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Geschrieben von Jürgen Scheffler   
Samstag, 24. Februar 2007

Kaum hat Bischoff Mixa mal wieder seinem Hobby gefrönt - nämlich die Fortschritte von Humanismus und Aufklärung in Frage zu stellen - legt hier Kardinal Karl Lehmann, wenn auch spürbar diplomatischer, nach und warnt angesichts der Pläne der Familienministerin vor angeblich wachsendem Einfluss des Staates in der Kindererziehung. Argumentiert wird auf Basis von "Heile-Welt"-Klischees, die an der Lebensrealität der meisten in der sich beschleunigt in arm und reich spaltenden Gesellschaft komplett vorbei gehen. Schließlich tut gerade hierzulande ein System für Kindererziehung und Bildung not, dass die gesellschaftliche Integration aller Bevölkerungsgruppen wieder deutlicher in den Vordergrund stellt. Hierzu hat der Staat als - im Gegensatz zur Kirche - legitimierte Struktur ein Recht und angesichts der aktuellen Integrationslage in Deutschland sogar die Pflicht.

Es ist höchst bedauerlich, dass die Führung der katholischen Kirche nicht zu anderen Wegen findet, als den Rückfall in das ewig Gestrige. Wo die Kirche im Ausbau von Kinderbetreuung und Vorschuljahr Gefahr für ihre Pfründe wittert, muss sie selbst wissen - als Beobachter nehmen wir dies mal so hin und dürfen mit einiger Berechtigung vermuten, dass eine homogener strukturierte Gesellschaft in Augen dieser Herrschaften offenbar eine Gefahr darstellt.

Unsere Gesellschaft besteht nun mal nicht nur aus katholischen und evangelischen Menschen - und folglich darf sie ihre Sichtweise nicht nur auf die Aspekte deren Amtskirchen verengen. Traditionalisten aber tun sich gemeinhin schwer mit der Abkehr von Traditionellem. In diesem für ehemalige Weltherren schmerzlichen Erkenntnisprozess befindet sich auch die katholische Kirche - so sehr sich auch sträuben mag.

Was ist denn das für eine Kirche, die in den vergangenen Jahren hinsichtlich der vor allem auch durch ihr nahestehenden Parteien verursachte sozialen Verwerfungen den Mund als Sprachrohr der gewiss nicht wenigen Armen und Ohnmächtigen nicht auf bekommt? Erhebungen und Untersuchungen zur Entwicklung der sozialen Integration in Deutschland belegen eindeutig massive Defizite - die sich bis in das Schulsystem fortpflanzen und es in seinen Leistungen inzwischen massiv behindern.

Dies ist nicht Zufall sondern die Auswirkung genau jener Gedankenlosigkeit, mit der Kirchenvertreter auf der Beibehaltung der diffusen Prägung junger Menschen in unserer Gesellschaft beharren. Verkannt wird bei diesem Ringen um den eigenen Einfluss, dass dieselben Protagonisten völlig anders argumentieren würden, ging es um die Frage inwieweit man der islamischen Familie hierzulande die Prägung ihrer Nachkommenschaft - dann natürlich im Interesse des Islam - zu übertragen bereit ist. Vergleichbares gilt für die vielen andere Religionen und nicht zuletzt auch für jene Menschen, die ein Leben ohne Religion bevorzugen.

Die moderne Gesellschaft ist darauf angewiesen, ihre legitimierten Grundlagen Angehörigen aller Glaubensrichtungen zu vermitteln und für alle gerechte Perspektiven und Teilhabe zu schaffen. Hier könnte die Kirche gerade heute eine höchst positive Rolle spielen, wenn sie sich denn zu jenem Grundsatz durchringen könnte, der ihr eigentlich vom ihrem Religionsgründer aufgegeben ist: Selbstlosigkeit im Dienst für die Menschen.

Unzweifelhaft dient es den Menschen, wenn eine Gesellschaft zu besserer Integration findet und es erhöht ihr kollektives Leistungspotential - etwas worauf das ressourcenarme Deutschland an der Schwelle zum Informationszeitalter und angesichts globaler Herausforderungen mehr als manch anderes Land angewiesen ist. In derart für die Zukunft der Gesellschaft entscheidenden Fragen treten jegliche Aspekte des Macht- und Pfrunderhalt für hergebrachte Strukturen in den Hintergrund. Der Überlebensplatz der Kirchen ist nicht auf jener Seite, die den Weg in die Zukunft verstellt, sondern er wäre eigentlich an der Spitze des Fortschritts, womit sie sich die Chance erschlösse, ihre zentralen Werte auch weit in die Zukunft hinein zu überliefern.

Zu Recht beklagt die Kirche hin und wieder ja selbst die Auswüchse kapitalistischer Lebensentwertung - denn auch diese bedroht ihren Einfluss letztlich keineswegs weniger als der ohnehin theophobe Sozialismus. Gerade hier aber liegt auch die große Chance der Kirchen im Heute - nämlich sich zusammen mit den Menschen der Gesellschaft massiv an der Erneuerung des Nachweises zu beteiligen, dass eine gerechtere und bessere Gesellschaft nicht automatisch auch eine sein muss, die auf sozialistischer Theorie beruht. Dieser Nachweis lässt sich aber nicht an der Seite jener etablierten Machtstrukturen führen, denen Religion und auch viele andere Werte in Wahrheit völlig wurscht sind und die sozialistisches Gedankengut ausschließlich nur deswegen ablehnen, weil es ihre inzwischen aufgebauten Privilegien gefährdet.

Die Aufgabe war und bleibt - der dritte Weg. Ein Weg, der jenseits der Demarkationlinien von Kapitalismus und Kommunismus verläuft, die beide - nur auf jeweils unterschiedlichen Wegen - zu Unterdrückung und Ausbeutung von Menschen führen. In diesen Zeiten steht die Kirche damit wie schon oft vor einer Wahl - die Wahl nämlich, ihr "Überleben" wie stets in der Vergangenheit an der Seite der Macht oder eben an der Seite der Menschen zu suchen.

Dafür, dass man in der Vergangenheit stets die Nähe zur Macht wählte, könnte man entschuldigend ins Feld führen, dass es zu keiner der vergangenen Epochen demokratische und legitimierte Gesellschaften gab, für die Kirchen sich seinerzeit hätten entscheiden können. Dies ist heute grundlegend anders - und das erweitert die Dimension der heute anstehenden Entscheidung seitens der Kirche enorm. Hierbei gerät sie zudem unvermittelt in Turbolenzen mit ihren eigenen - aus Jahrhunderten an der Seite der Macht - entstandenen Strukturen, denen jene der verfassten demokratischen Gesellschaft längst weit davon geeilt sind.

Und es sind diese Strukturen, die der Kirche den Blick darauf verstellen, dass ihr Platz diesmal an der Seite der Menschen ist. Denn auch eine Gesellschaft, die zur Verbesserung ihrer Funktion via Staat mehr Einfluss auf die Erziehung von Kindern nimmt, bedroht nicht automatisch die Kernwerte christlichen Glaubens - im Gegenteil: sie schafft und erhält die legitimierte Basis für die freie Entscheidung von Menschen, sich der christlichen und nicht einer anderen Weltanschauung anzuschließen.

Freiheit aber bedeutet natürlich auch Wettbewerb - nicht zuletzt auch Wettbewerb mit anderen Religionen, Wettbewerb mit gnostischen oder rein materialistischen Lebensformen. Und genau davor hat man anscheinend Angst in den Kirchen. Wie armselig aber müsste eine Religion in Wahrheit eigentlich sein - wenn sie nur an der Seite der Macht überlebensfähig wäre?

Zu allen Zeiten argumentieren Herrscher gerne zugunsten ihres Machterhalts, nach ihnen würde das Chaos folgen. Doch was der Emanzipation der Gesellschaften von Feudalherrschaft folgte, war eine Epoche des größten Fortschritts und Breitenwohlstands, den die Menschheit je gesehen hat. Neues wird Altes immer in irgendeiner Form bedrohen - doch das Entstehen von Neuem lässt sich nicht aus der Welt schaffen (auch wenn es die katholische Kirche einst für lange Zeit massiv versuchte...)

So wurde die christliche Kirche schon kurz nach ihrer Entstehung nicht Spitze, sondern Hinterhereilender der Entwicklung. Wäre es da nicht einmal an der Zeit, die Tradition seiner Werte auch mal in der aktiven Mitwirkung bei der Gestaltung von Neuem, statt in Bewahrung von Gestrigem zu suchen? Wer, wenn nicht die christliche Kirche, wäre berufen, mal etwas mehr Mut für Zuversicht aufzubringen - und sich endlich wieder daran zu erinnern, dass sie selbst einmal Jenes war, was vor Zeiten aus Neuem hervorgegangen ist.


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