Dienstag, 15. Oktober 2019

Satiraden

Oettinger stürzen... Satire. "Oettinger stürzen" wird unter Langzeitarbeitslosen als "Running Gag" immer beliebter. Wie diese Meldung einmal mehr zeigt...  weiter...


Gegendarstellung (Real-Satire) Diesem Stern-Beitrag des Monats Januar lag ein bedauerlicher Irrtum zugrunde und er wurde daher kürzlich vom Stern gegen dargestellt.  weiter...


WIESO Tipp (Real-Satire) Die Mühlen der deutschen Justiz mahlen langsam aber gründlich - sagt man ihnen nach. Wie man am Ausgang des Skandal-Prozesses um die Berliner Landesbank (der Spiegel berichtete hier) erkennen kann, wurde am Ende aber doch alles gut...  weiter...


Mitmachen im CogitoSum-Forum!


Wieder und wieder... (Real-Satire) Weitgehend unbemerkt von der Öffentlichkeit gelang der FTD gestern am 20.03.2007 der erste Feldtest eines völllig neuen Prototyps für den politischen Beitrag der Zukunft.  weiter...


Text Anzeige

Websuche

Ihr Weltbild...

...darf nicht das Eigentum kommerzieller Medien bleiben. Fördern Sie CogitoSum durch Weitersagen, Mitmachen oder gerne hier auch durch Spenden:

Kritisches Berichten kostet viel Arbeit. Jeder Beitrag hilft, weiter zu machen und ist willkommen. Vielen Dank.

powered_by.png, 1 kB

Kultur der Lüge Drucken E-Mail
Benutzer Bewertung: / 4
SchlechtSehr Gut 
Geschrieben von Jürgen Scheffler   
Dienstag, 16. Januar 2007

Damit es nicht immer nur der Spiegel ist, der bei CogitoSum "sein Fett weg" bekommt - wollen wir unter dem Aspekt "Vierte Gewalt" vom gestrigen Tag noch gleich einen nach legen. Stein des Anstoßes, stellvertretend für den Großteil der meisten Medien: diesmal das ZDF. In diesem Beitrag auf seiner Website will das ZDF offenbar die Arbeitssituation für Menschen über 50 in den Fokus rücken. Diesmal wollen wir uns den Beitrag vornehmen und in Teilen näher analysieren - auch, um die gängigen Strukturen neoliberaler Kommunikation offen zu legen.

Beginnen wir mit Headline - dort heißt es: "...Neue Perspektiven für das "alte Eisen...". Das erste ist eine Behauptung, die durch nichts bewiesen ist - aber dafür schön positiv klingt. Die Wirkung auf den Leser, dem irgendwo auch längst klar ist, dass in punkto Diskriminierung älterer Arbeitnehmer etwas geschehen müsste: Er merkt sich - Ah - endlich tut sich da was - es gibt jetzt Perspektiven für die Ältere.

Hinter der Sub-Headline "...Deutsche Unternehmen suchen Berufserfahrene..." verbirgt sich eine Binsenwahrheit, denn natürlich suchen Arbeitgeber immer möglichst berufserfahrene Bewerber für ihre Stellen. Binsenwahrheiten - also Statements denen die überwiegende Mehrzahl der Menschen spontan zustimmen würde - eignen sich hervorragend den Informationsempfänger zu konditionieren - ihn aufnahmebereit zu machen.

So konditioniert wird der Leser dann mit folgender Botschaft beglückt: "...Gehören Sie schon zum "alten Eisen"? Dann machen Sie vielleicht etwas falsch...". Da ist es wieder - dieses tragende Element der gesamten neoliberalen Diffamierungspropaganda - Menschen mit Problemen in unseren gesellschaftlichen Systemen sind deswegen in Schwierigkeiten, weil sie etwas falsch machen - und nicht etwa, weil an den Systemen etwas nicht mehr stimmt.

Für diesen Satz besteht ansonsten im Kontext weder zum Thema noch zu den Überschriften keinerlei Notwendigkeit - die Frage bleibt: was also sucht der da? Das ist leicht erklärt - Der eben positiv auf die Botschaft "...Es gibt doch Arbeit für Ältere..." konditionierte Leser bekommt sogleich untergejubelt, dass die Betroffenen etwas falsch machen. Sofern er nicht selbst zu den Betroffenen gehört, wird er dies nicht einmal in Frage stellen.

Da wird dann auch noch gleich nach gelegt - denn: "...Zahlreiche Initiativen und Internet-Angebote bieten Menschen "50 plus" neue Perspektiven auf dem Arbeitsmarkt an. Und selbst Rentner können mit ihrer Berufserfahrung Unternehmen hilfreich unterstützen...". Eine gewaltige Aussage - wieder liest sie sich gut und positiv - dass sie dabei vor Unsinn nur so strotzt fällt kaum auf. Was ältere Arbeitnehmer hierzulande brauchen, sind ordentliche Arbeitsplätze und keine PERSPEKTIVEN. Denn von Perspektiven kann man weder leben noch seine Rechnungen bezahlen.

Ich habe bis auf ein oder zwei fernsehbekannte Ausnahmen noch nicht gesehen oder erlebt, wo Unternehmen auf breiter Front gezielt nach Arbeitnehmern über 50 Ausschau halten. Die wenigen Stellenangebote, die mir diesbezüglich in Erinnerung sind, waren z.B. Angebote von Strukturvertrieben - jene kriminellen Vereinigungen denen es nicht darum geht, Menschen Arbeit zu verschaffen, sondern ihnen auch noch das letzte Geld aus der Tasche zu ziehen.

An dieser Stelle ein kleiner Exkurs: Überhaupt kann ich nur jedem Leser empfehlen, sich seinen örtlichen Arbeitsmarkt regelmäßig genauer anzusehen. Hierzu eignet sich der Stellenmarkt von "MeineStadt.de" recht gut - dank enger Zusammenarbeit mit der Bundesagentur für Arbeit gibt er das lokale Jobangebot recht ordentlich wieder.

Ich mache dies hier für den Bereich Bodensee/Friedrichshafen seit Langem und seit einigen Monaten detaillierter und kann Ihnen versprechen: sie werden staunen. Zumindest hier war es nämlich so, dass in der gleichen Zeit, wo eine Meldung über den angeblichen "Boom auf dem Arbeitsmarkt" die andere jagte, sich allein schon die Zahl der Stellenangebote um deutlich über 10% reduzierte.

Der Rückgang könnte ja saisonbedingt sein oder zumindest von saisonabhängigen Branchen verursacht sein - daher betreibe ich die Analyse auch tiefer und beobachte die Entwicklung in den Branchen. Ergebnis: ein nur geringer Teil des Rückgang stammte aus saisonabhängigen Branchen.

Im Zuge dieser Aktion sah ich mir hunderte von Stellenangebote an und nahm stichprobenartig Kontakt auf: Ergebnis: ein erheblicher Teil davon sind unspezifische Ausschreibungen von Zeit- und Leiharbeitsfirmen, hinter denen KEINE konkreten Jobs stehen. Vielmehr dienen sie offenbar der Werbung für das jeweilige Zeitarbeitsunternehmen. Unvergessen auch die Auskunft eines Personalleiters von einem ortsansässigen Großunternehmen nach Bekanntgabe des Alters 50 : "...Da sehe ich keine Möglichkeit - Sie brauchen sich gar nicht erst zu bewerben...".

Weiterer Befund: es gibt hier selbst auf diesem sehr BA-nahen Stellenmarkt besonders im höher dotierten Bereich, wie er nun mal für qualifizierte Arbeitssuchende in Frage kommt, Dutzende von Stellen, die bereits seit sage und schreibe weit über einem Jahr unverändert ausgeschrieben sind - wieder bei ansässigen Großunternehmen. Solche Stellen gibt es in anderen Jobbörsen in noch wesentlich höherem Umfang. Sie ahnen nun vielleicht, welcher Platz der "Statistik offener Stellen" seitens der BA damit gebührt: nämlich jener der Klorollen-Halterung.

Zurück zu unserer Analyse: nach dem Hors d'Ouevre folgt ein Absatz über die Demographie unserer Gesellschaft. Neben ein paar Binsenwahrheiten bleibt vor allem Folgendes: "... Zu alt' oder 'unzureichende Englischkenntnisse und veraltetes Know-how'...". Zu den Binsenwahrheiten: dass es in einer Gesellschaft mit niedrigen Geburtenraten vorübergehend mehr Rentner und ältere Arbeitnehmern gibt, sollte nun niemanden wirklich überraschen und verkörpert wiederum wenn überhaupt etwas dann nur Konditionierung.

Dass ältere Arbeitnehmer es auf dem Arbeitsmarkt schwerer haben, wird einfach so in den Raum gestellt aber nicht zutreffend bewertet: die nämlich müsste lauten, dass unsere Unternehmen derzeit eigentlich von Schwachsinn gebeutelt sein müssen, ihre Personalauswahl auf schrumpfende Gruppe der unter 35-jährigen zu beschränken. Dafür aber liefert dieser unsägliche Artikel gleich nach der Konditionierung die andere Message, die sich bitte in den Hirnen der Leser fest zu fressen habe: Ältere sind einfach nicht qualifiziert genug - und vor allem zu lahmarschig, selbst etwas daran zu ändern.

Als ob jüngere Menschen z.B. im Durchschnitt deutlich besser englisch sprächen - Dem zunehmend brisant werdenden Versagen unteres Bildungssystems ist es nämlich zu verdanken, dass junge Menschen ohne Gymnasialbildung immer noch signifikante Defizite in einer arbeitsplatzgerechten Anwendung der englischen Sprache haben (dafür aber zunehmend Probleme mit der eigenen "Muttersprache") - insofern bestehen da - leider muss man sagen - kaum nennenswerte Unterschiede zwischen den Generationen.

Im nächsten Abschnitt: der Schocker vorneweg: nur noch 40% der über 50-jährigen stünden in Lohn und Brot. Die meisten seien... usw. Über die wahre Ursache - nämlich eine völlig fehlgeleitete Entwicklung in Unternehmen und Politik - kein Wort. Statt dessen gespielt naives Wundern über das Phänomen: "...Das ist eigentlich schade: Denn 20 bis 30 Jahre Berufserfahrung sind für jeden Arbeitgeber eigentlich eine unbezahlbare Ressource..." Ja - die Ressource scheint derart unbezahlbar geworden, dass Unternehmen immer weniger erwägen, sie überhaupt noch angemessen zu bezahlen.

Und dann wieder die unbewiesene Behauptung: "... Das erkennen jetzt auch immer mehr Unternehmen. Durch gezielte Initiativen ..." garniert mit dem für ernste Diskussion denkbar ungeeigneten Volksmund. "...Neue Besen kehren gut - aber die alten wissen, wo der Dreck liegt..." In der Summe eine Konditionierung für die nächsten Abschnitte.

Der nämlich beginnt mit einer - milde formuliert - unverfrorenen These: "...Große Schwierigkeiten bereitet die Tatsache, dass viele Arbeitnehmer nichts vom lebenslangen Lernen halten..." Für diesen doch recht weitgehenden Vorwurf an die Arbeitssuchenden wird nicht einmal der Hauch eines Nachweises gebracht - nach meiner persönlichen Erfahrung stimmt er so auch nicht.

Ich hatte selbst einmal das Vergnügen, für 10 Monate an einer hochkarätigen Qualifikationsmaßnahme teilnehmen zu dürfen - dort waren auch die älteren (und in der Minderheit befindlichen) Teilnehmer bis auf einen einzigen durchweg hochmotiviert und kamen auch zu vergleichbaren Ergebnissen wie die jüngere Mehrheit. Auch aus dem Bekanntenkreis kenne ich nichts anderes...

Dennoch versieht unsere ZDF-Autorin dieses unterirdische Statement mit dem Schlüsselbegriff: "...Tatsache...". Diese angebliche Tatsache ist erkennbar eine Lüge - und nichts weiter. Der Leser - zuvor massiv konditioniert - läuft Gefahr diesen Quatsch auch noch zu schlucken, sofern ihn nicht - wie in meinem Fall - seine persönliche Erfahrungswelt davon abhält.

Da man zuvor so schön konditioniert hat, kann man der einen Lüge gleich noch eine Teilwahrheit nach schieben - und so heißt es in dem Artikel: "... Das einmal in einer Ausbildung oder im Studium erworbene Wissen nutzt sich ab und wird über die Jahre nicht aufgefrischt...". Dies ist nur ein Teil der Wahrheit, weil sich nämlich bei weitem nicht alles an Wissen "abnutzt" was man im Rahmen seiner Ausbildung lernt. Kenntnisse über grundlegende Zusammenhänge bleiben konstant und unterliegen keiner Alterung.

Mathematik ist da das beste Beispiel - denn wer einmal verstanden hat, wie Differentialgleichungen "funktionieren" wird dies auch in 100 Jahren noch verstehen - ähnliches gilt für das in gewerblicher Ausbildung erworbene Grundlagenwissen. Was sich ändert mögen die Mittel und die Formen zur Anwendung dieses Wissens sein - doch dies hat jemand innerhalb kürzester Zeit intus... Was veraltet ist vor allem erworbenes "Scheinwissen" oft aus den Bereichen niedrig qualifizierter Arbeit: wenn ich einen Menschen darauf trainiere, eine Maschine nur zu bedienen ohne die dahinter stehenden Prozesse zumindest grob zu verstehen - ja dann veraltet dieses Wissen.

Unsere Berufsausbildung brachte deswegen so gut ausgebildete Arbeitskräfte hervor, weil früher einmal den Menschen derartiges vermittelt wurde - heute scheint das auf dem Rückzug und damit auch die Qualität deutscher Produkte generell... Deutsche Facharbeiter sind international nach wie vor höchst begehrt - nur hierzulande gelten sie als veraltet? Darüber natürlich kein Wort in diesem Beitrag.

Und nun - wie könnte es anders sein - beginnt vollends die Märchenstunde. Die Rede kommt auf den angeblichen Ingenieursmangel. Anhand der ausgeschriebenen "offenen Stellen" glaubt die Autorin diagnostizieren zu können, dass es da wirklich einen Mangel gäbe. Die oben erwähnten "Dauerläufer" in den Jobangeboten aber waren zu 80% Ingenieurstellen - die Auskunft des Personalers bezog sich ebenfalls auf eine derartige Stelle. Der Schluss: so arg schlimm kann es um den Ingenieursmangel hierzulande nicht bestellt sein.

Zudem gilt: wenn ein Unternehmen nicht einmal formell durchaus ausreichend qualifizierte Menschen einstellt, nur weil sie von diesem Unternehmen selbst rein willkürlich mit dem Stempel "zu alt" versehen werden - mag es tatsächlich zu Mangel kommen. Die Frage bleibt nur - wer ist dann wohl schuld an diesem Mangel? Wenn ich als Unternehmen wirklich dringend Ingenieure brauche - dann stelle ich doch Menschen mit ausreichender Qualifikation ein und mir ist vollkommen wurscht wie alt er ist (interessanterweise verfahren Firmen scheinbar - wie wir später noch sehen werden - genau auf diese Weise mit ihren Pensionären...)

Die Lösung dieses Widerspruchs ist einfach. Professoren wie Sinn bevölkern die Mattscheibe und reisen durch die Lande mit Worten von Geringqualifizierten auf den Lippen, die man leider nicht mehr brauchen könne - es sei denn natürlich - sie arbeiten künftig für die Hälfte oder putzen ihm für noch weniger die Schuhe. Dazu passen natürlich 10.000nde auf der Straße stehende Ingenieure nicht - und hier ist eben eine schicke Lüge nötig..

Dabei: Einen guten Ingenieur auf Wissenstand zu bringen, ist nicht etwa teuer - wie in diesem Beitrag ebenfalls wahrheitswidrig behauptet - sondern meist in wenigen Tagen getan. Die Unternehmen müssen schon andere Gründe haben, warum diese Menschen nicht einstellen. Wie wäre: ein älterer Arbeitnehmer ist schwerer zu veräppeln als dies bei jungen der Fall ist. Er könnte zudem über bessere Kenntnisse verfügen als sein Vorgesetzter - diese Punkte werden neben den Gehaltserwartungen die in Wahrheit ausschlaggebenden sein beim ganzen Drama.

Im ZDF aber sind diese Menschen ja selbst schuld, denn sie "...Hinzu kommt noch die mangelnde Flexibilität der Generation 50 plus: Gerade bei der Mobilität, also der Bereitschaft, für den Beruf den Wohnort zu wechseln, tun sich Ältere schwer..." Richtig - ein erfahrener Arbeitnehmer wird seinen Wohnort samt Umzug und allem Brimborium nur wechseln, wenn er zumindest etwas Gewissheit über den Fortbestand des Jobs hat. Und diese bekommt er nicht aus in Kette befristeten 6-Monats-Verträgen... So einfach ist das - mit dem Flexibilitätsmangel der Älteren.

Studienabsolventen sind da natürlich ideal - sie stehen mit dem Abschluss ihres Studiums eh an einer Zäsur in ihrem Leben - ihnen ist klar, dass sie in der Regel woanders hin müssen und auch verfügen sie über weniger familiäre und soziale Ortsbindungen als jemand der sich zuvor 20 Jahre lang seine Existenz und Heim an seinem Wohn- und Arbeitsort aufgebaut hat. Wenn da mal nicht jemand insgeheim von "Wanderarbeitern" träumt...

Doch der Beitrag ist noch lange nicht am Ende. Nunmehr folgt - wenn man so will - die nachträgliche Rechtfertigung für der Schwachsinn "Rente 67" - denn auch Rentner können noch arbeiten, wenn sie neugierig, begeistert und fit sind. Was mit den anderen Rentner geschehen soll - bleibt natürlich offen. Insgesamt Toll - schon unter der noch anhaltenden Auswirkung der Frühverrentungspolitik gibt es bereits mindestens 5 Mio fehlende Arbeitsplätze - wenn wir nun noch alle geeigneten Rentner "re-aktivieren" könnten wir das doch locker verdoppeln - oder?

Dieser Blödsinn kreiert vor allem eines: noch mehr Druck auf den Arbeitsmarkt - und der macht nur für einen Sinn: Arbeitgeber und Anteilseigner: denn um so größer ist ihr Hebel für noch mehr Lohnsenkung und noch mehr Ausbeutung. Doch immerhin wurden angeblich schon Rentner erfolgreich in Arbeit vermittelt - und sogleich lässt man ein Beispiel folgen - den Herrn Becker: "... Seit fünf Jahren arbeiten das Unternehmen und Hans Becker zusammen, einmal monatlich ist er in der Firma..." Ja Super - einen Tag im Monat Arbeit. Ein Tag im Monat bezahlt... Wirklich Klasse - sowas kann auch nur ein Rentner machen - denn er hat ja (noch) weiterhin seine Rente...

Dass Unternehmen gezielt bei ihren Pensionären anfragen, zeugt doch - sofern es überhaupt stimmt - von nichts anderem als davon, dass da auf die Ausbeutung deren Rentenalimentation spekuliert wird. Mit jemandem zu arbeiten, der rein zum Spaß noch bisschen arbeitet, damit er sich zu seiner - in den erwähnten Regionen ohnehin üppigen - Pension noch mehr hinzu verdient, zahlt sich für Unternehmen gewiss aus - denn der ist insgesamt billiger.

Doch der normale Mensch muss aber von seiner Arbeit leben können - ja er MUSS - und das wird hier völlig in den Hintergrund gedrängt. Doch liebe Leser - hier ist jenem Think-Tank, der den Plot für diesen unterirdischen Artikel entworfen hat, ein Fehler unterlaufen: denn hier können Sie ja klipp und klar nachlesen, welche Verrenkungen inzwischen unternommen werden, um nur ja nicht ordentliche Arbeitsplätze besetzen zu müssen.

Es folgen noch zwei weitere Abschnitte, die mit derartigem Schwachsinn in teilweise noch schlimmerer Ausprägung angefüllt sind, dass die Analyse nicht mehr lohnt... Zeit für eine Zusammenfassung: Zweitdrittel des Artikels beschäftigen sich mit - gesellschaftlich belanglosen - Beschäftigungsmodellen für Rentner und nicht etwa mit dem wirklichen Beschäftigungsproblemen. Dies soll täuschen und von einer relativ simplen Erkenntnis ablenken - nämlich jener, dass hinter den Problemen besonders des deutschen Arbeitsmarktes genau zwei Faktoren stehen:


  1. Es gibt nicht mehr genug Arbeit, um alle Menschen dieser Gesellschaft in den bisherigen Arbeitsstrukturen der Gesellschaft unterzubringen. (Gilt in allen Industriestaaten). Arbeitszeitverlängerung und Rente 67 werden dieses Problem hierzulande verschärfen und keinesfalls lösen.

  2. Vor allem die Großunternehmen in Deutschland WOLLEN UM JEDEN PREIS den enormen Druck auf dem Arbeitsmarkt aufrecht erhalten - nichts - keine noch so schöne Entwicklung oder Geschäftsidee der letzten Jahrzehnte bescherte ihnen nämlich derart gigantische Gewinne. Hierzu setzen sie alle Hebel in den von ihnen gekauften Medien sowie in der von ihnen maßgeblich beeinflussten Politik in Bewegung.


Kleinunternehmen und Handwerk indes leiden bereits unter dem anhaltenden Ausbluten des Binnenmarktes - sind aber in der Summe der größte Arbeitgeber im Lande - und angesichts von Punkt 1. die wohl konkreteste Hoffnung auf eine Trendwende am Arbeitsmarkt. Möglicherweise mag dies mit ein Grund dafür sein, dass sie - neben den Arbeitslosen - auch gleich mit bekämpft werden.

Denn - absurderweise waren gerade die Kleinbetriebe von den vielen bisherigen Maßnahmen der Unternehmensentlastung kaum betroffen. Vielmehr werden sie immer weiter zusätzlich belastet, wie durch die sich demnächst auswirkende Mehrwertsteuererhöhung. Für die Wirtschaft ist ein Verschwinden von Kleinunternehmen auf dem Markt keine Katastrophe - im Gegenteil - dies schafft Raum für weiteres Wachstum bei Großkonzernen.

Über diese Sachverhalte werden wir alltäglich durch fein aufeinander abgestimmte Lügengebilde hinweg getäuscht - denn man kann sich eines nicht erlauben: dies darf der Öffentlichkeit so NIE bewusst werden - es könnte schlagartig vorbei sein mit den schönen Gewinnen. Um dies zu verhindern, schallen uns aus allem möglichen Richtungen der Medienwelt immer wieder die gleichen Lügen garniert mit unsinnigem Füllstoff entgegen - woraus nur der Besorgnis erregende Schluss bleibt: wenn denn Medien ihre Existenzberechtigung im Wesentlichen der Pflege und Weitergabe von Kultur verdanken - dann muss sich scheinbar eine Kultur der Lüge in diesem Lande breit gemacht haben und daher sind die hier erwähnten Passagen dunkelrot eingefärbt.


ARTIKELENDE

 

CogitoSum - Beitragskritik:
Medien - Hintergründe:
Politik - Hintergründe:

Diesen Beitrag als PDF herunterladen: icon Kultur der Lüge (104.67 KB)

 

 

Anzeigen





Creative Commons License
CogitoSum Inhalte stehen sofern nicht anders ausgewiesen unter Creative Commons Attribution-NonCommercial-ShareAlike 3.0 Lizenz.
(2019) www.cogitosum.de
Diese Seite wurde in 0.019856 Sekunden generiert