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Schrecken aus dem Gleichgewicht? PDF Drucken E-Mail
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Geschrieben von Jürgen Scheffler   
Dienstag, 20. März 2007

 Strat einer ABM-Rakete

Verehrte Leser- und Leserinnnen - viel lieber würden wir uns bei CogitoSum mehr mit vielleicht auch nicht schönen, aber doch im Vergleich zu diesem hier erheblich weniger gespenstischen Themen befassen. Aber - die Entwicklungen derzeit lassen uns keine Ruhe. 

Die Unruhe kommt vor allem von unseren Medien und von inzwischen nur noch einigen Politikern, die keinen Weg unversucht lassen, den Menschen hierzulande die Harmlosigkeit der US-Amerikanischen Raketenabwehrpläne zu suggerieren - was die Medien allein schon dadurch unterstützen, dass sie den Gegenstand der Diskussion fortwährend stets als "...Abwehrsystem gegen iranische Raketen..." u.ä. bezeichnen. Hiermit wird eine Wertung der Angelegenheit in die Bevölkerung "hineinmanipuliert", die, wie wir noch sehen werden, in höchstem Maße fragwürdig ist.

Wie CogitoSum bereits hier berichtete, kam es im Februar zu einem Eklat auf der NATO-Sicherheitskonferenz, weil der dort anwesende russische Präsident Putin zugeben in drastischen Worten vor den Folgen der geplanten Stationierung von Teilen des "neuen" amerikanischen Raketenabwehrsystems in Polen und Tschechien warnte.

Nach anfänglicher Arroganz - diese Stationierung sei allein Angelegenheit der USA und ihrer bilateralen Partner dafür - haben die Amerikaner sich inzwischen eine nach außen zwar flexiblere, aber in der Sache keineswegs andere Haltung zugelegt. Auch wir bleiben bei unserer Haltung, das Ganze ist nur Show im RTL-Vorabend-Format. In Wahrheit geht es um völlig andere Aspekte, als jene, die offiziell immerzu behauptet werden. Interessant hierbei Wandel bei Atlantikbrückenfreaks wie der CDU-Abgeordnete von Klaeden - der inzwischen mit dem "nachgeschobenen" Detail argumentiert, es würden ja nur 10 Abwehr-Raketen stationiert, und somit KÖNNE gar keine Bedrohung für die vielen Raketen des russischen Nuklearpotentials entstehen...

Die Interessenlage von Herrn von Klaeden ist ja hinlänglich klar - er bedauert es vermutlich täglich mehrmals, nicht als Bürger und Wähler in George W. Bush's Imperium Americanum hineingeboren worden zu sein. Seine Argumente kann man - wie eigentlich immer - erst mal beiseite legen, denn sie geben ohnehin nichts anderes wieder als die US-Ziele sowie die neueste Think-Tank-Propaganda zur Durchpeitschung deren Akzeptanz bei der hiesigen Bevölkerung.

Bevor wir uns nun gleich direkt mit dem Original - d.h. den Aussagen eines Menschen, der sich damit auskennt und das ganze Galama federführend selbst mit vom Zaun bricht, etwas näher beschäftigen, hier zunächst eine kurze Einführung in das derzeit einigermaßen gegebene strategische Gleichgewicht der beiden mit Abstand führenden Nuklearmächte auf der Welt. Ohne dieses verstanden zu haben, wird die Brisanz der Angelegenheit nicht deutlich.

In etwa stehen sich derzeit rund auf Seite der USA rund 7.200 und auf Seite Russlands rund 6.000 via verschiedener Trägersysteme einsatzbereite Nukleargefechtsköpfe gegenüber - die Mehrzahl auf Interkontinental-Raketen, die entweder auf entsprechenden strategischen U-Booten oder in festen Bunkersilos untergebracht sind. Russland hat zudem bewegliche Landabschussbasen - die USA hingegen eine höhere Zahl einsatzbereiter strategischer U-boote. Es liegt also auf beiden Seiten ein Mix von festen und beweglichen Abschussrampen vor.

Jeder dieser Raketen befördert zwischen etwa 4 bis über 10 Gefechtsköpfe in den nahen Weltraum. Beim Wiedereintritt zerfällt die Nutzlast der Rakete in die Einzelgefechtsköpfe, deren unabhängige Steuerbarkeit heute vermutlich zum Standard zählen dürfte. Eine erfolgreich gestartete Trägerrakete kann somit also bis über 10 Ziele gleichzeitig anfliegen und bedroht dann jedes einzelne Ziel mit etwa dem 10 - 50-fachen des Hiroshima Potentials.

Nun zur Strategie: jemand könnte ja auf die Idee kommen, seine Raketen so gegen den Gegner zu richten, dass er alle seine Startrampen mit einem Schlag "ausschaltet". So etwas nennt man "Erst- oder Entwaffnungsschlag". Gelingt dieser (was allein schon durch die wenigen Minuten die dem Gegner bleiben, seine Trägerraketen noch vor Einschlag in die Luft zu bringen, unsicher ist), wäre der Gegner nicht nur seine Atomwaffen los - sein Territorium dürfte auch derart in Mitleidenschaft gezogen sein, dass später die eigene - noch unversehrte - konventionelle Streitmacht leichtes Spiel haben dürfte. Das Risiko für den Angreifer hierbei: theoretisch Null (praktisch weiß niemand, welche Folgen ein derart konzentrierter Schlag wirklich hätte... )

Diese schaurig "nette" Aussicht wurde vom Fortschritt der Waffentechnik überrollt - die Entwicklung mobiler Abschussrampen auf U-Booten (beide Seiten) und Landfahrzeugen (Wahrschauer Pakt) trifft diese Strategie ins Mark - denn die Gefechtsköpfe können nur gegen vorher bekannte Zielpositionen eingesetzt werden. Zudem schuf die Entwicklung des Mehrfachsprengkopfes zusätzliche Probleme - selbst wenn nur wenige Trägerraketen beim Angegriffenen übrig sind, bleibt so immer noch ein außerordentlich abschreckendes "Zweitschlagpotential" - Hierzu stelle man sich vor, 20 bis 40 der größten Ballungsräume einer der Kontrahenten würden weg gepustet.

Einsehbar war die Hemmschwelle für ein solches Szenario inakzeptabel hoch. Beide Supermächte hockten (und hocken heute noch...) auf riesigen Arsenalen, deren Einsatz der Welt hoffentlich für immer erspart bleibt. Neue Bewegung kam erst in die Sache - als man begann, an Raketenabwehrsystemen (ABM) zu arbeiten. Zwar wurden entsprechende Kapazitäten auf beiden Seiten schon Ende der 60er Jahre behauptet - technisch aber war lange klar: es gibt keine verlässliche Abwehrform gegen die Bedrohung. Um sich nicht mit einem Wettrüsten dieser fast unlösbaren Aufgabe und weiterem Wettrüsten zum Herstellen des N+1-fachen Overkills gegenseitig zu ruinieren, traten USA und Sowjet-Union ab 1969 in Verhandlungen ein, die zu einer Begrenzung des Nuklear-Potentials UND auch der ABM auf beiden Seiten führte.

Dies war - zur Abwechslung - mal etwas Vernüntiges. Denn erkennbar nutzt es einem Angreifer nicht das Geringste seinen Gegner zu 99% zu zerstören, wenn dieser den Angreifer hernach mit seinen verbliebenen 1% immer noch - und wenn auch vielleicht nur noch zu 90% zerstört. Obwohl man in beiden Kontrahenten gewiss keine Pastorentöchter sehen kann - blieb der Preis für ein Zücken des nuklearen Jokers auf beiden Seiten unter allen Umständen einfach unkalkulierbar hoch.

Die beiden folgenden Abbildungen eine Vorstellung eine Vorstellung von den gegebenen geographischen Verhältnissen vermitteln.

Strateg-01-1

Wie man in der ersten Ansicht sehr schön sieht, grenzen Russland und USA bei Alaska fast aneinander - dies ist in Zeiten der intercontinentalen Reichweiten aber nicht mehr so wichtig - die Kontrahenten können sich mehr oder weniger von jedem Punkt ihrer Territorien aus "beschiessen". Und so lebt die Welt seit 1979 mit einem ausverhandelten Pulverfass, an das niemand der noch bei Trost ist, sich traut, eine Lunte zu legen - letzlich hat der Rüstungswettlauf eine Lage geschaffen, wo nur noch die Entscheidung zu fällen ist, wer als erster und wer als zweiter stirbt. Dies ist das Szenario, in dem nun Raketenabwehr zu bewerten ist. Als erstes Faktum ist festzustellen - und das kann nicht genug betont werden - dass die USA bereits am 13. Juni 2002 den ABM-Vertrag mit Russland einseitig aufkündigten.

Strateg-02-1

 

Das offizielle Motiv dafür war - und nun halte man sich fest - der Angriff auf das World Trade Center und der daraus resultierende höhere Schutzbedarf der USA, der sich mit nur einem nach dem ABM-Vertrag erlaubten Stationierungsort von Raketenabwehr nicht mehr länger vereinbar war. Nun ein Blick auf die zweite Ansicht, in der wir einen Bereich innerhalb dem die diskutierte Raketenabwehr effizient sein muss (sonst nutzt sie auch nichts gegen Iranischen Gespenster-Raketen) mal bläulich eingetönt haben.

Hier liegen zwei Konsequenzen unabweisbar klar auf der Hand:

  1. Das ganze hat mit dem Schutz der USA selbst herzlich wenig zu tun

  2. "Rein zufällig" deckt diese Raketenabwehr ganz Russland bis zum Ural ab. Wenn man nun noch hinzunimmt dass man in Alaska ähnlich weit nach Russland hineinreicht, bliebe nur noch ein schmaler Bereich im zentralasiatischen Russland, in dem Putins Raketen für ABM nicht erreichbar sind

Nun ich denke - allein die Geographie macht schon deutlich, dass es sich bei Putins harsch vorgetragener Kritik keineswegs nur um Show-Getöse handeln muss (...das ist derzeit ohnehin mehr Spezialität der Show-Experten im Wesen). Die Frage bleibt - welche Ziele verfolgen die USA mit dieser Schwindelei?

Ich will dies einmal - für die etwas blauäugigeren Zeitgenossen - übersetzen:

Aus dem Zerfall des Warschauer Paktes ging Russland (vermutlich entgegen der Hoffnung vieler) als zwar verkleinerter aber in strategischer Hinsicht nicht wesentlich beschädigter Nachfolger des alten Kontrahenten hervor. Die neue Führungselite dort hatte aus den Fehlern der Vergangenheit gelernt - lieber widmeten sie sich der Mammutaufgabe des Wiederaufbau im weitgehend ruinierten Land als sich weiter mit jeder Vernunft hohn sprechenden Rüstungsaufwänden herum zu schlagen, die angesichts des Strategischen Patt ohnehin nie einen Nutzen würden bringen können.

Die Rüstungsausgaben der USA indes stiegen seitdem sogar noch - u.a. durch den Kuwait-Krieg - aber auch durch die enormen Aufwände für SDI und Raketenabwehr. Man schätzt die bislang verbratenen Steuergelder der USA auf dem Sektor bis heute auf über 500 Mrd $. Überzeugende Erfolge mochten sich indes so recht nicht einstellen - allerdings gab es durchaus bemerkenswerte Teilerfolge (z.B. Hochkinetik-Waffen)

Natürlich muss es den USA "stinken", so viel Geld für praktisch nichts ausgegeben zu haben, während sich der Vertragspartner es unter dem Schirm der strategischen Verträge sozusagen "gemütlich" macht - und stattdessen seine Wirtschaft und vor allem seinen gigantischen Rohstoffreichtum zur Waffe auf dem Weltmarkt "umfunktioniert". Zwar versuchten die USA über verdeckte Aktionen, dort an den Drücker zu kommen - jedoch ging das in die Hose (u.a. Affaire Cholodkowski...).

DAS ist die Ausgangsbasis für die aktuelle Stationierungsdebatte - und nicht irgendeine lächerliche Bedrohung aus dem Iran, zu deren Schaffung dieser vielleicht frühestens in 10 Jahren - und dann auch nur im Nadelstichformat - überhaupt je in der Lage sein könnte - wenn man denn der Versuchung widersteht, ihn zuvor gänzlich zu plätten. Bevor sich nun manche über meine "Verteufelung" der USA aufregen - will ich gleich hinzufügen, dass das Ziel dieser Stationierung auch nicht unbedingt ein bald bevorstehender Atomschlag der USA gegen Russland ist. So bescheuert dürfte selbst ein George W. Bush nicht sein, unter dessen Ära die Raketenabwehr sicher nicht mehr einsatzbereit werden wird...

So geht es vermutlich eher darum, das wirtschaftlich erstarkende Russland erneut in einen ruinösen Rüstungswettbewerb zu verwickeln - und dieser setzt eben glaubhafte Bedrohung voraus. Dies wäre ein handfester wirtschaftlicher Vorteil für die USA, die Russland dann viel besser über die üblichen Instrumente wie WTO, GATS und die ohnehin immer gegebene Marktbeeinflussung in Schach halten könnten.

Dass eine Iranische Bedrohung derzeit nicht - und auch in 5 oder 10 Jahren noch nicht existieren kann, dürfte wohl allgemein einsehbar sein. Für den Herrn von Klaeden sei noch angefügt - und selbst wenn der Iran Dutzende hochmoderne Intercontinentalraketen vom Feinsten schon jetzt besäße - er könnte sich keinesfalls der Logik der Abschreckung entziehen. Denn - selbst wenn er all diese erfolgreich zum Einsatz brächte - es gäbe nur ein Land auf der Welt, dass danach mit tödlicher Sicherheit nicht mehr da wäre: nämlich den Iran. Sogar Frankreich oder GB ist der Lage, den Iran komplett "umzupflügen" ohne dass dieser auch nur einen Fingerschnipp dagegen unternehmen könnte.

Wenn die ABM in Polen und Tschechen strategisch nicht so wirklich gegen den - noch heute atomwaffenfreien - Iran gerichtet sind, ist relativ schnell klar, gegen wen sie sich dann richten: Russland. Und jetzt ist nochmals kurz ein Ausflug in die Unerbittlichkeit der Realität nötig. Denn das Hauptergebnis, was die Bemühungen um eine wirkungsvolle ABM (Träumer sprechen gar von Schirm....) bisher zutage förderten ist: das ist eine verdammt haarige Angelegenheit, für die man auch heute noch keine Lösung hat, die hinreichend zuverlässig funktionieren würde.

Was aber mit einiger Aussicht auf Erfolg - und nach der jahrzehntelanger Entwicklung funktionieren könnte, ist der Abfang einer Trägerrakete baldmöglichst nach dem Start - also vor Trennung der Mehrfachsprengköpfe und vor dem Entfleuchen ins nahe Weltall. Da kommt nämlich hinzu, dass Russland mit seinen vergleichsweise sparsamen Rüstungsausgaben (selbst GB, Frankreich und Deutschland geben da mehr aus) die meisten seiner strategischen Uboote nicht wirklich als Ass im Ärmel nutzen kann - denn dazu müssten etliche davon fortwährend an irgendwelchen unbekannten Orten der Welt rumschippern, was eine Menge Aufwand und vor allem Geld bedeutet. Das Rückgrat des russischen Potential dürften also fest und bewegliche langestützte Abschussrampen sein, wobei von der Einsatzbereitschaft her die festen Silos eindeutig überwiegen dürften. Dies ergibt ein Mix aus unter 1.000 Zielen, wovon eben nur ein relativ geringer Anteil beweglich sein dürfte.

Diese sind mit 7.200 hochmodernen US-Sprengköpfen durchaus verwundbar, wenn man - und nun wird’s wichtig - vielleicht ein paar verbleibende Dutzend auch noch neutralisieren könnte. Die Abwehr wiedereintretender Einzelsprengköpfe in größerer Zahl ist eine Illusion - die Zerstörung aufsteigender Trägerraketen mit extrem schnellen Projektilen aber eine durchaus realistische Variante.

Der Haken dabei: Dies lässt sich nicht mit hinreichender Abdeckung vom Boden der USA aus bewerkstelligen - hierzu muss man dicht an die möglichen Startpositionen der Ziele "heranrücken". Dies nicht nur wegen der Effektoren sondern vor allem auch wegen der nötigen Sensoren - denn das was man bekämpfen will, sollte frühestmöglich auch geortet sein - sonst geht’s in die Hose.

Voilá - schon ist das mit aller Wahrscheinlichkeit tatsächlich vorliegende Szenario für dieses merkwürdige Drama recht umfassend beschrieben. Sicher mag mancher immer noch denken: "...Das glaube ich nicht..." - Nun, dem kann geholfen werden. Schauen Sie bitte mal dieses ZDF-Interview von Generalleutnant Henry Obering, dem "Agentur-Manager" für dieses Projekt mal genau an - am besten mehrmals und bitte hören sie genau zu!

Mehrfach verspricht sich der Gute - und zwar immer in eine Richtung. Gleich anfangs spricht er beiläufig von einer Stationierung in mehreren osteuropäischen Staaten - das Stichwort Tschetschien fällt. Später noch einmal ähnliches: Georgien, Ukraine... Angesichts dessen und dem vorangegangenen kann der smarte General uns noch so oft erzählen "Das System ist defensiv... " wofür er dann noch das geadezu verräterisch lächerliche Argument anführt - die Hochkinetik-Effektoren der ABM seien allein schon deswegen defensiv, weil sie nicht so richtig "Bumm" machen.... (sprich keine Gefechtsladung haben).

Für das Abfangen startender Intercontinalraketen ist nämlich überhaupt kein "Bumm" nötig - wenn hier eine Masse von 50, 100 oder mehr kg mit extrem hoher Geschwindkeit einschlägt, reicht das völlig, um die Trägerrakete zu zerfetzen - denn die muss in der Phase eh schon froh sein, dass sie überhaupt fliegt - ausweichen gilt da nicht. Es stehen während der Startphase wenige Minuten für genau einen solchen "Impact" zur Verfügung - ab da ist die Trägerrakete selbst schnell genug und auch schon relativ weit von der Erdoberfläche entfernt, um dann noch auf diese Weise angegriffen zu werden.

Ich denke und hoffe - ich konnte selbst technisch weniger versierten Lesern klar machen, worum es hier bei diesem gespenstischen Theater überhaupt geht. Für den, der es immer noch nicht glaubt, habe ich noch einen.... Offenbar hatte man seitens der grauen Eminenzen, die die Verantwortung für diesen ganzen Unsinn tragen, die nun eingetretene Entwicklung unterschätzt. Eiligst wurde zur Beruhigung nachgeschoben - es würden ja "nur" 10 Raketen stationiert - und das sei ja schließlich der beste Beweis für die Harmlosigkeit und die aufrichtige Sorge der USA um die Sicherheit ihrer Bündnispartner...

Doch halt - wenn denn der Iran irgendwann im kommenden Jahrhundert ballistische Flugkörper samt Atomsprengköpfe wirklich einsatzbereit haben sollte - so werden das gewiss keine der hochentwickelten Sorte mit Mehrfachsprengköpfen sein, sondern eher die von der einfachen Sorte - eine Rakete = 1 Sprengkopf. Hier wirken nun satte 10 Abwehrraketen nicht wirklich als "Schild" - denn was macht dieser tolle Schild, wenn der Iran aus Versehen 20 von solchen Dingern gebaut hat?

Bei modernen russischen System aber ist davon auszugehen, dass 10 wirklich effiziente ABM einige Prozent des Nuklearpotentials Russlands zu neutralisieren vermögen - und falls man denn noch mal schnell 10 hinzumogelt das Doppelte .. usw... Klar - oder? Der von vielen todgesagte Clausewitz lebt. Eines seiner bekanntesten Paradigmen nämlich ist zu allen Zeiten wahr und richtig gewesen: Den Gegner darf man nie nach seinen Absichten, sondern man muss ihn immer nur nach seinen Fähigkeiten beurteilen. Im Abschreckungs-Szenario ist diese Maxime sozusagen überlebenswichtig.

Nach dem technisch-miliärischen Komplex bleibt noch ein Wort zu unseren hiesigen Politikern - auch und vor allem zu Herrn von Klaeden. Wer auch immer diesen Atlanikbrückenpfeiler in unser Parlament gewählt hat - er sollte es bitte nie nie wieder tun - und all die anderen seines Schlages nach Möglichkeit auch nicht. Wer sich derart offensichtlich und stets mit haarsträubenden Argumenten für seinen "Nebenjob" einsetzt, dem gerät halt zuweilen die Verantwortung, für die er eigentlich wirklich bezahlt wird, schon mal aus dem Blickfeld. Jedes Land braucht Politiker, die sich zuvorderst um die Belange der eigenen Gesellschaft - und nicht die irgendwelcher anderer - kümmern. Insbesondere dann nicht, wenn die sich selbst bestens helfen können. Soviel "Eigenverantwortung" muss bleiben...


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