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BA auf Abwegen? Drucken E-Mail
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Geschrieben von Jürgen Scheffler   
Freitag, 19. Januar 2007

Offenbar hat man mal wieder Großes vor in Absurdistan. Flankierend zur Fabel vom "Boom auf dem Arbeitsmarkt" sehen seit dem vergangenen Donnerstag 1000nde von regelmäßigen Nutzern der Jobbörse auf der bundesweiten Website www.meinestadt.de sich schlagartig mit einem drastisch reduzierten Stellenangebot konfrontiert - und manche dürften sich wohl gefragt haben: "Was ist geschehen?" - Ob Medienstar Orkan Kyrill etwa all die vielen Stellen "weggepustet" hat? Wir bei CogitoSum gingen dieser Frage nach und stießen auf keineswegs weniger Sensationelles - auch wenn feststeht: der Orkan ist unschuldig an dem Vorkommnis.

 

Diese Stellenbörse von meinestadt.de dürfte zu Deutschlands beliebtesten und meist frequentierten Stellenbörsen zählen. Hierfür sind vor allem zwei Gründe ausschlaggebend: 1. fand der Arbeitssuchende dort einen der wenigen halbwegs kompletten Überblicke über die Arbeitsangebote in seiner Region (und nicht kreuz und quer durch die Republik) und 2. zeichnete sich der Stellenmarkt von meinestadt.de durch eine eingängige und auch für Computerlaien leicht zu bewältigende Bedienung aus. Das folgende Bild vermittelt einen Eindruck über den Aufbau des Stellenmarkts bei meinestadt.de:

 

  070119-meinestadt-jobboerse

Viele der Millionen Arbeitssuchenden hierzulande dürften sich ab 18.01.2007 die Augen gerieben haben - denn bis vor kurzem wurden nahezu alle offenen Stellen der BA auch im Stellenmarkt auf meinestadt.de veröffentlicht. Dem Bewerber stand hierdurch ein ausgesprochen effektives Mittel zur Verfügung, sich einen Überblick sowohl über die Angebote in seinem Beruf zu verschaffen wie auch einen Blick in angrenzende Bereiche zu werfen (um sich z.B. anders zu orientieren...) Damit ist es nun vorbei - d.h. konkret im Beispiel oben (Friedrichshafen) wo heute 1.159 Stellenangebote ausgewiesen sind, waren es bis vor einigen Tagen noch weit über 2.700...

Bei der Suche nach Erklärungen für dieses Vorkommnis - das angesichts der Arbeitsmarktlage im Lande schon Skandalformat annimmt - findet der verstörte Arbeitssuchende auf meinestadt.de Folgendes:

 070119-meinestadt-comment

Im Forum von meinestadt.de häufen sich inzwischen verbitterte Stellungnahmen von Arbeitssuchenden, die man unserem Arbeitsminister Müntefering unbedingt direkt auf den Tisch packen müsste. Neben gelegentlicher Beschimpfung und Pöbelei kann man dort - angesichts dessen um was es geht - erstaunlich sachliche Statements finden, die sich bei aller Unterschiedlichkeit zu fast 100% in Einem Punkt einig sind: Dieser Schritt der BA ist an Absurdität kaum noch zu übertreffen.

Über die wahren Hintergründe indes kann nur spekuliert werden. Auch wir bei CogitoSum informierten uns über meinestadt.de über die wahren Zustände auf dem lokalen Arbeitsmarkt und führten diverse Statistiken über das Jobangebot. Dies betrachten wir auch als legitim und sogar notwendig - vor allem wenn die sich die Resultate daraus deutlich von dem unterscheiden, was BA und Medien fortwährend als Trendpropaganda in Umlauf bringen.

Das in der Erklärung skizzierte neue Geschäftsmodell der BA indes kann eigentlich nicht ein Grund sein, dieses kleine Stück bisheriger Transparenz auf dem Arbeitsmarkt "aus dem Verkehr zu ziehen". Wo dies die Vermittlungschancen erhöhen soll, kann nur die BA und ihr Management allein wissen. Es liegt auf der Hand, dass da eher völlig andere Punkte eine Rolle spielten - z.B. mag es manchen Arbeitgebern unangenehm gewesen sein, anhand von veröffentlichten Stellenangeboten von einer kritischen Öffentlichkeit "ausgerechnet" zu werden.

Die windige Branche der Zeit- und Leiharbeitsfirmen wird davon ebenfalls wenig begeistert gewesen sein - denn sie können an allem Möglichen Interesse haben - nur nicht an einem funktionierenden Arbeitsmarkt, der ja letztlich ihre Pfründe bedroht. Und so läuft das neue Geschäftsmodell dann auch eher auf eine "Kungelei" zwischen allen möglichen Playern auf dem Arbeitsmarkt heraus - nur einer bleibt außen vor: der Arbeitssuchende.

Wie dieser nämlich künftig das für ihn in Frage kommende Jobangebote sichten kann, sei an den folgenden Abbildungen kurz dargestellt:

070119-BA-Jobsuche

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

Nach einiger Klickerei - bei der computerunerfahrende Zeitgenossen schon bisweilen mal auf der Strecke bleiben, bevor sie überhaupt dort hin gelangen - kann der Arbeitssuchende sich am informativen Startbild für die Stellensuche im Internetangebot der BA selbst erfreuen.

Man sieht nicht ein Jobangebot sondern man hat sich - behördenüblich - zunächst einmal durch einen Wust an Angaben zu quälen. Herausragendes Merkmal - den gewünschten Beruf soll man möglichst genau angeben. Vielleicht war es ja früher mal so, dass Berufe eine halbwegs feststehende Bezeichnung hatten - in heutiger Zeit kann davon kaum noch die Rede sein und zudem wird von Arbeitssuchenden unablässig Flexibiliät verlangt... So groß (und wie wir später noch sehen werden noch viel größer) kann manchmal der Unterschied zwischen Wort und Tat sein bei jenen, die Verantwortung für den heutigen Arbeitsmarkt tragen.

Doch verfolgen wir zunächst einmal die Jobsuche bei der BA weiter. Mit seinen Klick auf "Beruf auswählen" gelangt der Stellensuchende sodann auf folgende Seite:

 070119-BA-Berufssuche1

 

Hier hat der Arbeitssuchende nun die freie Auswahl - auch wenn er nicht eine einzige Berufsbezeichnung sieht - er kann eingeben was er mag... und erhält dann eine mehr oder minder gigantische Auswahl von in Frage kommenden Berufsbezeichnungen. Wir haben mal nur das Rumpfwort "Daten" eingegeben - Resultat:

 

070119-BA-Berufssuche2

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 



Nicht weniger als 221 Berufsbezeichnungen werden uns zu unserer Eingabe angeboten. Die Wahrscheinlichkeit ist nicht gering, dass dies die Anzahl der für den Suchenden überhaupt in Frage kommenden offenen Stellen in vielen Fällen deutlich übersteigen dürfte.

Und wohlgemerkt - dies alles bevor es mit der Suchanfrage selbst überhaupt losgeht. Eine kleine Flüchtigkeit oder Unbedachtsamkeit des Suchenden - und schon erhält er möglicherweise nur einen Teil der für ihn in Frage kommenden Stellen oder gar völlig Falsche angezeigt. Es ist so gut wie unmöglich, eine Abfrage zu basteln, mit der der Suchende ALLE für ihn in Frage kommenden Stellen auch wirklich angezeigt bekommt - hierzu wird es immer ein ganze Reihe von Abfragen brauchen - aber Arbeitssuchende haben ja auch Zeit wie Heu...

Vergleicht man dieses Schilda-Produkt mit der Jobbörse von meinestadt.de, wird ganz schnell deutlich, wieso das sündhaft teure Meisterstück der BA-Beratungsfirmen McKinsey und Roland Berger beim Publikum so unbeliebt ist - daher zum Vergleich noch mal das Bild meinestadt.de:

070119-meinestadt-jobboerse

Hier kann sich der Suchende einfach durchblicken - und selbst beurteilen, welche Stellenangebote er sich näher anschaut und welche nicht - das ganze Berufssuch-Brimborium entfällt und es macht auch keinen Sinn - denn in jeder Stellenausschreibung steht ohnehin in aller Regel noch mal recht deutlich, welche Ausbildung oder Qualifikation verlangt wird. Eine einfache und einleuchtende Methode, die auch jemand ohne viel Computererfahrung sofort und unmittelbar richtig anwenden kann.

Das war dann wohl doch zu einfach - zu übersichtlich - zu transparent und sowieso zu erfolgreich. Dachten sich zumindest die chronisch unterbeschäftigte BA und deren hochkarätige Berater mit Tagessätzen von weit über einem Monatssatz des Hartz IV Empfängers. Wie erfolgreich meinestadt.de mit diesem Konzept war belegt indes noch folgendes Schreiben, das kaum mal vier Wochen alt ist (Anm: die allesklar.com AG steht hinter meinestadt.de)

070119-meinestadt-muentefering2

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

Ob eines derartigen Versatzstückes mitten aus den Niederungen Absurdistans kann der Laie nur noch staunen und Fachmann sich wundern - was doch hierzulande nicht alles möglich ist. Doch im Schreiben oben - dort steht die Email-Adresse des zuständigen Ministers. CogitoSum wird dem Minister eine Email mit diesem Artikel und der höflichen Bitte zukommen lassen, dieser Angelegenheit nachzugehen und dafür zu sorgen, dass die vorigen Verhältnisse bezüglich der Veröffentlichung des Virtuellen Arbeitsmarktes der BA umgehend wieder hergestellt werden. Es wäre sicherlich hilfreich, wenn der eine oder andere Leser sich dem anschließt...

Wenn es der BA schon so dermaßen nach Arbeit dürstet, dann könnte sie diese wesentlich fruchtvoller darin investieren, ihren offenen Stellenbestand mal kritisch zu durchforsten und dabei alle Doppelungen und offensichtlichen Scheinangebote (jahrelange "Dauerläufer") raus zuschmeißen. Dies würde - im Gegensatz zur aktuellen Maßnahme - zumindest einen Sinn ergeben.

Offenbar bleibt es für die Verantwortlichen auf unserem Arbeitsmarkt ein bislang scheinbar nicht bewältigbarer Lernprozess, einfach mal die simple Tatsache anzuerkennen, dass kein noch so schönes "Geschäftsmodell" etwas daran ändern wird, dass 4 Mio fehlende Arbeitsplätze weiterhin fehlen... Im übrigen ebenso wenig wie noch mehr Druck auf Arbeitslose. Schon gar nicht, wenn Menschen über 50 schlicht nicht mehr eingestellt werden - denn auch die Drohung mit Erschießung macht diese nun mal nicht jünger...

Soweit uns bekannt ist, müht sich auch meinestadt.de, das alte Angebot wieder herzustellen - und dies steht im Interesse aller - auch anderer Kooperationspartner mit der BA - zu hoffen. Für den Nutzer war dieses Angebot von hohem Wert und zudem haben Bürger und Öffentlichkeit ein Recht, ständig aktuell über den Zustand des Arbeitsmarktes informiert zu werden - und nicht nur zum Zeitpunkt irgendwelcher zusammenfassender Pressekonferenzen Monate später. Wenn der Staat diese Zahlen (die immerhin im einzelnen nachprüfbar waren) künftig vor der Öffentlichkeit geheim halten will - so bleibt dem kritischen Bürger nur der eine Schluss: er wird dann schon seine Gründe dafür haben... Was ihn dann aber erst recht nicht zu diesem Schritt legitimiert.


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