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Gegendarstellung (Real-Satire) Diesem Stern-Beitrag des Monats Januar lag ein bedauerlicher Irrtum zugrunde und er wurde daher kürzlich vom Stern gegen dargestellt.  weiter...


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Geschrieben von Jürgen Scheffler   
Mittwoch, 21. März 2007

Nun - das Thema bleibt heiß. Die Drähte in den Hinterzimmern glühten - und es brach eine Medien-Kampagne gegen die Kritik an den US-Abwehrraketenplänen seitens SPD, FDP, Grünen und Linken los. "Na - wollen wir doch mal sehen, wem die Republik gehört..." muss wohl sinngemäß als Motto im Raume geschwebt haben. In nahezu allen Blättern der Nation wird mal in höherer mal in niedrigerer Konzentration abgrundtiefer Schwachsinn im Tsunami-Format über die Diskussion gegossen. Da möchte Ex-General und Konrad-Adenauer-Stifungs-Dozent Klaus Naumann am liebsten Generäle in der Politik sehen, weil die ja - dank ihres Sachverstands - alles besser machen würden. (Wann hätten Generäle in der Geschichte je irgend etwas besser gemacht?) Josef Joffe gibt sich derweil in der Zeit viel Mühe, gleich eimerweise Desinformation über Zusammenhänge in der Nulklearrüstung zu verbreiten, der Spiegel schmückt sich mit einer schicken Grafik zum Thema, die niemand - vermutlich nicht einmal der erstellende Grafiker - verstanden hat. Alle zusammen aber wissen sie Eines ganz genau: Die US-Raketenabwehr in Polen / Tschechien ist TOTAL harmlos für Russland. Wem dem so ist...

...wozu dann bloß die ganze Aufregung? Es dürfte ja wohl als einigermaßen gesichert angesehen werden, dass mit einer überhaupt existenten Bedrohung aus dem Iran auf absehbare Zeit nicht zu rechnen ist. Woher also diese Eile und Aufregung? Was spricht denn dann dagegen, sich unter "alten Freunden" hinzusetzen, und das Ganze in Ruhe und für die Öffenlichkeit transparent zu erörtern? Hat nicht die europäische Öffentlichkeit ein Recht darauf, dass entscheidende politische Weichenstellungen für die nächsten 5 Jahrzehnte eingehend und durchaus auch kontrovers diskutiert werden? Schließlich rühmt man sich in der NATO so ganz besonders des Wertes der Demokratie - und es steht doch wohl zu hoffen, dass damit nicht jene Demokratie gemeint ist, die man jüngst über den Irak brachte...

Für den kritischen Beobachter indes bleibt höchst erkenntnisreich, wie unsere Medienlandschaft mit alledem umgeht und vor allem - wer sich da so alles zu Wort meldet. Hierzu ein paar Beispiele:

Im Spiegel steht zu lesen, die kritische Parteinahme von SPD-Chef Beck gefährde die Politik der Kanzlerin. Manchmal scheint es ganz gut, die Politik der Kanzlerin zu gefährden - denn wäre es nach ihr gegangen, würde das Eiserne Kreuz heute schon im Irak seine Bahnen durch Wüste und Himmel ziehen. Ihre Kniefall vor der Politik des George W. Bush hätte Deutschlands Bundeswehr knapp 60 Jahre nach Ende des 2. Weltkrieg erneut eine Beteiligung an einem verbrecherischen Krieg eingebracht. Wie immer wenn die Luft bleihaltig wird, geht unsere Kanzlerin unter Hinterlassung nichtssagender Allgemeinplätze auf Tauchstation - um dann, wenn sich aus dem Interessengerangel im Hintergrund die Kontur einer vorherrschenden Richtung herauskristallisiert, wieder aufzutauchen und genau diese dann als entschlossene Führung zu verkünden.

Nun - zu unserem Vorzeige-Ex-General Klaus Naumann. Kohls Lieblingsgeneral hat sich als wackerer Kämpfer für Rückentwicklung in der Bundeswehr bereits höchst verdient gemacht. Er leitete ihren Umbau zu einer Interventionsarmee ein - die seiner Ansicht nach auch auf Präventivschläge einzustimmen sei, was nebenbei dem Grundgesetz in jeder Hinsicht widerspricht. Dies passt nahtlos zur Tonart seiner Politikerschelte und verrät einiges über seine geistige Heimat. Allein das Bild im Artikel scheint nicht so recht zum alten FAZ-Slogan passen zu wollen, dass hinter dieser Zeitung "..immer ein kluger Kopf stecke".

Die Intonation seiner Schelte gegen die Politiker ließ ja nun die Erwartung aufkommen, es folgen nun wichtige und womöglich sogar realtitätsbezogene Argumente. Doch weit gefehlt - das "Nur 10 Stück"-Argument jedenfalls kennen wir schon von Atlantikbrückenpfeiler von Klaeden und Kollegen. Dafür aber - Karneval ist leider vorbei sonst wäre jetzt ein dreifach donnerndes "Helau!" fällig - Spotlight auf sein Verständnis von der Beurteilung internationaler Interessen - Zitat: "....Wenn Russland behaupte, dass durch einen Raketenschild in Polen und Tschechien seine Sicherheitsinteressen berührt würden, grenze dies an eine unverschämte Manipulation der Öffentlichkeit..."

Bravo - so muss Politik heute anscheinend aussehen. Was russische Interessen zu sein haben, beurteilt natürlich nur ein rühriger Bundeswehr-Pensionär korrekt, der die einzig richtigen und wahren Interessen Deutschlands nicht zuletzt in Vorständen und Aufsichtsräten diverser Rüstungsfirmen verfolgt. Mit solchen Figuren an Spitze scheint Deutschland doch (endlich wieder?) alles möglich...

So können nur Menschen argumentieren, an denen Geschichte in großem Maßstab spürlos vorrüber gegangen ist. Dieser Umstand versperrt ihnen dann auch die Erkenntnis, dass die Interventions-, Präventions- und Säbbelrasselpolitik der vergangenen Jahre - geich wo angewendet - auf breiter Linie grandios gescheitert ist. So einfach abhaken kann man dies nicht - denn diese grob vernunftwidrige Politik kostete inzwischen unzähligen Zivilisten überall auf der Welt das Leben. Krieg war noch nie - und wird auch nicht zu einem Mittel der Politik, denn Krieg ist deren Bankrott-Erklärung, weswegen man Politikern zu Recht hohe Hürden für den Weg in diese Ausflucht errichtet hat.

Nun zu Josef Joffe - den man ohne Einschränkung als Amerika-Deutschen charakterisieren kann - und der unter vielem vielem anderem im Kuratorium der deutschen Niederlassung des stramm neokonservativen Aspen-Institute Berlin hockt. Dieser zaubert in seinem langatmigen Zeit-Artikel neben dem sattsam bekannten Propaganda-Geschwätz der USA eine Neuigkeit hervor: die "bösen" Russen würden planan, für 200 Mrd $ die Rüstungsspirale anheizen. Nun - wie wir in unserem Artikel darlegten - kann man ihnen angesichts der amerikanischen Pläne ein Motiv für diesen Schritt nicht unbedingt absprechen. Zudem: die 200 Mrd. $ wären - selbst wenn es so wäre - gerade mal ein Drittel dessen, was die USA derzeit Jahr für Jahr in ihre Kriegsmaschinerie pumpen.

Es ist wohl unausweichlich, der Frage mal nachzugehen, wie es sein kann, dass fast ausschließlich nur noch derat stramme Vertreter des ewig Gestrigen in unseren Medien zu Wort kommen. Irgendwie scheint da - wie hierzulande schon einmal - das eine oder andere im Medienbereich mächtig schief zu laufen und nicht nur dort. Längst machte man Deutschland zur Speerspitze der Zerstörung der modernen Gesellschaft in Europa. Europameister in Sachen Lohndrückerei, Sozialabbau und Ausverkauf unseres Landes gegen wertlose Dollar sind wir bereits schon und wenn es etwas gibt, wobei es einem eiskalt über den Rücken herunterläuft, dann bei den sich immer deutlicher herauskristallisierenden Parallelen zu den Zeiten vor der "Machtergreifung".

Geschichte pflegt sich vor allem dann zu wiederholen, wenn Menschen das Lernen aus ihr verweigern. Noch besteht Hoffnung, dass diese Entwicklung von der schweigenden (und zu erheblichen Teilen nicht wählenden) Mehrheit der Gesellschaft gerade hierzulande so nicht gewollt ist. Die historische Aufgabe Deutschlands kann doch nicht sein, zweifelhaften Strömungen wie jenen um George W. Bush blindlings hinterher zu rennen, sondern die eigenen zutiefst traumatischen Erfahrungen unbeirrt immer wieder zum Wohle von Frieden und Vernunft in die internationale Waagschale zu werfen...

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