreaktionen zum Stillstand bringen und beordert Tausende von Freiwilligen, um insgesamt rund 5.000 Tonnen von Sand, Carbid, Bor und Blei in den Reaktorkern einzubringen. Volle 14 Tage dauert dieses Manöver, bis die Kettenreaktionen einigermaßen eingedämmt scheinen. Der Reaktorkern bildet trotzdem zusammen mit dem "Löschmaterial" immer noch eine glühende Lava, die sich weiter in den Boden hineinfrisst - man ist gezwungen, einen Tunnel in den Boden zu treiben und unter dem absinkenden Kern quasi eine neue Auffangschale aus Beton zu errichten.

In den darauf folgenden Monaten wird ein "Sarkophag" aus 300.000 Tonnen Beton und 7.000 Tonnen Stahl über der Unglückstelle errichtet, um die Unglückstelle zur Atmosphäre hin "abzudichten" - was zu keinem Zeitpunkt und das bis heute nicht vollständig erreicht wurde. Vielmehr gibt es Hinweise auf Undichtigkeiten auch im Notfundament - Gerüchte von verseuchtem Trinkwasser in der Region verstummen seit Jahren nicht.

Tschernobyl liegt nun 20 Jahre zurück - aber man sollte sich keinesfalls der Illusion hingeben, hier wäre heute etwas unter Kontrolle. Die längst fällige Erneuerung des Abschlusses der Unglücksstelle scheitert am Gerangel zwischen Geld und regierungsamtlicher Geheimniskrämerei über das Ausmaß der wahren Folgen sowie die heute immer noch bestehenden Risiken.

Ich will hier nun keinen Streit darüber vom Zaun brechen, ob derartiges in westlichen Reaktortypen möglich wäre oder nicht - prinzipiell ist es bei den derzeitigen Großreaktoren natürlich möglich, und die dagegen gerichtete technische Sicherheit kann immer nur endlich sein. Wie dünn das Brett vermeintlicher technologischer Überlegenheit im Westen indes ist, zeigt eine kleine Episode am Rande von Tschernobyl: Eigens aus Deutschland angelieferte Robotfahrzeuge, die die für Menschen tödliche Arbeit übernehmen sollten, versagten sofort in den Strahlenfeldern! Und bis heute bauen Notfallpläne hierzulande u.a. auch auf derartige Mittel.

Viel wichtiger ist ein anderer Aspekt - und damit sind wir bei dem Grunddilemma der Kernspaltungs-Technologie. Man geht mit einem höchst gefährlichen Stoff und mit natürlich instabilen Prozessen um - denen immer eine nur endliche technisch erreichbare Sicherheit entgegen steht - in der besonders bei weit verbreitetem Dauerbetrieb der Mensch selbst das schwächste Glied der Kette darstellt.

Vergleichbares gilt zwar auch für andere technischen Systeme - nur ist bei denen das Gefährdungspotential im Versagensfall eines Einzelsystems im Vergleich geradezu vernachlässigbar gering. Hieran und nicht an der Gefahr und GAU und Kernschmelze - oder gar der definitiv unmöglichen Atomexplosion - ist diese Technologie zu bewerten. Und das vor allem dann, wenn man sie auf Dauer in Massen einsetzen will. Tschernobyl war nur ein Werk von vielen und doch hatte es das Potential, ganz Europa mit unübersehbaren Folgen zu verstrahlen. Zwischen 10% und 20% dieses Potentials waren trotz aller verzweifelten Gegenmaßnahmen mit Tausenden von Todesopfern nicht zu verhindern.

Wenn die vorliegenden Betriebserfahrungen auch hierzulande eines beweisen, dann die Tatsache, dass anscheinend kein noch so ausgefeilter Mix aus technischen und verfahrensmäßigen Maßnahmen in der Lage ist, die prinzipiell bestehenden Risiken auf Dauer zuverlässig aus zu schalten. Die Liste der offiziell zugegebenen Störfälle ist so denn auch hierzulande inzwischen lang -  vermutlich nicht wesentlich kürzer die Liste der geheim gehaltenen Fälle. In diesem Zusammenhang sei nur an den offensichtlichen Atom-Unfall an der Elbmündung erinnert, den deutsche Behörden bis heute trotz erdrückender Beweislage in geradezu sowjetischer Beton-Kopf-Manier leugnen.

Dem heute grassierenden System aus Kumpanei von Staat und Wirtschaftsinteressen erst recht KANN man in diesem Zusammenhang schon gar nicht mehr trauen. Unpassendes wird geheim eingestuft und der Öffentlichkeit vorenthalten - statt dessen wird die sie mit vorsätzlich irreführender Propaganda zugemüllt. Nun - wenn die Herrschaften es so wünschen - bitteschön! Dann bliebt die Öffentlichkeit nämlich darauf angewiesen, sich ihr Urteil aus den grundlegend nicht zu leugnenden Risiken zu bilden. Leider lässt die Art der neuen Akzeptanzkampagne diesbezüglich so gar nichts Gutes ahnen - eine offene Diskussion und für jeden nachvollziehbare und vor allem nachprüfbare Informationspolitik allein könnte hier vielleicht einen Teil des längst verlorenen Vertrauen wieder aufbauen. Doch statt dessen plattes Manipulationsgeschwätz.

So ist die neuerliche Befürwortung von Atomenergie vor allem bei jungen Menschen zu finden, die zu Zeiten Tschernobyls noch am Schnuller nuckelten und vom im Lande umherirrenden Güterzugladungen mit verseuchetem Molkepulver nichts mitbekamen. Kinder durften nicht in Sandkästen spielen und Minister verzehrten öffentlich Molkepulver, um die angebliche Ungefährlichkeit zu demonstrieren (Lacher des Jahrhunderts!) - und alles im Dienste des schnöden Mammons und des großen Siemens. Wer einmal ein derart gespenstisches Szenario bewusst miterlebt hat, sollte von der neuerlichen Versuchung eigentlich geheilt sein. Noch heute ist ein Teil von Wild und Waldfrüchten hierzulande durch diesen Vorfall für den Verzehr nicht geeignet (siehe Unterrichtung der Bundesregierung "Umweltradioaktivät und Strahlenschutzbelastung im Jahre 2004" vom 9.12.2005).

Völlig unverständlich bleibt die neuerliche Morgenluft-Aktion der Geldgier für diese aus Sicht der Vernunft unbrauchbare Technologie vor allem in Punkto Endlagerung nuklearer Abfälle - diese Frage war nie, ist nicht und wird wohl auch nicht mehr zufriedenstellend beantwortet werden können. Jedes Kernkraftwerk hat eine begrenzte Betriebsdauer - so um etwa die 40 Jahre - in der es nicht nur Unmengen strahlenden Abfalls durch ausgebrannten Kernbrennelemente sondern auch durch Betrieb, regelmäßige Wartung und Instandhaltung erzeugt. Irgendwann muss zudem eine am Ende ihrer technischen Lebensdauer angelangte Anlage "rückgebaut" werden, soll sie nicht für alle Zeiten als strahlende Ruine in der Gegend herumstehen.

Es gibt kein bekanntes Entsorgungskonzept hierfür, dass auch nur entfernt akzeptabel wäre. Man schafft es halt unter gigantischem Aufwand von A nach B nach C und kann auch sonst noch allerlei damit anstellen nur eines nicht: es einfach irgendwo unbeaufsichtigt sich selbst überlassen. Wieder so eine Konsequenz, von der man bei Siemens oder Areva am liebsten gar nichts wissen würde.

Die Halbwertszeit - d.h. jener Zeitraum in dem sich radioaktives Material bis zur Hälfte "verbraucht" (d.h. in sich andere nicht strahlende Zerfallsprodukte umwandelt) hat bis auf wenige Ausnahmen technisch generell nicht beherrschbare Größenordnungen. Zwei Beispiele: für Plutonium sind dies 24.000 und für Uran 235 (dem typischen Spalt-Brennstoff) 700 Millionen Jahre. Da wirken Studien zur Sicherheit von Salzbergwerks-Stollen schon irgendwie lächerlich. Weder unsere Analysemöglichkeiten noch unsere technischen Möglichkeiten erlauben auch nur ansatzweise eine halbwegs verlässliche Begutachtung derartiger Zeiträume.

Man muss sich vor Augen führen - wir bringen bereits heute schon große Mengen hochstrahlenden Abfalls in sogenannte Zwischenlager ein. Die nennt man deswegen Zwischenlager - weil sie bereits nach heute bekannten Kriterien erkennbar NICHT den Anforderungen an eine wirklich risikofreie Endlagerung entsprechen. Hochstrahlende Abfälle als die gefährlichsten mit dem größten Risikopotential werden fast vollständig allein durch die Atomwirtschaft produziert. Kein Mensch aber - auch bei Siemens nicht - hat auch nur entfernt einen Schimmer davon - wie sich z.B. die durch hochstrahlenden Abfall deutlich erhöhten Temperaturen über Jahrtausende auf deren Einschluss und Umgebung auswirken. So gilt nach wie vor - Endlager? Weltweit Fehlanzeige...

Dennoch wird weltweit weiter für diesen gefährlichen Weg geworben - wie z.B. in diesem Artikel. Lediglich taktische Neuausrichtungen sind zu verzeichnen. Ein Vorschlag - der europäischen Druckwasserreaktor EPR - soll mit Doppelhülle über und "Core-Catcher" (ein Art gigantischer keramik-verkleideter Aschenbecher) unter dem Reaktor dramatisch verbesserte Sicherheit bieten. Aha - fragt sich der Leser sogleich - was ist denn dann mit den bereits bestehenden Anlagen? Sind diese vielleicht doch nicht so sehr vollkommen abgesichert gegen das zu Recht gefürchtete Core-Schmelzen? Immerhin kann dieses ja gemäß der Siemens-Propaganda bei "westlicher Technologie" praktisch nicht eintreten - (da hatten die Schweden anscheinend wohl russische AKW, oder?). Dennoch sehen die neuen Entwürfe eine sage und schreibe 6 m dicke und dazu noch keramik-verkleidete Betonschale unter dem Reaktor vor. Und das in Zeiten wo man allerorten spart, was nur geht. Merkwürdig - nicht wahr? Sowas muss doch weh tun - im Kopf. Nebenbei natürlich NULL Einfluss auf die Abfallfrage...

Dem nicht genug - entwirft man in einschlägigen Kreisen schon mal eifrig weiter... das Hochtemperatur-Reaktor-Konzept (HTR) wird zur Sicherheit auch noch wieder belebt. Hier hat man mit einem entsprechenden Prototyp bei Hamm-Uentrop zwar relativ vernichtende Erfahrungen gemacht - aber der sei eben auch ...zu groß... gewesen. Das HTR Konzept bietet tatsächlich den Vorteil, dass eine Core-Schmelze ausgeschlossen ist. Wenn man das Konzept nun auf viele kleine Reaktormodule verteile - so der neuerliche Vorstoß - könne man es technisch wesentlich besser beherrschen und aus vielen kleinen Modulen ließen sich dann bei Bedarf auch wieder größere Kraftwerke zusammensetzen. Fein...

An den anderen grundlegenden Problemen indes ändert auch dieses Konzept nichts. Nukleare Kleinanlagen sind zudem nicht zuletzt wegen der auch jenseits des Core-Schmelz-Risikos erforderlichen Sicherheitsinfrastruktur auf jeden Fall mal deutlich unwirtschaftlicher als Großanlagen. Würde man wirklich auch nur einmal alle Folgen- und Nebenkosten einkalkulieren dürfte sich vermutlich die gesamte Technologie sowieso - egal wie man sie realisiert - als unwirtschaftlich heraus stellen.

Zudem besteht noch ein weiteres - nicht gelöstes - Problem im Betrieb, über das bis heute und immer schon wenig gesprochen und geschrieben wird. Der Tod Litwinenko's machte auf ein gern vergessenes Risiko aufmerksam: Die Alpha-Strahlung! Es ist nicht unwahrscheinlich, dass genau diese einen erheblichen Anteil an den nachweislich erhöhten Krebsraten in den Umgebungen von kerntechnischen Anlagen haben könnte.

Zwar gilt Alphastrahlung beinahe als "harmlos" - doch muss man auch hier genauer hinsehen. Die Art der Strahlung bedingt nämlich erhebliche Impulse auf die sie aussendende Substanz - sie neigt zur Feinststaubbildung, einfach weil winzige Materiepartikel beim Emissionsvorgang aus einem größeren Klumpen "herausgeschlagen" werden. Derartige Aerosole entwickeln ein beträchtliches Eigenleben und sind daher durch technische Filter- und Reinigungsverfahren schwer zu kontrollieren. Auch ist ihre Messung schwierig - vereinzelte Partikel können schnell die Nachweisgrenze unterschreiten.

Zwar legt die sorgfältige Überwachung von Kernkraftwerkspersonal diesbezüglich keine besonderen Befunde nahe - viel mehr gelang es in den zurückliegenden 20 Jahren die Gefährdung dieses Personenkreises aus bedenklichen Regionen (!) in für unschädlich gehaltene Größenordnungen zurück zu führen - doch ist dies nur ein Teil der Wahrheit. In Kraftwerken befinden sich die Arbeitsorte nämlich nicht unbedingt an den diesbezüglich kritischen Stellen - und so ist hierdurch keinesfalls belegt, dass nicht doch kontinuierlich geringe Mengen solcher Partikel an die Umwelt abgegeben werden.

Das Dumme an diesen Kleinstpartikeln ist, dass sie im Falle einer Aufnahme durch den Körper an immer den selben Stellen (Schilddrüse, Knochenmark) eingelagert werden. Biosysteme fungieren hier quasi wie eine Art "Filter" und so können sich über längere Zeit nicht nachweisbare Einzeldosen zu gesundheitsschädlichen Gesamtbelastungen ansammeln. Zudem gibt es Hinweise, dass unsere Organe natürlich vorkommende radioaktive Stoffe gar nicht oder nur in kleinen Mengen anreichern, während sie künstlich erzeugte radioaktive Stoffe - wie jene aus den Atomkraftwerken - in großen Mengen aufnehmen und speichern.

Ausgewählte Nuklear-Emissionen

Die obige Abbildung (aus dem Strahlenschutzbericht 2004) soll eine Vorstellung der heute gegebenen Größenordnungen im Verhältnis zu den Genehmigungswerten erlauben. Eine Sicherheit indes, dass die Genehmigungswerte auch wirklich völlige gesundheitliche Unbedenklichkeit garantieren GIBT ES NICHT! Sehr beachtlich das Stichwort "Unter der Nachweisgrenze" im Falle Pöhla bei der Alphastrahler-Immission - derart schlampiger Umgang ist mitnichten ein Einzelfall. Alphastrahler sind eben vergleichsweise schwierig zu vermessen - und wenn man die Messung nicht hinbekommt (oder vielleicht auch, wenn die Ergebnisse nicht passen?) gibt es halt nen Stern im Bericht...

Beachtlich auch die hohe Abgabe des alphastrahlenden Edelgases Radon. Viele Studien führen den deutlichen Anstieg der Radon-Konzentration in den unteren Schichten der Atmosphäre recht pauschal auf die Folgen der Erderwärmung zurück - wieso eigentlich denn nicht auf die Emissionen von Kernkraftwerken? Immerhin haben wir in Europa 150 davon. Überhaupt würde die steigende Radon-Konzentration z.B. mir erklären, wieso ich von zwei Lungenkrebs-Fällen in meinem weiteren Bekanntenkreis weiß - beide sind nicht einmal 50 und beide waren keine Raucher!

Ich kenne hingegen nicht einen Fall wo einer der vielen Raucher, die ich kenne, an Lungenkrebs erkrankt wäre. Lediglich ein entfernter Verwandter starb vor vielen Jahren an Lungenkrebs - der war Raucher - aber der war auch Bergmann in Frührente wegen Staublunge. Dies will ich nun natürlich nicht als statistisch belastbare Aussage hinstellen - aber dieser krasse Befund beschäftigt mich schon seit Längerem. Hier noch mal ein Link zum selber forschen.

Wiederholt wurden wenigstens offizielle Studien zur Leukämierate bei Kindern in der Umgebung kerntechnischer Anlagen angestellt - die sich jedoch im Detail schon mal durch den einen oder anderen "Kunstgriff" auszeichnen. Offenbar stellte man gerne summarische Betrachtungen größerer Regionen an zu denen man noch möglichst nicht mehr aktive kerntechnische Anlagen hinzu nimmt, um dann am Ende zu nicht signifikanten Befunden zu gelangen, wie an diesem Beispiel deutlich wird. Es bleibt der Phantasie des Lesers überlassen, wie und zu welchen Zwecken sowas möglich sein kann.

Atomkraft-Kritiker jedenfalls befinden sich in einer geradezu ausweglosen Lage der Beweislast-Umkehr. Nicht diejenigen, die sich mit dieser für jeden erkennbar risikoreichen Technologie eine goldene Nase verdienen, müssen die Unbedenklichkeit der Technologie nachweisen - sondern besorgte Menschen müssen gegenüber weltweit operierenden Konzernen beweisen, dass schädliche Folgen vorliegen.

Ein ZDF-Bericht zu der merkwürdigen Häufung von Kinderleukämie in der Umgebung von Geesthacht (Kernkraftwerk Krümmel) machte denn auch beklemmend deutlich, wie heute Behörden und Industrie in der Verschleierung offensichtlicher Fakten Hand in Hand arbeiten. Die nachforschenden Gruppen konnten nicht ein einziges hiesiges Analyse-Labor auftun, dass bereit gewesen wäre, ihre eingesammelten Bodenproben zur analysieren.

Hier wäre längst schon der Gesetzgeber - und wenn der partout nicht will, der Wähler - gefordert. Allein die Umkehr solcher Beweislasten schon würde dem Spiel mit derartigen Risiken auf der Stelle vorhersehbar ein Ende bereiten. Die ohnehin schon höchst fragwürdige Wirtschaftlichkeitsrechnung der Atomenergie würde sich dann nämlich abermals dramatisch verschlechtern.

Diese steht nämlich auch noch aus anderer Richtung unter Feuer - der klassische Kernbrennstoff Uran ist nämlich alles andere als eine reichlich vorhandene Ressource. Bei einem Verbrauch auf heutigem Niveau sollen die Vorräte etwa nur noch für wenige Jahrzehnte reichen - eine Zeit, die sich bei ungehemmtem Ausbau dieser Technik noch rapide verkürzen dürfte. Von den Umweltproblemen bei Uran-Abbau ganz zu schweigen.

Hiermit sollte sich der Betrachtungskreis zum Thema Atomkraft eigentlich endgültig geschlossen haben - allenfalls der Magistrat von Schilda sollte es noch fertig bringen können, unseren Lebensraum mit noch mehr problematischen AKW zu zu pflastern, die allesamt absehbar noch vor dem Ende ihrer Betriebszeit mangels Brennstoff dann als Monumente menschlicher Unvernunft ebenso nutzlos wie strahlend in der Gegend herumstehen werden.

Längst kündigen sich andere Wege zur Lösung des Energieproblems an - die lange Jahre geschmähte und fast schon vergessene Kohle könnte sehr bald wieder zu neuen Ehren gelangen. Moderne Kraftwerksanlagen ließen sich so konzipieren, dass diese Anlagen praktisch emissionsfrei arbeiten. Technische Verfahren sind denkbar, mit denen sich auch überschüssiges Kohlendioxid in flüssiger Form aus dem Abgas extrahieren ließe. Und dieses könnte man dann - sofern sich keine andere Verwendung findet - durchaus auch endlagern. Eine doch wesentlich wohltuendere Endlager-Vision als jene vom hochradioaktivem Abfall.

Neben neuer Kraftwerkstechnik bleibt natürlich auch der möglichst sparsame Umgang mit Strom sowieso das beste Mittel überhaupt, die folgenschwere Kernenergie für die Zukunft ganz überflüssig zu machen. Hier sollte eigentlich immer noch bei weitem genügend Potential gegeben sein, um deren weltweit 17%-Anteil an der Stromerzeugung wirksam zurück zu fahren. Dies muss zumindest solange gelten, wie unser Handel billige China-Lampen mit 300 W Halogen-Strahlern in Massen verscherbelt - wo bei hochmodernen Beleuchtungskörpern heute bereits 10W genügen, um eine ausreichende Beleuchtung herzustellen.

Sie sehen - nicht jedes Geschäft ist eben ein gutes Geschäft. Diese Einsicht mag der Wirtschaft zwar schwer fallen - dennoch ist sie gerade in diesem Fall schier erdrückend. Man mag sich vielleicht Meinungen, Institute und Professoren kaufen können. Die Lüge war schon immer käuflich - das Einzige indes, was nie käuflich sein wird, bleibt die Realität. Und diese hat in Punkto Kernenergie eigentlich alles, worauf es ankommt, längst klar und eindeutig gezeigt. Kein noch so schöner Gewinn gibt der undemokratischen Wirtschaft das Recht, die Gesundheit der Bevölkerung aufs Spiel zu setzen. Lust auf neue Demonstrationen von schon längst Bekanntem sollte da selbst bei jungen Menschen eigentlich nicht mehr zu wecken sein.

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